TOBIAS RÜTHER, HELDEN: DAVID BOWIE UND BERLIN oder „HEARTWRECKER, HEARTWRECKER, MAKE ME DELIGHT…

… life is so vague wehen it brings someone new. This time tomorrow I´ll no what to do. I know it´s happened to you….“

Mit 14 bin ich auf Bowie gekommen. Wegen Anke. Für Anke war Bowie Religion. Mit 14 nimmt man ja Musik ganz absolut war wie beispielsweise auch Familiendramen. Es ist, wie es ist, man ordnet es nicht in einen größeren Kontext, es hat keine Vergangenheit oder Zukunft, nur Gegenwart. Der Bowie, den Anke mir predigte war der vor „Let´s Dance“. Es ging von Major Tom über Ziggy zum Thin White Duke und dem Pierrot der Scary Monsters. Ich kann die Texte dieser Periode immer noch auswendig, einst als Enigma, heute noch immer nicht ganz genau wissend, was der Mann da gerade erzählt. Aber, wie große Musik eben ist – sie vermittelt sich. Über Melodie, über Produktion („Textur“ würde 76-Bowie sagen), über den Einsatz der Stimme. (Hören sie sich die Originalaufnahme von „Heroes“ an und achten Sie auf den Stimmeinsatz – wie Bowie immer eindringlicher wird, und wie der Raum um die Stimme zum Ende hin wächst, mehr Hall, mer Nachhaltigkeit gewinnt. Seit dem im Titel genannten Buch weiß ich, dass man diesen Effekt erziehlt, wenn man die Stimme mit 3 Mikrophonen aufnimmt, in unterschiedlichen Abständen zum Sänger platziert. Da wurde kein Schalter mit „Hall“-Aufschrift hochgefahren.)

Zum Geburtstag schenkte mir meine entzückende Großcousine das Buch „Helden: David Bowie und Berlin“ von Tobias Rüther. Erst jetzt kam ich dazu, es zu lesen. And it blew me mind, allya. Es ist schlicht das beste Buch über Musik neben Graeme Thomsons Kate Bush-Biographie. Es widmet sich der Spanne, die Bowie in der Heroin-Hauptstadt verbrachte, nachdem er aus Koks-Bel Air geflohen war. Hier entstand das Berlin-Tryptichon. Low. „Heroes“. Lodger. Alben, die diesen ganz eigenen Bowie-Sound haben. There´s old wave, there´s new wave, there´s Bowie. So versuchte sich eine ziemlich verzweifelte Plattenfirma die Experimentalphase der Kollaboration mit Brian Eno, Tony Visconti (und im Falle „Heroes“, Robert Fripp) schön zu reden.

Das Buch nähert sich, wahrt Distanz mit Hochachtung, ohne aber auch auf unangenehme Details zu verzichten. (In seiner schlimmsten Drogenphase gab es Menschen, die sich vor Bowie körperlich ekelten und ihm nicht die Hand geben wollten.) Rüther gelingt das, was einen guten Musikkritiker ausmacht – man wird noch einmal neugierig auf diese Musik, seit drei Tagen höre ich das Tryptichon und lasse mich berauschen von diesen wohlfgefügten Kompositionen und Texturen. Darüber hinaus liefert Rüther einen Blick auf das Mauerberlin der Mitt-70er und macht dieses Zeitfenster der Insel Berlin lebendig.

Ein ganzes eigenes Kapitel widmet Rüther der Hymne „Heroes“. Ich musste weinen, als ich es las, so bewegt war ich. Und habe mich noch einmal komplett und ganz neu und frisch (und tragisch) in Bowie verliebt. Ein wirklich einzigartiger Musiker. Gerne wäre ich schon in Berlin (und geschlechtsreif) gewesen, als er mit seinem Fahrrad von der Hauptstraße ins Hansa-Studio radelte.

Danke Christina! Danke Thomas!

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