Kategorie-Archiv: Glam gruebelt

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Frühlingsputz auf Speed. War die Idee des Mitbewohners, und eine gute. Später kam ein weiterer Philosoph vorbei, den ich gern geheiratet hätte, aber geht nicht, er ist hetero, dann haben wir einfach Veggie-Burger gegessen und war auch schön. Dann haben wir abwechselnd in den frisch geputzten Räumlichkeiten und auf dem Balkon gesessen, ich durfte Rosa in das blaue Kleid einkleiden, es war ein bisschen wie mit Barbies spielen, und weil wir nicht müde wurden habe ich Rosa das Roses gezeigt, das immer noch funktioniert wie immer. Aber es wird gesundheitsbedingt eine Abwechslung bleiben. Ein Fremder hat mir Filter gekauft, war aber jung und schwierig. Früher ging das. Not now. Der Franzose mag mich, hat aber ein Problem mit meinem Outfit. Ihn als Nazi in die Wüste geschickt, wo er mich eigentlich nur hätte ausziehen müssen. Eben Abba Gold runtergeladen, ein bisschen mit der Mum geweint. Sonne. Blumen. Und die Tochter meines Patenonkels ist in der Stadt. Sie war die wunderbarste Begegnung nach der Beerdigung, beim Kaffee. So schön ist sie geworden; der gute Mensch, der sie immer war, hat sich sowas von an die Oberfläche gejubelt. Wie auch bei der geliebten ehemaligen Mitbewohnerin, deren Schönheit sich prompt auf ihre gerade 14 Monate alte Tochter übertragen hat. Und mit der man sprechen kann wie mit einem Menschen, der nun auch mal Mutter ist, aber trotzdem einen Gesprächsfaden zu Ende bekommt, auch wenn das Kind sich gerade einkackt. Und das Kind kann “Volker” noch nicht sagen, aber “Apfel” und “Glam”.

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DANDRUFF oder VOM MÖNCHISCHEM LEBEN

Der neue Mitbewohner ist so ganz mönchisch. Er mag klare Flächen, hasst rumstehende Sachen, rät, Ballast abzuwerfen. Ich lach dann ein bisschen, jedes rumstehende Ding hier hat seine Bedeutung, Erinnerung, das gehört nicht über Bord. Die Ego-Wall über meinem Schreibtisch, cluster-o-rama, ich mag nicht auf eine leere Wand starren, I want to see my brain as fucked overwhelmed as it is. Aber meinen Schreibtisch hab ich aufgeräumt!

Gestern die Nachricht vom Tod eines anderen Vaters, und zack, alles wieder da, man kann sich nicht wappnen, Trauer krallt sich fest, ist, wie schon Sydney sagte, nicht immer sichtbar, aber immer da. Wie Schuppen eben.

Aber: die Lieblingsmenschen eines Lieblingsmenschen kennen gelernt, und schon heute schreiben wir uns herzliche Nachrichten. Ca eine Stunde einem Baby beim Baby sein zugeschaut. Alle einvernehmlich: besser als eine Stunde Therapie.

Galina war da, und prompt füllte sich mein Herz. Und zu erfahren, dass mein Dream-Team für mich da ist, weil ein Sehnerv sich überrumpeln lässt und andere Hirn-Areale einfach seine Arbeit übernehmen, ääääätsch Schicksal, es ist wunderbar, alles in allem ist gerade zuviel von allem, heiße und eiskalte Tränen wechseln sich ab und David singt.

kein Wrack/ Havarie

Seit einem Monat die erste Nacht im eigenen Bett, sehr angenehm. Ich spüre, dass ich nicht einfach wieder da andocken kann, wo ich mich vor der Unterbrechung befand, und so hat eine eigentlich schreckliche Erfahrung einmal mehr ein gutes Resultat hervorgebracht. Es kann kein Schaden so groß sein, als dass er nicht noch einen Nutzen hervorbringt, hier hatte Opa mal recht. Ob ich wieder gesund bin, fragt mich jeder, und ich kann es nicht beantworten. Im Harz hat man einfach keine Tests mehr gemacht, eine einzige Blutabnahme, kein CT. Hätte ich nicht auch täglich diese Spritze zur Blutverdünnung bekommen müssen? Das Harz-Krankenhaus läuft nach seinen ganz eigenen Gesetzen. Und ich laufe mit einem Schmerz in der Brust, wo man laut Harz-Doktor gar keinen Schmerz empfinden kann. Und was nicht sein kann, kann nicht sein. Die Berliner Kardiologen würden schreien, wenn sie wüssten, dass ich nicht im Krankenhaus liege und keineswegs vier Mal täglich Infusionen bekomme, sondern lediglich drei Mal täglich oral Antibiotika einnehme, aber ich hätte keinen Tag länger in GS ausgehalten, wo alles so besinnlich begann und ebenso sinnlos abschmierte. Nun denn. Auf der Gneisenaustraße, kaum aus dem Auto raus, merke ich, wie ich mein Berliner Tempo wieder aufnehme, und wie das gar nicht geht. Nach 20 Metern bin ich kurz vorm Schnaufen, schalte ein paar Gänge zurück und spüre, wie ich gar nicht reinpasse, so verlangsamt. Aber es gibt gerade nichts, wofür ich mich beeilen müsste.

And the queer threw up at the sight of that

Spiegel Online sprengt meinen Safari-Browser und ich frage mich, ob das ein leiser Hack-Wink ist, der mich dazu bringen soll, mich aus dem Informations-Tsunami auszuklinken. Weshalb informiert bleiben, wenn ich doch keinen Einfluss nehmen kann? Wieviel will ich noch wissen? Ich bin, anders als Halb-Amerika, grundinformiert, gebildet, habe einen Überblick über die Weltgeschichte. Bin selbstgerecht. Letzteres ist aber Halb-Amerika auch. If you can´t fix it, Jack, you got to stand it. Ich versuch jetzt ein paar Tage ohne News, was an mir und allem nichts ändern wird.

Ignorance is bliss.

Immune to cuntsultations

Nachts aufgewacht, quite aware, dass es der Aszendententag ist, Geburtstagsgrüße an Die Drei verschickt und als nächstes prompt und zusammenhangslos gedacht, was das für eine Welt ist, ohne David Bowie darin. Bei allen Verlusten dieses Jahres tatsächlich der am Schwersten zu verkraftende. Dann “Changes” im Kopf, woraufhin obiger Titel entstand, noch ein Foto von der Wand in den Müll, nicht Papierkorb, sondern richtiger Küchenmüll, wo sich Pizzaränder mit Kippen und Weinflaschen treffen und eine Frau mit geschmacklosen grünen Handschuhen dies nun aushalten muss, bis ich morgen den Müll in die Tonne kippe. Bio-Müll.

Zwischen Geburts- und Aszendententag war ausreichend Zeit für eine Bestandsaufnahme. Eine ziemlich beschissene Strecke. Ich hatte angenommen, mir bei zu bringen, die Fresse zu halten, wäre eine Leistung. Ich pendele immer noch zwischen Aussprechen und selbst-verhandeln und habe keine schlaue Lösung parat.

So denn die Versicherung meine gekündigte Altersvorsorge zahlt, steht ein Urlaub an. Februar wäre ideal. Von den Kapverden kenne ich bislang nur die Salzinsel. Dieses Mal gerne etwas Vegetation. Oder eine Vulkaninsel, vielleicht lerne ich dann wieder kreativ zu brodeln. Vielleicht laufe ich dann auch dem Architekten aus Lissabon über den Weg, der mir 2001 eine langwierige sexuell übertragbare Krankheit verpasste und kann mich endlich angemessen bedanken.

Not a nice day. But it´s not a nice world in the first place. You´ve got to make “nice”. Again and again and again. I´ll go ahead and try. Again.

Lazarus-Dawn-Sunset

Nicht einmal amerikanische Musical-Stimmen und das Vibrato von Michael C. Hall kriegen den Bowie-Kanon kaputt, womit sich der Kauf des “Lazarus”-Albums gelohnt hat. Dies ist allerdings immer dann am Besten, wenn der amerikanische Schmonz wegfällt, bei “The Man who sold the World” und “Always crashing in the same Car” beispielsweise. Bowies Hinterlassenschaft überlebt. Whop bap bahoo.
Jetzt fiebere ich dem “Before the dawn”-Release entgegen, das 8minütige “King of the Mountain”, gestern releast, zeigt, was auf Live-Bühnen möglich ist und puts a bit of shame zu dem, was die Lazarus-Band an Atmosphäre erzeugt. The KT-Fellowship hat neu definiert, was geht. Vor zwei Jahren schon. Aber vielleicht ist es unfair einen lebenden Künstler, Kate Bush, mit dem Best-of-Karaoke eines körperlich verstorbenen Gottes zu vergleichen. Egal, ich tu´s trotzdem. Und räume auch ein, dass das sehr bewegende Cover von Kates “Army Dreamers” von Moddi ganz anders bewegt, als das Original, weil es sämtliche Theatralik über Bord wirft, die 1980 noch ein akzeptabler modus operandi war.

Ebenfalls entschlackt scheint die Lübecker “Sunset Boulevard” Inszenierung mit der Lieblingsdänin als Norma Desmond zu sein. Verzicht auf die vorprogrammierten Webber-Kostüme und Bühnenbilder, sehr gute Idee. Das Libretto, die Musik haben ausreichend Opulenz, da macht es Sinn, das Visuelle wegzuschmelzen und sich auf die Kraft des Stoffes und die Fähigkeiten des Ensembles zu erlassen. Can´t wait to see it!

Blut/ Wasser

Ende Mai erfuhr ich, dass das Buch, an dem ich gerade ein Jahr geschrieben hatte, unverkäuflich sei. Zu schwul. “Ein starker, berührender Text”, schrieb eine ehemalige Lektorin, aber eben leider nicht massentauglich, da es sich quasi um eine schwule Autobiographie handele. Dass eine, meine, Biographie zentral zum Thema ist – es handelt sich um ein Buch über Angst- und Panikstörungen, mache es schwer, einen großen Verlag dafür zu finden. Ein Buch über Ausgrenzung, das nun ausgegrenzt wird. Das sind die klaren Fakten des Marktes einer Gesellschaft, in der doch eigentlich alle Menschen gleich sind und in der Toleranz und Akzeptanz einen hohen Rang haben. Auch nicht ganz ohne Ironie, dass ein sehr geschätzter Kollege gerade mit einem Buch über Bipolarität abräumt. Da ist wieder dieses Gefühl, in die Ecke gestellt zu werden; der Beweis dafür, dass ich für mein So-Sein anders behandelt werde.

Das ging an meine Menschenwürde, in die Magenkuhle und mit nem Baseball-Schläer in die Kniekehlen. Das hat einiges verändert. Zunächst sagte ich meinen Geburtstag ab. Ich hatte nicht das Gefühl, dass man mich feiern sollte oder dass ich imstande sein würde die Liebe zu generieren, die eine Party benötigt. Ich verbrachte zwei Urlaubswochen auf meinem Balkon ins Leere starrend. Ich hatte einen Hass auf mein Leben, den auch mein Umfeld zu spüren bekam. Einige befanden, ich sei in mein Unglück verliebt, andere mutmaßten ich würde einen frühen Tod durch Alkohol sterben und inszenierten eine Intervention, die gut gemeint war, aber für das Ende zweier Freundschaften sorgte, denn lieber habe ich, dass man mit mir redet, als über mich. Die beiden waren weit über ihr Ziel hinausgeschlossen. Das Grundvertrauen, das die Basis jeder Freundschaft ist, ging dabei in die Brüche. Ich wurde vorgeführt und dann wurde noch nachgetreten. “Sie haben es doch nur gut gemeint” stimmt natürlich, aber woher kommt die Feindseligkeit, wenn ich nachfrage? Da muss ich Jahrzehnte lang ein sehr sehr schlechter Freund gewesen sein.

Und dann kam meine Mutter zu Besuch und wir begannen, eine neue Ordnung aufzustellen. Probleme, an denen ich jahrelang gescheitert war, wurden neu hinterfragt und wir fanden Lösungen. Ich erlebte meine Mutter nicht als Mutter, sondern als Freund. Und sie las mein Buch, in dem meine Kindheit in ihrer Obhut natürlich eine wichtige Rolle spielt. Ich hatte große Bedenken, dass sie mit der Darstellung ihrer Person nicht zufrieden sein würde. Wenn sie gesagt hätte “Veröffentliche das bitte nicht”, dann hätte ich das Dokument gelöscht. Aber sie findet das Buch großartig und ehrlich, und so hat sie noch keines meiner Bücher gelobt. Es stehen noch einige Rückmeldungen von Verlagen aus. Vielleicht macht´s ein schwuler Verlag, vielleicht werde ich zum Epublisher. Aber diese Phase, die alle Anzeichen einer schweren Depression hatte, und in der die Selbst-Sicherheit, die ich mir eh erkämpfen muss, vollständig abhanden gekommen war, ist abgeschlossen. Danke an alle, die es mit mir ausgehalten haben. Und vor allem meine Mom.

dust to dust

Abends fließt die Inspiration. Ich werde nachts wach und notiere. Tagsüber erscheint mir das Projekt als zu groß – ich weiß nicht, ob ich dem gerecht werden kann. Dann kommt noch die Frustration/ Trauer um das gerade Geschriebene hinzu, das es so sehr verdient, veröffentlich zu werden. Die bislang eingeräumten Zweifel, jenseits der begeisterten Probeleser, sind ein Piss-Strahl auf meine Lebensgeschichte, aber dies ist der Markt: “Zu schwul”. Für das Neue nun, das ein schwuler Porno-Zirkus werden könnte (und wird und muss), habe ich eine zentrale Heten-Verliebung eingeplant. And boy, they´re going to have a rough time. Aber solche Voraussetzungen, Voraussetzungen genormt, sind ein echter Stopper.

Es ist wie beim Putzen. Tust Du das eine Woche nicht, macht die zweite, dritte und vierte Woche auch keinen Unterschied mehr. Es gibt nur so und soviel Staub. Man könnte es also sein lassen. Habe immerhin ne Maschine Wäsche angeworfen.

tout seul et tout petit

Dann kommt die Einladung der M., ihr heutiges Konzert zu besuchen, und ich hatte das eh vage geplant, aber da liegt der Weg durch die ganze Stadt dazwischen, außerdem möchte ich nicht alleine gehen, sondern mit Frost, aber Frost ist in Murnau und die T., mit der ich auch gerne ginge, hat nen Kerl da und das ist Priorität, das weiß und respektiere ich. Der M. ist in der Stadt, zuletzt sahen wir uns beim Dolly-Parton-Konzerte, aber seit dem ich lose, hat er den Kontakt abgebrochen, und weil ich über seine letzten beiden Alben nix Gutes sagen konnte. 20 Jahre, time flies. Nach dem Konzert und dem vielen Wodka hatte ich einen bezaubernden Obdachlosen zunächst in den Busch um die Ecke, später nach Hause mitgenommen. In dem Busch habe ich meine gelbe Sonnenbrille verloren. Der Migi schrieb gestern sehr traurig, Tod im Freundeskreis, und schrieb nicht zurück auf meine Message, ich hatte Angst, und heute schreibt er, das Netz sei schwach an der Ostsee und er sei auf dem Weg nach Amsterdam, gutes Gras kaufen. An Saab-Bord ein Typ, den er im FKK-Camp an der Ostsee getroffen hat. Ich bin froh, dass er lebt und nicht alleine ist. Der E., mit dem ich letzten Samstag so viel Spaß hatte, ist in einer Beziehung und sein Mann ist gerade in der Stadt. Plus er hat nen Krampf in irgend einem Arschmuskel. Aber noch einsamer würde ich mich fühlen, ginge ich allein zu einem Konzert französischer Chansons.