Kategorie-Archiv: Crazy Ladies

Doctors, doctors

Beim Unfallchirurgen, bei dem ich mich alle 2, 3 Tage zum Verbandswechsel einfinden muss, hab ich ein gutes standing, weil mir die Sprechstundenhilfe beim zweiten Wechsel mit der Schere ins Ohrläppchen geschnitten hat, was bei mir zu einem lauten “EY – Vorsicht! Mein Ohr” und darauf folgenden Lach-Flash führte, slapstickmäßig unterstützt von ihr mit einem “OhmeinGott, das blutet ganz schrecklich!” Das nächste Mal, dass wir uns sahen: “Ich bin so froh, dass Sie sich trauen, wieder zu kommen, sowas ist mir aber auch wirklich noch nie passiert.” In der vermeintlichen Anonymität hauptstädtischer Vor- und Behandlungszimmer werde ich namentlich gegrüßt und meine Lieblingssprechstundenhilfe hat sogar ein flirtiges Lächeln für mich. Gestern hat dann auch sie den Verbandswechsel übernommen.

Beim Chirurgen habe ich nie länger als 15 Minuten gewartet, beim Psychiater vorgestern allerdings den Warterekord gebrochen. Termin 12.30 Uhr, raus aus der Praxis um 15.30. Das topt die Wartezeit in der Notaufnahme des Virchow um eine Stunde. Ich rufe dann eine halbe Stunde vorm Termin an, frage, wann ich denn wirklich kommen soll, und selbst dann ist es noch eine Stunde, die ich mit Wintermantelkauf verbringe. Tatsächlich abgesessene Zeit ist dann eine halbe Stunde. Mit “Terranauts” von T.C. Boyle erträglich. Der Doc freut sich über die jüngsten Entwicklungen und wir visieren eine Reduktion des Medikaments an, aber entspannt. Zum Frühling vielleicht.

Der Overkill an Wartezimmern in der letzten Woche hat zu einer Entspannung geführt, was die Unannehmlichkeit des früher angstbesetzten Raums angeht. Statt Alarmbereitschaft erlebe ich Genervtheit angesichts der anderen Patienten. (Also die gesunde Angst-Wut-Skala im Kleinen.) Da ist die Oma die laut Kekse knuspert, das Dreier-Team Prolls, die wegen des langen Wartens unaufhörlich und lautstark am Meckern sind. (Die betreten nachher, während mir Blut abgenommen wird, das Sprechzimmer tatsächlich zu dritt – Dr. W. muss noch Stühle schleppen -, was die Frage aufwirft, was wohl deren Problem ist.) Und die 70% Kopftuchfrauen über 65, die sich ihre Dosis Tranquilizer verpassen lassen, die es ihnen ermöglicht, das Leben in ihren Familien auszuhalten. Das einzige Mal, dass ich in ein leeres Wartezimmer kam, fragte ich überrascht die Sprechstundenhilfe “Was ist denn hier los?!” “Tja. Ist Ramadan.”

Falcon spirals to the Ground

The United States have been an integral part of my social and cultural make-up. I didn´t study English and American literature for no reason. The result of this election comes as a shock. Earlier this year, Brexit made me cry. And now. To comprehend that the majority of American voters chose this capitalist lying pig is another forceful blow to my ego and self. Culture thrives under adversity, I know that, and that´s my only hope in this real-life-hellish nightmare, but I would have wished for my American friends and family a country where sanity rules. Instead, the stupid people have found their voice and are not ashamed to use it. To shout shit. I´m crying as I write.

I know. We got through Reagan. We got through the Bushes. But. At. What. Cost. This is like a country has voted for Bugs Bunny or something. The world is deeply, deeply disturbed.

Speed, Madness, Flying Saucers

Eine dieser Nächte, um 4 Uhr wach, und mich selbst überrumpelt und getan, was ich seit Wochen mich nicht traute: “Ciao Manhattan” anzuschauen. Vorab mit allen Special Features, Interviews und etceteras angefangen, um bloß den Film zu umgehen, den ich zuletzt Ende der 80er sah, in einer deutschen Synchro, die tatsächlich “Addio Manhattan” betitelt war, das VHS-Cover so schlimm wie der Titel. Ud damals litt ich. Es war nicht der Film über mein Idol Edie Sedgwick, den ich hatte sehen wollen, sondern ein Trash-Letzter-Klasse-Indie, der meine Edie zu Grabe trug, 28 war sie. 30 Jahre später, nach langjährigem Konsum von 70ies Porn, dessen Stilistik mich im Vergleich zu aktuellem Internet-Porn begeistert, kann ich den Film anders beurteilen, ich sehe, wo er herkommt. Frage mich, ob er ihr würdig wird, aber nur kurz, die Antwort ist Jain, wir sehen einen Junkie in ihren letzten Monaten, eine Frau, die zwei Jahre lang fragwürdigen Ruhm als Warhol-Satellit genossen hat: jede andere Umgebung wäre ihr ebenfalls zum Verhängnis geworden, das weiß man wenn man ihre Biografie (Stein/ Plimpton) gelesen hat. Der Film ist und bleibt schlecht; die Motivation ihn nach drei Jahren Produktionszeit zu Ende zu drehen, mit einer Edie, die kaum noch einen klaren Satz heraus bringt, ist menschenverachtend. Dennoch ist “Ciao Manhattan” das Dokument einer Verwesung am lebendigen Leib, dem Zuschauen bei einem tiefen Fall ohne Netz. All das ist nicht was der Film wollte oder Edies Image generierte. Deshalb ist der Film so unerträglich, aber auf die beste Art und Weise. So einen Zustand wünscht man niemandem. Ihre Mikro-Karriere, anderthalb Jahre Factory-Star, blieb immer unterschattet und umwölkt von den Ausmaßen des Erlebnisweges, Kind einer American Horror Family zu sein. Schande ist, wie Warhol und später das “Ciao”-Filmteam das ausnutzte. Ich liebe Edie. Bekannterweise kann Glam ja gut mit schwierigen Menschen und hat Sympathien against better knowledge. Es sind nicht die schwierigen Menschen, die einem das Leben schwer machen. (Wenn man es nicht zulässt.) Ich hätte mit Edie keinen Film gedreht, sondern wäre mit ihr zum Arzt gegangen, immer und immer wieder.

Wie Iris sagt – uns bleibt die Stimme.

Taxes 2

Die Kuh ist mit ner Prellung vom Eis. Die Chefin hat sich eingeschaltet. Die 4000 waren eine Schätzung des Finanzamts. Fällig werden tatsächlich nur “4300 – äh, ich hab mich versprochen 1400 Euro. Und – die Chefin will Sie noch mal sprechen – ich verbinde.” Ich habe ab jetzt (und das wäre nach dem Versprecher des Herrn A. auch gar nicht anders möglich gewesen) einen neuen Sachbearbeiter. Und bin gespannt auf die Rechnung vom Steuerbüro, von der ich entstandene Kosten für geplatzte Lastschriften und Daueraufträge abziehen werde. Dann bräuchte ich noch eine Zusammenfassung der Misere vom Steuerbüro schriftlich, falls die Kreditkarte gesperrt wurde. Das Konto wird wieder geöffnet, der Differenzbetrag rückerstattet – schön wäre noch wenn man eine Zahlung der 1400 in zwei Raten klarmachen könnte. Und wenn das alles erledigt ist, dann freue ich mich sehr über Vorschläge, was ein vernünftiges Steuerbüro angeht. Die Chefin hat sich zwar bedankt, dass ich sie direkt angesprochen habe – “Machen sie das in Zukunft bitte immer, Herr Dick”. Aber was mir in der ganzen Angelegenheit fehlt – ein “Entschuldigung” seitens Herrn A., der mir das alles zum zweiten Mal eingebrockt hat. Das Wort Sorry fehlt mir, genau so wie eine Erklärung, wie es zu dieser Situation überhaupt kommen konnte. Von Steuerberatung kann ja wirklich nicht die Rede sein, geschweige denn von Steuererklärung, wenn die Erklärung gar nicht abgegeben wurde.

Außerdem hätte ich den Mittwoch gern zurück, nochmal von vorn und ohne all diesen Scheiß. Weiß jemand, wie teuer ein Mittwoch ist?

(Indes – bin durch den größtmöglichen Finanzhorror durch, ohne den Funken einer Attacke. Alles im normalen Wut- und Ausrastbereich, aber keine Panik.)

Newsletter Gottes

“Zitat des Monats:
Zwei Geschlechter sind das Grundprinzip allen Lebens
auf diesem Planeten. Die Ehe ist deshalb mit keiner anderen
Gemeinschaft vergleichbar. Wer alle Autos Mercedes nennt,
schadet dem Mercedes und hilft den anderen nicht
.
Ralf Schuler (*1965/**/) /**VATICAN 6-7/2015*

L. T., W.straße 0-0, 00000 Berlin,

Und noch was:

Haben Sie heute schon gesungen? Wenn nicht, dann gehen Sie doch einfach mal auf meine musische Homepage. Da finden Sie bunt bebilderte Anregungen zur Pflege Ihres Gemüts aus Liedern, Kirchenliedern und Opern, die Sie für Karten, Poster u.a. kostenlos ausdrucken können, und eine Einführung in Mozarts ZAUBERFLÖTE zum Singen und Spielen. ”
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“Bitte entfernen Sie uns aus Ihrer homophoben Mailinglist. Sollten Sie uns nicht aus Ihrem Verteiler entfernen, behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

Mit verständnislosen Grüßen,

i.A. Glam”

Hey ho Blackbird!

Vorgestern stand eine Krähe auf der Balkonbrüstung und schaute mich so nachhaltig an, wie Krähen das eben so tun. Ich weiß nicht, wer da gerade wen dressiert, jedenfalls holte ich ihr einen Hundekuchen und jetzt wissen wir also beide wie das Spiel geht. Wenn die Balkontür der großen blonden Krähe aufsteht, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es Hundekuchen gibt. Dann kann man da mal vorbeifliegen. Wenn die Tür weiter aufsteht, gibt es in der Regel Nachschub.

Die Meisen habe ich heute irritiert, weil ich den Meisenknödel umgehängt habe. Der hing direkt vor der Balkontür und die tschilpen mir zu aufgeregt, insbesondere kurz nach Sonnenaufgang.

Um mich nun noch intensiver an die Rolle der wunderlichen Alten anzunähern habe ich gestern erstmals Make up für die reife Haut gekauft. (Ehrlich gesagt nur, weil es Beige rosé nicht mehr in der Serie Perfect Match gab.)

blauäugig halt

Heute dann Marilyn-aus-dem-Altenheim überholt und deutlich gehört, wie sie den Rotz tief aus dem hintersten Rachen hochgezogen hat und dann in einem chriachhh-plotsch auf den Bürgersteig befördert hat. (Vielleicht mach ich das aber in dem Alter auch. Aber vielleicht auch nicht, weil es doch schön wäre, ein ancient Berlin eccentric zu werden, der sich auch noch dann schick macht wenn keener hinzuschauen meint.)