Son Belinda-Tag

Immer noch nicht geputzt. Aber festgestellt, dass sich im Kühlschrank und Regal ausreichend Lebensmittel befinden, um einen Gast zu bewirten. Getränke hingegen verkalkuliert. Fanta aus. Wein oder Wasser. Egal, für Verpflegung hat er seinen Partner. Ich bin Dessert. Und, ja – Wein, wenn Sie fragen.

dust to dust

Abends fließt die Inspiration. Ich werde nachts wach und notiere. Tagsüber erscheint mir das Projekt als zu groß – ich weiß nicht, ob ich dem gerecht werden kann. Dann kommt noch die Frustration/ Trauer um das gerade Geschriebene hinzu, das es so sehr verdient, veröffentlich zu werden. Die bislang eingeräumten Zweifel, jenseits der begeisterten Probeleser, sind ein Piss-Strahl auf meine Lebensgeschichte, aber dies ist der Markt: “Zu schwul”. Für das Neue nun, das ein schwuler Porno-Zirkus werden könnte (und wird und muss), habe ich eine zentrale Heten-Verliebung eingeplant. And boy, they´re going to have a rough time. Aber solche Voraussetzungen, Voraussetzungen genormt, sind ein echter Stopper.

Es ist wie beim Putzen. Tust Du das eine Woche nicht, macht die zweite, dritte und vierte Woche auch keinen Unterschied mehr. Es gibt nur so und soviel Staub. Man könnte es also sein lassen. Habe immerhin ne Maschine Wäsche angeworfen.

BENEFITS oder HIGH, FLYING ADORED

Die Entpuppung der letzten Wochen, das Abschminken und Bart weiß wachsen lassen hat zur Folge, dass ich gleich zwei Affären habe. Wofür ich mich moralisch nicht schämen muss, denn beide haben in offener Beziehung feste Partner. Ich krieg also den Sex, die charmanten Kennenlern-Gespräche, das Knistern. Die Partner haben sie dann für über Nacht und Montag morgen. Komm ich gut klar mit. Beide sind auch intellektuell mein Niveau und wir können lachen beim Sex. Sehr angenehm zu spüren, dass es das auch in diesem Alter, jenseits der Lebensmitte, noch gibt. (Früher waren mir offene Beziehungen suspekt, aber das Leben lehrte mich, dass es unter Männern kaum anders geht.) Anders als bei anderen Sex-Partnern sind diese beiden auch eine Bereicherung für den Freundeskreis. Wenn auch sonst gerade alles schief läuft – immerhin gibt´s Sex und Lachen. Als nächstes fang ich noch wieder an zu tanzen.

Das Gefühl von Liebe und Trieb hat sich längst entkoppelt. Aber beide sind noch vorhanden. Angenehm überraschende Lebenslektion.

Stechender Blick mal anders

Bei der T. vorbeigeschaut, da wurden gerade Altkleiderspenden auf ihre Verwertbarkeit überprüft. Bin nun im Besitz einer Witwe-Bolte-Perücke, eines Bambi-Tank-Tops und einer Mowgli-Hose. Alles so Sachen, die im Flüchtlingsheim eh nicht gehen. Ich vergaß den Kaftan, der ginge, ehrlich gesagt. Eine Stunde online investiert mit überraschendem Ausgang. Der Kerl, der ja sagte, war auch binnen einer halben Stunde hier. Und blieb. Und danach konnte ich nicht schlafen. In all den Jahren meiner sexuellen Existenz habe ich noch nie Sperma ins Auge bekommen. Aber gestern. Ins Gesicht ist ja porno-ästhetischer Standard und gehört dazu. Aber wenn man dabei zuschaut läuft man Gefahr – es ist für den anderen halt schwer zu koordinieren, insbesondere für Sprudler-nicht-Tröpfler. Bright eyes, burning like fire…

tout seul et tout petit

Dann kommt die Einladung der M., ihr heutiges Konzert zu besuchen, und ich hatte das eh vage geplant, aber da liegt der Weg durch die ganze Stadt dazwischen, außerdem möchte ich nicht alleine gehen, sondern mit Frost, aber Frost ist in Murnau und die T., mit der ich auch gerne ginge, hat nen Kerl da und das ist Priorität, das weiß und respektiere ich. Der M. ist in der Stadt, zuletzt sahen wir uns beim Dolly-Parton-Konzerte, aber seit dem ich lose, hat er den Kontakt abgebrochen, und weil ich über seine letzten beiden Alben nix Gutes sagen konnte. 20 Jahre, time flies. Nach dem Konzert und dem vielen Wodka hatte ich einen bezaubernden Obdachlosen zunächst in den Busch um die Ecke, später nach Hause mitgenommen. In dem Busch habe ich meine gelbe Sonnenbrille verloren. Der Migi schrieb gestern sehr traurig, Tod im Freundeskreis, und schrieb nicht zurück auf meine Message, ich hatte Angst, und heute schreibt er, das Netz sei schwach an der Ostsee und er sei auf dem Weg nach Amsterdam, gutes Gras kaufen. An Saab-Bord ein Typ, den er im FKK-Camp an der Ostsee getroffen hat. Ich bin froh, dass er lebt und nicht alleine ist. Der E., mit dem ich letzten Samstag so viel Spaß hatte, ist in einer Beziehung und sein Mann ist gerade in der Stadt. Plus er hat nen Krampf in irgend einem Arschmuskel. Aber noch einsamer würde ich mich fühlen, ginge ich allein zu einem Konzert französischer Chansons.

Sturm und Drang

Wollte auf Facebook das Fantasy-Filmfest verlinken, aber das Vorschaubild war ein hübscher blutverschmierter Kerl mit ner Axt auf der Schulter, schien passend aber auch unpassend.

Eine Freundin schreibt vom Werther-Effekt, an den denke ich auch die ganzen Tage. Selbstmordberichterstattung schafft Nachahmungstäter, deshalb immer diese Disclaimer abgebildet: “Wenn auch Sie Sorgen haben, hier ist die Nummer der Seelsorge”. Im Falle Amok nennen sie es Trittbrettfahrer. Nun ist es schwierig – man kann ja nicht nicht über Selbstmorde oder Amokläufe oder die Kombi – Selbstmordattentäter – schreiben, aber es wird zwangsläufig eine Abstumpfung stattfinden. Am Samstag saß ich mit einem sexy Israeli im Görli, noch schockiert von den Berichten aus München, da lächelt er traurig und sagt “In Israel it´s an every-kind-of-day thing.” Terror ist jetzt auch Teil unserer Gesellschaft. Die Todesart Amok-, oder Attentatospfer kommt jetzt dazu wie Autounfall oder freak-accident.

Auf die Frage, ob sie Sport treibe, hat Hildegard Knef einmal geantwortet “Ja. Ich laufe Amok”. Das kann man nun leider nicht mehr so unbefangen äußern. Ein bisschen Sport würde den Ego-Shootern, die begeistert über Columbine Winnenden Sandy Hook etc. etc. recherchierten und Bombenbastelanleitungen im Netz sammelten, vermutlich gut getan haben.

Very very.

Get thee to a library

Jetzt ruf ich meine Plattenfirma an, die können dann paar wilde Tiere ordern und Gondolieris. Und nachher treff ich nen Fremden im Park. Der kann sich dann gleich an verheulte Augen* gewöhnen und sich entscheiden, ob er ein Fremder bleiben möchte. Ich bring den Wein, er die Snacks.
Ingrid singt den “Trans-Europ-Tango”, Forscher fragen sich und mich, wann denn endlich mit der Entschlüsselung des Bewusstseins zu rechnen ist. Bewusstsein, nicht Unterbewusstsein. Ist nämlich so ne Sache. Zum Unterbewussten fällt ja jedem was ein.

Tagsüber kreischen Kinder im Hinterhof, nachts Besoffene auf der Wiener Straße. Immer was los hier. Mini-Terror hier, Maxi-Terror everywhere. Gestern ein Auto mit dem Kennzeichen B 5 gesehen, ist sehr aggressiv gefahren. All I want is a little bit of peace and quiet.

*”The Normal Heart” und “Philomena” im Double feature.