Get thee to a library

Jetzt ruf ich meine Plattenfirma an, die können dann paar wilde Tiere ordern und Gondolieris. Und nachher treff ich nen Fremden im Park. Der kann sich dann gleich an verheulte Augen* gewöhnen und sich entscheiden, ob er ein Fremder bleiben möchte. Ich bring den Wein, er die Snacks.
Ingrid singt den “Trans-Europ-Tango”, Forscher fragen sich und mich, wann denn endlich mit der Entschlüsselung des Bewusstseins zu rechnen ist. Bewusstsein, nicht Unterbewusstsein. Ist nämlich so ne Sache. Zum Unterbewussten fällt ja jedem was ein.

Tagsüber kreischen Kinder im Hinterhof, nachts Besoffene auf der Wiener Straße. Immer was los hier. Mini-Terror hier, Maxi-Terror everywhere. Gestern ein Auto mit dem Kennzeichen B 5 gesehen, ist sehr aggressiv gefahren. All I want is a little bit of peace and quiet.

*”The Normal Heart” und “Philomena” im Double feature.

Do and be done with me.

Die Geburtstagswoche war ja schon schlimm, aber die Urlaubswochen stehen in kaum etwas nach. Das worst case scenario finanziell ist erreicht, Schicht, aber immerhin nur noch 200 Euro Steuerschulden. Kein Wassertag, außer heute, aber heute bin ich zu panicky wegen einer OP morgen. Frisch operiert dann auch wieder wasseruntauglich und ich lese so charmante Utopien wie “High Rise”, oder Tränenquetscher wie “The Illusion of Seperatedness.” Ick seh Sonne aber keene Sonne. Die Party bei der lieben T. hab ick sausen lassen, weil ich absolut nichts Schönes zu erzählen habe. Aber immerhin kann ich mich hier vor lauter Unbekannten auskotzen, ist ja auch was. Danke, und verzeihen Sie.

Das Alarmsystem ist in overdrive. Icke, schwer behindert. Und sollte es vielleicht einsehen komma dass, denn Stolz ist Stolz und Krankheit ist Krankheit. Und natürlich weiß ich, dass ich mich selbst torpediere, wenn die Mittel zur kurzfristigen Erleichterung kurzfristig befriedigend abrufbar sind und ich sie in Anspruch nehme. Na, wenn Sie mal in die Situation kommen, werden sie wissen, was ich meine.

Der M. schreibt gerade, dass er es nicht nach B. schafft. Sag ich, ist okay, Du bist eh 2 Wochen zu spät. Und ausserdem können wir nicht ficken. (Taten wir das letzte Mal auch nicht, aber das war eine Respektserweisung und Vorsichtsmaßahme, weil ich nicht sicher sein konnte, ob ich gerade toxic bin (ich war).)

Jetzt freu ich mich an der Tatsache, dass ich heute auf meinem Pueblo-Päckchen den nackten, angeblich impotenten Mann habe und nicht einen abgefaulten Fuß o. Ä.

So co-ho-ho-hold

Beim Psychiater die meisten Fragen falsch beantwortet. Ich wollte nicht mit einer Depressions-Diagnose aus der Praxis. Ist ja auch keine Depression, ist Leben, ist alt werden, ist nicht zu bekommen, was ich will. Die Urlaubswochen dann auch ausgerechnet in einer nicht-Boot-Phase gewählt und den einzigen Tag auf dem Wasser mit meinem 19jährigen Kumpel verbracht, damit ich mich so richtig alt fühlen kann. Sich gehen lassen mal sprichwörtlich betrachtet, wenn man von sich weg ist, dann muss man auch nicht Staubsaugen/ Essen/ auf sich achten. Es ist gerade ein Zeitraum, wo keinerlei Energie mehr da ist, wo ich stolz bin, dass ich Öl auf den Wagen nachfülle, weil die Öl-Anzeige seit einer Woche blinkt. Wenn ich nachts aufwache schau ich mir Filme aus den 30ern und 40ern an und langsam gehen sie mir aus.

Samstag dann zusammengerissen und auf´s Tempelhofer Feld. Mich dort hingesetzt, wo schon zwei rote Kleider versammelt waren. Und dann zugeschaut, wie die Cathys kamen, zu Fuße, auf Rädern, eine auf Skates. Als die Proben anfingen, waren es vielleicht 200, beim eigentlichen Auftritt geschätzte 800. “Wuthering Heights” am 16.7.16 ca 3 Dutzend Mal gehört und einen Bogen geschlagen bekommen, nicht nur zu 1978, sondern auch zu Iris und Julia und die Festival-Atmosphäre genossen, sehr gern die Fragen von Touristen beantwortet, was es mit den Frauen (und Kerlen) in den roten Kleidern auf sich hat. Ein Tribut. Ohne Sinn und Zweck, wenn das Leben und die Liebe und der Mut keinen Sinn und Zweck haben. Freude zelebrieren, Teil einer friedvollen Gemeinschaft sein, sich dem Hass entgegenstellen. Rote Gespenster, ohne jede Bombenweste, einzig da, um den Geliebten heim zu suchen, um die Liebe einzufordern, aus einer kalten Geisterwelt heraus. Jetzt hab ich es auch noch geschafft, einem wirklich freudvollen Nachmittag ein bisschen Melo anzuhängen, aber ist leider gerade so. Dann Pommes und Bier im Schatten, die jungen Spanier bewundert mit ihren asymmetrischen Haaren und in roten Kleidern, eine Gruppe Neo-Glam-Punks mit aschfahler Haut und Neon-Haaren, das Rentner-Ehepaar mit Kaffee und Kuchen neben uns.
“Ist scheiße, das älter werden, oder?” Fragt Iris und kennt die Antwort.
“Ja. Es ist übel.”

<3

Eine Woche lang in den Schlaf gekuschelt worden. Arm in Arm gelaufen oder Händchen haltend. Zwischendurch ein kurzer Flash, ob es nicht besser wäre, das zum Ende zu bringen, weil ich die Abschiede immer so schwer verkrafte. Das dann aber ganz schnell für ganz blöd befunden. Und jetzt ist er wieder auf der Reise, mein Faerie-Bro-Nomade, und anstatt mich zu ärgern, dass er weg ist, freu ich mich auf den Tag, an dem er wieder da ist. Unsere Beziehung ist in meinem Leben sprichwörtlich einzigartig.

Wenn´s in diesem Land so weitergeht, dann wäre Kanada eh eine Option.

True Colors shining through

Mit dem Miggi durch die Stadt im britischen Saab, zunächst zum Autorenfest, das dieses Jahr nicht am See sondern in den Agenturräumen stattfindet, dort Treffen mit alten Bekannten und neuen Schriftstellern, die spannende Veröffentlichungen präsentieren. Das Buch wollte ich stehlen, aber es war seine Erstausgabe, sowas ist heilig, nun freu ich mich auf den 11.7.

Weiter zum Brandenburger Tor, das mit knapp einwöchiger Verspätung, und auch nur auf Privatinitiative, in den Regenbogenfarben angeleuchtet wird. Ein unglaubliches Wir-Gefühl mit vielen Tränen aber auch einer enormen Wirkmacht. Auf Regierungen, Ämter und Politik ist kein Verlass, man muss die Dinge selber in die Hand nehmen. Und mit ein paar Tausend anderen gemeinsam “Somewhere over the rainbow” singen. Für die gefallenen Brüder und Schwestern in Orlando. 40% der Deutschen wären sehr angewidert gewesen, von der großen Welle der gleichgeschlechtlichen aber übergreifenden Liebe, die da pulsierte. Habe ich schon erwähnt, dass ich mein Land nicht mehr mag? Aber meine Leute:

Mit zweien meiner Leute über den Flowmarkt, einen Kaffee auf dem Bordstein, einen Wein am PL-Ufer. Nachmittagssschlaf, aus dem ich erwache, als der Miggi sich zu mir legt. Er durfte dann auch sein Kapitel in meinem Buch lesen.

Von der Schwester bekam ich ein Wunder zum Geburtstag geschenkt. Angesichts dessen flossen noch mehr Tränen, aber schöne Tränen.

And here you can spot the Dick.