GRUND, LOS oder TAPFER LEBEN

Beim aus dem Haus gehen, die 5 Treppen runter, werden die Kniee weich. Angst. Irrational. Weitergehen. Geht doch. Das war doch höchstens ne 10 von 100. Ach was. Ne zwei.

Dann der Stau. Tolle Idee, zum Paul-Lincke-Ufe zu FAHREN, wenn die halbe Türkei unterwegs ist und Soldaten den Kottbusser Damm abgesperrt haben. Allein um das verschissene Tor fahre ich 20 Minuten, und das auch nur, weil ich Wagen mit touristischen Kennzeichen die Vorfahrt nehme und laut FUCK YOU FUCK YOU schreie. Als Bomec zu mir in den Wagen steigt bin ich schon Berserker, in einer Verfassung, in der ich nicht einmal das Geschenk auspacken kann, das er aus Mexico mitgebracht hat. Als wir endlich einen Parkplatz gefunden haben, bin ich immer noch im Schreimodus, der Arme bekommt alles ab, und nein – dies Café geht nicht, die anderen Leute sitzen zu nah, das andere – nein, auch Menschen zu nah dran, schließlich finden wir eins, wo mindestens zwei Tisch Abstand zu Menschen ist, das geht gerade so, und doch denk ich bei jedem Wort – wenn das jemand hört, jetzt biste wieder jemand, dem Du nicht zufällig am Nebentisch zuhören möchtest.

Stunde später betrete ich meinen Stamm-Getränke-Hoffmann und mach den langen Weg zur Coke Light Lemon und da geschieht es wieder, Knie weich, nicht nur Knie, alles in mir geht irgendwie SLACK, dann, als ich den Weg von der Light Lemon zum Nuviana mache, setzt das Herzrasen ein, Zittern durch den ganzen Körper, die Erkenntnis, dass eine 70 im Anmarsch ist, eine komplett aufgerüschte Panikattacke, mit allem drum und dran und Kerzen drauf. Es wird dann doch eine 75 (10 unter in Ohnmacht-fallen) und ich schmeiß das Wechselgeld einfach in die Tasche, weil die Hände so zittern, dass sie das Portemonnaie verfehlen würden. Draußen ringe ich um Luft, hasse mich, schäme mich, all das, was so auf eine Attacke folgt. Frage mich, wie ich es jahrelang gemanagt habe, kenne das Rüstzeug nicht mehr, weiß, dass es die Lebensumsände sind, die Aushöhlung, slippage.

Montag: Arzt. Heidi anrufen, ob sie einen Platz frei hat. Und wenn nicht, dann nehm ich Luckys Angebot an, eine Heidi-Sitzung an mich abzutreten.

Der Tag vergeht mit Frustration und Scham, die ich rational nicht spüren sollte. Scham ist die hässliche Cousine von Selbsthass, ihre Mutter aber die Lieblingsschwester der eigenen Mutter. In meiner Familienaufstellung also die böse L. Sie hat hier nichts verloren.

20.30 Uhr. Ich schließe das Tor zum Haus auf. Weiche Knie. Ich geh in den Hof, merke, dass es wieder losgeht, das gab es noch nie, der Heimweg war immer sicher, ich geh die Treppen hoch, eine 10 wird zur 15, als ich in die Wohnung komme bin ich bei einer 20, die schrecklich ist, weil meine Wohnung eigentlich immer saftey zone war, aber das hat sich vor knapp einer Woche offenbar geändert. Ausweitung der Panikzone, Willkommen daheim.

Montag: Arzt. Heidi anrufen. Und Dank an die, die das alles gerade mitaushalten, Bomec, Lucky, Roomie. Love you.

2 Gedanken zu „GRUND, LOS oder TAPFER LEBEN

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