DIE SELBSTMÖRDER oder CARA NOIA, COLA ROID

Wie sie da in Reihe stehen, sich aneinander entlang schieben, zögerlich. In ihren beigegraus, asphaltgraus, mit Kleidung, die ihnen anliegt wie eine zweite Haut, eine feine Kruste, wie Zeichentrickgestalten faltenfrei. Sie sind nur von hinten zu sehen, die müden Dutte der Frauen, die Männerhaare schroff, mehr barbiert als frisiert. Früher Tonfilm. Im nächsten Raum läuft ein Fragment, das aus einer Verfilmung der Dreigroschenoper sein könnte. Eine Frau tiriliert, soubrettiert, sieht aus wie ein weißer Kanarienvogel in der Grube einer Berliner Restauration, zu weiß für das Filmmaterial – ihre Oberfläche zerfasert. Von ihrem Gesicht ist nur das Aufgemalte erkenntlich. Mit einem Pfauenkopfschmuck schiebt sich Grustav Gründgens durchs Bild – immer an der Wand lang. „Ihrer wird man bald überdrüssig sein, aber die schönen Stimmen, die Sänger!, die holt man immer wieder.“
Es fällt ein Satz, der einen aufweckt den man notieren muss, damit er nicht vom Wiedereinschlafen gefressen wird. Später wird man feststellen, dass man das Aufschreiben auch nur geträumt hat, denn da liegt kein Notizbuch neben dem Bett. Doch warum ist der Füllfederhalter leer?, am nächsten Tag? Noch später wird man den Kalender öffnen und kopfüber auf den Adressseiten X-Z wird man, wenn auch schwer entzifferbar, den folgenden Satz vorfinden: „wer eher weiß, wie´s später ausschaut, war früher schon mal da.“ Das „a“ in „da“ kann man nur erahnen, es ist farblos mit der leeren Feder in das Papier geritzt.

Ein Gedanke zu „DIE SELBSTMÖRDER oder CARA NOIA, COLA ROID

  1. Roulette

    Abfotografieren – den Satz! 🙂

    Ich sammle seit Jahren Zettel. Große Blätter, kleine Blätter und irgendwann in einer ruhigen Minute wird aussortiert. Mit der Bloggerei hat sich das etwas beruhigt. Mein damaliger Freund fand das furchtbar, vor allem dieses Nachts aufstehen und schnell nen Zettel suchen und den Satz, den einen grandiosen Satz festhalten.

    „Was soll das? Was machst du da? Was bringt das?“ Blöder eifersüchtiger Photograph, der er war … 😉

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