FUCKING GLAM oder THE TURKISH SPRING OF MISTER DICK

Das Kopfkissen hat neue schwarz Flecken, die glitzern. Das Beistelltischchen neben dem Bett ist umgefallen. Rechts neben dem Bett ein gebrauchtes Kondom, links auch.

Die Küche sieht aus, wie nach einer Studenten-WG-Party, die in Streit endete, so dass niemand zum Aufräumen abkommandiert werden konnte.

Was zuvor geschah:

Im Ronsons fehlen mir die altmodischen ausgedruckten schmuddlig-fleddrigen Listen. Ich will vor meinen Augen 20.000 Lieder sehen und so meine Auswahl treffen. Nicht per Navi. Aber. „Das sind meine Gäste“ hat der Chef gesagt und so ersparte man uns den Eintritt. Das Ronson ist liebenswert, aber auch edgy. In allen drei Locations, von der Kopernikus übder die Lübbener bis zur Warschauer, sind mir schon seltsame Dinge widerfahren. Nach dem schlafarmen Vortag vertraue ich einem Impuls und gehe frühzeitig. Eigentlich nach Hause, aber im Taxi entscheide ich mich um. Wenn ich eh schon geschminkt und draußen bin… So fahre ich dann in einen Laden, wo schon wieder das Becks Gold aus ist – eine Flasche erwische ich gerade noch und später schaue ich neidisch auf die meines Nebenmannes an der Bar, den ich in ein Gespräch verwickle, weil man das hier so tut. Irgendwann ist es ein anderer, nennen wir ihn Pjotr. Er hatte vor ein paar Jahren mal was mit einem Freund von mir und ich hatte mich immer gefragt warum, er ist anstrengend (wehe es schnaubt jetzt jemand) und sooo attraktiv nun auch nicht, aber irgendwann bin ich in seinem Romeo-Profil gelandet und er hat einen wirklich bemerkenswert schönen Schwanz – lang, dick, dem Körper gegenüber überproportioniert, was man halt pornös so geil findet. Aber auch an diesem Abend ist der Typ, der an dem Schwanz dranhängt, einfach nur anstrengend, da wird nix draus, es wird langweilig, Gott sei Dank schafft jemand chemikalisch Abhilfe, Danke, mmmmh. Yes! Roomie müsste jetzt hier sein, denke ich mir, und er steht wenig später neben mir, wir unterhalten uns mit der lesbisch veranlagten Frau rechts von mir, bekommen Biere vor uns hingestellt und irgendwann, nach Abklingen der zweiten chemikalischen Nachhilfe, holt mich die schlaflose Nacht vom Vortag ein und ich verschwinde, mit einem halbvollen Bier in der Hand. So ein klitzeklein bisschen torkelnd, was soll´s es ist halb 5, mach ich mich auf den Heimweg. Zwei Hausnummern vor meiner überhole ich einen Türken, nicht wirklich attraktiv, aber auch nicht hässlich. Er schaut mir in die geschminkten Augen. „Ich will Dich“, sagt er, und ich denke, besser Sex als kein Sex, und so greif ich nach ihm, wir küssen uns auf der Straße, am Tor, dann nehm ich ihn mit in den Hinterhof. Mir fällt noch ein, dass meine Nachbarn eine Party hatten oder vielleicht noch haben, aber egal, nach einigem Geküsse hole ich seinen Schwanz raus und blase ihn. Und werde langsam aber sehr geil.
Eigentlich hatte ich mich auf das typische Kreuz-Türk-Programm eingestellt – man schaut den Schwanz des anderen zwei Sekunden streng an, dann kommt er. Der, den ich im Mund habe, hat aber noch nicht genug, also nehm ich ihn mit nach oben.
„Ich schlafe heute hier“, sagt er zu mir. Und ich sage „Nein, das wirst Du nicht.“
„Kondom?“ fragt er als nächstes und so beginnen ein paar Runden Rumficken, gar nicht schlecht, ich rechne jede Minute mit seinem Kommen, aber es bleibt aus. Während er mich fickt, positioniere ich ihn so, dass ich eigentlich prostatisch kommen müsste, komme aber nicht, dann hole ich mir einen runter, während er weiterfickt, und irgendwann, ich muss ja auch mal schlafen, komme ich und er fickt weiter und weiter und findet kein Ende, und noch einmal face to face und noch einmal doggy und dann zieh ich ihn raus und fange an, die Verwüstung des Zimmers in den Griff zu kriegen, die Sachen aufzuheben, die beim Sex irgendwie vom Nachttisch gefegt wurden, und er schaut mir zu und holt sich einen runter und kommt in drei enttäuschenden Klecksen.
Ich verabschiede ihn, zieh meine Schlafhose an und 5 Minute später ist Roomie auch zu Hause, und glücklicherweise ist er dem Ficker nicht im Treppenhaus begegnet, er war echt nicht so wahnsinnig attraktiv.

„Wenn Du kommst – kommst Du dann eher so tröpfelnd oder mehr so wie ein Springbrunnen?“
„Springbrunnen. So pchiuuuuu!“
„Ich auch. Es ist ein Drama mit den Kopfkissen. Aber so viel schöner, als wenn das alles nur so rauströpfelt. Was anderes. Haben wir noch Zigaretten?“

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