Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

MY NAME IS NOT SUSAN

Eigentlich nichtrauchende Kollegin J. steht am Fenster und raucht.
„Hey J. – Du kannst doch nicht rauchen!!“
„Ich bin nicht J. Ich bin Britta.“

So handhabe ich das vielleicht auch. Multipel ist ja eh das neue bulimisch. Andererseits ist Sucht wegen Macke vorbei. Mal schauen wie sich´s anfühlt.

THE PAIN

Entweder ich bin vorgestern nacht aus dem Bett gefallen und habe dabei ein Möbelstück umgerissen oder ich war schlafwandelnd unterwegs und habe einen Tritt in die Seite und den Rücken bekommen. Jede Bewegung nach rechts verursacht stechenden Schmerz in der Brust. Tiefes Atmen ebenfalls. Lange Sätze sprechen – the same. Bleibt also – im Sessel sitzen und Maul halten, wo ich mich eigentlich bewegen sollte. 300 Kalorien verbrennt man durchs Rauchen, ich nehme also seit Sonntag täglich 300 Kalorien mehr zu mir und das gefällt mir nicht.
Die Schmerzen haben den positiven Nebeneffekt, dass ich mehr an sie und weniger ans Rauchen denke. Nach all den positiven Affirmationen, die nur so la la funktionieren, hat es mir wirklich geholfen, einen Blick auf eine Raucherlunge zu werfen. Dieses Bild sollte ich mir auch vor Augen halten, wenn ich zum Nutellaglas greife. Es raubt einem nämlich schon den Appetit.

GLAM OHNE FILTER

Der gestrige Abend war nikotinfrei völlig einwandfrei. Heute – constant craving. Aber jetzt einknicken steht nicht zur Debatte.
Sagt man nicht immer, dass die Menschen alle aufblühen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören? Ich nicht. Ich seh fertig aus. Und fühle mich innerlich ausgehölt. Wenn man etwas sein lässt, was man die meiste Zeit seines Lebens stündlich getan hat – Kinder, das ist SPÜRBAR.

So ne Art Heimweh. Absurd.

ELFENKLATSCHEN oder SUCHTARBEIT

Das Nichtrauchanleitungsbuch von Carr finde ich übrigens völlig überbewertet. Mir ist in Erinnerung, dass er ständig von der inneren Bestie spricht, der Rauchgier also, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es gesund ist, eine kleine schwarze Bestie im eigenen Körper zu visualisieren. Dann hätte man sich den Krebs ebenso gut mit dem Rauchen holen können. Was mir hilft:
– es gibt kaum etwas, das durch tiefes Durchatmen nicht ein klitzekleinwenig erträglicher wird.
– ans Geld denken
– dass sich mein Zahnfleisch ungeräuchert schon nach einem Tag besser anfühlt.
– dass ich für das Oralerleben keine Alternative suche, wie Kaugummis oder Mohrrüben oder so. (Außer Blasen).
– dass ich etwas so Irrationales wie das Rauchen, das ich immerhin 25 Jahre getan habe, durch eine Entscheidung einfach sein lassen kann. Jeden Tag, den ich das durchhalte, bin ich ein Gewinner. Was ich da noch alles für Entscheidungen treffen könnte…
– ich denke an meine Tante L. Ich hatte mich immer gefragt, weshalb ihr Mund irgendwann so eingefallen wirkte. Das kann schon mal passieren, dass das Zahnfleisch schwindet und die Dritten bei einer Schwerstraucherin dann etwas anders sitzen als das normale Gebiss.
– dass es für mich absolute höchste Zeit war. Ich meine, wenn selbst Amy Winehouse in Rehab geht…

Und wenn ich jetzt dieses Ziehen spüre, das dem Anzünden einer Genusszigarette vorausgeht, dann stelle ich mir Tinker Bell vor, wie sie mit dem Arsch wackelt, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, und dann geb ich ihr einen Klapps auf die Finger und atme tief durch.

DON´T GET NO SATISFACTION FROM YOUR CIGARETTE, IT´S 10 TO 10, TIME IS RUNNING OUT

Schon einen ganzen Tag lang durchgehalten. Der Kreislauf hat sich doch arg gewundert, was ihm da abverlangt wird, denn das Nikotinpflaster war schon 2006 abgelaufen. Zwei Zigaretten habe ich geraucht – die Honeysuckle-Abgewöhner, die mir Pheerce freundlicherweise in die Hand gedrückt hatte. Ohne die Suchtstoffe macht es nur noch viertel soviel Spaß. Trotzdem fehlt mir gerade jetzt die Geste an sich. Schreiben und Rauchen gehörte zusammen. So wie Fernsehen und Rauchen, Auofahren und Rauchen, alles-außer-Duschen-und-Rauchen. Selbst zum Sex gehörte die Zigarette danach. Ich höre ja nicht auf, weil ich so ungern geraucht habe, sondern, weil der Körper sich gegen die Zigaretten wehrt. Und ich empfehle niemandem aufzuhören, sondern beneide diejenigen, die es sich gesundheitlich leisten können.

Ich freue mich nun erstmal auf die Ergebnisse der nächsten Zahnreinigung. Auf das Geld, das ich sparen werde (ich habe am Samstag schon in eine Zigarettenhose investiert). Darüber, dass der Staat weniger an mir verdienen wird – es waren ja nicht nur 4 Euro Unkosten pro Tag für mich, sondern auch ca 2,- Euro Tabaksteuer täglich. Ich bin mir ungewohnt und ich habe mich überrascht. Es ist sicher nicht einfach, dieses Aufhören, aber bei weitem nicht so übel wie bei meinem ersten Versuch vor zehn Jahren. Ich würde gerne maßvoll mit Zigaretten umgehen können, aber das ist mir nicht möglich, also muss ich es sein lassen. B.a.w. One day at a time.

„Lock up all your memories
Get outa here, you know
that we can run…“

GLAM PLANT

Interessanter- und erstaunlicherweise denke ich nicht die ganze Zeit an Rauchen. Ich denke auch ganz viel an Sex. Und werde damit ein Vermögen machen, denn das wird ein tolles Buch: „Blasen statt Qualmen – so Ficken Sie sich rauchfrei“

Kapitel 1: „Stangen statt Schachteln“

Ich mach das jetzt mal.

WENN ICH DAS SCHAFFE, DANN WIRD´S MIR AUCH FRÜHER ODER SPÄTER GELINGEN, MIT DEM BLOGGEN AUFZUHÖREN

So. Aus dem Augenwinkel rechts sehe ich eine rote Plastikoberfläche. An der wäre nicht auszusetzen, nur, dass auf ihr sonst der Aschenbecher steht. Stand. Hm. Es ist halb 2 und ich habe noch nicht geraucht. Doll, ne? Bin aber auch erst um 10 nach 1 aufgestanden. Die letzte Zigarette habe ich im Roses geraucht, ja, lieber rauchender alkoholischwuler Leser – im Roses haben sie das mit dem Verbot wieder aufgegeben, bis auf weiteres, jetzt ist da aber auch ein ganz anderes Publikum. Rauchtouristen. Das Roses ist ein billiges Stundenraucherhotel. Egal. Schöne Menschen gab es ja ausreichend auf der Party des Raketenprinzen. Der Roses-Chef trägt jetzt IMMER eine Zigarette in der Hand, wie sonst nur Prinzessinnen ein Diadem und Tanzschulabsolventinnen einen Pubertätsblume und eine Akne. Die Zigarette ist der neue Palistinänserschal. Und gerade da fange ich an aufzuhören damit. Ja. Glam beraubt sich freiwillig eines Trendobjektes. B.a.w. jedenfalls. Ich kann für nichts garantieren, vielleicht steh ich in 3 Minuten ungeschminkt und barfüßig im Kiosk und erstehe Chesterfield Lights, aber gerade eben noch, mit Mörder-Hangover und Nikotinplaster aufm Arm, gerade eben gehts noch.

Vielleicht, weil ich gestern gleich 2 mal gefallen bin, einmal auf der Party; aber wunderbar übers Parkett gerutscht, das zweite Mal auf dem Heimweg, mein Knie befindet sich in der Mitleidenschaft, wo es es hingezogen hat.

Ja, meine Damunherren, seien Sie live dabei, wie bei Glam die Entzugserscheinungen einsetzen. Jetzt wäre der Moment, wo der Kater durchaus eine Zigarette ins Schnäuzchen bekommen hätte. Aber nix. Nicht mal mehr Notration. Oder war da noch was im Nachttisch? Wartemal. Besser ich mach die jetzt platt und nicht später.

Mein Nachttisch. Ich werde ihn demnächst bloggen, er ist spannend und duftet nach Erdebeerteelicht und sagenwir Barbiepuppe. Aber er enthält leider kein Nikotin. Mondliiiiiiiicht, schau hinauf in das Mooooondliiiiiiicht, usw. Sie kennen.

Ich hatte doch mal in der Koksabsturznacht mit N. Zigaretten selbst gedreht. Die waren aber so schrecklich, die konnten wir unmöglich rauchen. Die müssten doch noch da sein.

Nein.

13.40. Immer noch nicht geraucht. Was soll ich den ganzen Tag machen? Masturbieren habe ich mir vorgenommen. Aber für die Öffentlichkeit muss ich mir auch noch was überlegen. Wo mir gerade meine Webcam einfällt. Bis später. (Es wird bestimmt demnächst Cam-Foren geben, in denen Menschen sich beim Rauchen zuschauen. Ich bin mir ganz sicher. Macht das ruhig.)

you´re watching yourself but you´re too unfair

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6.15 aufwachen, Teewasser aufsetzen, schauen, was die Spinne im Bad macht (sitzt immer noch reglos an der selben Stelle) und dann fällt mir ein – die Oscars. Heute werden die Nominierungen bekannt gegeben. Schnell also, während der Tee zieht, den Mac angeschmissen und IMDB aufgerufen und noch vor dem Banner für die Oscars das: Heath Ledger dead at 28. Ich bin morgens noch emotionaler also sonst am Tag und hatte noch nicht mal meinen ersten Tee getrunken, da liefen die Tränen. Ich muss keinem Schwulen „Brokeback Mountain“ und die Bandbreite seiner Wirkung erklären. Einem Hetero noch weniger, dafür fehlt mir die Zeit. Jedenfalls, an meiner Arbeitswand, also der, auf die ich jeden Tag schaue, während ich schreibe, da, u.a., seit ich „Brokeback“ zum ersten Mal sah, in der Liga meiner Helden Jake und Heath. Teil meines hollywoodbrainchildishen Pantheons.

Aus dem Haus, und immer wieder, den ganzen Tag, noch jetzt, merke ich, dass ich mich nicht zusammenreißen will und kann. In der Arbeitspause „The Secret Life of the Lonely Doll“ zu Ende gelesen und es trotzdem geschafft, den Arbeitstag nicht frühzeitig zu beenden. In der Rauchpause am Fenster liefen die Tränen in die Kälte. Dare. Blaine. Heath. Jean Nathan. Wischt man einmal mit dem Taschentuch über die Wangen und ist optisch fast wie neu. Auch mein projiziertes Selbstmitleid ist eine Form von Anerkennung und Wertschätzung, denke ich.

Jeden Tag am heimatlichen Schreibplatz, wenn der Blick sinnierend von der Screen wegschweift: meine eigene „Loney Doll“ (Fuß im Bild), Polaroids meiner besten Freunde, die „Aufmerksamkeitspille“ von Svenja Hehner (nicht im Bild), das Doris-Autogramm, Kate, Rufus, Devendra, Dolly + Michi + ich, und eben diesen eine wunderschöne Bild von Jack und Ennis, so als Hoffnugsträger, dass es andauernde Liebe zwischen Männern geben kann.

Am Nachmittag ein Gefühl wie ein Koks-Hangover. Erschöpfung total und trotzdem schlaflos. 16 h, zwei Glas Rotwein, dann schläft sich das ein wenig und wacht auf und es ist der gleiche Tag, immer noch, und er soll gefälligst vorbei gehen oder sich ungeschehen machen. Das war doch wirklich genug, von der Post ganz zu schweigen.

Da ist ein Mensch gestorben, der einer Familie entstammt und selber eine Familie hatte. Das ist das eine sehr, sehr Schlimme. Und dann ist da aber noch die Figur, die sich den Weg in Privat- und Kollektivmythen verankert hat. Und da ist ein neuer toter Mann an meiner Wand, also schäme ich mich meiner panthetischen Tränen nicht.