Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

AUF DICH WERFEN KANN

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Ich seh sie vor mir: graublonde Zopfmädchen und schuppige Spangenträger, wie sie ihre Plastikschalstühle mit den Chrombeinen übers Linoleum schleifen, einen Kreis bilden, „Komm bau ein Haus, das uns beschützt, pflanz einen Baum der Schatten wirft“ singen, mit gestützter Stimme, einige noch im Stimmbruch, an der verstimmten Gitarre begleitet von der Referendarin Madleen-Jaklin Kotzkow-Zottenkübel und dann reden sie über den Tod und über den Herrn und seinen Sohn und darüber, dass die Werbefläche vorm Gotteshaus unvermietet ist, wenn das mal kein Wink Gottes usw., und dann hat sich die Konfirmandenfreizeit ja gelohnt, wenn man mit so nem pfiffigen Slogan zurückkehrt! Amen!

(Und die Leute regen sich über Kopftücher auf. Kopftücher!)

DIE LANDÄRZTIN oder TOTE LESEN NICHT

Zehn Jahre nach der Mastektomie erhält sie von ihrer Hausärztin, die ihre Praxis aus Altersgründen schließt, die Berichte und Befunde der vergangenen Jahre. Liest erstmals den Bericht des damals behandelnden Onkologen. Der empfiehlt, dass sie nach Abschluss der Chemotherapie (1998) aufgrund der Aggressivität des Krebses zwecks Amputation der verbleibenden Brust vorstellig werden soll. Davon hört sie heute zum ersten Mal. Kein Einzelfall. Eine Freundin hat bei derselben Ärztin etwas Ähnliches erlebt. In diesen beiden Fällen ist es glimpflich ausgegangen. Der Krebs kam nicht zurück. Von anderen Fällen weiß man nicht.

I´M JUST A SOUL WHOSE INTENTIONS ARE GOOD

Dass es Menschen gibt, die es gar nicht schlecht mit einem meinen, die man eigentlich auch mögen möchte, aber die von einem so fernen Stern kommen, dass jeder Austausch missverständlich verläuft. Es führt zu nix außer beidseitiger Frustration. Trotz Willen zur Sympathie. Man merkt daran allerdings wie lebensrettend es ist, Freunde zu haben, die einen für ganz logisch und comme il faut halten.

BJÖRK GEHT IMMER

You don´t know what she says but you feel the same, only you couldn´t say it quite like that. And you take a sip of the very rich and profoundly sweet wine and drag in the smoke from your luxurious cigarette, capturing all the delicious toxines. Mmmmmh. It´s one of those nights. Perfectly all right. Perfectly alone. Perfectly alive.

VORABEND-GLAM

Mir gefällt die Bruce-Sendung. Ich mag diese Mischung aus amerikanischem Selbsthilfe-Nonsens, gepaart mit dem Anspruch militärischer Disziplin, die gleich wieder durch das große Herz und die tränenblitzenden Bambi-Augen wettgemacht wird. Ich mag auch seine Anzüge und beneide ihn um seine Hüften. Und finde es wirklich reizend, wenn Menschen, die sich unansehnlich fühlen, mit etwas Couture und Make-up geholfen werden kann.*
Das Format ist so unböse wie es ein Format nur sein kann, deshalb grenzt es an ein Wunder, dass es nicht schon seit Jahrzehnten auf diesem Sendeplatz in der ARD läuft. Oder da, wo Biolek kochte. Ich finde Bruce eine wunderbare Alternative zum Kochen auf Vox und Bruder Dick, Schick und Fick (es geht doch wirklich nur noch um dieses drei, oder?) auf RTL 2. Täglich würde ich es nicht ertragen, aber da ich um diese Uhrzeit meistens noch arbeite stellt sich diese Gefahr nicht.

* Der Anruf meines Steuerberaters in Verbindung mit dem Make-over-TV und einem heutigen Zahnarzt-Termin führte bei mir in der vergangenen Nacht zu einem Traum, den ich mal so zusammenfassen möchte: ein bisschen Lepra gibt es nicht.