Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

FATHER + SON

Lesen hier Väter mit? Väter von Söhnen? Väter, nehmt Eure Söhne in den Arm. Irgendwann seid Ihr 70 und Euer Sohn tut das mit Euch und Ihr werdet Euch nicht fragen wollen, warum Ihr das nie für ihn getan habt.

BUNNIES Á LA GLAM

Die Kolleginnen kommen immer gern zu mir, weil sie hier ihrer verheimlichten Pelz- und Fell-Liebe ungestraft fröhnen können. Sie rauchen extra viel, damit wir möglichst schnell die Terrassentür zum Lüften öffnen können, denn dann können sie sich die Kaninchenfelldecken umlegen oder die schöne Strickjacke mit der Pelzakapuze, die einem unidentifizierten weichem Tier zu verdanken ist. Auch wenn die Tür längst wieder zu ist, legen sie die Felle nicht ab, und, während sie pikante Geschichten erzählen, Wein trinken und weiterrauchen, fahren ihre Hände selbstvergessen über die weichen Decken. Dass die Tiere erst sterben musten, um ein sinnliches Gefühl bei uns hervorzurufen, sei es auch ganz unschuldig taktil, ist absolut in Kauf zu nehmen. Wenn ihre Leben schon im Kochtopf endeten, oder im Bratrohr, ist zumindest ihr Nachleben purer Luxus. Auch der Ereignishorizont, der die gleichen Decken besitzt, weiß um die Verführungskraft der 64 toten Tiere und platziert die Decken, wenn er ein Date hat, strategisch.
„Aber versaut man sich denn die Decken dabei nicht?“
„Man entwickelt Strategien, sie währenddessen weg zu strampeln.“
Zumal ja heute bei Dates kein Schuss ins Leere geht, ins Gesicht ist ja mittlerweile Standard.

Das ist also, was mir zu Hasen und Eiern einfällt.

GRÜNDONNERSTAG oder MAKES ANY BOY FEEL AS PRETTY AS PRINCES

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Reicht er mir meine EC-Karte zurück und sagt, „Danke Glam“ und das passiert sonst nur an der Aral-Tankstelle, wo die Bedienung dann aber sagt, „Danke Herr Dick“. Dann fällt ihm etwas zu meinem Autokennzeichen ein und er fragt mich, ob ich einen anglistischen Background habe, weil ich doch mal mit Joyce Carol Oates unterm Arm im Laden war, und „Ja“, sag ich. Er auch, gleiche Uni, aber unsere Studienzeiten verliefen nicht über Kreuz. Er mochte Professor X sehr gern, ich erzähle von Professor Y. Dann reden wir von Karrieren, Jobs, die die Miete zahlen und Zufriedenheit. Musik – er ist eher roots, ich eher camp. Dass man Kunst eher für sich selbst macht.
Im Sommer habe ich ihn mal auf der Schlesischen getroffen. „Du siehst ganz komisch aus, ohne den Laden um Dich rum, so ganz im Freien.“

Nach zwanzig Minuten muss ich dann aber wirklich zur Arbeit. Und er nimmt meine Einkäufe und trägt sie mir zum Wagen. Ich mach den Kofferraum nicht auf, er muss ja nicht unbedingt meine Messy-Seite sehen.

Dann denke ich, dass solche Gespräche eigentlich in Romanen stattfinden und fahre los.

OHWIESCHÖN!

Nicht nur in einen meiner liebsten Julia-Roberts-Filme reingezappt, nein! Es ist ein Double-Feature!! (Julia ist gar nicht mal so schlecht synchronisiert, und ich empfange Kabel 1 aus der Schweiz, so dass sogar die Werbeunterbrechungen Spaß machen, man lernt doch gerne was dazu: Verdauung beispielsweise heißt „Verdauig“.)

„Stepmom“ ist übrigens ganz stark an ein TV-Movie of the week angelehnt („The other Woman“ – dies wiederum eines meiner Devendra-Lieblingslieder), in dem die Juia-Rolle von Darling Laura Leighton verkörpert wurde.

GLAM HATTE ANGST

Es war kein Geheimnis und auch kein Geheimblog, aber ich fand es damals besser, das beschriebene Erlebte auf einem Extra-Blog und nicht hier zu veröffentlichen, nicht nur, weil es hier den Rahmen gesprengt hätte, sondern vielleicht auch, weil ich diesen Teil meiner Biografie etwas von mir abspalten und zur Seite stellen wollte. Die meisten Leser kennen aber mein Zweitblog BatesMotel und wissen, wer dahinter steckt: little glamorous me.

Es schien mir logisch, den Text komplett und isoliert ins Netz zu stellen. Als Zeitdokument für mich selbst, aber auchals Flaschenpost für diejenigen, die die Begriffe „Sozialphobie“ „Reha“ „psychosomatische Klinik“ googeln, auf der Suche nach einem Erlebnisbericht. 42 Tage in einer Reha-Klinik – was passiert da? Wenn ich den Text jetzt lese, finde ich es spannend, dass ich mich fast ausschließlich mit meiner Innenwelt geschäftigt und weniger den Klinikalltag beschrieben habe. Dazu habe ich noch meine damaligen „Stundenpläne“, auf denen neben „Training sozialer Kompetenz“ auch „Kanu fahren“ und „Vorlesung zu den Formen von Depression*“ standen. Als jemand, der seinen Drogenkonsum beim ersten Arzttermin zugab, wurde ich auf Alkoholverzicht gesetzt und kam nicht in Genuss der „Genussgruppe“ – dazu hätte ich magersüchtig sein müssen, aber dafür mangelt es mir ja bekanntlich an Diszipiln…

Tatsächlich wurde BatesMotel in diversen Sozialphobie-Foren besprochen, allerdings hauptsächlich, weil die Berichte meiner sexuellen Eskapaden (es waren, glaub ich, nur drei) den Ängstlichen zu freizügig waren. Sowas gehöre in so einen Bericht nicht rein. Well, folks – ist ja mein Bericht, und da kommt alles rein, von dem ich finde, dass es reingehört. Und wenn ein Mesch, der früher, wegen seiner Angst vor Menschen, nicht einmal eine Badeanstalt aufgesucht hätte, an einem Nacktstrand bei Tageslicht mit einem Fremden fickt, dann passt das da schon rein.

Als Don Dahlmann für die aktuelle Ausgabe von Mindestenshaltbar das Thema „Angst“ bekannt gab, dacht ich mir „da war doch was…“ und somit könnt Ihr, wenn ihr das nicht schon längst getan habt, etwas aus dem Tagebuch eines Angstpatienten lesen.

* Hier lernte ich, dass das Sisi-Syndrom von der WHO noch nicht als Krankheitsbild anerkannt wird, was mich natürlich auf die Palme pringen würde, wenn ich eine Prinzessin wäre, bin aber nicht. Drum sei´s drum. Die Vorlesung wurde von Dr. K. gehalten – einer wunderbaren Psychologin, die aussah wie Kate Bushs Mutter. Ihr verdanke ich auch die Telefonnummer meiner späteren Therapeutin. Allein für diese Telefonnummer waren 42 Tage Ausnahmezustand völlig in Ordnung.

BRIEF ENCOUNTER

Und dann läuft Dir in der Karstadt-Medienabteilung jemand über den Weg, den Du mal intensiv kanntest und Du fragst Dich ernsthaft „Was??? – Von DEM wollte ich, dass er seinen Penis in mich reintut????!!“ Und, noch unter Schock, kaufst Du den aktuellen Winona Ryder-Film zum Vollpreis.

A MIDSUMMER NIGHT´S DREAM oder I SAID A LITTLE PRAYER FOR YOU

Dass die Beziehung, der ich noch am meisten Perspektive zugeordnet hatte, gleichzeitig die unzufriedenstellendste war, ist mal wieder ein Beweis, dass man mit einer Verhaltenstherapie nicht früh genug anfangen kann. Damals stürzte ich mich jedoch zunächst in Ratgeberbücher. Das war auch nicht verkehrt, denn, als die Beziehung dann vorbei war, konnte ich selbst einen Ratgeber darüber verfassen, was man alles in Beziehungen besser nicht machen sollte. Der lief sogar recht gut, auf seinem kleinen schwulen Markt. Zu den Verodnungen, die ich mir als Autor und Ex verordnet hatte gehörte, den Mann zu meiden, der meine Große Liebe war, weil es mir nicht guttat, ihn beim Flirten mit anderen zu beobachten. Freunde sein ging gar nicht, da war mit einem Mal viel zu viel Hass. Hass kann eine Brücke sein. Friss das – Juliane Werding-Rosenberg-Silbereisen.
Das ich kann-Dich-momentan-nicht-sehen wuchs sich in einen vollständigen Abbruch des Kontakts aus. Seine Fotos landeten in der Ex-Box, einem goldenen Karton wo ich alles hineinwarf, das mich an ihn erinnerte. (Auch die Erinnerungen an den nächsten Ex mussten sich dort den Platz im Karton mit ihm teilen.)

Wir sind uns wieder begegnet. Kaputtes Herz macht schöne Lyrik, vielleicht veröffentliche ich hier irgendwann mal den Glam-Rap, der von einer dieser Begegnungen inspiriert ist. Die erste, bei der ich nicht weglief, sondern neben Cora an der Bar ausharrte, während er draußen mit seiner besten Freundin saß, den Kopf ans Fenster gelehnt. Weh tat das. Dann, vielleicht ein halbes Jahr später in einem Club steht er auf einmal vor mir und ich schnappe mir den armen Frankie, der mit mir Händchen halten muss, damit es aussieht, als ob ich einen schönen Lover habe. Was man alles tut. Aber da reden wir miteinander und lachen und er raucht eine mit mir, obwohl er längst aufgehört hat. Und ich heul mich in den Schlaf, weil ich denke, wie konnte ich etwas so Schönes wie ihn verlieren. „Ich schlag Dich zusammen, wenn Du es Dir mit dem vermasselst“, hatte Georgette mich gewarnt. (Nein, hat sie dann nicht gemacht, zumal er es ebenso vermasselt hatte wie ich.)

Ein paar Jahre vergingen und ich war in einen anderen Mann verliebt. Und war neugierig, was wohl aus M.M. geworden war. Und fühlte mich stark genug. Und es kam zu zwei Begebenheiten, wo wir uns beinahe getroffen hätten. Aber es blieb bei einem Telefonat. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten sollte, dass ich nicht aufgeregt war. Aber, wie damals bei dem Treffen im Club hörte er sich gut an, wir lachten und seine Stimme brachte Erinnerungen zurück. Pointe? Keine. Ich hab letzte Nacht von ihm geträumt. Er hatte eine seiner scheusslichsten Jogginghosen an, aber selbst die sah an ihm gut aus. Ein paar Fältchen mehr um die Agen, warum hat er auch nie Sonnenschutz getragen? Ein bisschen verlegen war ich, hatte auch einen kurzen Fluchtimpuls verspürt. Und dann fiel mir im Traum der Satz aus Pretty Woman ein „It must be awfully hard to let go of something so beautiful.“ It was. Und deshalb ist M.M. eben auch nicht einfach ein Ex, sondern jemand, der meine Große Liebe war. Und heute bin ich froh, das wir eine Zeit lang den Weg gemeinsam gegangen sind.

mmostssee

SELBSTDARSTELLUNGSZWEIFEL

„Geplant sind 90 Minuten reine Lesezeit (+20 Minuten Pause). Es können also eine ganze Menge Autoren lesen“ – diese Formulierung macht die Vorstellung nicht attraktiver, am Event teilzunehmen. Ich finde 45 Minuten schon lang für eine Lesung. Dann weiß ich ja auch nicht, wer da außer mir lesen wird. Und ob es ausgerechnet die Masse macht? Mit der Firma, die das Projekt betreibt, habe ich auch so meine Probleme (siehe insbes. die Kommentare). Außerdem habe ich schon so viel Text auf dieser Seite produziert, dass ich schier überfordert bin, eine Auswahl zu treffen. Wer sagt eigentlich, dass, wer schön schreiben kann, automatisch auch ein Vortragskünstler ist? Ich bin es nicht. Ich podcaste ja nicht mal.

Und dann die andere Idee. Mit den Sehr Guten etwas gemeinsam zu veranstalten. Mit meinen Darlings. Von zwei Seiten werde ich gerade freundlichst bedrängt, etwas zu unternehmen, aber so sehr wie ich kein Vortragskünstler bin, bin ich auch kein Selbstpromoter, wenn es über das Schreiben hinausgeht. Und voller Zweifel, momentan, was das Bloggen angeht. Früher las ich Blogs statt Zeitung, heute bin ich in 20 Minuten die Blogroll durch. Die meisten schreiben weniger regelmäßig und alles in allem – weniger. Nicht notwendigerweise schlechter, aber nicht genug, mir die Zeit mit dem Liter Tee zu vertreiben. Gestern hab ich sogar Spreeblick gelesen, so weit ist es gekommen! (War übrigens gar icht so nerdig wie früher.)

Zweifelnd einen Event anzukurbeln feels wrong. Ich hab momentan so einiges zu organisieren, da steht eine Abendveranstaltung mit Kollegen nicht ganz oben auf der Liste. Merke ich gerade. Und dass ich mich nicht gerne auf Bühnen befinde, das ist ja mittlerweile auch bekannt. (Das wird sich auch nicht ändern, außer wenn sie mir den Oscar verleihen. Ja. Wo bleiben eigentlich die Preise??)

Und dann natürlich die Frage – wenn hier so viele Leute mitlesen und sich nicht mal trauen zu kommentieren, würden die denn überhaupt den Arsch hochkriegen und eine Lesung eitler schwuler Blogger besuchen?