Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ZUCKERSCHOCK

Ich hatte mal einen Freund, der hatte einen Hund. Und es war so ein hyperverkuschelter Sonntagnachmittag auf dem Sofa, da lagen wir so rum, nach Zimt und Vanille duftend, Haschpralinen naschend und sagten einander liebe Worte, flochten uns Zöpfe, knutschten miteinander und kraulten den Hund, und im Fernsehen muss sowas gelaufen sein wie „Steel Magnolias“ oder „Pretty Woman“ oder so, jedenfalls rappelte sich der Hund irgendwann auf, sprang vom Sofa, schaute uns angewidert an und bellte. Einmal. Und mein Freund, der sonst nicht so wahnsinnig schlagfertig war, sagte: „Sweetie overkill“. Mussten wir lachen. Alle drei.

GLAM GOES REUTERS

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich am Sonntag einer einbeinigen rumänischen Windschutzscheibenputzerin alle Sextapes der letzten drei Päpste für 12 Euro abgekaufthabe? Ja, gehen sie mal ruhig wieder über den Türkenmarkt! Aber weil mir die katholische Kirche so ein Anliegen ist, werde ich sie in meinem Bankschließfach versenken.

SLIGHTLY MYSTERIOUS BRUISES

Knüller//Schocker//Equilibrium. Erst die Koryphäenrunde, dann ein langer Arbeitstag und dann ein schneller fieser Psycho-Exzess. Brutal, schmutzig und so, dass ich eigentlich, brutal getreten, eingeknickt auf dem Teppich liegen müsste. Tu ich aber nicht. Die Seiten, die mir Britt zukommen ließ, gelb gemarkert die Prognosen, aus denen zieh ich Energie. Da steht auch was drin, was die Prognosen glaubwürdig macht: was von neuen Freunden, die mir am 5. April über den Weg laufen. Die Sterne wussten das schon vor mir. Und bei ihm lese ich: „Warum lernen wir uns jetzt erst kennen?, frage ich mich. Eigentlich wars doch schon vorher klar, dass wir uns so gut verstehen.“ Und ich denke natürlich, Recht hat er, ich dachte ja das gleiche, aber „Wir haben vielleicht keine lange Vergangenheit, aber das wird durch die Zukunft kompensiert.“

Freunde – alte, neue, ganz neue. Ich denk den ganzen Abend an sie. Mein Kopf veranstaltet eine kleine Freundesrevue. Honest people. Intense people. Serious people. Seriously funny people. Slightly mysteriously bruised. Wir sind ein Film. Ein Musical-Drama, ein Sexkrimi, eine Horrorkomödie. Mein Heimatfilm.

BATES JUNKYARD

Was mich an dem Fiasko des gestrigen Abends nachhaltig beschäftigt, ist nicht (nur) die Gefährdung meines Projekts. Ich hatte meine Zwischenprüfung in anglistischer Linguistik zum Thema „Die Sprache von Schizophrenen“. Gestern Nacht kommunizierte ich mit einem Paradebeispiel. Inklusive paranoid. Ich habe mich bemüht, rational und ruhig zu bleiben. Die Kommunikation emotionslos zu einem Abschluss zu bringen und dann hoffentlich nie wieder etwas mit diesem Menschen zu tun zu haben, dessen Persönlichkeitsveränderung sich bereits seit einiger Zeit abzeichnete. Warum begegnen einem solche Leute überhaupt scheint´s ausnahmslos außerhalb der Psychiatrie?

QUID PRO QUO

Die meisten von Ihnen werden es nachvollziehen können: Bewerbungsgespräche, Prüfungen oder Präsentationen sind für den Bewerber, den Prüfling oder den Präsentatoren in den seltensten Fällen eine angenehme Prozedur. Nervosität, Unsicherheit, Scham – ein schickes Potpourri aus Ängsten und angstartigen Gefühlszuständen. Nicht schön. Jetzt mulitplizieren Sie das Gefühl, an das Sie sich vermutlich erinnern können, mit 1000 und Sie haben einen Eindruck, wie es einem Phobiker in diesen Situationen geht. Die Stresssymptome setzen schon Tage vor dem zu befürchtenden Auftritt ein, steigern sich kontinuierlich. Man kann nicht mehr einschlafen, man kann nicht durchschlafen, man wacht zu früh auf und kann nicht wieder einschlafen. Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüche, Genickstarre. Magenschmerzen, Kopschmerzen, Phantomschmerzen. Unruhe. Konzentrationsschwierigkeiten. I could go on and on.

Glam hatte heute eine Präsentation. Ein Thema, das ihm am Herzen liegt, an einem Konferenztisch mit Koryphäen ihrer Zunft. Einer Zunft vor der er große Achtung hat, aber in der er null Erfahrungen vorzuweisen hat. Es galt, durch Überzeugungskraft zu punkten.

Ich wachte um halb 7 statt um halb 8 auf, aber in dieser frühen Stunde kamen mir noch zwei essentielle Ideen, die in der Präsentation glatt aufgingen. Ich war aufgeregt, aber nicht zittrig. Keine Schweißausbrüche, kein Herzrasen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit statt Panik-Mattscheibe. Klare Formulierung statt leiser Stammelei. Ehrfurcht – ja. Aufgeregtheit – for certain. Keine. Sekunde. Ein. Gefühl. Von. Panik.

Es sieht tatsächlich so aus, als wollen diese Menschen das Traumprojekt mit mir angehen. Es ist noch viel Arbeit, bis die richtige Arbeit losgehen kann, aber ein Anfang ist gemacht. Mein Fuß ist in der Tür.

Es ist schön, wenn man mit dem Schutzengel eine so erfolgreiche Kooperation pflegt.

PERFECT SUNDAY oder HEISSE POPO-ÄCTION

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Aber wer hat die Lampen neben dem TV weggezaubert?

Ziemlich verkatert aufgewacht, aber nothing an Ibuprofen 400 couldn´t fix. Dann wollen ganz früh schon zwei Menschen eine Entscheidung, ich geh stattdessen erstmal zum Auto, wo noch Zigaretten sind. Als ich wieder in die Wohnung komme sehe ich ein Big Pack Marlboro Medium auf dem Tisch im Flur. Kann mich nicht erinnern, die in der vergangenen Nacht gekauft zu haben (mit welchem Geld?? war doch alles ausgegeben. Deef?). Muss ich wohl aber. Die Entscheidungen werden entschieden, das Skailight geht Brötchen holen und die amerikanische Nachbarin kommt zum Frühstück. Später kopulieren wir eine Kommode, weil die Schubladen intrigieren. Beim Frühstücken und der ganzen Avocado versäume ich eine SMS und rufe verspätet zurück. Dann kommt der Süße vorbei, der blöderweise seine Berliner Dependance bald schließen wird, wo wir unds doch gerade erst kennen gelernt haben. Aber wir sind ja alle mobil. Die D. ruft an, sie fliegt für eine Woche nach D. Seit zehn Tagen reden wir wieder, nach 2 Jahren Unterbrechung. Und können wieder über die gleichen Sachen lachen, was sich gut anfühlt, sie hat mir gefehlt. Dann, weil ich ja jetzt so väterliche Gefühle habe, Bildungsfernsehen mit Sendungsauftrag. Shortbus. After the Shortbus fällt mir ein, dass ich irgendwo eine Mappe habe, wo irgendwas drin ist, was ich dem Skailight unbedingt zeigen wollte. Was das war vergesse ich bis heute. Aber endlich habe ich das Plakat von Annie mit der verrutschten Perücke wieder. Und meine Bette Davis-Papp-Epaulette, die ich von 1989 bis 1990 an der linken Schulter meiner Lederjacke trug. Und Fotos von mir als Model! Dann noch ein Bild von Marilyn mit Kopftuch, das ca 1982 über meinen Bett gehangen haben muss. Meine Collagen. Meine Zeichnungen. Ich wühle so in der Mappe rum, dann geht sie nicht mehr zu, weil alles so aufgebauscht ist. Ich auch. Taking an unexpected trip can do that. So ein Dutzend papierne Gegenstände habe ich herausgewühlt, die liegen jetzt im Schlafzimmer auf dem Boden. Das Marilyn mit Kopftuch Bild muss ich morgen bei mir tragen. Das wird helfen. Ich weiß es.
„Das ist so zwangsläufig, dass Du das machen wirst, das ist ein Wunder, dass Du das noch nicht längst gemacht hast“ sagt das Skailight und legt das Exposé mit dem Strickjackenfoto beiseite. (Das „das“ erläutere ich vermutlich demnächst.)
Rückblickend habe ich darüber hinaus ca 4 Minuten des Tages damit verbracht, auf dem Po des Skailight zu sitzen und Om zu summen. Probieren Sie´s aus! Sie können auch einen anderen Po nehmen als den des Skailights.

P.S.: Das Skailight möchte darauf hingewiesen wissen, dass er seinen Po nicht massentauglich als Möbel offeriert. Si müssen sich also wirklich einen Po im Bekanntenkreis oder der Öffentlichkeit suchen.

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I, GLAM, THE PASSENGER

Mit Reisen ist es ja bei mir so: ich habe da aufgrund meiner kleinen Phobien vieeeeeeel verpasst. Das Reisen an sich fand ich immer erschreckend, nicht aber das woanders-sein. Das Hinkommen eben, diesen Viehtransport. Vielleicht habe ich mir über die phobischen Jahre ein grundlegendes Interesse an, bzw. eine Neugier nach Orten und Sehenswürdigkeiten ausgeredet. Ausgefühlt.
Woimmer ich hingekommen bin: wenn ich dort mit netten Menschen war oder wenn ich dort auf nette Menschen traf, dann fühlte ich mich ausgesprochen wohl. Das gilt für ALLE Orte. Selbst Düsseldorf, denn Düsseldorf fiel auch unter „Reisen“. (So wie Prenzlauer Berg.)

Was ich aber schon immer spannend fand: Reisende. Travellers. Menschen, die sich überall eine Heimat machen können, für ein paar Tage oder auch Jahre. Und davon gibt es in Berlin ja so einige. Deshalb, fühldachte ich, muss man aus Berlin vielleicht gar nicht so oft weg, außer im Februar, wenn sich der Winter klamm auf die Seele legt und man einfach nicht mehr will und kann, wo man jederzeit einen Sonnenflieger besteigen würde, wenn man es sich denn gerade leisten könnte.

The Sights of the World – das ist für mich wie klassische Musik. Ich bin nie herangeführt worden. Wenn ich aber die Polonaise aus „Eugen Onegin“ höre, dann erwischt sie mich und ich rausche grandezzend vor mich hin. Mein persönlicher Grand Canyon war der Westwood Memorial Park, Marilyns Grab. Ansonsten hatte ich keine Reisepläne und da bin ich nun schon gewesen. Aber auch die Salzinsel auf den Kapverden, von denen ich kaum wusste, dass es sie gibt, die hat mich betört. Es gibt bestimmt millions of more sights to behold. Und ich müsste mich nur aufraffen und etwas reicher werden. Fürs Erste werde ich mir ein paar Couchsurfer einquartieren und mal schauen wie das so ist. Vielleicht den Filmfreak aus Argentinien, der der erste war, der mich zu sich einlud – verlockend, aber bis auf weiteres nicht finanzierbar.

Und, mal schauen – eines Tages nehme ich dann vielleicht die noch viel verlockendere Einladung nach Neuseeland an.

DEREN PREMIERMINISTERIN IST JÜNGER ALS ICH!

Schreibt man, wartet man auf Antwort. Kommt Antwort. Fällt sehr erfreulich aus, Antwort. Tauscht man Telefonnummern aus, beschreibt den Weg zur Wohnung und anderthalb Stunden später wird gefickt. Fragt man sich, wie es jetzt weitergeht. Er wohnt ja nicht gerade um die Ecke. Fällt einem ein – kann man ja einfach wieder zurückschreiben, mit ein paar interessierten Fragen! Korrespondenz! Kennenlernen durch Worte! Schaut man noch einmal sein Foto an, schnüffelt an seinem paralleluniversellexistierenden Kopfkissen und haut in die Tasten.

WENN ICH SONNTAGS IN MEIN MUSEUM GEH… oder WALZERALPTRAUM

„Boah, kuck ma, ist die dünn!“
Und da steht dann eine Frau mit Spillerärmchen, in schwarzweiß, in einem schlampig gearbeiteten Operettenfilmkleidchen, hohlwangig, mit grooooßen Augen, und mit einer Kinderstimme sagt sie zarte alberne Sätze.

Während die anderen draußen an den Knospen lutschen ergreifen manche von uns nämlich die Chance, in Räumen zu wandeln, in denen es von Rechts wegen nach altem Papier und Mottenkugeln riechen müsste, tut es aber nicht. Da ist Conny! Dem hätten wir aber im Resi ein Billet doux per Rohrpost zukommen lassen, doch dafür sind wir leider zu spät geboren.
In kleinen Räumen laufen auf großer Leinwand weißgraue Filme. Busby Berkeley-Choreographen gab es in Deutschland nicht, und die Kameras glitten nicht durch die Tanzenden sondern blieben, von der ganzen Gymnastik schockiert, verfroren stehen. Straff frisierte Sekretärinnen knödeln Liebeslyrik und grinsen berauscht. Wiener Madeln stapfen mit angeknoteten Kringel-Extensions walzerstrunken im Arm von schlecht gebauten, uncharismatischen Kerlen durch Pappmaché-Kulissen. Lilian Haveys Lippenstift – immer zu dunkel.

In akkurater Tippschrift lesen wir die veranlasste Kündigung der jüdischen Mitarbeiter des Studios. Aus vielen ist in Hollywood etwas geworden, wo die Kostüme sorgfältiger gearbeitet wurden und wo man erstmals auf die Idee eines Drehplans kam. Doch viele andere nahmen ein dramatischeres Ende. Renate fiel aus dem Fenster, man weiß nicht, ob das ein Zufall war, und von der Kindfrau mit der Zauberstimme „verliert sich die Spur 1937“. Man muss das Drama nicht immer selbst bestreiten, man kann auch einfach mal ins Museum gehen.

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