Im Mobiltelefon beim Fotos durchstöbern einen kleinen Film gefunden, den ich versehentlich gemacht hatte, als ich ihn eigentlich hatte fotografieren wollen. Drei Sekunden, die ein Gefühl zurückbringen, einerseits schön, andererseits schrecklich: dieses am-Anfang-stehen-und-noch-alles-vor-sich-zu-haben-und-was-das-in-mir-auslöst. Das war eine Klangfarbe dieses Sommers. Und auch die anderen sind eher melo-pastell. Let me tell you forty is so NOT the new twenty. Und, ja, wird Herbst. Ist schon.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
PROTECT ME FROM WHAT I WANT
„Da liegt ein benutztes Kondom.“
„Wo?“
„Da.“
„Oh.“
„Ja.“
„Na, ist doch im Interesse aller Beteiligten besser, dass da ein benutztes Kondom liegt, als läge da keines.“
FÄHIGKEITEN ALLEIN SIND ERSTMAL NICHTS
Ich hatte damals wirklich gedacht, mein Studium sei „etwas Vernünftiges“. Und wäre nicht damals, noch vor der Erotik- und der Musikindustrie die Fakultät dezimiert worden, dann schriebe hier vermutlich Dr. Dick. Zum Professor, soviel gesunde Selbsteinschätzung muss sein, hätte ich es dann doch nicht gebracht mit meinen drei wiederkehrenden Themen.
How do people carve it out for themselves? And when you lost it, how long can you pick yourself up, dust yourself off, start over again?
Und dann noch etwas, das mich fassungslos macht: da kreieren gutbezahlte Lebensmittelchemiker eine Cola, die angeblich 0 Kalorien hat, aber so schmeckt wie ein Bleistift riecht. What´s the fucking point, Pepsi-brains?
GLAM WANTS TO BE PARIS HILTON
Zunächst mal: lesen Sie lieber den Eintrag von gestern, der ist besser. Aber wenn Sie Ihre Neugier wieder mal nicht im Griff haben, bitteschön.
Die halbe Stunde den Frusterlebnissen der Mitbewohnerin lauschen zählt nicht als social life. Der Ausflug in die Sonntags-offen-Einkaufswelt am Alex auch nicht. Anders als beim grocery-shopping nehme ich beim Kleidungs- und DVD-Kauf meine Mitmenschen kaum wahr. Ich habe zwar eine Verkäuferin und einen Verkäufer angelächelt, aber das ist nicht viel Interaktion. Am Samstag das Sexdate war jetzt auch nicht wirklich ein intellektuell anregender Austausch, wobei es schon bemerkenswert war, Sex zu haben und danach gar kein Sperma entsorgen zu müssen, jedenfalls nicht das eigene. Aber dennoch. Das Wochenende war ein kleiner Herbst für sich. Zuviel Filme, zuviel Wein allein, zuviel wenig. I wanna be a socialite. But I don´t wanna be on a Proseccobüchse.
GROSSERIE-SHOPPING
„Sind Sie zufrieden mit Ihrem Einkauf?“ fragt mich die Kassiererin und erinnert mich an irgendein Mädchen, das ich in irgendeinem Reality-Format auf irgend einem Fernsehsender gesehen habe. Ich bin überrascht – normalerweise reden Kassiererinnen nicht mehr mit mir als „haben Sie eine Kundenkarte?“ während ihre flinken Finger meine Einkäufe über den Scanner ziehen.
„Ja“, antworte ich ehrlich. „Sie führen Buttercups, so dass es heute bei mir eine wunderbar Herbstsuppe geben wird. Außerdem haben ich in Ihrem Sortiment ein Cannelloni-Tiefkühlgericht für ein Euro neununddreißig entdeckt. Und es gibt ja nicht wirklich viele Fertiggerichte, die zugleich schmackhaft, preiswert und mikrowellentauglich sind. Deshalb probiere ich gerne mal etwas Neues aus. Dazu noch diese 5 Schrippen für fünfundsechzig Cent – da kriegt man ja kaum ein Croissant für und sie scheinen sehr frisch zu sein, noch dazu, und fest – nicht eben wie diese Paniermehl-Luftblasen-Industrieware, die sich breit gemacht hat wie das Bakterium, das alle Kastanien befällt. Nach den mehlg kochenden Kartoffeln musste ich zunächst etwas suchen, aber auch hier bin ich fündig geworden. Sie lagen direkt neben den festkochenden – eigentlich naheliegend, nicht wahr, haha. Ihre Zeitschriftenabteilung ist sehr übersichtlich angeordnet, ein Cover neben dem anderen, nichts überlappt, da muss man nicht lange suchen, aber gern hätte ich eine DVD erworben, Nip/Tuck Staffel 4, um genau zu sein, der Mediamarkt machte heute nämlich Inventur, das müssen Sie sich mal vorstellen. An einem Samstag! Leider habe ich in Ihrem Sortiment nur eine einzige DVD entdeckt, die nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat. Die Kastelruther Spatzen. Aber was soll´s. Dann schau ich heute nicht Nip/Tuck, sondern fertige eine wohlschmeckende Suppe. Im Grunde habe ich nur noch zwei weitere Kritikpunkte: Erstens: ich konnte in der Tiefkühlabteilung keine Kräuter finden, aber sein wir ehrlich – Tiefkühlkräuter schmecken sowieso nach nichts, man kann also getrost auf so einen Einkauf verzichten und in die zwei Kilometer entfernte Gemüseabteilung wollte ich nicht mehr zurück, also werde ich mit dem Rest Thymian arbeiten, den ich noch im Küchenfenster stehen habe, zweitens – und sowas überschattet ein an und für sich überraschend angenehmes Einkaufserlebnis doch ungemein: Ihre Kunden sehen alle aus, als hätten sie keinen Spaß beim Sex. Man sollte am Eingang Scheuklappen verteilen.“
„Einundzwanzig achtundvierzig. Und noch ein schönes Wochenende.“
„Das werde ich haben. Ich treffe nachher einen Mann, der schluckt Sperma! Das hat man ja nicht wirklich häufig.“
„Aber darf man das denn heutzutage überhaupt?“
„Ich bin ungetestet und er ist positiv. Kann also nichts schiefgehen.“
„Na dann viel Spaß!“
„Ihnen auch. Und das mit dem „Wie war ihr Einkauf?“ – das halte ich für ne dolle Sache!“
DICKTEASE
…beantrage ich, dem heterosexuellen Kollegen vertraglich zu verbieten, sich so mit hinter dem Kopf verschränkten Armen hinzusetzen, dass man am Ärmelrand seines T-Shirts ca 1 cm Achselhaare sehen kann. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch mit Hormonen.
JUDGE MENTAL oder RADICAL STUPIDITY
Unten am Wannsee sitzen jetzt seit Samstag 30 europäische Faeries und flechten sich Blumen ins Haar, erzählen in Heart Circles von der individuellen Problematik, Mann zu sein, wickeln sich in bunte Stoffe und sitzen kiffend am Lagerfeuer, wenn sie sich nicht zur Erfrischung in den See werfen. Wahrscheinlich gibt´s auch Pilze. So Devendraesk oder wie in dem nackigen Sigur Ros-Video. Also eigentlich ein Dream come true for Glam. Sexy Hippiedom. Das hätte eigentlich mein diesjähriger Kurzurlaub sein sollen und allein schon wegen des späteren Unterhaltungswerts für die Bloggeria (stellen Sie sich meine Berichte zum Thema Mondrituale vor! Ich musste doch schon dass Kundalini-Yoga verlassen, weil ich beim Chanten immer lachen musste…) ist es eine Schande, dass ich nicht dabei bin. Was einerseits damit zu tun hat, dass einer dieser offen-herzigen Herren mich im Vorfeld so blöd angemacht hat, dass es den Schwierigkeitsgrad, ein nonjudgemental environment zu kreieren, stark heraufgeschraubt hätte. Dann öffnete sich am Samstag auch noch spontan die Wunde auf meiner Hornhaut, womit ich eigentlich erst in ein paar Jahren zu rechnen gehabt hätte, laut Augenambulanz Neukoelln.
Hinzu kam die Schwellenangst, eine Woche mit dreißig Unbekannten zu verbringen, in so ner Art Jugendherberge. Andererseits hatte der Gedanke auch eine sehr sexy Komponente und man hätte unter Beweis stellen können, dass es für Glamour keiner 5 Sterne bedarf. (Lebensaufgabe.)
Was Sie nicht wissen und sich vielleicht nicht vorstellen können, weil ich hier immer so offen berichte: es gibt Themen, die ich für mich behalte. Die ich innerlich wälze und über die ich mit niemandem rede. Möglicherweise aus Angst vor Ratschlägen. Das Ja-oder-Nein-für´s-Faerie-Wochenende trug ich wochenlang mit mir herum. Alles was ich gebraucht hätte, wäre ein Tritt in den Arsch und jemanden der mich ins Auto setzt und hinfährt. Mit Augenklappe und Schminkkoffer, Stoffbahnen, Gummiboot und ner Kiste Rotwein. Dann würde ich jetzt nicht hier schreiben, sondern mir von einem langhaarigen Bartträger mit blauschwarzem Lidschatten Blumen und Ornamente auf Oberkörper malen lassen. (Oder im Küchendienst angetrocknete Veganer-Mahlzeiten von Tellern kratzen.)
Dumm gelaufen, stupid Glam. Dumm. Dumm. Dumm.
Nächstes Jahr. Und vielleicht sind dann auch meine Faerie-Kumpanen aus Italien und Spanien dabei. Hola Awen! Ciao Lorenzo!
(Thanks to Devendra and Natalie I can smile again.)
PLATZHALTER
Für den weinerlichen Text in dem er sich einen Life-Coach á la Famke Janssen in Nip/Tuck wünscht.
Apropos Famke:
HINGABE oder GOLDEN GLAM
Er schrieb mir, er wolle stundenlang meinen Arsch lecken, während ich einen Apfel esse, aber als er dann zu mir kam, da hatte ich keine Äpfel da, und überhaupt dauert es ja nicht so lang, einen Apfel zu essen. Aber der Apfel war auch nicht wirklich der springende Punkt.
„Let´s make love, Glam.“
Und genau das wurde es dann auch. Es war anders als diese Dates, wo man reinkommt und schon die Hose aufmacht bevor die Tür zu ist. Ich reichte ihm das Glas Weißwein, aber bevor er es nahm, begann er mich zu küssen. Jedenfalls war der Wein warm, als er den ersten Schluck davon trank. Wir küssten uns durch die Küche, den Flur, das Schlafzimmer auf die Terrasse, damit die Nachbarn auch was davon hatten. Die Hände wanderten über Stoffschichten, schoben sich zwischen Haut und Baumwolle, ohne Hast und auch ohne Gier – es war alles so verlässlich, dass nicht der eine Trieb regierte, sondern etwas anderes – es ging nicht um kommen, sondern um spüren. Wir mussten nicht über einander herfallen und schnellstmöglich Körperteile in Öffnungen einführen – das würde selbstverständlich auch noch geschehen, aber erstmal pegelten wir uns uns aufs selbe Sinnlichkeitslevel ein, ohne Eile. Und mit der Dauer des Erfahrens wuchs das Verständnis, dass wir im anderen jemanden gefunden hatten, mit dem man weit würde gehen können.
Ich kann nicht sagen, wie lange sich das hinzog, es war ein Sommerabend und mittlerweile dunkel. Er schaute zwischen meinen Beinen zu mir auf und wischte mir einen Tropfen meines eigenen Precum auf die Unterlippe, als ich feststellte, dass ich pissen musste. Hilft ja nix. Auch wenn es eine Schande war, das zu unterbrechen – ich musste aufs Klo. Ging also, klappte den Klodeckel hoch, wartete, bis der Schwanz etwas abgeschwollen war und fing an zu pissen, und da stand er plätzlich neben mir. Drehte mich zur Seite, Richtung Badewanne und hielt den Arm in meinen Pissstrahl, stieg in die Badewanne, zog mich ebenfalls hinein. Ich zielte jetzt auf seinen Oberkörper und auch er fing an, und so standen wir in der Wanne, pissten uns an und lachten, während uns die warme Körperflüssigkeit des anderen den Körper hinablief. Spätestens als wir die Dusche anstellten und uns einseiften waren wir wieder hart und die Nacht noch jung.
Dieser Text erscheint im Rahmen der Aktion KURZSCHLUSS 3 von BastiH vom Chaosplaneten. BastiH hat gestern aus gesundheitlichen Gründen sein Blog vorerst geschlossen. Schade um KURZSCHLUSS, und schade um den Chaosplaneten. Von hier aus Gute Besserung, verbunden mit der Hoffnung auf eine baldige Wiederkehr.
Hier noch mehr Hingabe:
to01
Frau von Welt
suspect Zero
HUNG UP
Georgette hat einmal erklärt, dass die Organe zu bestimmten Uhrzeiten ihre Ruhepausen haben oder besonders hektisch ihrer organischen Funktion nachgehen. Um 1.00 ist Leber, also ein Glas Wasser trinken. Um 3.00 Uhr morgens kann man glatt an der Lunge vorbei rauchen, ohne dass sie das merkt. Zeitgleich, das wusste ich schon aus Erfahrung, tritt der Würgreflex außer Kraft. Die frühen Morgenstunden sind also besonders gut geeignet für Deep Throat und Rauchen. Meine Seele hat auch ein inneres Timing. Täglich, morgens zwischen 5.30 und 6.45 ist sie empfänglich für Depressionen. Der Trick ist, um diese Uhrzeit noch zu schlafen. Heute ist nun der zweite Tage in Folge (von insgesamt dreien), an dem der Wecker um 6.30 Uhr klingelt.
Das frühe Aufstehen hat den Vorteil, dass man früher mit der Arbeit fertig ist. Der Nachteil an der Sache ist, dass ich spätestens um 15.00 Uhr total entkräftet bin. Meist leg ich mich dann um 17.00 Uhr nochmal schlafen, um noch etwas Energie für den Abend zu haben. Leider verschlafe ich dann das Emotions-Hoch, das meist so gegen 18.00 Uhr aufkommt. Morgen bin ich wahrscheinlich ein Selbstmordkandidat.
Off topic: Heute eine Nachricht „Nein, ich hab Dich nicht vergessen – ich hatte nur soviel Stress!“ Duhhhhh.
Eine andere: „Are you fucking someone else? – I miss you. Did you forget our tender night??“ No. I didn´t. Dazu später mehr.