Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

THE INFANT KISS * back home they´d call me dirty… oder TEEN SPIRIT

Unlike Madonna habe ich offenbar einen eingebauten Anstandsfilter. Und so konnte ich zwar mit meinem Jesus 19jährigen Verehrer wunderbar reden und knutschen und rummachen, aber währenddessen kam ständig der Gedanke „Der wäre doch toll als Tanzpartner für mein Patenkind bei ihrem Tanzschulenball“ und dann kann ich ja schecht mit ihm ficken, das wäre so Baekeland irgendwie. Und alles in allem tragisch. Er 29 und ich würde sagen – das ist er. Oder ich 29. Aber so? Und nachdem er mir all seine Lieblingssängerinnen ans Herz gelegt hatte, lief beim Liebesspiel Kate Bush, nach der er sich auch prompt erkundigte, er hatte noch nie was von ihr gehört. Aber es gefiel. Und jetzt trink ich sein Becks Gold aus und geh schlafen. Und träumen. Und Gott verwünschen, mal wieder, für sein miserables Timing.

Und lese nochmal sein Tattoo. Und riech an meinen Fingern. Yes. They smell sweet.

40 GOING ON 80

Morgen um 11.00 Uhr Konzert* und um 15.30 Uhr Kino. Is doch doll, kommt man früher nach Hause und kann sich zu Rosamunde Pilcher mit Franzbranntwein einreiben.

*Ich trau mich kaum zu sagen, was. Vielleicht bring ich morgen den Mut auf.

GLAMSOMNIA

Da wachst du auf, es ist 3.00 Uhr morgens, und du bist sehr sehr wach. Weil du versehentlich um 20.00 bereits eine Flasche Wein getrunken hattest und vorm Fernseher eingeschlafen bist. War das wirklich Julia Roberts da in dem Film? Was hatte sie dort verloren? Ebenso verloren wie die Rolle, die sie spielte, in der Handlung. Hätte sie mal den Sohn genommen und wäre abgehauen, dann hätte der Alte sie nicht totfahren können und der Sohn hätte nie ein Buch geschrieben, geschweige denn das Manuskript verbrennen müssen denkst du während du deine Cola light Lemon trinkst und dann gleich noch eine. So ist es mit richtigen Entscheidungen, man trifft sie zu selten. Was dazu führt, dass sich niemand traut, einen zu fragen „wie geht´s Dir?“, aus Angst vor einer ehrlichen Antwort. Man ruft ja selbst schon niemanden mehr an, weil man nichts Gutes mehr zu sagen hat, sondern alles immer noch noch schlimmer wird.
Der Versuch, wieder einzuschlafen scheitert, trotzdem will man nicht aufgeben und lässt das Licht aus. Wenn man die Augen schließt, sieht man dahinter Strukturen. Wie Haut. Menschenhaut, schuppige Menschenhaut – schieb die Gedanken ins Positive, Dickhead, sonst kommt wieder dieser Traum, wo du dich in dieses krebsartige Alien verwandelst und dir aus dem Rückgrat so meterhohe Stacheln sprießen. Denk an — Elefantenhaut.

Anstatt dass langsam innere Ruhe einkehrt, rasen die Gedanken auf mich zu und ich spiele mit ihnen Baseball, lande aber keinen einzigen Treffer. Und dann resigniere ich und mach das Licht an. Ein Film liegt noch vorm Player und so schau ich mir mitten in der Nacht „Tropic Thunder“ an und lache ein paarmal wirklich laut und nach dem Film bin ich auch nicht müder. „Du liegst hier schaflos in Berlin, Dickhead. Steh doch auf und geh raus! Da hat doch diese Bar aufgemacht , in der Nachbarschaft. Das wär doch jetzt DIE Gelegenheit!“ Aber dann kommen wieder die Gedanken und die Gewissheit, dass ich so nicht mehr leben will. Nicht dass ich sterben möchte, ich habe eine Scheißangst vorm Sterben, aber so will ich einfach nicht mehr weiter. Und dann, kurz vorm Einschlafen, denke ich an den verschwundenen Portugiesen, der in der Nachbarschaft gewohnt hat, dessen Gesicht auf Plakaten in der ganzen Stadt zu sehen ist, weil er eines Nachts nicht nach Hause kam und keiner weiß, was mit ihm geschehen ist. Verschwinden hat eine gewissen Eleganz, einen mythischen Nimbus. Aber man will doch nicht gleich weg sein, es reicht doch völlig, mal eine Weile woanders zu sein.

ES HAT NICHT FUNKTIONIERT

Täuschungen, insbesondere erfolgreiche Selbsttäuschungen, sind häufig zweckdienlich. Wenn wir uns einreden, wie Scheiße wir sind, dann bleiben wir eben zu Hause, so kann uns weniger passieren. Wenn wir uns einreden, es wird schon wieder, dann können wir einen Zeitraum der Misere leichter überbrücken und am Ende stellt sich heraus, es war gar keine Überbrückung, es hörte gar nicht auf, Scheiße zu sein, aber mit dem bisschen Hoffnung Selbsttäuschung war es wenigstens etwas leichter zu ertragen. Im Englischen heißt es deshalb auch disappointment. Eine Verabredung („es wird schon wieder“), die nicht eingehalten wird. Im Grunde ent-täuscht man sich, um festzustellen, dass das Versprechen leer war und dass man seinen Bonus aufgebraucht hat. Alles ein bisschen sehr Eden Lake.

DEM GAUL INS MAUL GESCHAUT oder PIMPING HILDE

Ich finde Heike ganz fantastisch. Ich mag, wie sie „Stand by your man“ singt, ich mag sie in Filmen. In dem Biopic über Margarete Steiff hat sie mir das Herz gebrochen mit ihrem Spiel. Ohne Heike wäre Charlotte Roche nicht möglich, aber Heike musste sich nie für sowas wie das Muschisaftbuch hergeben und hat stattdessen Filme gedreht.
Ganz unberührt bin ich allerdings von ihrem Drehbuchdebut „Schwesterherz“ gewesen. Und wenn ich den folgenden Trailer sehe, dann bin ich hin- und hergerissen: in einigen Sätzen trifft sie den Ton, dass ich eine Gänsehaut bekomme, in anderen lieg sie haarscharf daneben. Den „Geschenkten Gaul“ zu verfilmen ist keine kluge Idee, weil das Buch offenbar vor Übertreibungen und Unterstellungen strotzt, wie ein Knef-Biograf herausgefunden haben will. Außerdem dürfte es schwer sein, eine filmische Umsetzung für den Schreib-Ton zu treffen, die klare harte unlarmoyante Sprache, das Knef´sche Stakkato – eine konsonantische Atmosphäre. Das Geklackere von Schreibmaschinentasten, auf die Asche fällt. In den Trailerbildern sieht mir das alles zu angepinselt und eingefärbt aus. Ich fange erst gar nicht mit den Perücken an – bei so einem Budget sollte es doch möglich sein? Oder? Bei den Wimpern hat man ja wohl schon einiges eingespaart. Der Trailer erinnert auf bestürzende Art und Weise an den widerwärtigen Marlene-Film von Vilsmaier. Der starb auch an Drehbuch und Farbe, was allerdings Katja Flints Leistung keinen Abbruch tat. Seien wir also gespannt.

KOMASAUFEN ;-)

„Und – was habt Ihr heute gemacht?“
„Wein verköstigt. Für die Party.“
„Und – was gibt´s?“
„Ach – Buffet mit Braten, Salaten und so.“
„Nein, ich meine was für Wein.“
„Ach so, rot. Weiß. Und —„
„Rosé?“
„Was jeder noch so mitbringt.“

THE THINGS THEY LEAVE BEHIND

VLudewig27

Alle meine Mitbewohner lassen Gegenstände zurück, alle. Wirklich ausnahmslos. Von Gabriel ist es die süße kleine grüne Kommode mit den Diamantknaufs aus Plastik, ein ebenfalls grünes Küchenregal und eine Tasse mit Marlene Dietrich drauf, die benutze ich allerdings nie, weil mir meine anderen Tassen besser gefallen. Sein Vorgänger, der Zombie, hat zwei so Vorhang-aufzieh-Stäbe zurückgelassen, mich schaudert bei dem Gedanken, was er damit vorgehabt hatte. Der kurzzeitige irritierte Israelit ließ einen Berliner U-Bahn-Plan zurück und einen Notizzettel. Meine indische Amerikanin hinterließ mir ein kleines Selbstbildnis in Öl auf Leinwand. Die Australierin, die zum Glück nur einen Monat blieb und die währenddessen häufig auf Reisen war, etwas Menstruationsblut und einen Schlafsack. Die georgische Miniaturtestosteronfabrik eine Lichterkette für außen, die ein Licht gleißender Intensität herstellt, so dass man sie eigentlich gar nicht einsetzen kann. Von meinem kleinen mexikanischen Weekend-stand Couchsurfer blieb ein dunkelblaues Polo-Shirt, Georgette ließ mir ihren Kühlschrank.

Nee, wartemal. Meine beiden Lieblingsspanier, die zwei Mal die Wohnung für sich allein hatten, die haben nichts hinterlassen. Die waren auch hervorragend unkompliziert und ein schöner Anblick noch dazu, die haben nichts dagelassen, die waren aufgeräumt und charmant. Und das einzige, was von denen zurück blieb, war ein Heteroporno (nach dem sie lange gesucht haben müssen in der Wohnung, denn so wahnsinnig viele Heteropornos gibt es hier nicht), den ich im Videorecorder vorfand.

GLAM KUCKT JA ALLES

*Neben bizarren Dokumentationen, Klassikern der Komödie, des Melodrams, des Thrillers, Musicals, Science Fiction, gerne auch Horror und natürlich diese feinen dänischen und schwedischen Werke; alles mit Kim Basinger Winona Ryder Jessica Lange Toni Collette, zur Zeit gerade das komplette Oeuvre von Ewan McGregor (mir scheinen Schauspieler verlässlicher als Regisseure – ist auch einfach abwechslungsreicher, wenn man mal von Bruce Willis absieht). Marilyn und Audrey und Bette, die fulminanten Schöpfungen des Erich von Stroheim eben so gern wie „Sunset Boulevard“ und, im gleichen Jahr im Oscar-Rennen, „All about Eve“. Tim Burtons fantastische Welt, Lotte Andersens Augen, Werner Herzogs Blick auf Exzentriker, Tuva Novotnys Wesenheit. Gary Oldmans Dracula. Cary Grant. 70ies Porn. Aber eben auch die Katstrophenfilme von Roland Emmerich wo allet fein zusammjefaltet und wegjesprengt wird. Auch schön katastrophal „Poseidon Adventure“, allerdings nur MIT Shelley Winters – unverzeihlich, ihre Rolle im Remake einfach zu streichen, wo das mal ne Gelegenheit für ne füllige Schauspielerin gewesen wäre, ich sag jetzt nicht Kathy Bates, aber stellen Sie es sich vor, es wäre ein Oscar für die beste weibliche Nebenrolle bei rumgekommen. Michelle Pfeiffer Louise Brooks Johnny Depp und der junge Brad. Der alte Brad. Brangelina. Der reifende Leo, der mit einem Mal ein fantastischer Schauspieler ist, nicht nur ein Schwan von einem Menschen. DU. MUSST. CALIGARI WERDEN. Gena Rowlands. So jemand wie Rachel Roberts. Manche Nachmittage gehen nicht ohne Doris Day, es ist einfach so. Die absurden Ausflüge, die Liz Taylor in den 60ern und 70ern unternommen hat. Selbst die furztrockenen Melodramen mit Greta, in denen schwarz und weiß noch bunt war. Hitchcocks perverses Dutzend fantastischer Filme. (Mrs. Danvers – das, was Blanche DuBois für die Bühne ist in Film, Archetyp deluxe). Dass einem selbst jemand wie Sally Field ans Herz wächst oder man sich freut wenn Julie Andrews mal wieder ne Rolle bekommt. P.J. Hogan, dem wir „My best friend´s-“ und „Muriels´s Wedding, „Unconditional Love“ und „Peter Pan“ verdanken. Zoolander: „I was bulimic.“ „Wow! You mean – you could read MINDS???!!!“ Diane, Bette und Goldie, wie sie „You don´t own me“ singen. Ich schäm mich auch nicht für „Yentl“ und „Evita“. Aber ich bin jetzt doch ein wenig überrascht von mir, in wen ich mich gerade verschossen habe. Seit „Adventure at the Center of the Earth“, wo es ja Richtung Erdmitte immer wärmer wird, und er sich immer mal wieder einer Schicht Oberbekleidung entledigt. Und seine Brustwarzen ganz tüchtig gegen die Baumwolle anstehen. Und dieser Welpenblick. Gestern musste ich mir sogar „Die Mumie 3“ anschauen, obwohl der in China spielt, das fiel mir zu spät ein, wo es kalt ist in den Bergen und die Chance auf Nippel-Action nicht groß. Dennoch. Wenn ich Ewan McGregor schon nicht haben darf, dann möchte ich bitte Brendan Fraser.

brendan

Die Yetis waren auch schau.

*Ja. Ich weiß. Mit n bisschen Anstrengung hätte dieser Text ganz bunt vor Links sein müssen, aber ich hab auch noch was anderes zu tun heute.