Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

GOOD FRIDAY, TOO

Dann klingelt es und der türkische Opi aus dem dritten Stock steht da und sagt
„Hier Essen. Meine Frau hat zuviel gemacht. Nehmen!“
Und ich freu mich mal wieder über dieses Haus, auch wenn ich nicht identifizieren kann, um was für eine Speise es sich handelt.

Am Abend berichtet der F. vom I. und seine Augen glänzen und er bekommt ganz rote Wängelchen und der K. bekommt eine SMS vom E. und ich werde fast ein bisschen neidisch wären da nicht die aus dem Winterschlaf erwachenden Romeos, aber das ist ja doch eigentlich auch keine andauernd verlockende Alternative zur Paarbildung und dann checke ich nochmal meine Mails udn da ist ein langer Brief von jemandem, mit dem ich im letzten Sommer ein paar Tage lang Paar gespielt habe, bis er weiterreisen musste, und als ich das „I miss you“ lese, da geht auch in meinem Herz die Frühlingsknospe auf und ich schlafe mit einem Lächeln auf den Lippen ein und wache auf mit der Erinnerung seiner Haare unter meinen Händen.

GOOD FRIDAY

Karfreitag, 11.00 Uhr. Die Leute die ich kenne sind um diese Uhrzeit entweder noch im Bett oder noch im Berghain. Geh ich halt mal schnell ungeschminkt Zigaretten holen. Mir wird schon niemand über den Weg laufen. Aber kaum dass mich der erste Sonnenstrahl auf der grauen Haut erwischt hat, sehe ich die R. mir entgegenkommen, die stolze schöne Nachbarin aus dem Hinterhaus.
„Glam, wie machst Du das nur?“
„?“
„Immer wenn man Dich sieht, siehst Du aus als ob Du gerade frisch erholt aus dem Urlaub kommst!“

So verschafft man sich Einladungen zu Spring-Celebration-Bottle-Parties!

HUT AB!

Wahre Geschichten sind sowieso meist die Besten, was daran liegt, dass die Realität oft übertreibt und die Wahrheit theatralischer ist als ein Drama. So sah das wohl auch Clint Eastwood, als er von dieser Geschichte hörte. 20er Jahre, Los Angeles, Walter Collins, neunjähriger Sohn der alleinerziehenden Telefonistin Christine Collins verschwindet spurlos. Der Polizei gelingt es nicht, den Jungen ausfindig zu machen. Erst nach einem halben Jahr sind sie erfolgreich und bringen den Jungen zu seiner Mutter zurück. Nur, dass es sich offenbar gar nicht um ihr Kind handelt. Die Polizei unterstellt ihr Überanstrenung. „Probieren sie ihn doch ein paar Tage aus!“.

Unter dieser Prämisse entfaltet sich die Geschichte eines ungleichen Kampfes – die Telefonistin gegen den Polizeichef. Die Polizei will es nicht wahrhaben, dass eine Frau die Presse aufhetzt und auf einen so groben wie peinlichen Fehler hinweist, kurzerhand steckt man sie in die Psychiatrie.

Die Geschichte nimmt noch einige Wendungen und präsentiert noch einen äußerst unangenehmen Parallelstrang: während Mrs Collins in der Psychiatrie „verarztet“ wird, deckt die Polizei eine Mordserie an jungen Knaben in Walters Alter auf. Mehr will ich jetzt nicht verraten, falls Sie sich den Film nach der Lektüre dieses Beitrags doch noch anschauen wollen.

Das erste was beim Betrachten auffällt, sind die angestrengten Sepiatöne. Eastwoods LA der 20er sieht aus wie eine vergilbte Postkarte, damit man bloß nicht vergisst, dass man sich in der Vergangenheit befindet. Ausstattung, sowohl Kostüm wie auch Set sind ebenfalls sehr angestrengt dabei, das Zeitgefühl herzustellen. Von alten Frauen, die die 20er erlebt haben weiß ich, dass sie ungern ihre Kapott-Hüte abgenommen haben, aber Angelina Jolie scheint mit dem ihren förmlich verwachsen zu sein, so dass es fast brutal ist, sie in der Elektroschock-Szene einmal ohne zu sehen. Vermutlich erfüllte der Kapotthut die Funktion, ihre Bob-Perücke feste an den Kopf zu schmiegen, das unter der Perücke befindliche lange Echthaar trägt ja auf. Außerdem macht der Kapotthut einen wirklich sinnlichen Weichzeichner-Schatten, als quasi einen Lidschatten aus Echtschatten. Angelina zeigt uns Mrs Collins in zwei Nuancen: leidende Mutter, entschlossene Rächerin. Zum Ende des Films lacht sie einmal und man erschrickt ganz fürchterlich, nach 2 1/2 Stunden sich ausdauernd flächig ausbreitenden sepiagetönten Elends der Mrs Collins, der Polizei-Korruption, der Reichen-gegen-die-Armen, der bösen Psychiatrie, des Amerikalandes eben dem Clint Easwood mit diesem Schinken ein Denkmal setzen möchte. Detalliert und korrekt. Und so ist „The Changeling“ eine in Werbeästhetik aufgemotzte Geschichtsstunde, ein Spielfilm, der in einer Mini-Serie besser aufgehoben worden wäre, da die Geschichten und die diversen Perspektiven zuviel Raum einnehmen, um einen Film, selbst in 2 1/2 Stunden rund zu machen.

Einen packenden Kriminalfall kaputt zu erzählen ist Brian de Palma mit „The Black Dahlia“ gelungen. Eastwoods „Changeling“ ist keinesweg so schlecht wie die Verfilmung dieser anderen LA-Story, die sich rund 15 Jahre später zugetragen hat. Man folgt der Handlung gebannt, wird sich aber doch sehr bewusst, wieviel Zeit währenddessen vergeht. Und beim Betrachten dieser Sepiabilder fällt mir immer wieder auf, dass dieser Film mich nicht mitnimmt. Er nimmt mich nicht an Bord, sondern lässt mich draußen stehen. Selbst der Wiki-Artikel ist packender erzählt.

Klassisches Hauptrollen-Oscar-Nominierungs-aber-doch-nicht-Gewinnen-Kino.

RETROSPOILERS oder DON´T HONK FOR LISA RINNA

Also erst lassen sie Johnny von der Klippe fallen, und das, wo doch eigentlich klar war, dass Marissa und er zusammen gehören, auch wenn es einem für Ryan ein wenig Leid tut. Dass sich Marissa für ihn entschieden hat, und nicht für den Surfer, dankt ihr Ryan indem er sie sitzenlässt. Toller Zug. Ryan bekommt eine neue Schwarzhaarige, ebenso lästig wie die Schwarzhaarige der letzten Season, Teresa oder so. Marissa trinkt und sitzt einsam am Strandwärterhäuschen, easy prey für Volchok mit der blöden Frisur. Langsam verstehe ich, warum die dritte Staffel so verrissen wurde. Die erste Hälfte ist wunderbar, mal abgesehen von Kaitlin, der schlimmen Sydney-Andrews-Travestie, and then it keeps on sucking. Dass man auch noch den Part der unerträglichen Taylor ausbaut – och nö. Staffel 4 (ohne Marissa!!) wird sich dann zu den ersten 2 1/2 verhalten wie „Private Practice“ zu „Gray´s Anatomy“. Ganz zu schweigen von der letzten Staffel Melrose, wo man sich eigentlich nur die Szenen mit Amanda anschauen konnte, und selbst die Freude war getrübt wegen dieser anderen schrecklichen Taylor (McBride), die sich kürzlich mit einem Schild auf den Melrose Place stellte und Autofahrer aufforderte, für sie zu hupen, um so Aufmerksamkeit für ihre heiß ersehnte Rückkkehr in den neu eingerichteten Melrose Place zu bekommen. So niedrig wäre nicht mal Lisa Kudrows Valerie in „The Comeback“ gesunken. Heather Locklear hat es mal wieder richtig gemacht und lässt den neuen Melrose Plase Woodward-frei. Kann bitte endlich jemand ein schickes Format für Heather Locklear und Laura Leighton kreieren???!! Mischa Barton darf auch gern mitmachen.

BERLIN ENCOUNTERS oder ist „EY COOLE SAU“ das Neue „NA MEENE SONNE“?

Die Sonne scheint grell, wie es sich für einen Märzvormittag gehört. Die Strecke, die ich über Kopfpflaster entlangrumpele, entspricht der Route zu meinem ehemaligen langjährigen Arbeitsplatz far far out in Neukoelln. Ich denke darüber nach, wie gut es war, dass der kleine Betrieb damals dann nach 61 umgezogen ist, wie mein Sozialleben davon profitiert hatte, dass ich nicht mehr in einem Fabrikgebäude arbeitete, in dem auf den anderen Stockwerken getischlert wurde oder wo man Mayonnaise minderer Qualität fabrizierte. Als ich an der Ampel vor der Pannierstraße anhalte überquert ein junger Mann, von der letzten oder vorletzten Nacht angespült, ziemlich verstrahlt die Straße. Er springt mir ins Auge, weil er einen besonders merkwürdigen Gang hat. Bedacht, konzentriert. Als ober denkt „Ich mache einen Schritt und dann den nächsten. Schritt, nächsten – so komm ich an. Schritt. Nächsten.“ Er setzt seine Chucks flächig auf, wie jemand, der in High Heels unterwegs ist oder in Plateaus. Trägt eine schmale Jeans, Kurze Jacke, ein Cap, das ihm die Augen schattiert. Ich sehe ihn im Profil, kenne ich den?, dann biege ich ab in die Pannierstraße und drehe mich um, um ihm hinterher zu schauen, sehe aber wieder nur ein schattiertes Profil. Eines der titellosen Stücke von Bomecs Electro-CD beginnt.

Ich kenne neben seiner Seite und seiner Email-Adresse nur ein verschwommenes Photo von ihm, deshalb weiß ich nicht ob er das war. Ich hätte rechts ranfahren sollen und ihn fragen „Ey coole Sau – bloggst Du?“ Wenn ja, dann hätt ich ihn nach Haus fahren können. Wenn nein, dann wär ich einfach wieder in meinen Wagen gestiegen und ein weiterer Hauptstadtbewohner hätte einen merkwürdigen Start in den Tag gehabt.

SORROWS

Dieses zu früh aufwachen ist nicht senilitätsbedingt, sondern steht in Zusammenhang mit Sorgen. Heute wachte ich zu dem Zeitpunkt auf, an dem das Patenkind ins Flugzeug stieg. Ich weiß, in einem Teenagerleben lauern größere Gefahren als ein Flug nach England, aber besser, ich bin besorgt als teilnahmslos.
Am Wiedereinschlafen störten mich Gedanken an die Steuer. (Ich ärgere mich immer, wenn ich in Blogs das Wort „Steuer“ lese, weil ich mich sofort ertappt fühle. In einer WG einer ehemaligen Mitbewohnerin gab es eine Verhaltensregel: „wer „Votze“ sagt, zahlt fuffzich Mack.“ So sollte man das mit Blogs und Steuern auch handhaben, nur hätte ich dann bald gar kein Geld mehr, was ja auch jetzt schon der Fall ist, befindet sich doch der Betrag auf meinem Konto weit jenseits der Null.) In den Schlaf hinein, bzw an ihn heran zog mich ein junger Mann, fiktiv, mit dem ich ein Theaterstück besuchte, in dem es sehr industriell zuging. Um uns zu schützen versteckten wir uns unter einer Decke, bis mir einfiel, dass ja zu Hause eine Party für mich gegeben wird. Aber als ich dort ankomme grüßt mich fast miemand. Die haben sich offenbar alle mit der bösen L. solidarisiert, egal, sollnse sich gehackt legen. Und gerade alsich wieder im Theater mit dem jungen Mann kuschele leckt die Märzsonne über mein Gesicht und weckt mich. Der Frühling ist da. Soll er ruhig reinkommen.

THE GARGOYLE

Durchaus so geschrieben, dass man es ausliest. Was jetzt aber auch nur ein Kriterium ist, dass die ärgerlichen von den belanglosen Büchern trennt. Durchaus ein paar schöne Sätze zum Unterstreichen drin. Ein toller Titel. Aber, so sehr der Autor sich auch bemüht – es mangelt an Gothicka. Bei dem Titel schwingt soviel Atmosphäre mit – wenig davon wird geliefert. Dasselbe gilt für die Liebesgeschichte. Eigentlich sollte die mich zu Tränen rühren, doch meine Augen bleiben trocken. Bei aller Liebe und Wertschätzung für überzeichnete Charaktere: Marianne Engel funktioniert für mich nicht, die wäre in einer Graphic Novel besser aufgehoben.

Eines muss man indes anerkennen: alle deutschen Zitate sind fehlerfrei geschrieben. Das hat man ja auch nicht oft.