Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

FALLING FOR/FROM THE FALLS

Gestern „The Falls“* von Joyce Carol Oates zu Ende gelesen und heut seh ich aus als hätte ich Down-Syndrom. Musste die letzten 30 Seiten aber heulen, war nichts dran zu ändern. Und weil die Tränen liefen verlangsamte sich das Lesetempo, daher die fiesen Augen. Und dabei völlig außer Acht gelassen, dass gestern meine Lieblingssonnenbrille (ein Prada-Klassiker) zu Bruch gegangen ist.
Unfähig den Fernseher anzustellen, nach so einem brachial-genialen Werk, hab ich die Abendgestaltung dann dem Ipod überlassen, der meine Stimmung spürte und sofort dramatisch umsetzte. Vorhin gecheckt ob ich nach der Flasche Wein peinliche SMS verschickt habe. Geht so. Sehr stolz, in meinem SMS-Angebot einem speziellen Menschen keine geschickt zu haben, aber seinen Namen habe ich endlich im Addressbuch gespeichert. Immerhin.
niagara2
Viel zu früh aufgewacht, weil mich die Sorge plagt, wie ich für mein 6-wöchiges Exil doch noch einen Untermieter für die Wohnung finde. Na ja, hab ja noch ne Woche Zeit. Wenn ich eh schon zur Spreepiratinnenparty nicht da bin, kann ich ja meine Wohnung als Übernachtungsmöglichkeit für West-Blogger zur Verfügung stellen – präsent in Absenz. Also wenn jemand Lust hat, seinen Berlin-Aufenthalt spontan bis Mitte/Ende August zu verlängern: schicke 3-Zimmer DG-Wohnung, 75 m2, reichlich bepflanzte, pflegeintensive Terrasse, DSL, TV, DVD (huge collection). Ab 7.7. für 6 Wochen in liebevolle Hände abzugeben.

Trost: heute früh SMS von Choc: Da Kai heute abreist hat sie wieder mehr Zeit zum Bloggen. Und da Kai nicht mehr auf Ibiza ist, ist er bald wieder in Berlin.
*@choc: paperback release: 4.7.05
Notiz an mich selbst: Wie kommt es, dass ich „Niagara“ nicht auf DVD habe??

OCH, SCHADE…

Wieder verdanke ich der Spreepiratin eine Inspiration. Eine Beinahe-Verliebens-Geschichte.
Es ist 2004, Frühling, es ist Mittag, ich habe 3 Stunden Schlaf hinter mir und gerade den Hund abgeholt, den ich wegen nächtlicher Eskapaden über Nacht ausgelagert hatte. Die Sonne scheint und im Görli toben bestimmt schon ein paar Rudel – da hat er Bewegung, ohne dass ich mich bewegen muss. Setze mich auf eine Bank und schau dem Baby zu. Froh, mich nicht bewegen zu müssen, Frühlingssonne auf Winterhaut, Schweigen. Aber dann mache ich es – eine Bewegung. Vor mir steht ein hübscher Mann mit Dreadlocks und Fahrrad und Bierdose in der Hand und missdeutet meine Regung.
„Oh – äh, ich dachte, Du wolltest aufstehen.“
„Nee, kannst Dich aber gerne dazusetzen.“
So sitzen wir und schweigen jetzt zu zweit. Es ist nett, mit ihm zu schweigen, aber genau so gut können wir reden, also probieren wir das. Klappt auch ganz gut. Er ist letzte Nacht vom Fahrrad gefallen. Ja, Berlin ist gefährlich. Ich habe gestern zuviel von den rosa Getränken getrunken. Der Hund kommt zwischendurch und schaut, was ich so mache, reißt die Bierdose des jungen Mannes um, es gelingt mir gerade noch, sie aufzufangen. Ich bin ganz stolz. Etwa zwei Stunden später muss ich zum Görlitzer Bahnhof, meinen Freund Uli abholen, den ich 15 Jahre nicht gesehen habe. Wenn ich mich nicht so auf das Wiedersehen freuen würde, dann würde ich es bereuen, die Parkbank-Unterhaltung abzubrechen.
„Zum Görlitzer? Ach. Ich hab ja nichts vor. Macht´s Dir was aus, wenn ich mitkomme?“
„Nein – gern, komm doch mit.“
Und wie die ältesten Freunde latschen wir durch den Park.
Auf Höhe Feuerwehr, Wiener Straße, sehe ich Uli und wir umarmen uns.
„Das ist Uli und das ist -„
Äh, ich weiß seinen Namen gar nicht.
„Ich bin Louis.“
„Ja – ich bin übrigens Glam*.“

„Na ja. Ich geh dann mal. Man sieht sich!“
„Ja, tschüss – äh – bis bald.“

Einmal habe ich ihn noch gesehen. Da war ich wieder mit Hund auf Weg in Park. Louis war schon ein ganzes Stück weg, als ich den Wagen geparkt hatte. Der Hund sprang aus dem Auto und raste einer Hündin nach.
„Mensch – pass auf Deinen Hund auf. Meine ist läufig.“
Slapstick. Ein Sandra Bullock-Moment (vor 20 Jahren wär´s ein Goldie Hawn-Moment gewesen) – rechts Hund in Gefahr, links Louis, nach dem ich zwei Monate lang Ausschau gehalten hatte.
Mein Blick, panisch, wie early-video-game-tennis. Ich rufe ganz laut „LOUUUUIS!“ aber hinter mir fährt ein Feuerwehrwagen, er hört mich nicht.
„Holst Du vielleicht endlich Deinen Köter, Mann?!“
Ich renn hinter dem Hund her, leine das arme, verdutzte Tier an und presche mit ihm die Straße entlang, in die Richtung in der Louis verschwunden ist. Und bleibt.

* Name rezeptionsästhetisch geflunkert, (Danke Burnster).

IN VERTRETUNG FÜR CHOC

The war of the Cruise continues…

Brooke Shields, die von Tom Cruise Kritik einstecken musste, weil sie gegen ihre postnatale Depression erfolgrecih Pillen geworfen hat, hat sich geäußert: „In many ways, I think he’s just validated my book. Has he had a baby? Anything that highlights the help available to the thousands of women who suffer is fine by me. Tom should stick to saving the world from aliens and let women decide what treatment is best.“
Well done Brooke! Ich geh sofort und leih mir…

(Source: http://www.imdb.com/news/wenn/2005-06-28/#2)

REGRETS I HAVE A VIEW

It´s only been a day and I already miss Miss Choc. Und lamentiere hier ganz offen den ausbleibenden Erfolg meiner Ines-Serie. Mensch, watt ick allet vorhatte mit dem Mädel…

BOY, INTERRUPTED

Wenn sich das Leben und Erleben doch mal bitte in zwei Gruppen aufteilen könnte: „vorher“ nach rechts, „nachher“ nach links.
Stehe da, schau mir das an. Stell mich in die Mitte und schaue auf die Uhr.
„Darf ich bitte nochmal kurz raus?“
„Wer in der Pause rausgeht wird nie wissen wie es ausgeht.“
„Aber ich komm doch wieder.“
„You are excused.“
„Dankeschön.“

DIE DREI ? UND DIE SCHLÜPF(E)RIGE ROBBE, DIE KNEIPP FALSCH VERSTANDEN HATTE

Nachdem ich ja am Sonntag einen sehr kinderfreundlichen Beitrag über Jungs aus dem schicken Stadtbezirk Schlachtensee abliefern konnte, hatte ich heute ein Erlebnis mit Mädchen aus Kreuzberg (Kreuzberg 36, das Aso- und Freak-Kreuzberg, wo mein Zuhause ist). Ich saß mit zwei Freunden an diesem terrassenförmig aufgebauten Hundewaschbecken (some would call it a „water feature“) im Görlitzer Park. Das sind Stufen von ca 1m Länge und 6cm Höhe, über die Brackwasser fließt. Da ich in meinem hohen Alter keine Infektionskrankheiten mehr fürchte, hatte ich (und hatten meine Begleiter) die Füße im Wasser. Drei Mädchen – ich nenne sie „die Fragezeichen“, im Alter von ca. 7-9 Jahren stiefelten auf der Suche nach Erfrischung ebenfalls durchs Wasser. Eines hob immer wieder den Rock (über Schlüpfer-Niveau), die anderen beiden unterhielten sich in einer Art Geheimsprache.
„Nibbelwibbel klipklip klapp.“ (erregt!)
„Wungemunge lillebille“. (verlebt und abgebrüht.)
„…“ (entsetzt, Rock lüpfend.)
Ein viertes Mädchen, übergewichtig, nur mit einem hellblauen Schlüpfer bekleidet, robbte wie ein gestrandeter Wal (der Vergelich ist billig, zwang sich aber hartnäckig auf) über die Stufen. Immer WIEDERRR. Bäuchlings. Robb robb. Platsch. Robb robb. Platsch.
Die kleine Robberin robbte von oben nach unten. Unten verweilte sie im ca. 30cm tiefen grünbraunen Wasser. Pinkelnd? Es wirkte so. Die Fragezeichen (immer nebeneinander, auch wenn es eng wurde) staksten Röckchen zwirbelnd von unten nach oben, dann wieder zurück.
Nach dem die 3 Fragezeichen ein fünftes Mal den Weg hinter sich gebracht hatten (die kleine Robbe hatte bei ihrer Fortbewegungsart mehr Zeit gebraucht und es nur auf drei Wege gebracht), hatte eine meiner Begleitungen einen irrwitzigen Gedanken.
„Ob das an diesem Wasser liegt?“
Gleichzeitiger als Synchronschwmmerinnen in einer Esther Williams-Choreografie hatten wir unsere Füße aus dem Wasser.

DIE KAPVERDEN, THE WALL UND CYNDI LAUPER

Die Spreepiratin hat gerade eine ganz reizende Urlaubserinnerung ausgelöst. Als in Deutschland der Euro eingeführt wurde, machte ich einen Januar-Urlaub auf der kapverdischen Marslandschaftsinsel Sal. Kein Baum, kein Strauch, trotzdem ein hübsches Dorf namens Santa Maria. Tagsüber lag ich am windgepeitschtehn Strand, Nena-hörend, während pechschwarze, antilopesk-sehnige Fischer ihre Boote bunt bemalten und ihre Pausen-Zigaretten bei mir schnorrten. Wenn ich mir nicht gerade mal wieder einen Zeh brach, ging´s mir ganz hervorragend.
Es gab eine kleine Surfer-Bar, wo es abends gut auszuhalten war: ein Schaufenster, das auf die Straße ging, durch die der Wind pfiff. Da setzte man sich an einen Biertisch, trank Caipirinha und Bier und schaute den baggernden Surfern oder dem nicht minder attraktiven Bar-Personal zu. Wechselnde DJs beschallten die Gasse mit wechselhaft qualitativer Musik. Eines Abends sitze ich, schaue, trinke und höre mit einem Mal Cyndi Lauper singen. „We don´t need no education – we don´t need no thought control“. Ich verschluckte mich. Das einzige Mal (die einzigen Male), die ich dieses Lied von dieser Cyndi gehört hatte war, als ich Ende der 80er zwei Wochen lang bei „The Wall“ am Potsdamer Platz beschäftigt war. Da trat nämlich nicht nur Cyndi auf, sondern auch icke – als „speer carrier“ in Roger Waters Armee. Und Cyndi war ne ganz Liebe, die uns (schon mittags alkoholisierten Anfang-20jährigen „Tänzern“) immer lieb zuwinkte.
10 Jahre später hör ich Cyndi auf den Kapverden. Das war der Tag, an dem ich den DJ kennenlernte. Und wenn einen der DJ am Strand mit Handschlag begrüßt, dann bedeutet das was in Santa Maria auf Sal, Cabo Verde.

No story without footnote. Es war nicht die letzte Begegnung mit Cyndi Lauper. Als sie ihre „At last“-CD im Quasimodo vorstellte war ich da. (einer der wenigen zahlenden Gäste – der Rest war industy und nervte durch laute Gespräche.) Cyndi war sauer, musste „Walk on by“ abbrechen, weil sie im Monitor nicht mehr sich selbst sondern auch das blöde Gequatsche hörte. Und fand die Laune wieder. Und sprang von der „Bühne“, tanzte durch den Saal, zielstrebig auf mich zu – sang mich an, stieg neben mir auf ein Podest und sang und sang und sang. Seitdem bin ich Fan. Die „At last“-CD ist ein MUST-HAVE. Und wenn ich noch einmal die Kapverden besuche, dann nehm ich die mit. Und „True colors“ ist, obwohl von Phil Collins vergewaltigt, eines der schönsten Lieder der Welt! Wer das nicht mag, der hat bestimmt keine Seele (oder den „Wiz“ gesehen – siehe movies from hell- und keine Seele mehr).

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DIE SÖHNE DES SCHLACHTENSEES

Heute die Boot- und Badesaison eröffnet. Das ist immer wie ein zweiter Geburtstag und mit Freund Jürgen und einer Gummibootflotte haben wir den Schlachtensee gestochen. Man nimmt immer Bücher und Musik mit und dann ist alles so perfekt, dass man keine Fremdinformation braucht. Visuell genügen Wasser, nasse Menschen und Wald und dem andern Kapitän beim rosawerden zuzusehen. Alljährlich kommentieren wir das mit „DAS ist morgen braun“. Meistens stimmt´s. Gegen später entstand eine Situation, die mich zunächst an den schönen Satz „Native boys ate my cousin Sebastian“ aus „Suddenly last summer“(*Siehe Fußzeile) erinnerte. 4 Jungs in Michael Jacksons liebstem Alter (schätzungsweise 12, 13) enterten unsere Boote und ich dachte „jetzt werde ich auch noch von kannibalischen Kindern ge-gay-basht, dabei fing der Tag so gut an“, aber die Jungs waren tatsächlich einfach nur nett und lustig und fanden es cool, den alten Homos mal ein bißchen Tempo zu machen. Sie hingen sich an unsere Boote und wir ruderten sie ein wenig über den See. Zu aller Zufriedenheit: wir genossen den workout, die Kids hatten etwas Abwechslung beim Schwimmen. Es fiel sogar der Satz „Jetzt plansch doch nich so – siehst doch, dass der Alte n Handy an Bord hat“.

Nachdem wir sie am Strand ihrer Wahl agbesetzt hatten fiel uns beiden zeitgleich auf „das könnten vom Alter her unsere Söhne sein.“ Für einen Homosexuellen ein ungewohnter Gedanke. Also, liebe Berlin-Touristen: am Schlachtensee gibt´s noch höfliche Kinder. Demnächst muss ich nochmal die Geschichte von der „Seltsamen Gräfin“, die dort einen Schankbtrieb unterhält und der „Ruderkönigin vom Schlachtensee“ (Katja Riemann) erzählen. Was man alles beim Nichtstun erlebt…

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(Ich weiß, wie alt ich auf dem Bild aussehe. Ich lass mich auch in Zukunft nicht mehr mit 12-jährigen fotografieren. Das Foto verdanke ich übrigens Ruder-Luder LuckyStrike, von dem ich hoffe, dass er hier demnächst einen Berlinblüten-Blog macht. Dafür schenke ich ihm auch die Rubrik „Gay astray“.)
* Unter der Rubrik Crazy Ladies in Kürze „Wie Liz Taylor zusehen musste wie ihr Cousin Sebastian von Eingeborenen gefressen wurde und warum Katherine Hepburn sie deswegen lobotomieren lassen wollte, was glücklicherweise von Montgomery Clift vereitelt werden konnte, nicht jedoch ohne dass wir Liz Taylor in vielen dramatischen Situationen kreischend, aber immer perfekt gestylt, zu sehen bekamen.“

THE BIRDS

Und ick hab ne wut am Leib und ick kriech se nich wegjesteckt. Wat isn ditte? Und immer wenn ick so druff bin kommt dies Aas von Vogel und setzt sich auf die Haube der Daube und macht so schrill Vogelmusik, dass die Nachbarn von gegenüber rübergucken, vorwurfsvoll. HALLOOOO – ick hab det Tier nich bestÄ-HÄLLT. Einmal Bodega Bay für Euch, one way. Tschilp tschiiiiiiiiiiieeeeeeeehhhhhhhhhhlllllp – aber so dass Gläser springen, und die meisten sind schon gesprungen (oder sonstwie in den Müll gewandert).
Und dass gegenüber das DG neue Bewohner hat, die neugierig auf meine Terrasse glotzen wenn ick jrad die Ameisenkönign abschieße oder schwule Pornos laufen, det passt ma ooch nich. Kann ma nich ma jemand ne Yacht reichen verdammt? Und jetzt -´ n Kleinhund macht diese fiesen Kläffgeräusche. Dankeschön, die Grünen, für die 90cm-Leinenpflicht, denn erst jetzt können wir das Gekläff unserer noch hysterisierteren Hunde wirklich genießen. AAAAAAAhhhrghhhhhhhhhhh: Ick will wech. Tschilp. TschiIIIELLLPPPP!
birds

THE QUEEN IS DEAD

Ich betrat die Terrasse aus dem Arbeitszimmer und konnte sie sehen. Wochenlang hatte ich darauf gewartet. Sie war in Richtung Schlafzimmertür unterwegs und ich schaltete schnell – erschlagen oder vergiften? Vergiften! Die Sprühflasche genommen, draufgehalten: „Da hast Du´s – LUDER“ und tot war sie. Jetzt ist Schluss mit Blattläuse züchten und noch mehr Ameisen ansiedeln. The Queen is dead, die Terrasse wieder mein allein. Long live the king. Oder „La terrasse – c´est moi!“