Der Lärm reibt mich auf. Seit wievielen Jahren geht das jetzt? Seit forever. In dieser kleinen, ansonsten behäbig scheinenden Straße wird permanent gebaut. Und man sieht es nicht. Es sieht alles immer so Scheiße aus wie vor den Bauarbeiten. Wenn nicht gebaut wird, dann wird irgendwo ein Boden abgeschliffen. Oder eine alte Heavy-Metal-Flohmarkt-Sammlung auf dem alten Vinyl-Player ausgetestet. Am offenen Fenster. Oder einer der eingeparkten Wagen (davon haben wir hier morgens einige) versucht, sich freizuhupen. „Highway to hell“ zum Frühstück ist mir allerdings lieber als dieses Klopfen, Wummern, Schleifen, Bohren und das Geräusch, von dem ich heute morgen aufgewacht bin: hörte sich an wie eine Waschmaschine, die man aus 10 Metern Höhe in einen überdimensionierten Altglascontainer fallen lässt. Es waren drei davon.
Vielleicht zieh ich doch in den Harz in das Haus am Waldrand.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
NAMEDROPPING
Fangen wir simpel an, da noch frisch in Erinnerung: Ennis Del Mar, Jack Twist, Tess Durbeyfield, Alec D´Urberville, Angel Clare.
Scarlett O´Hara, Rhett Butler, Sugar Kane, Roslyn Tabor. Margo Channing und Eve Harrington. Norma Desmond. Holly Golightly. Da fängt es aber schon mit den Nebenrollen an. Hollys boyfriend? Die Turbanfrau? Mir fällt nur Mister Yunioshi ein. Und Meg Wildwood („Abfaaaaaangen!“) Josephine und Daphne – wie hießen die aber mit Nachnamen? Dafür Pluspunkte für Ashley Wilkes und Cousine Melanie. Roslyns Mann war Gaylord (was sich Arthur Miller wohl dabei gedacht hat?). Derek Zoolander und Haensel (kein Nachname). Michele Weinberger und Romy White. Martha und George – wie hießen die mit Nachnamen? Santine und Christian. Einfach: Gloria Vane. Baby Jane Hudson. Charlotte Hollister. Angeberpunkt für Judith Traherne. Mrs DeWinter, Mrs Danvers. Maxim DeWinter. Carrie Bradshaw, Charlotte York, Samantha Jones, Miranda – Hobbes? Kelly Garrett, Jill Munroe, Sabrina Duncan. Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie. Patsy Stone und Edina Monsoon. Elsie Marina, Pola Debevois, Lorelei Lee, Angela Phinlay, Ellen Arden, Miss Casswell, Rose Loomis. Norman Bates. Shrek!
Und in all den Jahren konnte ich mir nie die Namen der Pflegekinder von Fran Fine merken, aber Digger Barnes hat sich im Hirn festgekrallt, der alte Suffkopp.
THE LOST WEEKEND
Einen Tag Ruhe verordnet. Und gleich zwei draus werden lassen. Nur ein einziges Telefonat geführt. Die Wohnung nur verlassen, um mich Samstagmittag unter die Mengen auf der Friedrichstraße zu begeben und unsichtbar zu tun („How to be invisible“ im Ohr). In der Diamant-Parfümerie Parfum gekauft. Pfiffig! Zumal es dort auf alles 20% gibt – almost like the Intershop of olden days. Bei Dussmann das Wochenend-Entertainmentprogramm besorgt und währenddessen einem attraktiven Hetero mit meinem Klingelton beim Musik-DVD-Shoppen beobachtet, während er am Telefon von einer Einschulungszeremonie berichtete. In meinem Warenkorb: „Tess“ und „Breakfast with Tiffany“ von Edmund John Wintle. Das Buch in zwei Tagen durchgelesen – laut gelacht und das eine oder andere leise Tränchen abgequetscht. Als am Sonntag der Sonntag immer noch nicht vorbei war erwägt, eine DVD auszuleihen. Warum eigentlich, wenn ich schon so viele hier habe? Ein bisschen „Shrek2“ ein bisschen Vintage Falcon. Und mal wieder „Brokeback Mountain“. Endlich mal drauf geachtet, was denn nun wirklich mit Ennis´ Hemd passiert.
Meinetwegen kann die Woche losgehen, ich bin dann jetzt soweit.
TRUE TALES FROM THE KONDITOREI ZWEI oder LE SWIMMING POOL
Es war einmal zu einer Zeit, als in Bäckereien nur Backwaren verkauft wurden, lange lange lange bevor coffee to go, Handy-Karten, Lounge-wear und Cruising Packs angeboten wurden. In der guten alten Zeit also, als noch Backwaren drin waren wo Backwaren draufstand und die Wild am Sonntag noch von alten Männern, die ihre Rente schon am 5. des Monats versoffen hatten, zwecks Zubrotes an der Wohnungstür verkauft wurde. Als Fleischer noch nicht in Gemüse handelten und Taxischulen keinen integrierten Weinladen mit Biscotti-Angebot hatten.
„Zwee Pfannkuchen hätt ick jern. Und hams ooch ne Tass Kaffe?“
„Na klar doch, Meester. Und ick kann den Laden ooch mit Wasser uffülln, denn isset jlei nochn Schwümmbad, wa.“
(Diese hat Augusta erlebt.)
TRUE TALES FROM THE KONDITOREI, HEUTE: SPICE UP YOUR SCHRIPPCHEN
Alter, stattlicher, gepflegter Mann. Weiße Haare, weiße Hose, orangenes Hemd, weiße Weste, Kapitänsmütze. Really Old Spice. Fehlt eigentlich nur ne Pfeife und ne Jolle, die in der zweiten Reihe parkt. Desweiteren, „meene Sonne“, d.h. meine Lieblingskonditoreifachverkäuferin – die Blonde mit der juten Laune.
„Na Schätzchen, wat darfet sein?“
Oh! Er ist auch ihr Schätzchen!
„Zwee Schrippen. Aber keene von jestern.“
„Nee, Schatz – die sind von vor zwee Wochen. Kannste besser dran lutschen.“
„Na denn.“
„Und wendet umdrehst issetn n Schuh.“
GLAM VERLERNT SCHNELL
Verdammt. Wie ging das nochmal? Schutzlos nackt steht er im Licht des anbrechenden Morgens vorm Bett, umarmt sich selbst, doch heute ist ihm dies nicht genug. Durch die Balkontür weht ein kalter Wind. Er nimmt das zerknüllte T-Shirt, das am Boden liegt, zugegebenermaßen auch die Unterhose vom Vortag (ist ja nur für die erste Stunde), zieht sich die Textilien über die kalte Haut. Schlurft in die Küche und winselt, als seine Füße die Kacheln betreten und im Schockfrostzustand SOS-Nachrichten nach oben morsen, für die es auf der Brücke noch viel zu früh ist, denn was jetzt zählt ist Teewasser aufsetzen, Gedanken müssen sich noch eine halbe Stunden gedulden. Selbst die Electric Petra schaudert und weigert sich, den Siedepunkt des Teewassers zu gewährleisten. So hält der den Erhitzschalter selbst fest, bis das Wasser kocht. Genießt die abstrahlende Wärme.
„Wie macht man das nochmal? Was tut man, wenn man friert?“ (es ist August, es ist früh. Er hat seinen ersten Tee noch nicht getrunken, man verzeihe ihm die Langsamkeit im Denken), stellt er sich die Frage, während seine Füße abwechselnd tapsen, um sich der kalten Bodenhaftung zu entziehen.
Da fällt es ihm ein! Bademantel! Ich ziehe einfach einen Bademantel über! Und während seine immer noch kalten Zehen sich in ein rosa Lammfell graben, huschen die Finger nun doch leidlich gewärmt über die Tastatur. 7.00 Uhr morgens. August. Deutschland.
GLAMPÖRT oder AUCH DAS NOCH: GLAM WIRD BEKLAUT
Wenn man unbenannt zitiert wird, und so der Eindruck entsteht, das Zitat stamme aus der Gedanken- oder Erlebniswelt des zitierenden Bloggers, dann kann man doch durchaus von Plagiat sprechen, findet Ihr nicht?
NIX LOS BEI GLAM
All work, no play. Aber immerhin habe ich es geschafft, dass der Ipod die verschwunden geglaubten Playlists wiederentdeckt. Also konnte ich mir mit „Best of Rufus“, Nick Hornby und einer Flasche Pescador einreden, dass ich mir auch mal drei gemütliche Stündchen in der von Brittbee neu bezogenen Hollywoodschaukel gönnen kann. Kurzurlaub sozusagen, den mein Körper nicht mehr ganz begreift, da ich die vergangenen 12 Tage durchgearbeitet habe. Es kommt mir vor wie 20.
Hinterhofgeräusche:
– Wecker
– Hip Hop
– Kinderschreien
– Erwachsenenlachen, männlich, schmutzig.
– Telefon
– Fahrrad klackt an Fahrradständer
– Türknallen
– Türöffner (kapi zili)
– Eisentor scheppert
– Dire Straits (bei Weitem am Schlimmsten)
– Drogendealer mit Hörschaden und hoher Stimmlage preist Qualität von Liquid E.
THE MOMENT I WAKE UP
Aber umgekehrt habe ich´s auch schon erlebt, vielleicht beschäftig es mich deshalb so. Marocco 1999. Da knallte ich aus süßen Träumen auf einen schmuddeligen Hotelfußboden. Man fühlt sich ziemlich verwirrt, wenn man aus dem Bett gekickt wird, in einem schrecklichen Hotel, zumal vom Partner. Zwei Wochen später war dann auch Schluss.
Cue: Annie Lennox
I used to have demons
In my room at night.
Desire – despair, desire – despair
So many monsters…
ONE MAN GUY IN THE MORNING, ONE-MAN IN THE AFTERNOON, ONE MAN GUY, WHEN THE SUN GOES DOWN I WHISTLE ME A ONE MAN TUNE
Wobei es schon seltsam ist, dass ich im Schlaf Menschen, die in meinem Bett liegen, herausschubse, mit Händen und Füßen (mal ganz abgesehen vom nächtlichen Reden, Wandeln, Telefonieren). Folgende Fragen ergeben sich:
1.1. habe ich das schon immer gemacht?
1.2. weshalb erfahre ich erst jetzt davon?
1.3. waren meine Schlafgefährten diskret oder war es ihnen peinlich, mir davon zu berichten?
2.1. aus welchem Grund tue ich das? Indiscriminately. (Ich mag ja meistens die Menschen, mit denen ich mein Bett teile.)
2.2. was spricht dagegen, das Bett zu teilen? (Es ist groß genug, wir haben schon zu 4t darin geschlafen).
2.3. Bedarf es einer charakterlichen Qualifikation, von mir nicht aus dem Bett geworfen zu werden?
2.3. Wenn ja, welcher?
3.1. Sollte ich, bei meinen unzähligen (wenn auch latent lapidaren) Schlafproblematiken langsam mal daran denken, eine Schlaftherapie zu machen?
3.2. Gibt es Therapien, in denen man freundliches Schlafen erlernen kann?
3.3. Legt sich das von selbst, wenn ich mit der richtigen Person schlafe?