Sie sitzt an der Bar und sieht aus wie die Cousine meiner ibizenkischen Lieblingskellnerin: Mitte/Ende 50, lange Haare, enge Jeans, starkes Make-up. Ella, Sakilight und ich haben gerade unsere ersten Getränke geleert, das Konzert Revue passieren lassen und ich muss nun endlich meine Wainwright-Delpy-inspirierte Filmidee schriftlich festhalten, geh also an die Bar um mir Stift und Papier auszuleihen. Auch ihre Stimme erinnert an die ibizenkische Lieblingskellnerin. Reibeisen.
„Allo tu es Americain?“
„Non, je suis Allemand. Berlinois.“
„Aaaaahhhhh! Berlin. J´adore! J´étais la et c´est très liberale! Je suis Monique.“
„Je suis Glam, enchanté!
„Je suis putain, tu sais. Prostitute. Berlin est und paradis pour une putain!“
„Ah, c´est vraie? Do you think I should try it?“
Und die nächsten Minuten erklärt mir Monique die Vor- und Nachteile der Prostitution in Paris im Vergleich mit dem Arbeitsstandort Berlin. Ich hatte gleich gedacht, dass der Laden etwas vom Roses hat, wo man ständig mit fremden Menschen in bizarre und informative Gespräche abtaucht, um dann wieder aufzutauchen und weiter zu schwimmen. Mit einem Lächeln im Gesicht und ein wenig beschwingter als man noch vorher war.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
DREISSIG STUNDEN, DIE SICH RÜCKBLICKEND ANFÜHLEN WIE EINE WOCHE UND VERGINGEN WIE EINE MINUTE, Teil1: BEFORE RUFUS – SUNRISE oder PARIS 1

(Ready for Rufus, Paris, 20.Feb 2007)
Chronologie war gestern, deshalb erstmal die Geschichte, wie ich mich in Paris in eine Frau verliebte. Das Skailight war Getränke holen und ich auf der Suche nach einem Plätzchen an dem ich avant concert in Ruhe eine Zigarette rauchen kann (im Olympia herrscht strengstes Rauchverbot, aber ansonsten ist der Raum ein Traum, ein Traumraum.) Ich gehe also an den Eingang, um noch einmal rasch Nikotin nachzulegen, doch das freundliche Einlas-Auslass-Team schickt mich zurück. Auslass erst wieder pendant l´intermission. Dreh mich um und schau ins Gesicht einer Frau, die den kleinen Austausch mit dem Einlass-Auslass-Personal mitbezeugt hat. Sie steckt ihre Zigarettenschachtel wieder ein und schenkt mir ein solidarisches und ein wenig trauriges Lächeln. Ich lächele zurück und falle herzüber in ihr Gesicht. Beautiful. Just beautiful. Und denke, bei Julie Delpy hätte das Auslass-Einlasspersonal bestimmt eine Ausnahme gemacht, aber sie ist halt bescheiden.

Pendant l´intermission Begegnung mit einer anderen Wunderschönen. Ella, die ich bislang nur von ihrem fantastischen Blog kenne. Wieder einmal erweist sich, dass faszinierende Blogs zu wunderbaren und in Ellas Fall auch wunderschönen Menschen gehören. Wir verstehen uns auf Anhieb und werden uns später noch die Nacht um die Ohren schlagen.
„Hast Du gesehen, wer im Publikum ist?! Julie Delpy!“
„Ehrlich? Die ist fantastisch!“
Und im selben Moment kommt Julie mit ihrer lang ersehnten Zigarette heraus, zündet sie an, sieht mich, lächelt, macht eine Geste der Erleichterung. Und spätestens jetzt bin ich zerfetzt, so hingerissen bin ich von ihr. Die dritte Begegnung dann, als wir zur zweiten Hälfte der Show den Saal betreten. Mittlerweile sind wir schon die besten Lächelfreunde. Und knapp zwölf Stunden später kaufe ich mir in den Galeries Lafayette sowohl „Before Sunrise“ als auch „Before Sunset“. Das bin ich ihr schuldig. Und wenn sie die vorrätig gehabt hätten dann wäre auch ihre CD mein gewesen. Hatten sie aber nicht.
DREISSIG STUNDEN, DIE SICH RÜCKBLICKEND ANFÜHLEN WIE EINE WOCHE UND VERGINGEN WIE EINE MINUTE, Teil2: DAS OLYMPIA oder PARIS 2
NEULICH BEI DEN VEGANERN oder DER ZWEITE SEMANTISCHE TRANSPORT IN EINEM VEGANISMUSFREMDEN BLOG
Vor kurzem hier:
„Manche meinen ja, Designerkleidung sei vollkommen überflüssig. Die meinen das oft mit einer solchen Intensität, dass sie fast vegan rüberkommen.“
Dann, anderswo:
„Bemerkenswert vor allem – und eben für uns relevant – die positive Konnotation der Aussage „Die meinen das oft mit einer solchen Intensität, dass sie fast vegan rüberkommen“.
Das ist auch das erste mal dass mir auffällt, dass vegan in diesem Sinnverband benutzt wird. Während sich die Aussage satirisch-herablassend auf eine Personengruppe bezieht, ist der zweite semantische Transport von vegan positiv besetzt. Hier wird eine offensichtlich identifizierbare Art oder ein Wesenszug von Veganern positiv mit Intensität besetzt, genau das also, was andere versuchen als Fanatismus und Aggression zu verunglimpfen.
Ich könnte selbstverständlich auch völlig falsch liegen (ja, selbst ich mache Fehler:-), und die Autorin (ich nehme mal an es handelt sich um eine Autorin) assoziiert Intensität mit dem veganen Stereotyp von aggressivem Fanatismus, welches ja eigentlich kein Stereotyp ist, sondern eine Schuldprojektion von aggressiven Fanatikern. Menschen, die die Ermordung und Ausbeutung von Tierpersonen in Auftrag geben um danach milliardenfach deren Körper und Ausscheidungen zu fressen.
(…)
Und heute wird das Adjektiv vegan bereits mit Nebenbedeutung in einem veganismusfremden Blog verwendet.
Es geht voran.“
Quelle: Ava Odoemena auf
http://veganismus.ch/foren/read.php?f=14&i=901&t=901
Danke für den Hinweis an Brunella Erschossen!
Geht doch!
GLAM SERVICE IS TEMPORARILY NOT AVAILABLE
Par ce que le Glam est dans le Marais avec le Skailight et il y a tant de choses a faire…
ALWAYS TRAVELLING BUT NOT IN LOVE, STILL I THINK I´M DOIN FINE
(From DVD „all I want“ by Rufus Wainwright)
Übermorgen!
GLAM KANN GAR NICHT AUFHÖREN, SICH ZU ÄRGERN
Und was auch nervt: dass heute die Mittzwanziger genau so aussehen, wie ich sie mir damals gewünscht hätte, und dass sie, als ich Mittzwanziger war, einfach keinen Stil und beschissene Frisuren hatten.
DAS SOUNDTRACK-STÖCKCHEN…
…gefangen von Toby und etwas uminterpretiert. Man stelle den Ipod auf Shuffle und dann läuft zum Film des Lebens folgender Soundtrack:
Vorspann: Je veux nager, Cora Frost
Aufwachen: Since I don´t have you, Guns ´n Roses
Erster Zigarette: Pillow Talk, Doris Day
Verlieben: Amazing, Madonna
Das erste Mal: Oh what a world, Rufus Wainwright
Kampflied: She´s the one, Robbie Williams
Schluss machen: The big sky, Kate Bush
Saufen: Come rain or come shine, Judy Garland
Nervenzusammenbruch: I´ve written a letter to Daddy, Bette Davis
Road Trip: Tripping, Robbie williams
Flashback: Blä & Black, Nephew
Reunion: Was denn?, Nina Hagen
Sex: The Fog, Kate Bush
Der schlimmste Betrug: Helle Nacht, Ingrid Caven
Endkampf: Want, Rufus Wainwright
Todesszene: Dann fiel mir auf, Nena
Beerdigung: What it feels like for a girl, Madonna
Abspann: Carpe diem, Nena
KLIMAMOK, MEHRINGDAMM
Vielleicht hat der liebe Gott vor seinem Abdanken damals den Winter erfunden, um die Leute ein wenig abzukühlen. Denn die ungewohnt hohen „es-kann-unmöglich-die-Klimakatastrophe-sein“-„es-ist eindeutig-die-Klimakatastrophe“-Temperaturen bekommen den Berlinern nicht gut. Die Autofahrer fahren aggressiver, es ist im Moment ein bisschen wie in der Folge von „Drei Engel für Charlie“ in der Farrah Fawcett beim Rollerskate-Girl-Rennen immer wieder aggressiv von karrieristischen Roller-Girlies rumgeschubst wird. Man konzentrierte sich also mehr auf das Fahrverhaten der anderen als beispielsweise auf Ampeln. Das war die Phase eins. In der zweiten Phase begannen die Fußgänger, es den Autofahrern gleich zu tun und sich zu verhalten, als seien sie Panzer, denen es nichts ausmacht, in ein fahrendes Auto zu rennen. Als wüssten sie, dass meine Bremsen ganz einwandfrei funktionieren. Die dritte Phase leitete gestern eine Fahrradfahrerin ein. Zum Verlassen der Hofeinfahrt ist es erforderlich, Fußweg und Fahrradweg zu überqueren. Manchmal muss man kurz auf dem Fahrradweg anhalten und den vorbeifließenden Autoverkehr abwarten. Dann hat ein Fahrradfahrer nur noch ca ein Drittel des Fahrradweges zur Verfügung. Was gestern bei der hennaroten Wollrockträgerin auf dem Hollandrad zu einem Ausraster führte, wie ich ihn nur aus Psychiatriefilmen kenne. Wo das Gesicht in Fetzen geht, Hitchcocks Duschszenensoundtrack zu laufen scheint, Schreie die Nachmittagsluft durchschneiden und die Angestellten des Finanzamztes kurz in ihrer Arbeit innehalten. Ihre lauter als meine, denn ich habe ja mein Auto um mich rum. Dann gehe ich innerlich auf Schaufeltaste-Mousepad und sehe uns von außen – eine Frau, die von ihrem Wutanfall fast vom Rad geschüttelt wird und mich, zu ihr umgewandt, mit italienischer Geste, Gesicht ebenfalls recht verzerrt. „Halt doch die Fresse Du beschissene Drecksschlampe“. And all over the world strangers talk only about the weather.
OD´D ON REALITY
Abgetaucht in Jean Jacques Schuhls Schreiben. Da mag ich selber nicht mehr Worte aneinanderreihen. Vielleicht les ich danach was trashiges, um mich wieder in Form zu bringen. Gerade jetzt bin ich out of shape. Die ganze Reality-Nummer wird in meiner Wahrnehmung bizarr. Nach „The Comeback“ nun „Ellie Parker“ gesehen und somit überdosiert an Menschen, die sich wichtig nehmen und dabei nicht wichtig genommen werden. Zu viele Parallelen zu zum Bloggen.


