Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

THANK YOU FOR SMOKING

Kann Euch gar nicht sagen, wie sehr mich diese Raucherdiskussion nervt (weshalb ich sie jetzt auch auf diesen Blog zerre, ja dieseN, den mit dem Schwanz). Brave, nüchterne Zeitgenossen, gute Christen und Heiden, die jahrzehntelang den fiesen Qualm stillschweigend erduldeten, ihr Leben davon vergiften und ihre Savanne davon verräuchern ließen, fühlen sich mit einem Mal beflissen, aufzuschreien, mit dem bebenden Finger auf mich und die anderen meiner Art zu zeigen und selber mal richtig Dampf abzulassen. Plötzlich werde ich als Raucher zum Nötiger – auf eine Stufe gestellt mit den Frauen des Effenberg oder dem zukünftigen Entführer Whitney Hustons. Ich habe überhaupt kein Problem damit, auf der Straße zu rauchen, aber auch da werdet Ihr noch mit Euren zitternden Zeigefingern nach mir deuten und Eurem unterfickten Freiraum-Gefühl freien Lauf lassen. Ja – hasst mich ruhig. Auch damit kann ich leben, frag mich nur manchmal wo der ganze Hass eigentlich erkommt. Beschwer ich mich etwa, wenn Ihr ab 12° Außentemperatur Eure Grille anwerft und tote Schweine und geschmacksneutrale Soja-Würstlein verbrennt, bis im November die Grillsaison vorbei ist?

HALTUNG

Also entweder hab ich mich beim Ficken verrenkt und es vor Freude nicht gemerkt, oder es sind die Spätfolgen vom Federball mit Lucky oder es sind die aus der Werbung bekannten Gliederschmerzen und es kündigt sich die laut Radiomeldungen vorgestern in Berlin eingetroffene Grippe an. Fact is, I woke up because my back hurts. Ich hasse die Gebrechen, die mit der mangelhaften Bewegungsfähigkeit des Körpers mit Beginn der Postpubertät einhergehen.

WHAM BAM – THANK YOU, GLAM oder DEEP THROAT

„Wo in Kreuzberg bist Du?“
„XYZ-Platz.“
„Ich XYZ-Straße.“
„Bis gleich!“
Die Vorteile von Real-Sex im Vergleich zu 2nd-Life-Sex liegen auf der Hand und der Haut. Auch schön, mal wieder echtes Stöhnen zu hören. Und es stimmt wirklich, dass der Würgreflex in den frühen Morgenstunden praktisch nicht vorhanden ist, man also wirklich Eindruck schinden kann. Doch zur 2nd-Life-Verteidigung sei vorgebracht, dass mein Wagemut, mir um viertel nach Eins noch einen bis dato unbekannten Herrn in die Wohnung zu holen, durch virtuelle Stimulierung zu erklären war und die sexuelle Energie selbst das Schamgefühl betreffs der Winterfigur übertüncht hat. Und als er dann wieder auf der Treppe war, eine meiner Lieblingsfragen: „Wie heißt Du eigentlich?“

PSYCHODELIC FASHION

Ich bin ganz nervös wegen meiner Kollektion! Ich hab nämlich die Vermutung, dass durch die Unmöglichkeit, die Farbe weiß zu drucken, das alles hervorragend psychedelisch aussehen wird. Da versteh ich Esther schon – mit ihrer eigenen Linie bei Ha und Em. Jetzt brauch ich eigentlich nur noch jemanden, der mir das Gesicht so fotoshoppt, dass ich aussehe wie beiges Geschenkpapier. Die Modebranche ist echt mein Ding!

WAS DER SPIEGEL VERSCHWIEG

Der Spiegel hatte ja eine umfangreiche Lobhudelei über das 2nd Life in der vergangenen Ausgabe. Was mir darin fehlte war eine Beschreibung des sehr ekligen Ageplay-Phänomens. „Ageplay“ betreiben User, die kindliche Avatare ins Spiel schicken, und zwar nicht in den Kinderhort, sondern in Sex-Clubs. Gestern erlebte Leigh das erste Mal einen Ageplayer in seinem Lieblingswald. Da geht ein ziemlich bizarrer Film ab, wenn man so etwas erlebt. Wie verhält man sich als Avatar-Betreiber, wenn ein Pädophiler im Raum ist? Nun, Leigh ist ja sehr verbal. Und hat dem Kleinen zugerufen „Hey Paedo – why don´t you go fuck a sheep somewhere, but fuck the piss off here.“ Desweiteren notiert man sich den Namen des Pädo und leitet ihn an den Betreiber des Ortes weiter, an dem man ihn erwischt. Leigh, der ja mit der Geschäftsleitung des Waldes auf Du und Du ist, hat jetzt die Licence to Denounce. Er ist der Paedo-Cop im Wald. Und macht sich auch ein Fest daraus, diejenigen zu beleidigen, die sich mit den Paedo-Avataren amüsieren. Gestern nach dem kleinen Zwischenfall war der Wald schlagartig leer – Betroffenheit macht ungeil. Aber Zivilicourage zu zeigen, selbst als Avatar, ist Ehrensache. Also, 2nd-Lifer – schreit die Pädos an, die „Shout“-Funktion ist für diesen Zweck hervorragend geeignet. Und meldet sie dem Betreiber. Und Bereiche, die das Anbrüllen nicht dulden sondern lieber die Pädos – bei Linden melden.

Jetzt werden einige Moralapostel kommen und sagen – weshalb haltet Ihr euch auf, wo sich Pädos rumtreiben? Und dazu möchte ich nur zurückfragen: „Warum Ihr?“. These fuckers are everywhere, nicht nur im Schulzoo.

MIAU! (WHERE DICK GOES PUSSY) oder VAGINA VAGINA VAGINA

Das weibliche Genital ist ja etwas, mit dem ich naturgemäß wenig zu tun habe. Mein Kollege Dan Savage, den ich das Vergnügen hatte, ins Deutsche zu übersetzen, verglich es einmal mit einer Dose Mett, wie man von einem Hochhausdach auf die Straße geworfen hat. Wie er, befasse ich mich mit dem weiblichen Genital nur verbal. Aber da umso lieber. Das Wort, das in Berlin mit V geschrieben wird, ist eines meiner Lieblingsworte und ich verwende es eben so wenig despektierlich wie das Wort „Arschloch“, da es sich dabei ja auch um ein sexuell einsezbares Körperteil handelt, mit dem ich hingegen sehr vertraut bin. (Arschlöcher sind früher mal das gewesen, was heute Füße sind.) Neben dem V-Wort gibt es noch ein paar Begriffe, dier ich liebe und die ich mich bemühe, in jede gepflegte Konversation einfließen zu lassen. Wandermöse. Unter diesem Titel würde ich gerne einen historischen Roman verfassen, der natürlich in den Niederlanden spielen muss. Muschipups. Seit Jahren ein Favourite, der bei Analverkehr Fragen aufwirft. Und, meine Wortschöpfung: Wundermöse. Hairy Dick und der Fluch der Wundermöse. Das schreibe ich nur, weil ich mal aufzeigen wollte, dass man auch als Schwuler viel Vergnügen mit Vaginas haben kann. Oder heißt es Vaginen?

EDIT: Pomuschi! Wie konnte ich Pomuschi vergessen?!!

SMELLS LIKE SPEARS VOMIT oder DER FLUCH DES DISNEY-CLUBS

Jeden Morgen die gleiche Frage: Ob wohl Britney noch lebt? Was, wenn Prinz Frederic KevFed das Sorgerecht streitig macht? Früher machte man sich einen Schlitz ins Kleid, heute muss der gesamte Extensions-Ankopplungs-Apparat dran glauben. Ganz zu schweigen von Muschi-Bildern, die kein Mensch sehen will. Und Kotze-Fotos. I´m tired of rich-bitch-trailer-trash. Ich kann keine Träne vergießen für talentfreie Püppis, die mit ihren Millionen nicht klarkommen. Ach! Die Bürde, jung und reich zu sein! And I´m not sorry. It´s human nature. Verlasse sofort mein Bewusstsein, Britney Spears! Und bitte – nehme sich jemand der Crack-Babies an. Beispielsweise Robbie – der zieht sein Detox-Programm ganz diskret durch. Soviel dazu. Meine Güte, sogar Esther wird mir im Vergleich fast wieder sympathisch.

LEIGH IN LOVE

Es hat ihn erwischt. Ein bisschen verknallt war er ja auf Anhieb. Aber jetzt wird´s ernst. Der junge Mann aus der Kohine-Familie hat alles was ein Lover braucht. Charme, Sex, Witz und einen schicken, wenn auch virtuellen Körper. Aber mehr hat Leigh ja auch nicht zu bieten. Die beiden haben sich übers Ficken kennen gelernt. They met their match. Fremde gesellen sich dazu, weil ihnen das Liebesspiel der beiden Vergnügen bereitet. Darüber hinaus kuscheln sie auch sehr gerne. Legen sich in eine Düne und lassen den lieben Gott einen alten Mann sein. Unterhalten sich und schaukeln sich erotisch auf und ab, verbal.
Das interessante – Leigh hat sich verknallt, nicht Glam. Glam hat kein Interesse, den Schöpfer von Mr. K. kennen zu lernen (zumal der in Kanada lebt) und ist recht zufrieden mit Leighs Auswahl. Die beiden sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Wenn sie nicht zeitgleich online sind, dann amüsieren sie sich anderweitig, wissen aber, dass das vergleichsweise schaler Virtu-Sex ist, denn keiner spricht so schön Porno wie Mister K. und Mister Leigh. Wie praktisch das ist – ein herzliches Fickverhältnis ohne Eifersucht. Es gibt Sachen die im 2nd Life praktischer geregelt sind, als im Ersten.

30h, Teil 5: REGRETS I HAVE A FEW

Ich habe überlegt, es mit dem Konzert in meiner Paris-Berichterstattung so zu handhaben wie Nena in ihrem Buch mit ihrer NDW-Karriere. Auslassen. Ein cooler Zug. Mach ich aber doch nicht. Also.

Er war stimmkrank. Hakte bei den hohen Noten, entschuldigte sich, ärgerte sich und machte sich über den Stimmverlust lustig. „The next song – i´m gonna sing in Judy´s key. Let´s see what happens.“
Wenn Rufus Wainwright seine Stimme verliert, dann hört er sich interessanterweise an wie Dean Martin. Anstatt auszusingen und nachklingen zu lassen, blieb ihm oft nur möglich, anzudeuten. Professor Higgins-mäßig. „This is Liza Minelli´s revenge“. Nur mag ich Dean Martin gar nicht.

Wenn das Konzert perfekt gewesen wäre, dann wäre ich im Olympia mit dem Platz verschmolzen und man hätte aus meinen Überresten eine Kerze machen können, vielleicht auch zwei. Aber abgesehen vom krankheitsbedingten Stimmumfang: a born entertainer. A laugh and a cry and a tap to the foot. 2 Stunden Gänsehaut. Ewas skeptisch war ich, als „Stormy weather“ an Martha W. ging, doch was Miss Wainwright da ablieferte war awe-inspiringly beautiful: a new take on a sung-to-death-number, stormy wuthering weathers. She lit the torch and set flames to the Olympia. Lorna Luft durfte auch was singen und ist besser bei Stimme als ihre doofe Schwester Liza, die unter ihrem Mädchennamen Minelli übrigens eine Schuh-Boutique in Paris betreibt (leider habe ich das Schaufenster nicht fotografiert.) Anyway – Lorna kann stark vibrierend singen, aber ihr Auftritt veranschaulichte auch, warum sie nie ein großer Star geworden ist. Star quality – zero points.

Alles in allem jedoch – adorable. Judy war mit uns. Und mehr erzähl ich nicht, weil ja der Großteil meiner Leser eh nix mit Rufus anfangen kann. Und weil ich es schon ein wenig bereue, dass ich ihn nicht at the top of his form erleben durfte. Und dass man ihm anmerkte, wie sehr er es hasste, nicht so zu können, wie er es gewohnt ist. Verschieben wäre eine Option gewesen, aber für einen zweiten Trip nach Paris hätte mein Budget nicht gereicht. (Das Publikum bestand nur zu 50% aus Franzosen, der Rest war angereist.) Die standing ovations hat er verdient – sie galten eher der Tatsache, dass er das Konzert durchgezogen und nicht abgebrochen hat. Regrets i have a few. Auch den blöden Streit in der Straße der weißen Mäntel. I don´t know what it is, sometimes.

whatitis
(Die süße Französin mit dem selbstgemachten „I don´t know what it is“-T-shirt.)

30h, Teil 4: PARIS AFTER DARK

Nach Mitternacht werden wir drei ziemlich hungrig. Skailight und ich sind seit 4.00 Uhr morgens auf den Beinen und Ella ist heute erst aus London zurückgekehrt.
„Es ist der einzige Imbiss in Paris, wo sie sich ein halbes Jahr später noch daran erinnern, welches Dein Lieblings-Crêpe ist.“
Also stehen wir im Neonlicht der frühlingshaft milden Nacht am Crêpe-Imbiss und ordern. Eine junge Frau stößt zu uns, lange Haare und weit aufgerissene Augen, an denen man erkennt, dass sie blind ist, ohne dass man ihren Blindenstock gesehen haben muss. Sie bestellt sich ein Crêpe mit Banane und Nutella. Ich ordere ein Fromand aux Fromages.
Ah, sagt sie, sie wusste gar nicht, dass es an diesem Crêpe-Stand auch Fromands gebe. Dieser Satz spießt sich sehr eindringlich in unser Bewusstsein. Wie soll sie es auch wissen, wenn sie die Fromands nicht sehen kann? Das sind so Momente, die einem ins Herz stechen, mir jedenfalls. Mit Rufus hatte ich auch Mitleid, dazu später mehr, aber das Problem der Dame mit dem Nutella-Crêpe ist weitaus profunder, insbesondere in einer Stadt, die so wunderschön, so visuell ist.
Der Imbiss-Mann annonciert, dass ein Crêpe fertig ist und die Blinde sagt Dankeschön und streckt die Hand aus. Nein, nein – Missverständnis, es ist Ellas Schafskäse-Crêpe. Ach, da ist noch ein anderes Mädchen, sagt die Blinde und ich füge hinzu, jawohl und noch deux garcons. Ich habe zuviel getrunken, sagt sie und kichert. Das macht gar nichts, wir auch, sagen wir. Und dann – Stromausfall. Mit einem Mal geht alles aus. Licht, der Crêpe-Bräter, wir schauen uns erstaunt um, alle außer der Blinden, und schon ist das Licht wieder da. Aber der Moment hat gereicht, den Herzstich von vorhin ein bisschen zu mildern. Das Dunkle muss sie nicht irritieren, das kennt sie. Dann ist ihr Crêpe fertig, wird in Alufolie verpackt und sie verabschiedet sich. Fällt trotz Blindenstock beinahe noch über einen Stuhl, kichert, sagt noch einmal, wie betrunken sie ist und verschwindet um die Ecke.