Hier gibt´s heute auch mal wieder was von mir. Kennt Ihr aber schon, wenn Ihr lange genug dabei seid.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
P.S.:
Ich weiß ja schon, dass Ihr es hasst, wenn ich wieder nur Youtube-Clips schalte, aber is ja m e i n Tagebuch. And I´m loving it!
😉
DEEP INSIDE GLAMOURDICK oder DAS PROKTOKOLL
Warnhinweis: in diesem Text führe ich Sie in anatomische Regionen, über die Sie sich vielleicht nie Gedanken machen wollten. Ich erwähne Prozeduren, über die selbst in langjährigen schwulen Bekanntschaften nur hinter vorgehaltener Hand geredet wird. Überlegen Sie sich, ob Sie nicht doch lieber das Bildblog oder so lesen. Ich habe Sie gewarnt.
Der ganze Tag ein wenig excited, denn am Abend kommt ein junger Mann vorbei, der zum Besten zu zählen scheint, was die Blauen Seiten momentan zu bieten haben. Attraktiv, originell, hartnäckig in der Anfrage nach einem Termin in der Mansion. Eine Stunde vor seiner Ankunft bereite ich mich körperpflegestrategisch vor. Diverse Sexpraktiken machen mehr Spaß, wenn man sich während des Praktizierens nicht den Kopf um die Sauberkeit gewisser Regionen machen möchte. Außerdem ist es eine Sache der Fairness, die man beim Sexpartner ebenfalls voraussetzt. Also reinige ich mich an den zu reinigenden Stellen und entdecke dort etwas, was dort nicht hingehört. Vor ein paar Jahren hätte das noch zu einem hysterischen Ausbruch in Gestalt von „Ich sterbe, ich sterbe“ geführt. Einige Jahre später wäre der Hysterie mit dem Ausruf „Nein – bitte bitte keine Condylome“ Ausdruck verliehen worden. Gestern dachte ich nur – Beobachten, und wenn´s nicht von alleine verschwindet hilft alles nichts, da musst Du wohl zu Dr. Horror A (Proktologe) oder Dr. HorrorHorrorHorror B (Haut- und Geschlechtskrankheiten, wobei der Begriff „Haut“ in dem Zusammenhang über die Scham hinweghelfen soll, wenn man bei der Allgemeinmedizinerin um eine Überweisung bittet.)
Nun bleibt noch eine halbe Stunde bis zum Date. Noch peinlicher und in etwa so angenehm wie eine Untenrum-Diagnose bei Dr. Horror A und/oder B (denn wenn Du zu A gehst und der ein B feststellt, dann kommst Du in den Genuss, Dir von mindestens zwei Ärzten kaltes Metall in unterschiedlichen Größen einführen zu lassen, manche sollen ja darauf stehen, ich persönlich hasse es, besonders, seit ich erfahren habe, in welchen Fetischkreisen mein letzter Dr. B unterwegs war und vermutlich noch immer ist – nur soviel: er liebt seinen Beruf), ist es, den quasi fremden Mann zu informieren. Viele meiner Geschlechtlichkeitsgenossen würden davon absehen und trotzdem ficken. Aufgrund einer langwierigen B-Erfahrung vor ein paar Jahren, und weil ich so etwas wirklich niemandem an den Arsch wünsche, greife ich zum Telefon.
Der junge Mann geht nicht ran, also hinterlasse ich eine Nachricht. Er SMSt zurück. Wie bescheuert es ist, eine unklare Selbstdiagnose dieser Art in 160 Zeichen zu verpacken, werden Sie erfahren, wenn es Ihnen passiert. Er glaubt, ich will ihn verarschen. Aber würde ich dazu eine so unappetitliche Geschichte erfinden? Er wünscht mir zynisch „na dann gute Besserung“. Dann zünde ich mir eine Zigarette an, schau den Schmetterlingen auf den Blüten des Schmetterlingsbaumes zu und denke, „all dressed up, nowhere to go“ ist ja gar kein Ausdruck.
LIEBE REDAKTION KLEINES FERNSEHSPIEL
Sachma, habt Ihr zuviel Geld oder was? Was war das denn gestern für ein übler übler Dreck. Das hatte keine Geschichte, keine Figuren und weder Unterhaltungs- noch Informationswert. Der Drehbuchschreiber, der das verbrochen hat, hätte ja wohl überhaupt nicht seinen Abschluss schaffen dürfen.
Ich würde mich ja gar nicht so echauffieren, wenn ich nicht zufällig wüsste, dass Ihr da auf der einen oder anderen Goldgrube sitzt, nur, dass Eure Beamten offenbar keinen Schimmer von Kreativität und Relevanz haben und schon eine Rückmeldung zuviel verlangt ist, wie er für jede andere Filmproduktion zum guten Ton gehört. Der Film gestern konnte ja wohl wirklich nur gedreht werden, weil er nicht viel gekostet hat.
Im Grunde kann man ja nur stolz sein, wenn Ihr einen n i c h t fördert. Das ist schade, denn vor einigen Jahren noch, da habt Ihr Urteilsvermögen besessen und Erlebnisfilme produziert. Aber vielleicht verfolgt Ihr mit den aktuellen Betroffenheitsfilmen auch ein ganz klares Ziel – Betroffenheit erzeugen. Treffer. Jetzt ist aber wirklich bald Schluss mit GEZ-Gebühren. Sittenwidrig ist das. Ich versteh jedenfalls, weshalb Euer Sendeplatz in die Nacht verlegt worden ist. Irgendwie muss man den Zuschauer ja schützen.
NO MERCY oder APROPOS TIERSCHUTZ
In der freien Natur bloggen ist gar nicht so idyllisch, wenn man alle Nase lang (ja, immer noch ist Berlin im Streisand-Fieber) diese fiesen Giganto-Ameisen, teils beflügelt, klatschen muss und sich der Duft des Schmetterlingsbaumes mit dem des Ameisenkillersprays mischt. Das Spray ist ein slow killer. Deshalb finde ich das Klatschen gnädiger. Wenn man in solchem Zusammenhang überhaupt von Gnade sprechen kann.
So, jetzt muss ich aber mal weitermachen und mein Gudrun-Interview transkribieren.
SIND DA NICHT DIE TIERSCHÜTZER IM KARRÉE GESPRUNGEN GESTERN ABEND???
„In eleganter, tief ausgeschnittener schwarzer Robbe bot Streisand dann alles, was ihre sensationelle Karriere ausmacht: Balladen und Swing, Big Band und Filmmusik, Musical- und Broadway-Songs. „
www.vanityfair.de
What´s next? Gepaspelte Pinguine? Plissierte Ponys?
Ich wollte da eigentlich direkt kommentieren, aber vanityfair.de hat die wohl umständlichste Kommentierfunktion, die man sich vorstellen kann.
Und nicht vergessen —- Gudrun kommt!
HOW LUCKY CAN YOU GET oder UNEASY LISTENING
Hello Gorgeous – diese Anrede hörst Du sicherlich öfter. Vielleicht in letzter Zeit nicht mehr ganz so oft. In meinem Geburtstjahr standst Du im Central Park auf der Bühne in Kleidern wie Schmetterlinge, mit Lidschatten, wie ihn zuvor noch niemand wagte. Der Vortrag Deiner Lieder war einwandfrei. Der Humor in den Zwischentexten noch sehr geprägt vom langjährigen Aufmerksamkeit erregen in kleinen Jazz-Clubs. Alles an dir war Frisch Frech und unsagbar Funny und so ist es auch kein Wunder, dass Du für Dein Filmdebut auch prompt den Oscar bekamst – hello again, Gorgeous!
(Gorgeous indeed – das Finale fon „Funny Girl“.)
Du warst uanaufhaltbar und topptest die Album-Charts jahrzehntelang. Erfandest Dich neu als Hippiemädchen, als Discoweib, Broadway-Lady und letztendlich als politisch überkorrekte egomane Demokratin. Dein Ego war schon immer groß, so groß, dass jemand wie Madonna neben Dir bescheiden wirkt. Was Madonna in den 90ern gelang, das hattest Du schon Anfang der 70er: total control over your carreer. Darüberhinaus hattest Du noch viel mehr – gesangliches und schauspielerisches Talent. Eine Image-Inflation hattest Du aus diesem Grund nicht nötig und konntest es Dir leisten mehrere Jahre lang mit Minipli durch die langen langen Gänge Deiner Villen zu marschieren. Dann und wann drehtest Du mal wieder einen Film und häufig waren das richtig gute Filme. „Yentl“ – so cheesy sich die Geschichte erstmal anhört – „Yentl“ ist ein Meisterwerk und es ist eine Schande, dass man Dich als Regisseurin nicht mit einem Oscar gewürdigt hat. Deine Performances in „Nuts“ und „Prince of the Tides“ gleichermaßen bewegend. In „Meet the Fockers“ hast Du bewiesen, dass Du noch Humor hast und Selbstironie (anders kann ich mir die Minipli jedenfalls nicht erklären).
Zeitgleich mit Deinem Comeback als Live-Performerin Anfang der 90er wurde jedoch Deine Musik immer beliebiger, pathetischer, oprah-winfrey-mäßiger. Geistloser Kitsch, an jeder Ecke noch ne Geige und noch ne Harfe und ein Elfenchor mit Triangeln. Da konnte ich nicht mehr mit und hörte mir lieber die Originalfassungen von Liedern an, die Du mit Wucht und Überladung in die Kitschhölle gesungen hast. „Schön“ singen kannst Du. Aber die Welt ist nicht Bambi. Ich verdanke es Dir, dass ich Performer wie Judy und Bernadette entdecken durfte – nur konnte ich Dich danach nicht mehr ernst nehmen.
Ich finde es ja schön, dass Du nach wie vor erfolgreich bist. Das sei dir gegönnt. Aber als ich die Preise für Deine Konzertkarten erfuhr, da wurde mir schlecht. Diese Preise sprechen für ein überblähtes Selbstbild. Helge Timmerberg stand mal in einem Hilton-Hotel vor der Minibar und betrachtete eine Whiskyflasche. Dann dachte er sich „Ich will nicht, dass Paris an mir auch nur einen Lippenstift verdient“ und entschied sich gegen den Whisky. So geht´s mir heute mit Dir. Barbra, danke dafür, dass Du mit Deiner Karriere bewiesen hast, das man Gorgeous sein kann, ohne eine klassische Schönheit zu sein. Dass man weit kommen kann als jüdisches Mädchen mit großer Nase. Du warst ein großes Vorbild. But not any longer, Dear. „You´re — cellophane“.
(Breathtaking performance, great hair, awesome wet-look satin robe. Wartet bis zur dritten Strophe. Dieses Lied ist der einzige Grund, sich „Funny Lady“, das uncharmante Sequel zu „Funny Girl“ anzuschauen.)
(Schlimmer geht immer: Barbra hat sich eine Wimmer-Boje an die Seite geholt und sich mit David Hasselhoff, einer unidentifizierten Blondine und einem LKW-Fahrer um einen Flügel geschart. Ihre Brille ist bestimmt von Donna Karan. Ich empfehle, das Volume etwas runterzuschrauben, da die beiden singenden Legenden bei der Textzeile „Tell him“ eine Frequenz treffen, die Kate Bush in „Experiment 4“ beschrieben hat: „A sound that could kill someone“.)
ALL THE THINGS I COULD DO…
Ich hänge ja an meinem Geld. Nicht insofern, dass ich es nicht ausgebe, im Gegenteil. Aber doch immer lieber für schöne Dinge wie Bücher, DVDs, guten Wein und Kleidung. Ich zittere, wenn ich einmal im Monat meinen Tan-Block hervorkrame und mich bei meiner Bank einlogge. Und weil ich so ungern zittere, schiebe ich diesen Tag immer ein wenig vor mir her. Heute morgen habe ich mich selbst überrumpelt und noch vorm Bloglesen die Bank angeklickt. Festgestellt, dass mich die Untenrum-Branche gerade so saniert hat, dass ich mal wieder eine schwarze Zahl am Ende der Umsatzanzeigenliste vorweisen konnte. Historischer Moment. Ruckzuck KSK-Dauerauftrag geändert, Miete überwiesen – sogar inklusive einer albernen Restmietschuld. Und danach fühlte ich mich ein klitzekleines bisschen besser, weil es der Anstand gebietet, seine Rechnungen zu begleichen, aber hauptsächlich aus Erleichterung, dass ich mich jetzt die nächsten 4 Wochen nicht mit meinem Konto befassen muss, das sich nun natürlich wieder mit Lippenstiftroter Zahl präsentiert. Vielleicht sollte ich doch zur Streisand gehen, ich brauche eine Mäzenatin.
ACH WISSEN SIE WAS,…
… lesen Sie doch heute einfach mal in der Rubrik „Schnee vom vergangenen Jahr“. Sind nämlich zwei sehr schöne Texte gewesen, heute vor einem Jahr.
WEISSER SCHIMMEL?
Gießt man sich seinen Morgentee ein und der Blick wandert die Wand empor und bleibt an etwas haften, das dort, an den Dachbalken, nicht hingehört, dort aber zweifelsfrei und fast kess haftet. Etwas Weißes von der Größe eines 2-Euro-Stückes. Was ein wenig an eine Muschel erinnert – so die klassische Shell-Öl-Muschel. Es ist, wie der Tee schon andeutete, vormittags, kurz nach Aufstehen. Und Glam wird übel. Man müsste es entfernen. Dann würde man identifizieren können, um was es sich handelt, das da, anderthalb Meter Luftlinie vom Morgentee entfernt, den Dachbalken besiedelt. Dann würde man es aber berühren müssen und will man eigentlich wissen, was für eine Konsistenz das Wesen aus dem All da am Dachbalken hat? Nein. Kei. Nes. Falls. Es wird einem flau und schlecht. Ekel macht sich breit. Man setzt sich erst einmal und nippt am Tee. Der Ekel macht sich breiter. Ein Horrorbild entsteht vorm inneren Auge und man rast durchs Arbeitszimmer, um zu kontrollieren, ob sich das Wesen aus dem All hinterhältig auch auf der Rückseite des Dachbalkens ausgebreitet hat, dort vermutlich schon seit Wochen eine Kolonie gründet, die die Decke emporwandert und den Angriff auf Kreuzberg feinsinnig strategisch ausarbeitet. Puuuh. Keine Alien-Pods auf der Rückseite. Aber man kann jetzt nicht mehr ruhig dasitzen, während der Feind einen von seitlich hinten beobachtet. Resolut durchstreift man die Küche auf der Suche nach einem geeigneten Entsorgungsmechanismus. Plastiktüte? Nein – man will nicht nur eine dünne Lage Plastik zwischen Finger und Alien. Luftpolstertasche! Schon besser! Stülpt das Polster, so dass es eine Tasche bildet. Führt Hand in Tasche. Jetzt bloß nicht zögern!, wischt das Alien, das sich innen als Schwarzwälderkirschfarben entpuppt, vom Dachbalken. Unterdrückt Brechreiz. Entsorgt im Mülleimer. Und hat immer noch keinen Schimmer, um was es sich da handelt und starrt fassunsglos auf die Spur der Verwüstung, die das Monstrum zurücklässt.
