Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

MISS CHIEVOUS

Dies ist wirklich der allerletzte Regentag, den ich auszuhalten bereit bin, danach muss es einen Ruck geben. Und ich will auch wieder nach oben, ans Licht, auf die Terrasse. So schön es ist, sich auf´s Sofa zu legen und Schwarzweiß-Filme zu sehen – hello! es ist Juli. Letztes Jahr um die Zeit waren die Seen schon veralgt, dass einem das Schwimmen eklig wurde. Dieses Jahr hat sich die Kanalisation reingespült. Und ich sag immer allen Leuten „Sommer in Berlin ist toll. Strandurlaub muss man in den Wintermonaten machen.“

So kurz vor einer Depression. So kurz.

hellfish

Von diesem Fisch bekam ich einen Albtraum. Wenn beispielsweise Knut oder Bambi mein Haustier wäre – keine Albträume. Garantiert. Oh, the spookyness of it all.

DID YOU FORGET TO TAKE YOUR MEDS?

Wenn ich überlege, wie ich manchmal in der Mansion fahnde – nach einer Schachtel Ibuprofen, die sich praktisch überall verstecken könnte. Da wo die Haargummis, Einzelsocken und Kugelschreiber feiern. Und hier, bei der amerikanischen Nachbarin: alles an seinem Platz! Geschirr im Geschirrschrank, Kleider im Kleiderschrank und Medizin im Medizinschränkchen. Tiptop und doch nicht zwanghaft. Und wenn Sie genau hinschauen: Alles noch im Mindesthaltbarkeitsbereich!
meds

(Ich habe kürzlich in meinem Badezimmerschränkchen Nikotinpflaster entdeckt, die 2001 abgelaufen sind. Aber Julia Roberts hat ihren Erin-Brockovich-Oscar auch in einer Vintage-Valentino-Robe entgegen genommen.)

Ich habe dann wegen eines Dauerregenbedingten Kopfschmerzes eine der Pillen, die ich noch nicht kannte, mit einem Glas südafrikanischen Merlot genommen und bin während „The Women“ eingeschlafen. Prompt fantastisch geträumt. Knut ist nämlich ausgebrochen, im Harz, aber bis ich meine Mobiltelefonkamera startklar hatte, da war er bereits bei den Teichen und ich noch an der Post.

Ich mache mir Gedanken über Fische. Folgendes macht mir Angst. Schlafende Fische sehen genau so aus wie wache Fische. Nur dass das Licht aus ist. Vielleicht habe ich deshalb ein Problem mit ihnen. Mit Aquarien ist es für mich wie mit Kiffen. Es bringt mir irgendwie nichts. Schnorcheln wäre quasi wie Heroin. Es bringt nichts und man muss viel kotzen. Ich finde ja – mit Haustieren sollte man kuscheln können. Oder sie müssten einen Wert haben, spätestes, wenn sie tot sind. Und trotzdem habe ich keinen Chinchilla-Mantel. Und daran wird sich auch nichts ändern.

MANCHE MÜTTER, ECHT EY…

Das Arschloch, das mir letztens den Parkplatz weggenommen hat, als er seinen Firmensitz bezog, mit dem ich mich auf der Straße anbrüllte und Gefahr lief, als Rassist (Ja, schrei mal in Kreuzberg einen Afro-Deutschen an) missverstanden zu werden, hat jetzt sein Firmenschild montiert und heißt, wenn man es übersetzt, in etwa Erzengel Bescheiden. Jetzt bitte nicht in den Kommentaren übersetzen, ich will den hier nicht auf der Seite haben.

OOOOOOOOH, SPANISH EYES

Oh my – sie sind immer noch so reizend wie vor zwei Jahren, als sie während meiner Reha die Mansion verwalteten. Schon damals hatte ich, als sie sich für die Wohnung vorstellten nur den einen Gedanken:

Aber es half ja nichts. Also verließ ich die Stadt, und das spanische Geschwisterpaar sorgte für Glamour und Dick in der Mansion. Und nun sind sie wieder da, zwei Tage zu Besuch, ich habe ihnen die Schlüssel in die Hand gedrückt und bin bei der amerikanischen Nachbarin eingezogen. Gerade ärgere ich mich, dass ich keine GlamCam installiert habe, aber ich will nicht mit schmutzigen Gedanken etwas so reizendes, charmantes, wohlgebautes, gutfrisiertes, mit besten Umgangsformen ausgestattetes wie meine heterosexuellen Spanischen Goldjungs verunglimpfen. Also campe ich mit:
camping

Und mit:
company

Nur zwei Stockwerke tiefer und fühlt sich an wie Urlaub. Ich kann nur jedem zwei brutal attraktive Spanier und eine amerikanische Nachbarin wünschen.

Vielleicht schick ich nachher Bambi eine SMS.

HEY YOU, MADGE!

Hut ab! Hattest Du Gesangstunden? Fast jeder Ton sitzt so halbwegs. Oder liegt es nur daran, dass Du während des Singens, die alten Knochen nicht durch die Luft schwenkst*? Toller, engagierter Text! Prompt liebe ich mich. Wahlweise auch jemand anderen. Und schaue aus dem Fenster und es regnet immer noch. Mit dem Kinderchor in Schuluniform** nimmt Dich Florian Silbereisen mit Kusshand. Und Radio Niedersachsen liebt die Melodie, insbesondere, wenn es so Enya-Little-Drummer-Boy-mäßig abgeht. Warum hast Du sowas nicht schon längst gemacht? Zum 11. September oder zum Tsunami oder zu Catrina? Du hast es endlich geschafft, auch den Markt der ab 49jährigen zu erreichen, die kannten von Dir bislang immer nur die deutsche Fassung von „La Isla Bonita“. Doll!

Du bist jetzt wirklich so — glaubwürdig, Motherfucker!

* bei „Hung up“ warste janz schön aus der Puste…
** Ihr müsst mal schauen, wie das kleine Mädchen mit derDiana-Gedächtnisfrisur zusammenzuckt, als Omma Pop mit ihr auf Tuchfühlung geht. Die muss sich nicht schämen – ich hätte es auch mit der Angst bekommen.

RÜCKRUFAKTION

firstnights

Ich bin ja selbst Schuld. Bei den Unmengen an Kulturgut in der Mansion und bei meinem Sendungsbewusstsein. Ich verleihe viel und gern. Und verliere grundsätzlich die Übersicht. Ich merke erst, dass etwas fehlt, wenn ich denke „Ach – History of Violence würde ich jetzt gerne sehen. Aber die DVD ist unauffindbar. Und natürlich habe ich keine Ahnung, wem ich sie geliehen haben könnte. Und ich bin auch nicht böse, zumal mir gerade ein Buch sehr wertvoll ist, das ich vor ein paar Jahren geliehen bekommen habe. Und das ich eines Tages auch zurückgeben werde. Nur gerade jetzt wäre schlecht. Zurück zum eigentlichen Anliegen. Ich könnte mir heute nämlich nichts Schöneres vorstellen, als in diesem Buch zu blättern, das ich gerade vergeblich gesucht habe. Einem der schönsten, das ich je besessen habe, bzw. immer noch besitze, aber in einem fremden Haushalt. Wenn also nun jemand von Euch sich jetzt angesprochen fühlt und meine Ausgabe von „First Nights“ bei sich im Regal stehen hat – Bitte Bitte – dringend zu mir zurück. Und „History of Violence“ auch, hat aber nicht dieselbe Eile.

Mein Cinque-Pelzkapuzenjäckchen indes habe ich nicht verliehen. Das ist einfach so aus meinem Besitz verschwunden. Oder?

DAS WAR KEIN ALBTRAUM

Das war eine Heimsuchung.

Edit.

Die Erinnerung an manche Menschen scheint sich einen kleinen schwarzen Fleck in der Seele zu suchen, wo sie sich zunächst einmal ganz wohl fühlt und zur Ruhe legt. Man weiß nicht, wie lang sie schlafen wird, oder ob sie jemals wieder aufwacht. Aber wenn, dann hat sie sich meist so gut erholt, dass sie so plastisch ist, dass man den erinnerten Menschen sogar riechen kann (muffige Bettwäsche), dass man das geplatzte Äderchen in seinem rechten Auge, die Schuppen auf seiner Schulter sieht. Und dann schnappt sie sich Hut und Mantel, die Rampensau, und betritt den Fahrstuhl ins Hirn, wo jede Nacht ein neuer Film produziert wird. Und dort betätigt sie dann Hebel und Schalter, um sich ins rechte Licht zu setzen, hat auch ein paar überzeugende Komparsen und Nebenrollen dabei, direkt in der Hölle gecastet, und dann nutzt sie ihre 30 Minuten Traumphase, um sich mal richtig auszutoben. Was für eine Karriere!

WILDER WESTEN

Nicht nur Baumfällungsbedingte Umwege erhöhen die Ortskenntnis (fast 20 Jahre Berlin und noch nie die Lützowstraße in ihrer kompletten Länge befahren), sondern das Beifahrertum auch die Kenntnis und Wertschätzung von Berlins Sehenswürdigkeiten und – vor allem: den hippen trendigen Schuppen, in denen man sieht und gesehen wird. Everybody goes to:

hollywood

Prominenz, Prominenz – Prominente überall. So z.B. auch Deutschlands beliebteste Damenimitatorin Mary, die mit ihrem Team nicht etwa im Hotel Berlin logiert, sondern, viel praktischer, direkt davor. Ihr Mobile Home hat Pritschen, und so muss sie nicht soviele Treppenstufen bewältigen („Im Lift kriegt sie immer Kreislauf“ vermutet Lucky.)

transibus

Nicht mobilfonfotografisch festgehalten: Wertheim, Kudamm. Das einzige Kaufhaus, das sich innerhalb von 15 Jahren nicht die Spur verändert hat. Nicht einmal die Schaufensterpuppen haben sie ausgetauscht. Wertheim liefert ein Berlin-Bild, das noch zu Pfitze und Mira gehört. Auch unangenehm auffällig – die unzähligen weiblichen enge-Jeans-mit-Applikation-tragenden Teenager mit Billg-Make-up, die in Herden durch die achtsam gestreuten H&Ms entlang Kudamm und Tauentziehn treiben, Haare zurückwerfend, seltsamen Geruch von Aggression und Taschengeldfrust verströmend. Überhaupt – seit wann ist wieder soviel los im Westen? und was sind das für Menschen, die man in Mitte, den Hainen und Bergen nicht zu Gesicht bekommt?

Noch weiter westlich, wo es fast schon nicht mehr Berlin ist, im Rahaus Landhaus.
„Haben Sie auch helle Tagesdecken?“
Der Verkäufer, der auf einem schlohweißen Fellimitat sitzt, das grundsätzlich schon den Tatbestand „helle Tagesdecke“ erfüllt:
„Nee. Hamwanich.“
Zur Strafe habe ich das hässliche Dutzend heller Tagesdecken aus den Regalen gezogen und im Gang liegenlassen.

Nach so einem Tagesausflug weiß man, was man an der Friedrichstraße und der Rosenthaler hat, wo die Jungs noch wuschlige Haare und alte Hosen haben und die Mädchen Naturlocken und blumige Tunikas (oder Tuniken?).