Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ROTZKE UND CO*

Man ist mit A und B zum Essen verabredet. Und, weil mehr Menschen mehr Buchstaben machen, fällt einem ein, B zu bitten, doch mal bei C anzufragen ob der nicht auch Appetit auf Pizza hat. Und nachher sitzt man mit A bei Rocco und seinen Brüdern und fragt sie (die A, nicht die Brüder), wo B bleibt.
„Ach, der hat bei C angerufen und der hat heute ein Essen, weil D doch gerade in der Stadt ist, und jetzt ist er da hin.“

* Title courtesy of Augusta. Ja, jetzt schieb ich schon meine Sitznachbarn vor.

URBANE ANONYMITÄT

Und während ich gerade erzähle, dass, wenn ich aus dem Haus gehe um, sagen wir mal Wasserenthärter für die Waschmaschine zu kaufen, und zu Fuß gehe und dann wieder zu Hause ankommen, dass ich auf dem Weg vermutlich mit 5 bis 10 Leute ins Gespräch gekommen sein werde, denn es ist Kiez und die Nachbarn brauchen auch dann und wann was von Schlecker oder dem Bäcker oder dem Buchladen usw., da sagt jemand „Hey Du“ und ich kucke und erkenne zurück und sage „Na Dich hab ich aber auch noch nie im Freien gesehen“, handelt es sich doch um den manchmal im Lieblingsweinladen arbeitenden Herrn, mit dem ich mich schon öfters über das Fach „Werte und Normen“ im niedersäschischen Schulsystem der 80er Jahre unterhalten habe.

Einige Stunden später ein Barmann, der mir ein „I think I know you, but I just can´t place you“ abringt. Ich kenne sogar seinen Penis im erigierten Zustand. Aber dann doch nur von den blaune Seiten.

Der nächste Barmann, der mit dem wohl schönsten Arsch der Stadt (er macht all diese Step-Kurse), hat sich durch den Satz „Ich kenne Dich doch. Ich hab Dich doch schon auf der Bühne gesehen“ in meine Sympathiewelt katapultiert. (Er war Gast bei meiner Lesung.) Und er macht immer so faire Getränkepreise, er entwickelt die selbst, glaube ich.

Und erst im letzten der angesteuerten Läden gelingt es mir, einen wirklich Fremden zu treffen und mich bei ihm erinnerungstechnisch zu verankern durch den vermutlich besten Blowjob*, den er in diesem Monat gehabt haben wird. Mit den Lippen, der Zunge und dem gesamten Mundraum kann man nämlich viel spannendere Sachen machen als Podcasts, vor allem, wenn man sich eh gerade die Stimme weggesungen hat.

*Ich stelle mir tatsächlich als Grabinschrift sowas vor wie „Glam blies erstklassig“ odet „deluxe sucker“. Oder vielleicht auch, schlicht, „Glam sucks“ und darunter die Handynummer. Geburtsdaten sind eh von gestern.

EVERY TOM, DICK OR HARRY?

Ja. Auch die Mansion zählt zu den Durchschnittshaushalten, denen die Post morgen das Buch vorbeibringen wird. Auch Glam liest Harry. Glams Schwester liest Harry. Glams Nichte sowie Glams beste Freunde. Alle Zeitschriften schreiben über Harry. Wenn nicht über Harry, dann über seinen Darsteller. Man kann sich auch nicht durch die Boulevardmagazine zappen, ohne Harryberichterstattung. Ist das schlecht, peinlich, übertrieben? Nein. Es ist berührend, dass es solche Literatur gibt, dass Kinder und Erwachsene weltweit fiebern, endlich das letzte Buch aufzuschlagen. Außerdem ist es bezeichnend, dass die Fiktion die Nachrichten bestimmt, was sie ja eigentlich schon immer tat, insbesondere wenn es um politische Berichterstattung geht, aber nun auch mal richtig – die Welt hat einen Kulturhelden, das muss man mal sacken lassen. Die einzige literarische Figur mit so einem Ausmaß an Faszinosum ist vielleicht Scarlettund dann kommt erst mal ganz lange gar nichts, wenn man Jesus nicht ins Spiel bringen will, dessen Biographie ja auch noch sehr gut verkauft, nur dass sie keiner freiwillig durchliest.
Morgen öffnet sich das letzte Kapitel. Einen literarischenErfolg wie diesen gab es noch nie und wird es auch eine Weile nicht mehr geben. Um so ärgerlicher, dass es in Frau Rowlings wild bevölkerter Parallelwelt, die mindestens eine Generation von Schulkindern prägt und/oder prägen wird, zwar viel Skurrilles und Abwegiges gibt, aber nicht einen einzigen homosexuellen Zauberschüler. Ich glaube, dass es so manchen schwulen Schüler gibt, der sich gestärkt fühlen würde, wenn ihm in einem der wichtigsten modernen Klassiker der Jugendliteratur ein Identifikationsangebot gestiftet würde.
Then again – Harry wird ausgegrenzt von seiner Familie, von den Mitschülern, einige Lehrer arbeiten gegen ihn und über ihm liegt ein düsterer Fluch. Vielleicht stirbt er ja nicht, sondern küsst Lord Voldemort und erweckt so einen schönen, mächtigen Prinzen. Dann reiten die beiden auf einem geflügelten Einhorn in den Sonnenuntergang, Hermione macht eine eigene Zauberschule auf und Ron – wen interessiert es eigentlich, was aus Ron wird?

COUPLAND KNUTSCHT MIT GAIMAN

„Perhaps you can´t pray to a God who treats all equally. Perhaps then prayer becomes a redundant idea. If God loves all people equally, presumably one should not have to remind him to care? (…) What if the success of prayer actually reveals something about the power of thought?“

Auf dem Büchertisch liegen gesehen. In die Hand genommen, weil fasziniert vom Cover (Kein Verlagslogo drauf!). Erstaunt, dass Verlag den -man muss wohl sagen- Buchbauch (also gegenüber dem Rücken), sowie Buchkopf und Fuß samtschwarz eingefärbt hat. All diese Extrakosten… Rückseitig eine Kaufempfehlung von Douglas C. Gekauft, ich bin da ja simpel. Wenn Douglas meint…. Angefangen zu lesen. Angetan. Kurzer Ausflug in die Quantentheorie, immer noch angetan. Dann innerhalb der Fiktion die Ankündigung, dass da jetzt wohl eine Erzählperspektive kommen wird, die mich vermutlich überfordert, abturnt. Dann kommt diese Perspektive und ich liege platt auf dem Rücken und stampfe mitte Beene. Fan.Tas.Tisch. Unglaublich. Magisch. Betörend und auf einmal in einem Tempo, dass mir schwindelig wird. Dark. Dirty. Daemonic.

mr_y

Eine Literaturdozentin macht die Entdeckung ihres Lebens: das verschollen geglaubte Buch „The End of Mr. Y“, auf dem angeblich ein Fluch liegt. Der Roman (ist es wirklich nur ein Roman?) befasst sich mit einem Gedankenexperiment, das den Protagonisten in eine vierte (oder 5.?, 6., 7.?) Dimension transportiert. Und es liefert das Rezept für dieses Experiment gleich mit. Aber da wäre ja noch der Fluch… Und der ehemalige Priester, der der Protagonistin so vertraut erscheint…

VERFALL oder JUST ANOTHER CASE OF URBAN GOTHICA

Sitzt man also brav in der Hollywoodschaukel, das Macbook auf dem Schoß, schreibt über Monsterwelse und auf einmal erklingt ein ziemlich lautes, aber noch nicht ganz infernalisches Scheppernsplitternklirren von der Straße her. Das Fiese bei derlei Geräuschen ist ja, dass sie meist äußerst hörbar sind, aber oft genug die erzeugende Quelle sich beharrlich dem Blickfeld entzieht, was ganz sicher auch mit der Bauweise der Terrasse zu tun hat, denn anstatt balkonartig gerade abzuschließen, erstreckt sich noch ein kleiner Rest Restdach, der es mir unmöglich macht, zielgenau auf den Bürgersteig zu spucken.
Dennoch – die Neugier siegt und ich beuge mich über die Brüstung. Ich habe insofern Glück, als dass sich der Lärmverschulder auf der anderen Straßenseite befindet. Am Haus gegenüber, direkt über der Hofeinfahrt, ist auf einer Fläche von ca 3 Quadratmetern die gekachelte Fassade abgeplatzt und hat sich zum Sterben auf den Gehweg geworfen. Und schau mir das Haus mal genau an und warum ist mir noch nie aufgefallen, dass die gesamte Front, die sich über drei Hausnummern erstreckt, gekachelt ist?

UND IMMER NOCH MEHR FISCH-CONTENT

Was Kitty da an Land gezogen hat…

„Seit jeher erzählt man sich in Zehlendorf von Dackeln, die nie wieder auftauchten.
(…)
Zu den Welsen sagt Susanne Jürgensen noch: „Es ist nie der Letzte, den man da rausholt.“ Ein schöner Satz, wenn man auf der Wiese am Schlachtensee sitzt und den badenden Kindern zuschaut, unter deren Füßen die „verbliebenen Kollegen“ nun mehr Platz zum Weiterwachsen haben. Drei Meter und 150 Kilo sind drin, sagen Experten. Wobei „drin“ vielleicht sogar wörtlich zu nehmen ist: In den 80ern hat ein Fischer einen 2,5-Meter-Wels aus der Krummen Lanke geholt. Mit Netz. Er hat ihn wieder freigelassen, damit jemand wie Aulich ihn angeln kann. Es ist noch niemandem gelungen.“

QuAlle.

Samstag Prinzenbad, anyone? (Noooooooooooot. Das ist wie mit der Mondlandung – diese Fotos sind gestellt, damit nicht zuviele Leute dort hinwollen.)

C´EST LE VENT… ou 37°2 LE MATIN

Das, was hier durch die Wohnung geht. Wunderschön, unglaublich, es berührt mich, ich wehe. WIND!!!
In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass es höchste Zeit wird, „Betty Blue“ mal wieder anzuschauen. Wider Erwarten funktioniert der nämlich immer noch. A masterpiece. Schade, dass das mit Béatrice Dalles Karriere irgendwie nix Vernünftiges geworden ist.

Betty

Ja, ich weiß, dass sie die letzten 20 Jahre gut beschäftigt war, aber eine Rolle wie Betty kriegt man eben nur einmal, vielleicht zweimal.

SUNDAY ON THE ROOF WITH DICK

Wer bis jetzt noch nicht wach war ist es jetzt. Durch den Hof heulbojen die Mamas und die Papas mit „California Dreaming“. Mir persönlich kann´s egal sein, die Hitze hat mich aus dem Bett getrieben. Die Mücke, die sich die Nacht über schadlos an mir gehalten hat, ist vermutlich satt den Hitzetod gestorben, als Denkmal laufe ich mit diversen Beulen durch den Tag. Oh wow – Dionne Warwick: „What the world needs now is love, sweet love“. No not just for some, but for everyone.

Gestern den ersten Sonnenbrand des Jahre zugezogen. Festgestellt, dass der Schlachtensee kalte Platte ist. Während der Regenzeit hat er sich um diverse Grade abgekühlt, so ist er erfrischend und äußerst empfehlenswert, insbesondere im mittleren Bereich. Algenbildung zunächst nur im ersten Knick festgestellt.

Den Abend mit einer Fremden und Weißwein auf der Terrasse verbracht. Die schönste Medizinstudentin, die ich je gesehen habe. Straight out of „Grey´s Anatomy“. Sie hat sich in einer der kühleren Wohnungen eingemietet und ich habe ihr die Nachbarschaft erklärt. Mal wieder festgestellt, was für eine jute Nachbarschaft das ist. Dass sie die nächsten Wochen in der Chirurgie assistieren wird ist eine Schande – an ihrem Anblick dürften viele Menschen genesen, aber in Vollnarkose sieht man sie ja nicht.
Und heute geht´s natürlich auch wieder raus auf´s Wasser – diesmal mit verstärktem Lichtschutzfaktor.

Irgendjemand muss sich über die Musik im Hof beschwert haben, denn just ist es wieder richtig sonntagsstill geworden. Gute Nacht Mamas und Papas, mach das Licht aus Dionne.

Ahoi Sonntagsblogger – macht was Schönes! Partez vite!


(Kaolin, „Partons vite“)