Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

IS DOCH WAHR

Die Stadt stinkt und ist laut. Ich auch. Ich schwitze in ein schwarzes Shirt und fluche vor mich hin, wegen der Menschen und wegen der Autos, des Haaransatzes und des Staubes. Wegen der zu erwartenden Blumenleichen auf der Terrasse, der Hitze in der Wohnung. Wegen des (nicht von mir) totgefahrenen Waschbären kurz vor Potsdam und wegen der Computer, die nicht Mac heißen. Dann noch der Koffer, den es in den 5. Stock zu transportieren gilt. Ich bin überhaupt nicht bereit für diese Woche. Aber es fragt einen ja keiner und ich bin eh nicht in Dialogstimmung.

Beinahe hätt ich die Fahrradfahrer vergessen. Die sind der Ursprung allen Übels. Sowieso. So steht´s schon im Koran und im National Enquirer.

AND NOT ONE OF THE ELEMENTS THAT YOU CAN LIGHT YOUR CIGAR ON

Den Bloggern fiele nichts mehr ein, bloggt ein Blogger und verlinkt als Beispiel meinen gestrigen Beitrag und die von mir so geschätzten 500Beine, was mich ehrt, zählen die Beine doch zum Besten, sind vielleicht sogar das Beste, was es blogliterarisch so gibt. Ich kann nicht für die Beine schreiben, aber Ihnen, liebe Leser und Mitblogger beruhigend mitteilen, dass mir schon noch das eine oder andere Bloggenswerte einfällt und wahrscheinlich auch in Zukunft noch einfallen wird. Nur, dass es selbst bei so mitteilungsbedürftigen Menschen wie mir vorkommt, dass sie mit ihren gegenwärtigen Projekten soviel zu tun haben, dass das Reisen durch Bloghausen in den Hintergrund tritt. Es gibt für Buchstaben auch andere Verwertung als hier zu erscheinen. Und selbstverständlich neben dem 2.0 auch noch ein Leben in 3D, das gelebt werden will.
Und auch, wenn zweifelsohne irgendwann dieser Blog einmal geschlossen wird, so ist damit nicht in den nächsten Tagen oder Wochen zu rechnen, ich habe nämlich gerade meine 15 Euro an die Knallgrauen entrichtet.

Dennoch kann ich all jenen, die in meinem gestrigen Beitrag das Ende des Einfallsreichtums der Blogwelt sehen, empfehlen einfach mal ein bisschen zu stöbern, es gibt einiges zu entdecken, Sie müssen sich nicht an meinem Leben delektieren, es gibt noch viele viele andere da draußen, die mit dem Alphabet jonglieren können.

(Memo: Mit 500Beinen mal ein Bier trinken gehen, zwecks herzhaft Lachen.)

GLAM LÄSST DIE SEELE BAUMELN oder PARALLELUNIVERSEN…

… sind gerade großes Thema. In der letzten Monaten immerhin 2 Romane gelesen, in denen die Protagonisten den Schlüssel für eine andere Dimension besitzen: „Lisey´s Story“ und „The End of Mr. Y“. Dann war da noch die Folge „Nip/Tuck“, in der Joely Richardson in einem Paralleluniversum ihr Leben an der Seite des anderen Chirurgen erlebt – die „what if“-Variante.
Ich war gestern in einer fantastischen Wohnung in Mitte, die, wegen Gefängnisaufenthalt der Vormieter spontan ab sofort und zu äußerst günstigen Konditionen zu vermieten war. So dass ich zuschlagen musste. Da die Wohnung recht groß ist, beziehe ich sie mit einem mir (noch recht) unbekannten jungen Mann, der (ich weiß, das bedeutet gar nichts) einen recht guten Eindruck macht. Das ist so eine Wohnung – Du schaust aus dem Fenster und siehst überall Möglichkeiten. Ein spontanes Glück, eine Opportunity, und das Adrenalin britzelt vor Aufregung und weil man sich selber so überrumpelt hat, mit seinem Entschluss. Dann ein komisches Gefühl, etwas reißt einen auf den Boden der Tatsachen. Man wird wach und denkt an den Kontostand. Öffnet die Augen und sieht Wände, die mal wieder geweißt werden müssten. Aber es ist diese Art von Wachzustand, die sehr manipulativ ist und so stelle ich mir ein Blatt Papier mit einem großen schwarzen Punkt vor, konzentriere mich darauf und bin zackig zurück in meiner parallel existenten Mittewohnung. Und schaue mich dort etwas genauer um, es kann nicht schaden, denn dies ist offenbar die Wohnung, die meine Seele mir vorschlägt, mein Gedankenraum. Ich glaube an die Wirkmacht von Gefühlen und Gedanken. Die träumende, schlafende Seele verhält sich vermutlich baumelnd: wie ein (correct me if I´m wrong) Proton, das sich im Atom wellenartig bewegt, bzw. zeitgleich an mehreren Orten ist. Erst der Blick aufs Proton, also eine Bewusstwerdung von außen, bindet es in eine Position. Das Erwachen.

Mein Lieblingssatz aus Harry 7: „Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean it is not real?“

OLD AGE AIN´T NO PLACE FOR SISSIES

„schnell suchte ich mir ein abteil, in dem nur junge menschen saßen. bin gerne von der waschbrettbäuchigen jugend umgeben. das macht fit. und depressiv“,
schreibt Herr Twiggs und es stellt sich ein gewisser Wiedererkennungseffekt ein. Die ganze Woche rattert er schon in mir, der Text zum Thema Altern. Statistisch betrachtet habe ich möglicherweise meine Lebensmitte gerade erreicht, aber es fällt mir manchmal schwer, mir vorzustellen, wie es mir Peter Pan so in 5 bis 10, geschweigen denn 20 bis 40 Jahren gehen wird. Ob es wild weitergehen wird oder ob ich mich irgendwann geschlagen gebe und die Zahlen, die mein Alter bestimmen, akzeptiere. Immerhin bin ich so weit (und es schmerzt), zu akzeptieren, dass mir diese Zigarettenhosen nicht stehen und dass eine asymmetrische Frisur etwas de trop wäre. Und ich finde sie fantastisch, die Frisuren und die Hosen, ich schau sie mir so gern an, aber selber tragen wäre ein No No. Hinzu kommt noch, das sagte ich bereits vor einiger Zeit, dass mir die aktuellen Mittzwanziger so gut gefallen, im Gegensatz zu den Mittzwanzigern, die es gab, als ich Mitte 20 war. Und noch eine ganz seltsame Entwicklung: meine liebsten Pornos (d.h. Internet-Amateurpornos) zeigen Männer, die aussehen wie ich vor zehn, fuffzehn Jahren. Das ist ein bisschen Peter-Berlinesque. Retard-Narzissmus? Oder versöhne ich mich mit meinem inneren Mittzwanziger?(Mein Leben ging irgendwie erst mit 30 so richtig los.)
Die Beschäftigung mit dem Altern wird nicht einfacher, wenn man sich die zweite Staffel „Nip/Tuck“ in Überdosierung gibt.
„Age has its advantages“, sagt darin die obercoole Famke Janssen, „but with youth you get to touch the future“. Ich bin nicht mehr Bestandteil einer „Jugend“kultur, fühle mich ihr aber näher als dem Mainstream oder den ganz gesetzt Lebenden, die es ja weltweit in großen Zahlen gibt. Ich mag, wie die Kids ein Outfit aus der Mülltonne zaubern können, ich mag ihre verpeilten Wohnungen, ich mag sogar, wie sie ihre Bierflaschen über die Schlesische tragen. Sie sind ein wenig Grey Gardens, nur dass bei ihnen noch Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Rein biologisch betrachtet könnte ich ihr Vater sein, aber dann würde ich sie anbrüllen, sie mögen doch ihr Zimmer aufräumen und ihnen einen Schein in die Hand drücken, damit sie sich was Vernünftiges anzuziehen kaufen. (Die Kohle würden sie natürlich für Softdrogen ausgeben.) Kismet.

„Age isn´t a curse, it´s a privilege“, sagt ein Schönheitschirurg (oder war es seine Schwiegermutter?) in Nip/Tuck. Und, ja – das Leben an sich ist ein Geschenk. Das „Jungbleiben“ nicht nur etwas, was unsere Kultur uns per Werbung aufoktroyiert, sondern vielleicht auch etwas, das wir so lang wie möglich aufrecht erhalten müssen. Jedem Neuanfängler (zu denen ich mich auch zähle, auch wenn es ein besonders langgezogener Neuanfang ist) empfehle ich, sich an etwas Neuem zu inspirieren, nicht an den und dem Alten fest zu kleben. Touching the future, im geistigen Sinne.
Dennoch werde ich der Jugend nicht nachrennen (weder so, noch so). Wenn ich Ihnen irgendwann über den Weg laufe und Ihr erster Gedanke betreffs meines Outfits lautet „Pathetisch!!“, dann sagen Sie mir das, dann kann ich kurz nach Hause gehen und noch eins drauflegen, denn überzogen pathetisch ist schon wieder Exzentrisch, und nicht etwa ist Essen der Sex des Alters, sondern Exzentrizität die Jugend des Spätsommers, des Herbstes und selbst des Lebenswinters. Altern? Touché.

ALICE LEBT HIER NICHT MEHR LANG

Nach ein paar Tagen mit schwer gestörtem Telefon wäre es doch ganz nett, wenn sich an diesem Status etwas ändert, zumal ich Harry 7 fast durch habe . Nachdem der erste Besuch eines Telecom(!)-Technikers keine Veränderung brachte, ruft nun also Glam bei Alice an, um mal nachzuhaken und einen neuen Termin auszumachen:
Alice: „Ich kann ihnen keinen neuen Termin geben, da der aktuelle Auftrag noch in Bearbeitung ist.“
Glam: „Dann nehmen Sie doch bitte meine heutige Störungsmeldung zum Anlass, einen neuen Termin für eine neue Störung zu machen – sonst zieht sich das doch wieder Tage lang hin.“
Alice: „Das geht nicht, denn der Auftrag ist im Moment in Bearbeitung und in einer Ablage, wo er nicht bearbeitet wird.“
Glam „Sie sagten also gerade, der Auftrag ist in Bearbeitung in einer Ablage, wo er nicht bearbeitet wird.“
Alice: „Ja, genau.“
Glam: „Haben Sie schon mal von der Herzkönigin gehört?“

alice

KANN SCHON MAL PASSIEREN oder GLAMUSK

So mitten in der Woche einen Tag frei zu haben ist ja mal auch was, wenn die Sonne fein auf die Terrasse scheint und ein lauer Wind die Berliner Luft mit Gardenienduft veredelt. Das Telefon ist seit ein paar Tagen tot, weshalb mich nur die dringendsten Anrufe mobil erreichen, so dass ich mich ganz auf Harry 7 konzentrieren kann.
Dann wartet das Buch aber wieder mit soviel emotionalen Höhepunkten auf, dass ich immer wieder abbrechen muss. So komme ich dazu, in einer Lesepause ein Buchprojekt zu pitchen, das bei meiner Agentur auf spontane Gegenliebe stößt (lang ist´s her…). Zur Belohnung schaue ich mir Pornofilme im Internet an und gerate in eine dieser Pornoschleife, wo man tags eingibt und sich ganz neue Netz-Welten erschließen. Als es mir dann gelingt, mich loszureißen, mache ich Bauchmuskelübungen (Brust + Arme waren gestern schon dran), weil das Betrachten schöner Körper bei mir ja mitunter Frustration auslöst, die ich nur durch disziplinierte Arbeit am eigenen Körper in den Griff bekomme. Und dann wieder ein bisschen Harry, und schon wieder passiert ein Klopper, und dann wieder ein bisschen Lesepause mit Pornoschleife. So habe ich den ganzen Tag zu tun. Und als ich heute morgen aufstehe und durch die Wohnung spaziere frage ich mich, was da so komisch riecht. Nicht wirklich fies, aber irgendwie – – – durchdringend, tierisch, so moschusartig und dann fällt mir auf, dass ich gestern so beschäftigt war, dass ich es vergessen habe, zu duschen.

LET THE SUNSHINE IN VERDAMMT NOCHMAL

Nach Shortbus und Rocky Horror Picture Show jetzt heute gerade Hair auf Arte.

Und es wird hoffentlich IMMER Menschen geben, die an joie de vivre glauben. Und an Liebe. Und man muss mal nicht so mäkelig sein, sondern die Kanäle öffnen, die Grenzen erweitern, dann kann man die (innere) Prinzessin, die nie lacht, erheitern. Ich mag gerade keine Weinerlichkeit. Ich führe ab heute den Amüsierzwang ein. Amüsiert Euch, verdammt nochmal. Ihr seid verpflichtet. Alle! Habt Spaß!

SPLITTER UND BALKEN

Ein Feng Shui Master würde angesichts der ganzen Balken in meiner Wohnung überhaupt keine Verwunderung äußern über die Maßstäbe, die ich anlege.
Das erklärt aber nicht den wirklich surrealen Traum letzte Nacht, in dem ich Lehrer an einem Heim für blinde Nonnen werden sollte, und die Schulleiterin war eine echte Mrs. Appleyard. Schon während des Vorstellungsgesprächs krachte es heftig zwischen uns und trotzdem war ich wild entschlossen, blinden Nonnen das Leben etwas zu glamourieren. (Bei ausreichender Bezahlung selbstverständlich.) „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ oder so, sagte Exupéry und ahnte ja nicht, dass er damit eine Lawine lostreten würde und dass tausende Homosexuelle in Partnerportalen weltweit diesen Satz als Headlne missbrauchen würden, obwohl sie plakativer formulieren könnten „Ficke auch Hässliche“. Nonnen hingegen, noch dazu ohne Augenlicht, bleibt Gottvertrauen und eine Religion, die ja wohl auch nicht gerade auf Glamour verzichtet, wenn auch eher im männlichen Segment der Firma. Wenn ich´s recht überdenke… Die arbeiten mit Pomp. Nicht mit Glamour. Und wenn ich jetzt ganz ganz ehrlich mit mir selber bin muss ich sagen, dass Nonnen und ich nur eines gemein haben, dass wir Jesus ansehnlich finden. Aber da hört´s auch schon auf.