Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

GLAMMY´S ON THE ROAD AGAIN oder HIER KOMMT ALEX

Ich habe meinen Finger auf den Bildschirm gelegt und zwei Euro zehn eingeworfen. Ich habe Menschen beten sehen, auf einem roten Teppich, zur Bolle-Moschee ausgerichtet. Ich habe Menschen mit hässlichen Jacken gesehen. Menschen mit Fahrrädern unter der Erde. Sie saßen daneben auf kleinen harten Platten und ließen sich fahren in einer Kutsche aus schmutzigem Messing. Sah den rotblonden Videothekar in solch einer Kutsche an mir vorbeifahren. Ich habe Türen gesehen, die gegen die Menschen entwickelt wurden und Menschen, die das bösartig ausnutzten. Ich sah Musik in Plastik verschweißt und Filme auf Stapeln, etikettiert. Ich stand in der Mitte und man verkaufte Plastikstrass aus Bauchläden heraus, sowie Bratwürschte. Es war finster, es nieselte und Männer mit so viel Gel in den kurzen Haaren, dass man ihre blasse Kopfhaut sah, huschten, flinken Wieseln gleich, durch die mit Bratwurschtduft pestizierte Luft. Mädchen mit Haaren, die von falschen Produkten zerstört waren, reichten sich Flaschen, auf denen „Kleiner Feigling“ stand. Dank der kleinen Plocken, mit denen ich meine Ohren verstopft hatte, war all dies Schauspiel begleitet von erlesener Musik. Andernfalls hätte ich wirklich besser das Auto genommen. Dennoch gibt es viel zu sehen, vor dem man nicht immer die Augen verschließen kann und für Frankie würde ich nicht nur jederzeit wieder U-Bahn sondern sogar in Marocco Bus fahren, von Mirleft bis Essaouira meinetwegen.

ALLERHEILIGEN

An Oma Sofie gedacht, die heute 99 Jahre alt würde, aber nun schon bald 30 Jahre nicht mehr am Leben ist, der Krebs. Zu spät erkannt, breit gestreut. Die Glamutter ist jeden Abend aus dem Haus, mit einem Korb, darin eine Thermoskanne mit schwarzem Kaffee und den Kaffeebechern mit je zwei roten Herzen darauf, eingewickelt in ein Geschirrtuch. Und saß am Bett der Mutter, abwechselnd mit den anderen Schwestern. Zwanzig Jahre später will sie eine Freundin im Krankenhaus besuchen, dann steht sie vor der Zimmertür, es ist das Zimmer in dem ihre Mutter gestorben ist. Wenn sie eine Sonnenbrille dabei hätte wäre jetzt die Gelegenheit, aber sie hat keine, also beeilt sie sich, es noch rechtzeitig zu den Tränen ins Auto zu schaffen.

Aber es ist auch der Geburtstag von I., einer der beiden ältesten Freundinnen. Und die Erinnerung produziert gerade ein Fotoalbum. Und ein weiteres Geburtstagskind, Toni Collette, sums it up best: Beautiful awkward pictures…

GLAM MIT SCHWESTER UND SCHWÄNEN

swans

Dieses Kramen in den Fotoalben der letzten 30 Jahre war nicht besonders gut für mich. Nicht im Oktober, der sich als November tarnt. Meine Kapazitäten für Drama sind weit überstrapaziert. Wenn ich das obige Bild betrachte, dann fallen mir meine Kinderkrankhaiten ein. Nicht jetzt Masern und Windpocken, sondern dieses ein paar Mal wirklich an der Grenze stehen und die Panik in den Augen der Familie zu sehen. Das Gefühl, mich in den Krankenhäusern ausgeliefert und verlassen gefühlt zu haben. Eine besonders intensive Erinnerung – eine Nadel ins Rückenmark gejagt zu bekommen, danach 24 Stunden völlig bewegungslos liegen zu müssen und die ganze Zeit Angst zu haben, dass ich aus Versehen eine Bewegung mache und – was dann?
Auf dem obigen Bild sehen Sie mich mit meiner Schwester auf einem Ostsee-Urlaub, der mich die Zeit im Krankenhaus vergessen lassen sollte. Danach war ich nur noch zweimal im Krankenhaus. Einmal zwecks Entfernung der Mandeln und dann nochmal mit 14, als man mir den Magen auspumpen musste. Ich weiß, ich krieg heute keine gute Stimmung verbreitet. Aber muss ja auch nicht immer. Immerhin ware das da oben im Bild zwei gutmütige Schwäne. Nicht wie die Biester von heute. Und dank Hans Christian Andersen war ich Schwanen-technisch völlig furchtlos. The power of fiction.

GLAM´S GHOSTS oder WRITERS ON THE STORM

Aus der Distanz betrachtet wirkt es krasser, als es sich damals anfühlte. Du stehst auf der Buchmesse, einer von vielen PR-Agenten, hast Dich hübsch gemacht, weil Du ja wieder im Glanz der Sonne unterwegs bist, und da sitzt er, der Sonnige, lacht und scherzt, beantwortet Interviewfragen und beeindruckt – gut macht er das -, trägt ein Kapitel aus dem Buch vor, auf dem sein Name steht, für das er jedoch nicht mehr geliefert hat als eine grobe Idee und das Du für ihn geschrieben hast, gut und gerne und nicht einmal schlecht bezahlt.

Das Dumme – sein Image ist nicht das eines Schriftstellers, von ihm ist das Publikum anderes gewohnt, vielleicht ist er Sportler oder Politiker, und trotz hohen Lobes seitens der Presse und großer Publizität im Boulevardbereich liegt das Buch wie Blei in den Regalen. Zwei weitere Versuche folgen. Auf den Parties der Messe wirst Du als PR-Agent begrüßt und natürlich als Autor erkannt, weil ja jeder weiß, dass Sportler und Politiker nicht schreiben können, zumindest nicht so gut wie Du. Die anderen Autoren, die Du triffst, und die mit schlechteren Büchern größeren Erfolg haben, haben immerhin ihren eigenen Namen auf dem Cover. Und so vergehen vier Jahre, in denen Du keine eigenen Projekte realisierst, weil Du zu beschäftigt bist, seine Interviews zu führen (die schriftlich eingerechten, auf die persönlichen Interviews bereitetst Du ihn nur vor) und seine Bücher zu verfassen. Du hast jetzt eine Geschichte als Ghostwriter von Flops. Selbst die Lektoren haben begriffen, dass die Bücher eine größere Chance gehabt hätte, wären sie unter Deinem Namen veröffentlicht worden und nicht dem des Sportlers/Politikers. Von nun an wird alles, was Du einreichst höchst kritisch betrachtet – noch einen Flop kann man gegenüber dem Verlagschef nicht rechtfertigen, selbst die Tatsache, dass Du unter eigenem Namen einen kleinen Klassiker verfasst hast, tritt in den Hintergrund. Es ist nicht einmal so, dass Du von vorne anfängst. Es ist schlimmer. Denn selbst in der Branche, die Dich bezahlt, bist Du eine Art Betrüger – ein Ghostwriter eben. Außerdem bist Du der wandelnde Beweis ihrer verfehlten Urteilsfähigkeit. Sie hätten es besser wissen müssen, eigentlich. Haben sie aber nicht.
Was bleibt – Designerkleidung der Jahre 2001 bis 2005, ein paar Taschen. Die Erinnerung an den einen oder anderen mal eben so zugesteckten 1000er Schein. Das Auto, das Du Dir von der Option auf die Filmrechte gekauft hast, das jetzt rostet. Und der Gespenster-Roman, den Du eines Tages unter Pseudonym veröffentlichen wirst.

THE GREATEST LOVE OF ALL

glamrail

Ihr junger Krankengymnast sehe aus wie ich, sagt die Glamutter am Telefon und mein erster Impuls ist „Gib ihm meine Telefonnummer“. Ich leide am Peter-Berlin-Syndrom, was wohl damit zu tun hat, dass ich den Sonntag in Fotoalben verbracht habe. Also, ich würde mit mir eine Beziehung haben wollen, ich war nämlich ganz schön süß. Aber ich war auch ganz schön kompliziert. Mittlerweile bin ich recht simpel, aber das Leben ist doch sehr kompliziert geworden.

DOUGLAS DUMBLEDORE oder GENERATION XXX

„It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting.“
(Douglas Coupland, „Eleanor Rigby“)

caryrandy
Die entzückendste Junggesellen-WG Hollywoods.

Ich lese jetzt seit zwei Wochen an „The Gum Thief“, also kann etwas nicht stimmen. Ein neuer Coupland ist normalerweise in zwei, maximal drei Sitzungen durch, und wenn ich eine Nachtschicht einlegen muss. Dieses Mal zündet der Funke nicht, aber das liegt vielleicht daran, dass ich mit Coupland gerade etwas entsetzt bin. Frau Choc schickte mir unlängst den Link zu einem Interview mit meinem Lieblingsautor. Darin erfuhr ich, zehn Jahre seit ich das erste Mal etwas von ihm gelesen habe, dass er schwul ist und 2005 sein Coming out hatte. Mir war etwas merkwürdig bei dem Gedanken, ich konnte das Gefühl aber nicht so richtig orten, formulieren. Ich dachte an all die schönen Bücher, die ich von ihm gelesen hatte und stelte fest, dass Schwule darin nicht vorkommen. Dass auch mit Sex sehr sparsam umgegangen wird. Und das fand ich dann rückblickend vor dem Hintergund des Outings – schade. Es gibt Künstler, Performer, die ihr Schwulsein verschweigen und denen fehlt dann auch prompt etwas in ihrem Act. Der Sex, der ja ein Stück Weltlichkeit ist. Lass den außen vor und Dein Rezept ist verpfuscht. A laugh and a cry. A cry and a tap to the foot. Da fehlt was. Glaubwürdigkeit. Da findet eine ganz starke Abkapselung statt, zu solchen Menschen findet man schwer Zugang. Think Jodie Foster. Couplands Bücher haben mich berührt (der „Gum thief“ bislang nicht), aber jetzt ist da irgendwie ein seltsames Vorzeichen, auch bei allem Verständnis dafür, dass „Generation X“ nicht eine ganze Generation betitelt hätte, wenn es ein schwuler Roman geworden wäre. Schade. Schande.
Ich hatte gedacht, gehofft, dass die Zeiten, in denen zwei Männer zusammen leben und diesen Status als Junggesellen-WG verkaufen müssen vorbei sei. That old Hollywood is over.

Schaut mal Dumbeldore. Die Rowling musste bis zum Abschluss der Potter-Reihe warten, bis sie eine ihrer Figuren outete. Und die Figur, da verrate ich nichts, ist schon im vorletzten Band gestorben. These are the latest literary coming outs ever.

ASUNCION – GABRIEL BEFORE ME, RAPHAEL BEHIND ME, MICHAEL TO MY RIGHT AND MURIEL ON MY LEFT SIDE

Ist mein Aszendententag heute. Genau zwischen Waage und Skorpion. Between rocks and hard-ons. Ich habe nichts gegen mein komplexes Sternzeichen, also diese farbstimmige Melange aus Acid, Koks und verschreibungspflichtigen Medikamenten Zwilling, Skorpion, Waage. Menschen, die nie an Astrologie geglaubt haben, überlegen es sich angesichts meines Horoskops anders. Ist so. Und dann die Tatsache, dass die beiden besten Freunde an genau meinem Aszendententag geboren sind, und eine Porno-Queen, mit der ich mal viel zu tun hatte. Und dass die anderen beiden engsten Freunde an Marilyns Todestag zur Welt kamen… als ob es da doch so etwas gibt wie einen Zielrichter, der uns in seinem Blick eingefangen und festgemacht hat. Vielleicht ist die Astrologie die notwendige Ergänzung zur Quantenphysik und nur Shirley MacLaine hat das bislang geblickt. Aber ach. Scheißzielrichter. Du meinst, Du musst gerade beweisen, wer die Fäden in diesem Spiel in der Hand hält. Mach doch. Ich spiel so lange es geht. Solange es Spaß macht. Und dann hab ich es eh mit dem anderen Kerl zu tun. Dem mit dem schwarzen Cape, dem, wo die Party ist. Ich werde da mehr Spaß haben als auf irgend einer Sternenmüllwolke in ner beschissenen Toga. Toga? Nix als n bessres Wort fürn ollen Woolworth-Kaftan. Geht gar nicht. Wenn Du Toga willst, dann hol Dir Liz Taylor.

Ein wenig out of context – aber sollte ich noch jemals Gelegenheit bekommen, einen Porno zu produzieren, dann würde ich ihn „Four Horsedicks of the Apocalypse“ nennen.

SCHLIMMER ALS BEFÜRCHTET

Ich hab sie sogar zum Einschlafen gehört. Ich höre nie Musik beim Einschlafen. It´s a bed case.

Und dann hatte mir die amerikanische Nacbarin auch noch ausgerechnet „Almost famous“ ausgeliehen, Hilfe!, das hat vielleicht gepasst. Ich möchte sagen, das ist der Film mit den besten Perücken EVAH. Wenn die mal nicht sogar ihre eigene Haararbeit gemacht haben. Es sollte einen Oscar für Haare geben. Dann würde „Almost famous“ einen Ehren-Oscar für die perfekte Haar-Illusion bekommen.
Was mich von dem Film bislang abgehalten hatte war das Muschi-Plakat mit Kate Hudson. Ich MAG Kate Hudson. Aber das Plakat ging wirklich gar nicht. Kate war übrigens eine Sensation. Finegetunet. Weit aus dem Schatten von Mutti Goldie herausgetreten, das war Tuva-Novotny-Niveau. Sie ist in blonden Komödien falsch aufgehoben. Mehr Filme wie „Almost famous“ für Kate Hudson.

MAN MÖCHTE DEN KERLEN EINE BENIMMSCHULE VERPASSEN oder WARNUNG VOR DEM ESEL

„Empfanden Sie es dennoch nicht als Frevel, Sie eine Hexe spielen zu lassen? Sie galten als schönste Frau Hollywoods!“

????!!!!GALTEN!!!!?????
Spon zu Michelle Pfeiffer. Desweiteren lernen wir Erstaunliches über Mini-Esel:

Michele Pfeiffer: „Miniatur-Esel brauchen viel Aufmerksamkeit. Wenn sie die nicht bekommen, werden sie merkwürdig. Sie haben sich vernachlässigt gefühlt und angefangen, unsere Gäste zu beißen.“

Ich hätte den Esel so zumindest so lange behalten, um ihn zum Spon-Interview mitzunehmen.