Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

PERFECT TIMING

Ich telefoniere ja nicht gerne. Eigentlich. Und das wird im Freundeskreis respektiert, spätestens seit es diese Seite gibt, in der ich erzähle, was so passiert, so dass ich es nicht allen Freunden gegenüber aussprechen muss. Und wo man dann kommentieren kann und durch die Gehirn-Finger-Verzögerung den wunderbaren Vorteil der perfekten Formulierung gegenüber dem Achtlos-Sofort-Ausgesprochenen hat. Aber gestern war so – mitteilungsmassiv. Selbst nach dem obligatorischen Anruf (mit der Mum und ihrem neuen Kniegelenk), hatte ich noch so ein seltenes Gefühl der Mitteilung und Neugier und telefonierte mich durch den Freundes- und Verwandtenkreis. Mit meiner Schwester echauffierte ich mich über unsere Messy-Cousine, der wir beide mal kräftig in den Arsch treten wollen. Mit meinem Neffen diskutierte ich Handy-Tarife. Bei Lucky erkundigte ich mich nach dem Gesundheitszustand. Bei Frank erreichte ich niemanden. Und dann, gerade als ich die liebe X anrufen wollte klingelte das Telefon. Zu einer Zeit, von der jeder weiß, dass ich entweder gar nicht zu Hause bin oder Sex habe oder Experimente mit dem Internetz mache oder eine Kurpackung in die geknechteten Haarspitzen knete, während Gloria Swanson schlechte Soubrettenmusik liefert und eine fliederfarbene Sobranie im Laurent-Perrier-Aschenbecher vor sich hinschmirgelt und die Yoghurt-Gums zwischen meinen Zehen mit buddhistischer Andacht zum Mund geführt werden, klingelte also das Telefon und es war die X. Es gibt also diese Tage, wo die Vibrationen der Seelen den Lärm des Geklingele und Getröte und Gebrülle und den Sound des Geldautomaten, der das Geldfenster nicht öffnet, übertönt. So dass man mit dem Getröte und dem TriTraTrullala des Wesens der Existenz, das sich immer aufbäumt, um einem zu sagen, wie drastisch wichtig und bedrohlich alles ist, einfach nicht hadert, sondern ein Yogurt-Gum danach wirft und sagt: „Ich kann jetzt nicht. Ich muss sprechen.“

Gerade nacghgeschaut, was es vor einem Jahr hier gab. Was damals galt, ist auch heute noch wahr:

NICE TRAILER

BACK TO CARDIGAN

Es ist erstaunlich, dass fast alle Menschen, die sich einem Make-over unterziehen – neues Outfit, neue Haarfarbe, Make-up – ein halbes Jahr später wieder genau so aussehen wie vorher.

DANN POSTE ICH DAS MAL HIER WEIL ES IN DEN KOMMENTAREN DES ANDEREN BEITRAGS EIGENTLICH FALSCH AUFGEHOBEN IST UND DA LÖSCH ICH ES DANN AUCH

stylebitch – 17. Okt, 20:48
(…)
Und jetzt vertellen (wie man in HH sagt) Sie mir bitte noch, was an meiner formidablen, gerade erst überarbeiteten Blogroll andersrum, pardon, verkehrt ist. Ich kann es mir denken, was Ihnen aufstößt, will es aber von Ihnen selbst lesen. Jawohl.

Es toastet Ihnen von der Elbe zu – moi
antworten – löschen

glamourdick – 17. Okt, 21:14

wenn Sie es sich denken können, dann wird es schon richtig sein. oder falsch. was genau so gut der fall sein könnte! und deshalb, weil wir uns ja noch nicht ausreichend kennen, dies zu beurteilen, kann ich sie Ihnen nicht so übel nehmen, diese kleine böse verirrung auf der rolle. und weil eben Sie die hintergründe nicht kennen, es sei denn, sie strengen sich ein bisschen an – wie kürzlich hier erwähnt ist alles easily recherchierbar – bleiben Sie trotzdem auf meiner blogroll. Sie hängen gerade in einer schaukel mit einem geschätzten kollegen. aber das ist eine schöne vorstellung – Sie beide in einer schaukel. und deshalb muss ich mir keine vorwürfe machen betreffs meiner rausschmeiß-und-oder-duldungstaktik.
bearbeiten – löschen

stylebitch – 17. Okt, 21:26
sie sind ein gestrenger blogger, monsieur 🙂
und ich, als emsiges trüffelschweinchen, habe bereits vor tagen verwirrendes zusammengetragen. und mich für die gutdeutsche sitte des raushaltens entschieden. das hat mir auch eva geraten, mit der ich mich morgens manchmal auf einen kleinen braunen treffe. there’s no business like your (own) business, oder wie das heißt 🙂

cheersthanksalot (wie abfab-patsy sagen würde)
– löschen

glamourdick – 17. Okt, 21:44
sehen Sie – das ist der springende punkt. ich als involvierter kann mich nicht heraushalten. ich kann nur auf meine erfahrung zurückblicken. menschen, die mich kennen, und die die „erfahrung“ miterlebt haben, denen ist es ein leichtes, stellung zu beziehen (meine, in diesem fall).
anderen gönne ich den benefit-of-a-doubt mir gegenüber bis zu dem grad, wo sie weiterhin nicht-hinterfragend die lügen und fantasie-konstrukte eines kranken menschen goutieren, dessen leben nur im virtuellen bereich stattfindet. WEIL es auf dieser seite, auf diesem blog um eines geht: SEI ECHT! (danke britt, danke douglas!). alles andere ist schal, langweilig, krank.

ich möchte einfach nie im gleichen atemzug genannt werden oder auf der gleichen blogroll erscheinen wie diese internetlebenslüge. nachvollziehbar, oder?

eva-maria, need more explanation?

p.s.: das ist eigentlich eher stoff, den man behind the scenes diskutieren würde. aber es lag in der schwülen blogluft und so haben die anderen auch was davon.
bearbeiten – löschen

stylebitch – 17. Okt, 21:58
darf ich mich trotzdem enthalten? merci …
– löschen

glamourdick – 17. Okt, 22:05
nein. was da passiert ist, das hat zu viele opfer und gezeichnete gefordert, da geht kein schwamm drüber. und da muss man sich als außenstehender dann wirklich entscheiden. ist wie bei kim basinger und alec baldwin. i lbelieve in the concept of truth oder echtheit too much. i´m with kim basinger.
bearbeiten – löschen

stylebitch – 17. Okt, 22:19
mom
truth hin, dare her: ich lasse mir kein er-oder-ich-ultimatum aufzwängen, my dear. auf meine roll kommt, wen ich gern lese. das ist das einzige kriterium, zu mehr ist sie nicht da.
und auch nach (fleissiger) archiv-lektüre bei dir habe ich wohl kaum genug ahnung, um was passiert ist zu bewerten. mir geht es um kreativität, um geistreichen, auch gern blödelnden austausch von gedanken und erlebnissen. ich suche weder beziehung (obwohl …) und noch cliquen-zugehörigkeit. vielleicht ein wenig sympathie. und ich überlasse es jedem selbst, wie echt er im internet sein möchte. ich bin es, im rahmen von mir selbst festgelegter grenzen, und das ist auch gut so. wenn aber eine frau einen mann erfindet, der lesenswert bloggt (or vice versa) – so be it.

wenn du mich nach diesen offenen worten auf deiner rolle nicht mehr dulden kannst/magst, i can’t help it.

ich schaue hier jedenfalls gern wieder rein!

night, night!
– löschen

glamourdick – 17. Okt, 22:23
millie vanillie
was für mich blogs sind: wahrheit. berichte aus dem leben, dem erfahrungs/erlebnisbereich.

ultimaten stell ich nicht. funktioniert nie. und ich kann nur betonen, was ich bereits eingangs erwähnte. research your favourite bloggers.

KNOWING ME KNOWING YOU

Da hatte ich nun gerade meinen Mann, in den ich sehr sehr verliebt war. Und es war noch ganz neu – vier oder fünf Wochen, sowas. Und hatte einen Flug gebucht zu einem Festival, wo jemand auftrat, in den ich mich telefonisch verliebt hatte, schon bevor ich meinen Partner kennen gelernt hatte. Der aber weit weg war und in einer Beziehung und – mit dem ich nun verabredet war. Und Er, der andere, der mit dem ich gerade eine Beziehung aufbaute, wusste von meinem Flug und da er ja näher am Flughafen wohnte als ich, da war es ja frisch verliebt logisch, dass ich die Vornacht bei ihm schlafe, um dann mittags, wenn er schon in der Praxis war, mir mein Taxi zum Flughafen rufen würde.

Zum ersten Mal allein in seiner Wohnung. Und ich bin ja anständig, ich stöbere nicht. Also bin ich nur in Ruhe einmal das Bücherregal auf und ab gegangen, kaum etwas für mich dabei, und hab mich gefragt, was er und ich gemeinsam haben außer, dass ich wusste, dass er der Mann meines Lebens war, obwohl wir nichts gemein hatten, aber er hatte sich für mich entschieden, obwohl er so eine wunderschöne Vision all dessen war, was ich mir immer so als Partner vorgestellt hatte. Das schönste Geschenk ever. Und dass er mich allein in seiner Wohnung ließ, nach wenigen Wochen, und ich dann weg zu einem Treffen, dessen gegebenes Ausmaß er natürlich nicht wissen konnte, ich schreibe hier extra nicht „erahnen“.

Und dann war ich in, sagen wir, Paris auf dem Festival, und er, der andere Er, stand mir gegenüber und ich brannte. Und zupfte mir irgendwelche Argumentationen zurecht, die das verhindern sollten, was in Leuchtbuchstaben auf uns geschrieben stand. Dass WIR für einander bestimmt waren. Und die Unmöglichkeit dessen. Er bezogen, ich bezogen (und wie schön zu diesem Zeitpunkt noch), verteilt über Europa, und trotzdem, wenn ich mich recht erinnere, haben wir uns damals zum ersten Mal geküsst. Später, über die Jahre, immer wieder. Und ich bin dann zurück nach Berlin, habe die Klappe gehalten und die Beziehung ging dann noch eine ganze Weile weiter, bis sie eines natürlichen Todes starb. In einem der letzten qualvollen Gespräche mit dem Ex hab ich´s dann gestanden, weil ich ihn verletzen wollte mit irgend etwas.
„Da war jemand anders. Und ich habe mich gegen ihn und für Dich entschieden.“
„Damals in Paris?“
„Ja.“
„Das hab ich Dir angemerkt.“
Aber es hatte die Beziehung nicht gekillt. Und weshalb mir die Geschichte jetzt gerade einfällt weiß ich auch nicht. Vielleicht, weil sie aus einer Zeit stammt, in der ich noch die Wahl zwischen einer Perle und einem Diamanten hatte.

BERLINERLEBEN

Woolworth, Kottbusser Damm.
Glam: „Ich hätte gern einen Besen.“
Verkäuferin: „Na, wollse woll ooch ma putzen, wat?“

***

Die blauen Seiten. Ein schicker Mann, ein charmantes Profil. Bis zum zweiten Foto im Album, wo er stolz-verklärt sein Iphone in die Kamera hält.

ALS SPAM NOCH SÜLZE WAR

Manche Texte, an denen man arbeitet, spürt man irgendwann physisch. Sie schleichen sich nicht nur in die Träume ein oder leben irgendwo im noch-nicht-Bewussten ein Eigenleben, ein verborgenes Wachstum. Eines Tages klopfen sie von innen an und wollen geschrieben werden. Man hat diesem noch-nicht-Text soviel Information und Idee zugefüttert, dass er endlich raus möchte. Und dann sitzt man da, macht die Tür auf und lässt ihn, und nach vier Stunden ist man wahrscheinlich todmüde und so erschöpft, als sei man vier Mal hintereinander die Treppe zur Mansion hochgeschossen, immer zwei Schritte auf einmal. Man macht die Erfahrung, dass der Geist schwerer zu erschöpfen ist als der Körper. Zu schreiben hätte man wohl schon noch etwas, aber der Körper macht nicht mehr mit.

Gestern festgestellt, dass es der Text allein nicht ist, sondern dass zu dem Projekt auch die Sammlung gehört, die in Papier und Dateien um mich herumfliegt, seit Wochen. Dass der Weg der Erarbeitung noch einmal genau so spannend ist wie der Text an sich. Und so habe ich mal wieder Grenzen überwunden und einem technischen Gerät in meinem Besitz zur Funktionsfähigkeit verholfen. Mein Uralt-Scanner läuft seit gestern unter OS X! Während der Scanner behäbig scannte, entdeckte ich im Netz einen wahren Glücksfall, ein Filmfragment, das genau mein Thema behandelt und das zur Zeit der damaligen Geschehnisse entstanden ist. Was für die Zeit, die ich behandele, eher ungewöhnlich ist, da Film damals noch ein Medium war, auf das kein Verlass war und Filmmaterial nicht für die Nachwelt, geschweige denn die Ewigkeit konzipiert war. Glücksfall nennt man sowas. Auch dieses Versatzstück der Sammlung zugeführt, die jetzt zu einem umfassenden multimedialen Dossier angewachsen ist. Und einen historischen Vorfall noch ein bisschen plastischer auferstehen lässt, denn jetzt weiß ich, was Frau Engel trug.

Vor Begeisterung über das knospende Projekt, das Besiegen der Technik und die überraschenden Recherche-Ergebnisse vergaß ich auf die Uhr zu schauen, so dass ich – und hier kommt der Schlenker zum ersten Satz, heute arg mit Rückenschmerzen zu kämpfen habe. Ich weiß, das ist alles nicht wahnsinnig interessant zu lesen, aber ist ja meine Seite und mein Tagebuch. Ätsch.

12 LIEDER. 1 KLANGFARBE.

Die neue Katie Melua.

Mehr muss man auch nicht über die Platte wissen, außer vielleicht noch, dass in einem Lied, das den hübschen Titel Mary Pickford trägt, auf hundsblöde Art und Weise von der Gründung der United Artist erzählt wird und so die Namen einiger reizender Stummfilmstars mit einer schönen Idee (Künstler machen Kunst, nicht Teppichhändle Spielfilme) einer Generation vorgestellt wird, die gar nicht weiß, dass Filme früher mal in schwarz weß gedreht wurden und keinen Ton hatten. Diesem Unternehmen sitzt nun leider seit nicht allzu langer Zeit ein bekannter Scientologe vor.

IN YOUR DRESS I DIDN´T LOOK LIKE A MESS AND IN MY SUIT YOU REALLY LOOKED CUTE

Die Sonne steht mir. Ich habe drei Tage lang kaum etwas essen können, das steht mir auch. Wenn das Gesicht schmaler wird, dann wirken die Augen größer. So stöpsele ich mir die Kopfhörer ein und gehe mit Annie Lennox nach draußen, sehnsüchtig, den festen Boden unter mir zu verlassen und mich auf ein Schiff zu begeben. Heut brauch ich diese Wasserbewegung, das sanfte Schaukeln, das mein Wissen bekräftigt, dass es so etwas wie festen Boden nicht gibt, es handelt sich meist um Teppiche, die unter einem weggerissen werden. Ich mach mir keine Gedanken, ob ich allein sei will, da fällt mir ein, dass ich Miss J. bestimmt ein Jahr lang nicht gesehen habe, ich rufe sie an, und eine dreiviertel Stunde später sitzen wir uns gegenüber auf dem Schiff, Kaffee mit Milch und Sekt auf Eis vor uns. Schauen uns in die Sonnenbrillengläser und erzählen. Ich beichte ihr, dass sich seit ca 5 Jahren ein Buch in meinem Besitz befindet, das sie mir geliehen hat, und das ich das nächste halbe Jahr noch weiter benötige, weil es mein aktuelles Schreibprojekt inspiriert hat, vielleicht sogar dessen Basis ausmacht. Miss J. hat mich nicht zum ersten Mal inspiriert. Wir sind beide Zwillingsgeborene und legen mitunter ein für Beobachter kaum nachvollziehbares Intellekt-Tempo an den Tag. Ich rede so viel und schnell, dass meine Lippen taub werden. Ein sehr aggressiver Streit hat uns vor ein paar Jahren getrennt, wir haben es auch drauf, einander weh zu tun. Hatten. Als wir uns kennenlernten, haben wir als zweites unsere Kleidung getauscht. Ich trug also ein langes Kleid mit Hochhäusern und sie einen schwarzen Anzug. Als sie an jenem 11.09. in New York war, saßen eine gemeinsame Freundin und ich zitternd in einer Küche und warteten auf Nachricht.

Wir reden von Burma, irren Männern, die zusammenzucken, wenn man in ihren Armen liegt und sich bewegt, Drehbuchförderung, der Steuer (wir haben beide erst am Samstag damit begonnen), Musik und Drogen, vom Blondsein und dem Haare offen tragen, damit die Sonne noch einmal richtig reinfahren kann, an einem der letzten Tage, an denen man wohlig draußen sitzen kann. Leicht versetzt, aber nur minimal asynchron, legen wir uns unsere Strickjacken um die Schultern, wenn die Sonne sich für einen Weile hinter einer Wolke versteckt. Wie Wellenbewegungen.