Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

THERE´S A NEW STAR IN HEAVEN TONIGHT

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Bye, Miss Wyman. Kommen Sie da oben gut an!

„All that Heaven allows“ – vielleicht eines der schönsten Hollywood-Melodramen ever (neben „Imitation of Life“ – ebenfalls von Douglas Sirk.) Und leider nur als Criterion-DVD für $35,- erhältlich. Eine Witwe in den 40ern verliebt sich in ihren Gärtner und hat die ganze Vorstadt gegen sich. Und der Zuschauer verliebt sich auch. In Rock Hudson at his most gorgeous. Es gibt keinen Film, in dem Rock Hudson adäquat synchronisiert wurde. Er wirkt immer hözern, etwas dümmlich oder einfach nur peinlich schmalzig. Sieht man „Giant“ oder „Heaven“ im Original, erlebt man einen ganz anderen Menschen.

ODE AN EINEN UNBEKANNTEN FISCHER

Die Sonne scheint Platin vom Himmel
Sie sitzen und zischen ein Bier
Und träumen vom weißen Schimmel
Mit ebenholzschwarzem Kavalier
Auf dem Firmament des Meeres
Wabert und wackelt ein Boot
Oh Fischer, oh Fischer – ich schwör es
Heut abend da bin ich dein Brot
Obrigado, obgrigado, sin ti – por favor
War das Leben nur degeneriert
Doch habe ich auch schon davor
Manch Abenteuer kreiert.
So geht es im Leben,
Man ist besser versiert.
Und sollte ich bleiben und kleben
So hat sich der Urlaub rentiert
In froher Erwartung schmackhafter Fritten
Oh Fischer, oh Fischer ahoi!
Huldigen wir Deiner formschönen Titten
Du bildschöner pechschwarzer Boy.

(Das ist ein Gemeinschaftsprodukt mit meiner damaligen Urlaubsbegleitung, die heute Geburtstag feiert. Happy Birthday, Miss Dee!
Den schicken Fischer, lieber LeserIn, finden Sie auf der Insel Sal, wo Sie ansonsten auch nicht viel anderes finden als Fischer, Surfer und Sand. Aber wer braucht schon mehr?)

SPRÖDES HAAR IST KEIN HINDERUNGSGRUND

Ein wunderschöner erwachsener Film von fast dänischer Intensität, trotzdem archetypisch amerikanisch. Mit einer uneitlen Kate Winslet, die von Todd Field zum Leuchten gebracht wird. Nicht minder atemberaubend in Intensität und Präsenz: Patrick Wilson. Definitiv einer der schönsten Filme des Jahres, allerdings nur im Original – die deutsche Synchro stinkt nach faulender Pappe. Das Ende ist debattierbar, wenn auch realistisch. Benutzerhinweis: Man kann diesen Film auch lieben, wenn man „American Beauty“ schrecklich fand.

„Little Children“, DVD for rent now.

BESSER STAUNEN

Das Lenkrad stört. Aber ansonsten geht´s. Der Armbewegungsraum ist natürlich auch durch die Fahrertür und die Windschutzscheibe eingeschränkt, aber das Fenster ist ja eh runtergekurbelt. Auch steht es sich besser bei der großen Geste, aber wer hat dieser Tage schon die Wahl? You take what you can get. Auf Höhe Prinzessinnenbad ist die Straße in beiden Richtungen gesperrt. Umleitung. Einen Kilometer weiter südlich ist die Gneisenaustraße nur einspurig befahrbar. Was zu mehreren Nadelöhren führt. Baerwaldstraße und Urbanstraße insbesondere. Da die beiden aber unvermeidlich in Erreichung des Arbeitsortes sind, bin ich jeden Morgen auf Stau eingestellt. Nicht schön für einen Aggro-Fahrer wie mich. Seit vorgestern habe ich aber mein Rezept gefunden. „Between my legs“ war es nicht, das frustriert, wenn man nicht aufs Gas treten kann. Scala geht auch nicht im Stau. Die Stimme ist meist schon weg, bevor ich das Büro betrete, aber dafür ist die Stimmung nicht im Stau zurückgeblieben. Genau die richtige Dosis Drama, Versöhnung, Selbstrettung und Überleben habe ich mal wieder bei ihr gefunden:

Stellt Euch vor Ihr steht auf einer Bühne und Dame Judi starrt Euch in den Rücken. Oh oh… Und die anderen beiden Erinnyen – sind das Linda Eder und Elaine Page??

SUCHBEGRIFF „VINTAGE“

Ein sehnig-muskulöser Mann mit blonden Prinz-Eisenherz-Schnitt, meist freiem Oberkörper und den engsten Hosen, die man sich vorstellen kann. Und mit sooooo einem Paket, das er stolz durch die Welt trägt. Ich hatte Peter Berlin schon einmal vorgestellt, aber angesichts Kittys Berichterstattung zum Thema PorNo fiel mir noch das eine oder andere ein.

Peter Berlin hat leider nur zwei Filme gedreht und trotzdem ist er mit ihnen zur Porno-Ikone geworden. Die Filme unterscheiden sich stark von heutigen Produktionen. Mit Schnitten und (Ass-)Pussy-Shots wird sparsam umgegangen. Die Sex-Szenen dauern lange, aber nicht, weil für einen Fick vier Stunden gedreht wurde und die ja irgendwie verschnitten werden müssen, sondern, weil schon das erste Zupacken, das Öffnen der Hose, sogar das Küssen und Umarmen quasi pornografisch inszeniert ist. Wenn man Peter Berlin anschaut dann kann man ihm unterstellen, dass er nur an Sex denkt. Das strömt aus jeder Pore und das lädt den ganze Film auf. Selbst wenn er und sein Lover nackt durch den Wald laufen, ist das Porno pur und das hat etwas mit Stolz und Freude zu tun – beides Begriffe, die einem im Zusammenhang mit der heutigen Porno-Produktion nicht gerade als Erstes einfallen würden.

Im Gegensatz zu den Darstellern bei Pornoproduktionen, denen ich beruflich beiwohnte, hatten Peter Berlin und seine Partner nicht nur sichtlich Spaß am Sex – sie waren fasziniert von der Möglichkeit der sexuellen Selbstinszenierung und nutzten das Medium für ihren Exhibitionismus, was die Regisseure offenbar und zurecht ausreichend fanden. Man ließ die Darsteller machen und verzichtete weitestgehend auf Anweisungen und Eingriffe. Die selbe Qualität von selbstbewusster pornografischer Inszenierung findet man heute bei den Amateur-Clips auf Seiten wie x+tube. Einiges, was es da zu sehen gibt, gefällt mir viel besser als das, was die sogenannten Profis produzieren. Ein langhaariger Student, der im Sessel vor der Webcam sitzt, seinen Schwanz auspackt und wichst, vom eigenen Wagemut amüsiert und aufgegeilt ist, ist für mich sexier, als einer Truppe schlecht frisierter Muskelpakete mit viagraroten Köpfen und notdürftig überschminkten Testosteron-Pickeln beim Gang Bang zuzuschauen. Während meiner drei Monate im Porno-Büro und noch mehrere Wochen danach, hatte ich keinerlei Lust auf Sex. Und erst als ich irgendwann die Berlin-DVD in der Post hatte ging wieder was. Talking about Gay Messiahs Coming.

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(DVD-Doku available at Pro Fun Media.)

A BLOND DAY, NO JAMES BOND DAY

Als Kind mag man sie, weil sie so plakativ kindliche Gemütszustände spielt. Vor allem Empörung kann keine wie sie. Wird man ein wenig älter, dann findet man sie peinlich, weil sie wie ein reinlicher sexfreier Gegenentwurf zu Marilyn wirkt. Aber wenn man dann als Erwachsener über einen ihrer Filme stolpert, dann mag man nicht weiterzappen, vielleicht, weil man sich in die Kinheit zurückversetzt fühlt, vielleicht, weil sie eine großartige (nicht nur) komödiantische Schauspielerin war, die einige hinreißenden Filmklassikern veredelte. Doris. Doris Day. Immer wenn in den Staaten eine alte Schauspielerin stirbt, bezeichnet man sie als „die letzte Legende“ und vergisst, dass da in Carmel im schönen Kalifornien, noch eine Legende lebt (und ein charmantes Hotel mit ausdrücklicher Haustier-Erlaubnis betreibt). Doris. Doris Day.
Die amerikanische Nachbarin kam gestern aus den Staaten zurück und brachte mir einen meiner Doris-Lieblingsfilme mit: „Caprice“. Das ist besonders nett von der amerikanischen Nachbarin zumal uns eines mit Doris verbindet: wir besitzen beide gewidmete Autogramme, weil Glam vor ein paar Jahren mal ein Lied schrieb, das den perfekten Tag beschreibt, und den bezeichnete er als „Doris Day“. Dieses feine Lied wurde vertont und von der amerikanischen Nachbarin, die ja nicht nur wagemutige Fallschirmspringerin, sondern auch noch zertifizierte, äußerst talentierte Sängerin ist, eingesungen. Diese Aufnahme ließ Glam der letzten Legende in Carmel zukommen, woarufhin diese sich mit drei signierten Autogrammen (music, lyrics, voice) bedankte, „to Glam´s bürgerlicher Name, with love and thanks for caring“, schrieb sie mir. Das hat mich sehr bewegt, dass diese Frau mit Blick aufs Meer mein Lied anhörte, das mehr als dreißig Jahre nach dem Ende ihrer Schauspiel- und Gesangskarriere entstanden war und ihre Frischheit, ihre Unschuld und ihre Sonnenscheinigkeit zelebriert. Besonders süß und treffend fand ich die Bildauswahl bei den Autogrammen – so bekam ich ein Pressefoto aus der Zeit, in der sie für Hitchcock in „The man who knew too much“ vor der Kamera stand. Mal nicht in einer Komödie. Und sie spielt hervorragend, genau wie in dem kriminellsten Krimi meiner Kindheit, „Midnight Lace“. Und waum schreib ich das gerade jetzt? Ja, wegen „Caprice“, aber auch, weil ich aus dem Fenster schaue, und heute gerade so einer ist – ein sonnenscheiniger, luftiger, pritzelnder, duftiger Tag. Ein Doris Day. It´s a Doris Doris Day Day. It´s a Doris Doris Doris Day.

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