Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

CAAAAAAAT! or WOULDN´T IT BE LOVERLY

Gestern ein Filmjuwel wiederentdeckt – „Two for the Road“ mit Audrey Hepburn und Albert Finney. Die Geschichte einer zehnjährigen Ehe, erzählt in Gestalt eines Road Movies der ganz ganz anderen Art. Just beautiful. Very swinging 60ies. Und heute kann ich mich nicht entscheiden, welchen Audrey-Film ich mir zuerst anschauen soll. „Breakfast“ geht immer, aber da muss ich immer so weinen. „My fair Lady“ hat auch was, aber da ärgere ich mich immer, dass Audrey nicht selbst singen durfte (deshalb liebe ich die Special Features auf der DVD, wo man Gelegenheit bekommt, Audrey singen zu hören. Siehe/höre auch den folgenden Youtube-Clip. Who needs a vocal range if you got so much charme?)

Dann wäre da noch „Wait until Dark“, den müsste ich noch irgendwo auf VHS haben. Das war der letzte Film vor einer 9jährigen Drehpause (warum nur Audrey, warum?!) Gleichzeitig ihre letzte Oscar-Nominierung. 5 Nominierungen, einmal gewonnen – für „Roman Holiday“. Wie konnte sie für die Holly bloß leer ausgehen? Eine der großartigsten Rollen der Filmgeschichte überhaupt.
Aber eigentlich am liebsten wäre mir die „Nun´s Story“. Edelkitsch deluxe. Einer d e r Filme meiner Kindheit. Wie kommt´s dass ich den nicht besitze?

Und kuckma – Youtube-Fundstück, Eliza Doolittle doing her own singing!

WEIMARLENE

Sänger müssen keineswegs eine s c h ö n e Stimme haben, finde ich. So sehr ich Kate Bush liebe – ohne das andere Ende des Spektrums wäre mein Ipod eine Dorfdisco. Ich liebe hysterische Stimmen: Ingrid Caven (wobei, ihre Stimme auf Hysterie zu reduzieren unzureichend wäre – sie beherrscht auch das mysteriöse Murmeln, die anstandslose Panik, das schattierte Stümpern, den perfiden Terror und die abgeklärte Sinnlichkeit), Axl Rose ist ein weiteres Besipiel erstklassiger Hysterie, einer der wenigen fähigen Männer in dem Segment, und manchmal schafft auch Mieze von Mia in euphorischer Hysterie zu tönen. Unerreicht hysterisch-brilliant: „Stormy weathers“ in der Darbietung von Rufus´ Schwester Martha.

Zu meinen allerallerallerliebsten Platten zählt eine, die zwar gänzlich unhysterisch klingt, aber dennoch gesanglich ein wenig zweifelhaft ist: Marlenes Aufnahme von Berliner Liedern. In Maximilian Schells Dokumentation sinniert sie schwärmerisch über diese Aufnahmen und ist ganz nostalgisch berührt, wie schön die Lieder ihrer Heimatstadt zwischen zwei Weltkriegen sind. Und obwohl es sich um Schlager, „Gassenhauer“ handelt – nie klang Marlene glücklicher, wärmer, herzlicher und es gibt sogar den einen oder anderen äußerst rührenden Moment, wo sie mit den Tränen zu kämpfen scheint, um dann, Berliner Pflanze, wieder die Kurve zu kriegen. Es ist eine ganz andere Marlene als die Wachsfigur aus dem gestrigen Youtubefilmchen.

Auch wenn ich befremdliche Blicke ernte, wenn ich bei Sonnenschein an der Ampel halte, Fenster runterjekurbelt, und laut „Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt“ mitsinge – meine absolut nicht vorhandene Singstimme unterlegt mit einer Burt-Bacharach-Orchestrierungsorgie – ick steh dazu, Fatzke. Ick bin halt n bisschen tütteldidi.

http://www.amazon.de/Das-Mein-Milljöh-Marlene-Dietrich/dp/B000025TZS/ref=sr_1_17/028-0635665-9587725?ie=UTF8&s=music&qid=1186646712&sr=1-17

TINKY BELLE

Ich hör gerade die Playlist, die sich mein Patenkind aus meiner Itunes-Audiothek zusammengesucht hat. Und verstehe, warum sie mein Patenkind ist, und dass es Sinn gemacht hat, bis zu ihrer Taufe in der Kirche zu bleiben. There are bonds. She´s gorgeous.

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Und, ja. Glam ist ein sentimentales Weichei, wenn es um seine Schutzbefohlenen geht. Closest thing to a dad I´ll ever be. Und auch gut so.

GLAM – JETZT AUCH IN QUIETSCHROT

Supermarkt, Samstag vormittag, Harz. Ungeschminkt und mit blödem Halbblond stehle ich mich zwischen den Regalen entlang, den Blick auf die Auslagen gerichtet (wenn ich niemanden sehe, sieht mich auch niemand, das spart mir Fragen wie „Na Glämmer, wie geht´s wie steht´s in der Hauptstadt?/ steht Berlin noch?/ Ach, Dich sieht man aber auch nicht mehr oft hier?“).
„Halloooooo?“ Eine kleine Frau um die 60 spricht mich an.
„Ähm, ja?“
„Sie sind doch der Herr Dick, nichwahr?“
„Ähem, ja.“
„Ich bin die Frau Soundso, die Tochter von der Frau Soundsoseinemutter. Wir ham doch immer zwei Häuser weiter gewohnt. Und als Kind bin ich immer bei Ihre Oma gewesen, wenn geschlachtet wurde. Ach die kleinen Zicklein, die taten mir immer so Leid. Und Ihre Oma hat gesagt „Monika, Du kannst ein Zicklein mitnehmen“, aber das wollte doch meine Mutter nich. Und was ich sagen wollte – ich habe zwei von Ihre Bücher. Das andere hab ich leider nicht mehr gekriegt. Wären sie wohl so nett und könnten Sie-„
Und holt ein kleines feines Notizbuch aus der Handtasche und hält mir einen Kugelschreiber hin. Und während mir das Blut nur so ins Gesicht schießt und ein 40-jähriger an uns vorbeigeht, den ich als einen der Schläger wiedererkenne, die mir in meiner Kindheit immer vor der Tür auflauerten, schreibe ich „Für Monika Soundso, mit herzlichen Grüßen, GlamourDick.“ My fifteen minutes. At last.

45 YEARS AGO TODAY, SOMETHING VERY VERY UGLY HAPPENED

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This beautiful Lady was killed and a myth was born. She still shines brighter than any star since, and will continue to do so as cinema´s most glamorous Goddess, touching, traumatic and tragic. Ein Planet, der solche Schönheit zulässt, kann nicht vollständig böse sein. Aber so ein hinterhältiger Planet, wie er nun mal ist, hat er diese Schönheit auch wieder weggenommen. Immerhin in einer Zeit, in der Ton- und Bildaufnahmen möglich waren, so dass das Bild von Marilyn noch lange lange bei uns bleiben wird. Ich ziehe meinen Hut vor der blondesten aller Blonden. Marilyn ist heilig.

Gerne würde ich den Text unterlegen mit Kate Bush´s sphärischer Darbietung von „Candle in the wind“, aber die gibt´s nicht bei Youtube.

Das obige Bild können Sie hier käuflich erwerben (womit die Verwendung des Bildes auf dieser Seite als Gratiswerbung und nicht als Copyright-Verletzung zu betrachten ist) und ich hoffe, dass nicht die leichenverhökernde Agentur CMG daran verdient, sondern der Fotograf, der es aufgenommen hat, bzw. dessen Erben.

X-GIRL AT THE CIRCUS

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Adorable Famke Janssen. Ich seh das Bild, denke Blond und weiß, mit wem man „Nights at the Circus“ verfilmen sollte. „Nights at the Circus“? Qu´est-ce que c´est?? Ein Buch, das ich dringendst nochmal lesen muss, und das ich auch jedem und jeder ans Herz legen möchte, der oder die sich für Magischen Realismus interessiert. Angela Carter, die leider viel zu früh verstorbene Autorin, ist nämlich Godmother des Genres.

Jahrhundertwende 1899/1900. Ein amerikanischer Journalist bekommt den Auftrag, das Rätsel um die vermeintlich (?) geflügelte Trapezartistin Fevvers zu lösen. Er interviewt die üppige Cockney-Blondine und verfällt ihr. (Ging mir beim Lesen genauso). Und weil ich ja berühmt bin für meine Inhaltsangaben, in denen so wenig Handlung wie möglich vorweg genommen wird, nur soviel – der Roman ist opulent, wuchtig, die Sprache feinsinnig und doch dionysisch satt, der Geist dahinter schlichtweg WEISE. Die Stimmung schwankt von höllisch-düster bis hilarious und nach dem letzten Satz ist man mit der Welt versöhnt.
Als ich von Angela Carters Tod erfuhr, und das war in der Ubahn, musste ich weinen. Der Überbringerin der Nachricht, meiner damaligen Dozentin, ging es nicht anders. „Warum hat es nicht die Murdoch getroffen, die ist doch schon viel älter?“ hat sie mich gefragt. Salman Rushdie schrieb Angelas Nachruf unter der Überschrift „A very good Wizard, a very Dear Friend“ in der New York Times.

Mehr von Famke J., wenn auch nur indirekt, gbit´s hier morgen.

OVER AT THE GLAMOURDICK PLACE oder ODE AN FRAU T.

Es gibt ja Schlechtwettertage, auf die man sich freut, weil man lange nicht mehr Fernsehen im Bett mit dem besten Freund gemacht hat. Gestern zum Beispiel. Der einzige Grund, das Bett zu verlassen war ein Snickers-Jieper. Und so schaut man sich durch Film um Film, Shortbus, Breakfast on Pluto, irgendein bizarres verfilmtes Theaterstück über einen Mann, der… ich spar mir das, der Film war blöd und dann Red Eye, weil man Cillian Murphy nochmal ohne Schminke sehen möchte und dann, als man eigentlich schon ganz filmsatt ist, stolpert die Fernbedienung über den Shortbus der 70er. Die Rocky Horror Picture Show, die doch tatsächlich die gleiche Message hat wie der aktuelle Lieblingsfilm und Erinnerungen werden wach, an eine Zeit, als der Dick doch tatsächlich singend (was zumindest eine kleine Gruppe von Menschen jetzt sehr erstaunen wird) und tanzend und bucklig auf einer Bühne stand. And it was a pleasure being Riff Raff, obwohl sie mich eigentlich für Frank wollten. Wo der doch aber nachher gar nicht mehr die Macht hat. So ne Rolle braucht man mir erst gar nicht anbieten. Mit 18 in der Schulaula zu stehen, in Stockings und mit einer Laserpistole (gefertigt aus einem Fön), und dann auch noch Applaus zu bekommen, das hatte was. Und meine Werte und Normen-Lehrerin, Frau T., verfasste dann eine glühende Kritik für die Lokalzeitung, hob insbesondere meine Leistung hervor (sehr zum Ärger der kleinen Regie-Schlampe, deren Anweisungen ich zugunsten eines Höheren Plans zu ignorieren pflegte) und als ich meine letzte Stunde bei Frau T. hatte, da schenkte sie mir eine kleine Öl-Lampe, sehr geschmackvoll, in Form eines Quaders und einer Kugel, da ich im Verlauf meiner Werte-und-Normen-Karriere immer den Punkt auf´s I gesetzt und ein Licht in ihren Unterricht getragen habe. In jeder Stunde. In jedem anderen Fach und von jeder anderen Lehrerin wäre das peinlich gewesen, aber Frau T. und ich waren uns oft einig. Sie war einmal als Waldfee zum Fasching gegangen. Glamour gibt es auch an den miesesten Gymnasien Niedersachsens. Frau T. hat mich geprägt. Aber ich sie auch. Rar, so ein tiptoppes Schüler-Lehrer-Gespann.