Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

BEST SUICIDE NOTE EVER

„I´m bored.“

George Sanders. Schlagt selber nach. Trifft auch gerade sehr auf die Blogsphere zu. Good night.

P.S.: Does anyone have an idea, wie ich knapp 900 Tage Glamourdick in PDF archivieren kann, ohne 400 Tage beschäftigt zu sein?

ALL THE FIRES OF DESTRUCTION ARE STILL BURNING IN HER DREAMS oder THE RETURN OF DIVA

„I’m not one genre. It’s like Kate Bush. You can’t say, ‚What kind of music does Kate Bush make?‘ She makes Kate Bush music.“
(Annie Lennox)

Und Annie Lennox, in der Tat, hat wieder eine Annie Lennox-CD veröffentlicht. Wo Madonna meint, sich permanent neu erfinden zu müssen, wahrscheinlich, weil das Basismaterial so ungenügend ist, dass man im fiesen Griff des Jugendwahnes immer einen neue Schicht Stuck draufklatschen muss, bleibt sich Annie musikalisch treu. Stimmlich, kompositorisch, auch die Arrangements sind konsequent Lennox. Erstaunlicherweise ist Madonnas bestes Stück seit Jahren ihr kurzer Beitrag in Annies „Sing“, wo ihre Stimme eine warme Färbung bekommt, die man vermutlich mit einem Feng Shui-Programm oder einem Exorzismus erzeugt hat, anders ist das menschliche Moment nicht zu erklären. Egal, hier geht´s um Annie, die, wie Lucky-Darling kürzlich feststellte, mit drei Arten von Liedern eine beachtliche Karriere gemacht hat. Das ruhige, sphinxenhafte (Why), das temporeiche, stampfend aggressive, vorwurfsvolle (Little Bird), und die schraubende kritische Selbstbetrachtung (Cold, Lost).
Ist das schlimm, imme die gleichen Formeln zu verwenden? Nein, denn genau das macht einen Star aus. Du hörst ein paar Klänge im Radio und erkennst sofort. Das Intro von „Dark Road“, obwohl es ein klitzekleines bisschen an, urrrgs, U2 erinnert, ist essential Annie. Rufus* hat seine fünf Formen (hakige Psacho-Ballade, überbordender Bolero, zarte komplizierte Ode, kompaktes Kunstlied, stringenter musikalischer Orgasmus) mittlerweile um eine 6.: Judy, und 7.: tschechischer Märchenfilm angereichert. Deshalb würde ich einem Rufus-Konzert selbstverständlich immer den Vorzug gegenüber Annie geben, aber Rufus erwartet viel von seinen Zuhörern, was den Kreis seiner Verehrer einschränkt, die Meisten reagieren lediglich auf Judy und die Psycho-Ballade. Annie hat Mass Appeal, was mich manchmal so erstaunt, wie die Tatsache, dass Millionen von Menschen Björk lieben, die ja auf eine charmante Art und Weise plain crazy ist. Nach der langweilige Katastrophe „Bare“ ist es versöhnlich, mitzuerleben, dass Annie zu ihrer guten Grundform zurückgefunden hat.

Auf der „Songs of Mass Destruction“ sind die Annie-Formeln in eine schöne Abfolge gebracht und man wandert über klare direkte Vokabeln durch ihre Klangwelt, ist bewegt, angeregt, ein bisschen melancholisiert, dann wieder emporgehoben. Sie ist ein wenig softer geworden, aber immer noch eine Suchende, das ist, was mich bewegt. Ein Album, das man ganz hören sollte. Mit der Herbstsonne auf der Nase und Laub im Haar.

Annie on „“The View“ with Whoopi, performing „Dark Road“ live.

* Von Kate Bush schweige ich. Sie ist ein Universum.

GLAM AFLAME

Das letzt mal dass ich mich so wach und alert und crisp gefühlt habe, wie gerade jetzt, war in Verbindung mit qualitativ hochwertigem Kokain. Und gerade jetzt hab ich keinerlei feindliche Substanzen intus, nicht mal einen Schwips. So why does the Glam feel so glam? Have you ever witnessed perfection? Denn das habe ich gerade. Es war kein Konzert, es war eine Perfektion in höchster Potenz. Reinster Stoff.
Ich habe heute gelernt, Musik, und die Erzeugung derselben, ihr Konzept und die Genialität, die hinter der Komposition steht, neu zu begreifen.

Ich labere Sie ja nicht umsonst seit Existenz dieses Blogs von diesem Wunderkinde zu. Aber Sie wissen ja auch, dass mein Geschmack exquisit ist. Was ich heute erlebte, sprengt die Ketten meiner verbalen Darstellungsfähigkeit. Wenn ich nur eine Idee so gut bloggen würde, wie Rufus Musik erzeugt und/oder interpretiert, dann würde ich für dieses Blog einen Nobelpreis o.ä. ernten. Irgendwas Größeres als Grimme in jedem Fall.
„Wie bei Mozart dabei sein“, diagnostizierte Frank B. und traf es auf den Punkt genau. Es gibt nicht viel Genius in der Welt der populären Musik. Und wenige Musiker, die Intellekt, Talent, Wollen und Wissen, Wut, Mut und Wahnsinn dergestalt goutierbar verbrämen, dass die himmlischen Fäden, die den Arsch zur Standing Ovation (3) hochziehen ins ekstatische Zappeln geraten (vielleicht, weil sie endlich nicht mehr Katherine Hepburns Haupt schütteln müssen) und nicht nur an meiner Seele ziehen, sonder den gesamten Saal – und ich liebe diesen Saal – auf die Beine ziehen. Rollstuhlfahrer wurden sich schmerzlichst des Verlusts ihrer Aufstehfähigkeit bewusst und trommelten ärgerlich auf ihre Reifen, weil sie nicht teilhaben konnten. So müsst Ihr Euch das vorstellen. Es war so wie ich mir den Jüngsten Tag vorstelle, wie ihn Neil Gaiman in der Regie con P.J. Hogan konzipieren würde. A laugh and a cry and a tap to the foot. Judy Judy Judy – Rufus Rufus Rufus. Meine Verehrung für Rufus geht heute so weit, dass ich ihm sogar seinen knackigen Jorn gönne, because I´m not worthy, I´m not worthy.
Und meine Ladies, die ich dabei hatte – there´s no one who could have been better company. Das Leben, liebe Leser, kann schön sein. Es gibt Momente der Perfektion. I was there. With the right posse. Und dann gab es da noch den Bläser, der wie ein Sterntaler auf der Bühne stand, in klatschengen Streifenjeans, das linke Knie über das rechte leicht angewinkelt. Er heißt Louis Irgendwas und Louis ist ganz entschieden einer meiner liebsten Vornamen. Und seine Haare waren schön und er lächelte mir später im Foyer zu und das alles kommt mit, was jetzt vielleicht nur Georgette- oder Element-of-Crime-Kenner nachvollziehen können. Aber Darlings – es war so schön. Ich bin so dankbar. Und ganz erfüllt von der Musik. Und entzückt darüber, dass ich mich so freuen kann, weil, wie arm wäre das Leben, wenn solche Freude nicht möglich wäre? I am grateful. I am happy. Life is Glam.

WHO WILL BE AT VOLKSBÜHNE TONIGHT?

Heute mache ich den Briefkasten nicht auf, werde mich wie eine schlampige Sekretärin am Arbeitsplatz schminken while the rocketships may fall and the bridges may buckle. Feiertags-Make-up. Fast schöner als ein Hochzeitstag, eingebettet zwischen einem wunderbaren Abend mit lieben bloggenden Freundinnen und der Steuer am Samstag.
Ce soir, avec la Spreepiratin und la Lieblingskollegin, finally, á Berlin, le plus grand artist du variéte du monde: the real real Wainwright.

Das Konzert ist ausverkauft, aber am 30.11. tritt der Göttliche noch einmal auf, im RBB Sendesaal. Das wäre dann 4 Mal Rufus in einem Jahr, aber nein, ich bin nicht obsessed. Ich bin glamoureux.

There IS a river…

UND NOCH EIN TONI COLLETTE-BEITRAG

Als ob Nena (Doppel CD, von der die deutsche Platte gereicht hätte; wenn ich zum Lagerfeuer „Blowing in the wind“ oder „No woman no cry“ (nein, das ist gar nicht drauf, könnte aber, ich frag mich warum eigentlich nicht… (wenn ich so darüber sinniere – „No woman no cry“ wäre vielleicht wirklich hübsch geworden, aber egal) singen will, dann mach ich ne E-Herd-Platte an, warte bis es orange wird und singe selbst) und Annie binnen einer Woche nicht schon genug wären, finde ich bei Youtube Obiges und bei Amazon das ganze Album von Toni für preisgünstige € 57,99. Beschloss also, bei meiner nächsten Unterwäsche-Order die Aussiebums zu fragen, ob sie mir die Platte besorgen und zwischen die Schlüpfer schlüpfen lassen können, die sind nett, die machen das bestimmt. Aber manchmal ist der Itunes-Store ja ganz up to date und so hör ich jetzt Toni Collette und Annie Lennox muss sich noch etwas gedulden.

Und die Dame von Feist und diese ganzen uninspirierten Katie-Melua-Clones (ja, Katie hat auch ne Neue), allen voran Katie Melua, hört euch mal Toni Collette an, verweilt mit dem Gesicht in der Ecke und schämt Euch. Because that girl´s got the soul, the vibe, the sincerity. Die Platte ist echt, ehrlich und seelisch. Unverdorben von irgendwelchen Musikindustrie-Ansprüchen. Da hat sich eine Schauspielerin einen Traum erfüllt. Und diese Schauspielerin singt besser als die meisten von Euch, die sich als Sängerin bezeichnen. Beauitful. Toni Toni Toni!!!

THE NIGHT LISTENER

Es gibt ja Schauspieler, wegen denen man sich einen Film nich anschaut, egal wie groß der Hype um ihn. Bill Murray führt für mich diese Liste an, um nichts in der Welt würde ich mir beispielsweise „Lost in translation“ anschauen zumal der mit dem Doppelhorrorfaktor Murray/Johannsen aufwarten kann. Wenn ich nicht Verfasser, sondern Leser dieses Texts wäre, dann würde sich jetzt vor meinem inneren Auge SOFORT das Bild des anderen Schauspielers formen, den der Verfasser nicht ausstehen kann. Gleich nach Bill Murray, ich weiß, Sie wissen es, kommt das zapplige Unglück, der fratzige Kobold, der geringewachsene Willimas, Robert. Ich konnte ihn noch nie ausstehen. Trotzdem habe ich dann und wann versucht, mir Filme mit ihm anzuschauen. Bein „One Hour Photo“ war der Plot zu verlockend. Und ich habe mir einfach vorgestellt dass der Mann da, der die Familie terrorisiert, gar nicht Robert W. ist. Bei „Insomnia“ bin ich eingeschlafen. Und gestern in der Videothek griff meine Hand nach einem Film, in dem der Unsägliche die Hauptrolle spielt. Die knappe Zusammenfassung las sich gut. Mein Hauptgrund aber, ihn auszuleihen, war die weibliche Hautdarstellerin. Toni Collette. Die sucht sich keine schlechten Drehbücher aus. Wein aufgemacht, aufs Bett gelegt, Film gestartet. Nächste Überraschung: Drehbuch und Romanvorlage Armistead Maupin. Der hatte u.a. die „Tales from the City“ geschrieben, die mich nicht so beeindruckt hatten, aber auch den wunderschönen Roman „Maybe the Moon“, in dem es um das Leben der kleinwüchsigen Schauspielerin geht, die in Spielbergs „ET“ im „ET“-Kostüm steckte. Collette, Maupin, spannende Inhaltsangabe hin und her. NICHTS hätte mich auf die Wirkmacht dessen vorbereiten können, was sich in den folgenden anderthalb Stunden abspielte. Natürlich ist es nicht Willimas, der beeindruckt, sondern Toni Collette. Sie weckt zunächst Symapthie, dann macht sie Angst und irgendwann steigerte sich diese Angst zu einem so plastischen Grauen, dass der Film für mich die ganze Nacht weiterlief. Was man vermutlich erst verstehen kann, wenn man den Film gesehen hat und dieses Blog schon eine Weile verfolgt. Ich will gar nicht zu viel von der Geschichte verraten. Vertrauen Sie mir, leihen Sie sich „The Night Listener“. (Und verzichten sie darauf, sich den Trailer anzuschauen.)

And now for some completely different Toni Collette: Mein Lieblingsclip aus „Connie & Carla“, einer Hommage an „Some like it hot“, in der Nia Vardalos und TC als Mordzeuginnen in einer Transenbar untertauchen und ein sehr kritisches Publikum vor sich haben:

Ich finde, „Connie und Carla“ sollte statt „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ jedes Jahr zu Weihnachten im Kinderprogramm laufen. Dann würde vielleicht so etwas* in Zukunft weniger passieren.

*Beitrag vom 1. Oktober.

DEEVA STATT MILVA

Da die rassige Rothaarige vorgestern ja böse beraubt wurde, wie die Boulevardmedien genüsslich berichteten (man hiel ihr „eine Funzel“ ins Gesicht, berichtete schockiert der Berliner Kurier!) und ihr Berliner Konzert wegen Schock absagte (gerade jetzt wo sie um EUR 70.000 ärmer ist eine fragwürdige Entscheidung…), musste sich das Berliner Angsambl um göttlichen Ersatz für den heutigen Brecht-Abend bemühen. Man wurde fündig. Wer heute noch nicht weiß, wie der den Abend der Einheit zelebrieren soll, dem empfehle ich Georgette Dee & Terry Truck im BE, Schiffbauerdamm. Und nächste Woche die beiden selben mit „Greatest Hits“ im Tipi. Wer kommt mit?

Und dann werden sie mich sagen hören „siehste siehste siehste!!„.