Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

McCANDLESS ENDLESS AND LESS…

Junger Mann steigt aus. Geht nach Alaska. Zwei Wochen nachdem er dort einsam im Wald verhungert ist, wird seine Leiche gefunden. Wenn er eine Karte in seiner Ausrüstung gehabt hätte wäre das nicht passiert.

Abgeschmackt? Große amerikanische Tragödie? Beides. „Into the Wild“ packt von der ersten Seite. Chris McCandless wächst mir ans Herz wie die anderen Amerikanischen Wahnsinnigen – die drei Edies, Dare, Timothy Treadwell.
Seine Geschichte, eigentlich die Geschichte seines Scheiterns, das keines ist, weil es immerhin zu einer weltweit bekannten Geschichte des Scheiterns-und-trotzdem-Versuchens-und-doch-dabei-Draufgehens geadelt wurde, ist gleichermaßen symptomatisch für unsere Heldenrezeption wie auch für die Ungerechtgkeit der Welt. Wir lernen:
1. Scheitern geht.
2. Die Spießer, denen Chris MacCandless entkommen wollte, die rennen jetzt dank Sean Penn ins Kino. Er hat sein Geld verbrannt, wir geben es für ihn aus.

Den kann ich mir vermutlich erst auf DVD geben, ich heul schon beim Trailer.

ES GEHT MIR DURCH UND DURCH UND DANN NOCH EINMAL VON HINTEN ÜBER DIE SCHULTER INS HERZ

It ain´t about a heart to find
It´s about the one inside
It´s about the love you hide
That´s waitin to be led outside
It ain´t about losin your mind
But if ya happen to that´s fine
Still there´s only one way to shine
It´s called tryin

To live

Freely, freely
Meu coracao
I´d like to live that way

(Devendra Banhart)

A WAREHOUSE OF THE FORGOTTEN

„As in all good children´s stories, Dare had eliminated a mother from the proceedings.“

Als die Eltern sich – quasi im vorbeigehen – trennen, bliebt der Sohn beim Vater, die Tochter bei der Mutter. Der Vater versucht sich in verschiedenen Karrieren und stirbt jung, möglicherweise durch die eigene Hand. Der Sohn wird von der Stiefmutter erzogen – seine leibliche Mutter wird er mehr als zwanzig Jahre nicht sehen. Die Mutter macht sich als Porträtmalerin einen Namen und die Tochter wird zu ihrem Lieblings-Model. Eine Journalistin beschreibt die Lebenssituation der beiden als schäbig, woraufhin die Mutter der Tochter die teuerste Puppe des Spielzeugladens kauft. Die Tochter benennt die Puppe nach der Mutter. Als sich in der Pubertät ihre Haarfarbe verdunkelt, malt die Mutter sie weiterhin blond. Die Tochter, die nicht weiß, ob ihr Bruder am Leben ist oder ob es ihn überhaupt gab, findet es schwer, zu anderen Menschen außer der exzentrischen Mutter ein Verhältnis aufzubauen. Sie erfindet sich neu, wird blond, stilisiert Gesicht und Körper aufs Extremste. Mutter und Tochter spielen Verkleidungsspiele. Die Tochter, die jetzt als Fotomodel arbeitet, findet Vergnügen an jeder Form von Verkleidung und Entkleidung. Wenn die Mutter sie nur in ihrer Funktion als Kunstvorlage liebt, dann stilisiert sie sich eben zum Lebenskunstwerk.

Als die Tochter feststellt, dass ihr Bruder lebt, noch dazu wenige Blocks von ihrem Apartment entfernt, ist sie fassungslos. Ein Treffen ist unvermeidlich. Als die beiden sich gegenüberstehen geht ein Ruck durch ihr Leben. Sie wissen, dass sie ihren Seelenzwilling vor sich haben, in bildschöner Gestalt. Doch vielleicht ist es auch mehr als das, vielleicht sind sie ineinander verliebt. Sie sprechen von Heirat, doch als Kompromiss verlobt sich die Tochter mit dem besten Freund des Bruders. „In the pictures Blaine took of Philip and Dare, they appear lit from within“, schreibt Jean Nathan, aber das gilt in viel stärkerem Maße für die Fotos, die das Geschisterpaar Dare und Blaine zeigt.

Wie geschwisterlich sind die Gefühle, wenn man das Geschwisterkind erst mit Mitte 20 entdeckt? Wenn einem eine wunderschöne Gestalt gegenüber steht? Die Mutter betrachtet die Annäherung der beiden skeptisch. Sie hat sich jahrelang eingeredet, dass der Sohn nichts wert sei und nun nimmt er ihr auch noch die Tochter fort. Sie tut, was sie kann, die Binnenwelt der Mutter-Tochter-Bindung zu stärken.

Der Bruder schenkt ihr einen Teddybären. Jahre später, sie hat die Kameraseite gewechselt, veröffentlicht sie ein Kinderbuch über „The Lonely Doll“, die erst Freude am Leben findet, als zwei Teddybären in ihr Leben treten.
Die Fotos in dem Buch haben etwas berührendes, aber auch zutiefst morbides. „It seemed to be a book that entered into the consciousness of the children who read it in a particularly strong way.“

Die Autorin betritt die Wohnung von Dare Wright, die schon seit Jahren in einem Krankenhaus liegt, eigentlich hat man sie schon aufgegeben, aber es soll noch ein paar Jahre dauern, bis sie stirbt. Sie beschreibt das Apartment: „It was like a warehouse of the forgotten.“ Und genau so fühlt es sich an, „The Secret Life of the Lonely Doll“ zu lesen, als betrete man ein vollgestopftes Apartment voller Erinnerungen, inklusive der vergessenen und verdrängten.

Die Liebesgeschichte zwischen Dare und Blaine ist die bewegendste, die ich je gelesen habe. Die Bilder (sroll down) transportieren dieses Gefühl einer Sehnsucht und Bestimmung, dass man in die Fotos springen möchte, und teilhaben an dem starken Band, das zwischen diesen beiden Menschen existierte. Dass man ihre Verbindung sanktionieren möchte, muss. Touché.

THE SECRET LIFE OF THE LONELY DOLL

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Bei einem Drittel des Glamschen Buchbestandes handelt es sich um Biografien und Autobiografien. Dieser stammt jedoch aus einer fernen Zeit, in der mich das Lesen berühmter Lebensgeschichten noch interessiert hat. Seit ich aus dem Leben unberühmter Zeitgenossen lese (Blogs), hat sich mein Interesse an Lebensgeschichten in Buchform etwas gelegt. Die letzte Biografie-Lektüre, wenn ich mich recht entsinne, war eine extrem ausführlich recherchierte und ebenso extrem langatmige Bio Judy Garlands, wobei man zugeben muss, dass es durchaus Klasse hat, über eine solche Ausnahme-Sängerin langatmig zu schreiben.
Mich interessiert in der Regel wenig, woher die Großeltern einer interessanten Persönlichkeit stammen, deshalb schrecken mich viele Biografien ab. Man kann ja jedem Leben ein bißchen Drama abwürgen, in allen Familiengeschichten gibt es den einen oder anderen Selbstmörder, Wahnsinnigen, Betrüger – man muss nur lange genug zurück blicken. Seit ein paar Tagen befindet sich ein Buch in meinem Besitz, kein Buch, ein Juwel. Eine Biografie, die so beginnt, wie ich es mir wünsche. Die Autorin hat eine Erinnerung, die sie quält. Eine Erinnerung an ein Buch, das sie gelesen hat. Sie kann sich noch an das Cover erinnern und es macht sie wahnsinnig, dass das Gedächtnis ansonsten streikt. Solche Erinnerungen kenne ich, es handelt sich um Heimsuchungen. Bis ich 12 war sah ich oft kurz vorm Einschlafen eine gelbe Straße vor mir und quietschrote Schuhe und konnte sie erst einordnen, als ich „The Wizard of Oz“ im Fernsehen sah. Die Erleichterung kann ich kaum in Worte fassen. So muss sich Jean Nathan gefühlt haben als sie mit ihren Recherchen zu „The Secret Life of the Lonely Doll“ begonnen hat. Denn ihre vage Erinnerung and das Kinderbuch „The Lonely Doll“ lässt sie Nachforschungen anstellen und ihr eröffnet sich eine „story of a lifetime“ – die der Autorin-Fotografin-Ex-Schauspielerin Dare Wright.

Innerhalb der letzten zwei Jahre bin ich immer wieder auf diesen Buchtitel gestoßen, der mich schon beim ersten Lesen angefixt ha und da wusste ich noch nicht einmal worum, oder besser, um wen es in dem Buch geht. Jetzt, wo ich lesend mitten in der Lebensgeschichte von Dare Wrights Eltern stecke, frage ich mich, warum ich das Buch nicht schon vor zwei Jahren gekauft habe. Vermutlich weil ich den finalen Auslöser brauchte, und der war, dass es demnächst mit Naomi Watts und — JESSICA LANGE verfilmt wird.

„The Secret Life of the Lonely Doll“ hat viel von dem, was mich an „Grey Gardens“ fasziniert hat und mehr. Mehr, als in einen Blogbeitrag passt. Deshalb demnächst mehr.

GLAM IN HEAVEN

Eigentlich wollte ich mir ja „Imitation of Life“ und „All that Heaven allows“ für ein Double Feature auf Luckys neuem Monster-Fernseher aufsparen. Gestern also nur kurz reingeschaut in „Heaven“ und schon nach Sekunden entzückt gewesen. Todd Haynes hat es zitierenderweise fast geschafft, Sirks Farbspiel zu imiteren, aber nothing is like 50ies Technicolor. Vor allem, wenn ein Regisseur (bzw. Production and/or Light Designer) es wirklich versteht, sie einzusetzen. Die Farben in „Heaven“ werden verwendet wie Licht und Schatten in einem hochwertigen Schwarzweiß-Film. Hier wird nicht nur mit mutig farbigen Flächen gearbeitet, sondern auch mit farbigem Licht – so auffällig wurde Licht erst wieder im Britischen Kino der 80er verwendet, dann allerdings in Form von buntem Neon. Man spürt, dass Farbe in den 50ern noch ein vergleichsweise neues, teures und aufwendiges Medium ist. Die Handlung des Films ist denkbar simpel, die Moral, die verkauft wird ebenso, aber in Sirks Filmen werden die Schauspieler zu Akteuren in einem Gemälde, allein deshalb lonht es sich, sie zu betrachten. Die aufdringlich unterschwellige Botschaft der Geschichte, dass sich das Natürliche gegenüber den Kultürlichen verdientermaßen immer durchsetzen wird, die gefällt natürlich der lange verschiedenen Klemmschwester in mir. When suburbia is hell again, go visit your local Baumschule.

And, yes. Of course that´s Kitsch. Major Kitsch Deluxe! Kitsch doesn´t get any glammer. (Except Luhrmann´s „Moulin Rouge“ of course.)

I COULD GO ON SINGING

Für das Altersheim gegenüber haben wir kurz nach zwölf eine hervorragende Vocal-Performance von „Get Happy“ hingelegt, mit korrektem Text, leider sind wir gegen die Böller nicht angekommen, aber wir haben auch keine Rakete abbekommen. Zu „There´s gonna be something“ und „You don´t own me“ komponierten wir eine Choreographie aus dem Stegreif, die sich gewaschen hat. Nachdem ich mir vor einigen Tagen sehr freute, als ich einer Nachbarin beim Tanzen im Schlüpfer zuschauen konnte und befand, dass sich das gehört, beim zu-Hause-Tanze die Gardinen auzulassen, weil im TV eh nix lustiges läuft, haben wir ständig nach potentiellen Zuschauern Ausschau gehalten, aber es kuckte niemand zu. Dennoch, mein Vorsatz für 08 ist klar gefasst: Mehr Publikum. Es kommt ja manchmal nicht darauf an, was man macht, Hauptsache, dass man es macht, und zwar aus und mit Überzeugung.

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Es gilt aber nach wie vor: kein Blitz!

THE TURN OF THE SCREW

Kinofilme sind mir in letzter Zeit oft zu kurz um eine fulminante Geschichte zu erzählen. Ich mag da Serien gerade lieber. Sehen Sie beispielsweise in Folge 1 (oder so) von „Prison Break“, wie die geile Sau der Protagonist Michael Scofield (Wentworth Miller) eine Schraube sucht und entdeckt. In Folge zwei versucht er, sie sich zu sichern, es gelingt ihm fast. In Episode drei hat er sie dann und setzt sie ab Folge vier als Werkzeug ein, um den Knast auseinander zu nehmen. Praktischerweise trägt er den Bauplan des Gefängnisses als Tattoo auf dem Oberkörper, was dazu führt, dass man ihn oft mit freiem Oberkörper sieht. Ist ein schöner Oberkörper, der ständig in Konkurrenz mit dem wunderschönen Model-Gesicht steht. Ein Schauspieler und ein bereits integrierter Spannungsbogen, zu „Charlie´s Angels-“ Zeiten brauchte man dafür noch drei Frauen und einen Lautsprecher. Yes, I´m hooked und habe soeben Staffel 2 bestellt. Abgesehen von der Ansehnlichkeit der Darsteller ist „Prison Break“ auch wunderbar Krawumm. (Das mit der Schraube liest sich vielleicht in meiner Beschreibung etwas zäh, aber es ist tatsächlich so packend erzählt, und rechts und links und oben und unten passieren ja noch andere Sachen, und irgendwie ist auch noch die Vizepräsidentin involviert, ohne Liebesgeschichte geht´s auch nicht, dann die Storyline mit dem Sohn des zum Tode Verurteilten, der plötzlich auch den Secret Service an der jugendlichen Backe hat, die Gefängnisärztin, die auch noch Tochter des zu Tode Verurteilenden Senators ist, das Kätzchen Marilyn – es wird nicht alt werden-, ich kniete jedenfalls atemlos gebannt vorm Fernseher.) „Prison Break“ ist ganz einfach die beste Action-Serie, die jemals im Fernsehen gelaufen ist. Forget Ärzteserien und Hausfrauen. Perfect entertainment. Und so sehr ich Michael Scofield einen gelungenen Ausbruch gönnen würde – noch ein paar Staffeln wäre ich als Zuschauer durchaus dabei.

Needless to say, dass die deutsche Synchronisation Dreck ist, weil dort die Gangster wie Gangster klingen und Michaels wuchtiger Bruder um seine sanfte, herzenswarme Stimme beraubt wird.

THE UPS AND DOWNS

Gut, dass ein freundlicher Kollege die FAZ liest, denn ansonsten wäre es mir gar nicht klar geworden:

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Es handelt sich allerdings um eine Seite, die ich hier nicht verlinken werde, weil sie schamlos meinen Namen gestohlen hat.