Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

JUST SAYING IT COULD EVEN MAKE IT HAPPEN

Und dann checkst Du Deine Mails und mit einem Mal rückt ein Lebenstraum in Reichweite. Etwas so Großes, Würdevolles, dass es Dir den Atem raubt. Etwas so Uneigennütziges und doch so rewarding, dass es religiöse Dimensionen annimmt. Und es ist ein Tag im März und Du weißt, Du wirst vor Aufregung keinen Schlaf finden, doch das solltest Du, denn morgen früh beginnst Du mit der Arbeit an einem Denkmal, das den Urknall Deiner kulturellen Identität dokumentiert, zelebriert und würdigt. Und alle, die Dich länger kennen, finden das zwangsläufiger, logischer und verdienter als Du selbst. Denn du bist damit beschäftigt, atemlos zu sein. Angesichts des Ausmaßes sei Dir dieser Abend gegönnt.

Ich könnte mir gerade wirklich NICHTS Schöneres vorstellen, und diese Tatsache ist ein Beweis für etwas Gutes in mir, mit dem ich selten auf Du und Du bin, das aber schon ganz lange da ist. Drückt mir die Daumen.

CIRCUS MAXIMUS oder JEEPERS CREEPERS, WHERE DID YOU GET THOSE PEEPERS

libby
(Libby, „Jonesy“ and Rita Mae. And can´t you just see tell how much I love Libby?!)

Is there anything as creepy as a clown? And anything as seedy as a circus? Erstere befürchtet man in diesem besonderen Wanderzirkus vergeblich, doch der Zirkus, um den es hier geht, is about as seedy sleazy as they come. Er ist als habe Angela Carter ihn sich ausgedacht. Düster. Verschlagen. Hungrig. Magisch. Hier könnte ihre Romanheldin Fevvers mal untertauchen, zwischendurch, zwecks Erdung. Und mit dem Mutter-Töchter-Team die Titten schaukeln, um sich anschließend hinterm Zelt meistbietend oder auch breitflächig zu verschachern. Neben den opulenten Burlesque-Ladies haben wir noch den blinden Wahrsager, die Kartenleserin, die nur prophezeien kann, weil ihre stumme, querschnittsgelähmte Mutter ihr telepathisch vorsagt. Den zwergwüchsigen Manager, der ebenfalls Sprachrohrfunktion erfüllt – denn der Zirkusbesitzer ist (zunächst) unsichtbar. Die Schlangenbeschwörerin mit dem starken Sohn, Lila, die bärtige Dame, der lädierte und unglaublich verliebenswürdige „Jonesy“. In diese kaputte Truppe verschlägt es den entflohenen Häftling Ben Hawkins. Sein Verbrechen ist nicht sein einziges Geheimnis. In welchem Verhältnis steht Hawkins zu dem unergründlichen Prediger Justin Crowe (what a name!) und seiner „Schwester“ Iris? And what´s on their hidden agenda?

Es geht um den Kampf von Gut und Böse. Es geht um das Ende der Welt. Es geht um die Depression, denn in dieser spielt „Carnivale“, die HBO-Serie, die ich ihnen hiermit dringlich zum Kauf anempfehle. „Die Früchte des Zorns“ treffen auf „Twin Peaks“, so hat es mal jemand recht treffend beschrieben.
„Carnivale“ hat es leider nur auf zwei Staffeln gebracht. Zu teuer. Man drehte mit Spielfilm-Budget. Und für den Massengeschack ist die Serie zu düster, zu beunruhigend, zu sehr das Gegenteil von Feelgood-Entertainment. God, I LOVE it. Die erste Staffel schaute ich mir in 2 Tagen an. Ich stellte fest, dass es sich mit einer Folge „Carnivale“ so verhält wie mit einer Stunde Therapie: man braucht eine Woche, um sie zu verarbeiten. Die Staffel zwei gebe ich mir wohldosiert: maximal 2 Folgen am Stück.

A VERY GOOD WIZARD AND A VERY DEAR FRIEND*

„Nights at the Circus“ müsste ich eigentlich auch mal wieder lesen. Das Buch hat mich mein ganzes Anglistik-Studium lang begleitet und ich erinnere mich, mit meiner Lieblingsdozentin in der U-Bahn gestanden zu sein, sie – mit Tränen in den Augen den Tod Angela Carters verkündend. Mit dem Zusatz „Warum hat es nicht die Murdoch treffen können? Die hat doch wirklich genug geschrieben.“

carter

Ganz schlimm, zu sinnieren, was Angela noch alles hätte schreiben können, at the height of her powers, doch dann kam der Tod in Gestalt von Krebs.
Leser: lest Angela Carter! „Nights at the Circus“ und „Wise Children“ sind Pflicht. So full of wonders, charm, darkness and light, magic and surrealism.
Hoppla. Jetzt hab ich mich grad selbst bewegt und muss ne Träne abtupfen. Manche Leute dürfen einfach nicht sterben, finde ich. Und was kann man schöneres zu jemandem sagen als das, was Tracey Thorne einmal sang: „I hope you never die…“

„Carter is a poet of the urban jungle, as well as of the wild wood where we find danger, and the haunted palaces of love where vampires lurk. There is a vividness in her work that comes from the enthusiasm with which her characters face life and its sensations; it is also a construct, a made artifice based on the premise that all these places are aspects of the mind as well as the backdrop for the body’s perils and pleasures. (…)
Angela Carter is dead and lives in her readers’ sense of her work as a bundle of gifts she left to boobytrap our memories. The body of work she produced is constantly present as a cabinet of bright curiosities. It is also a perpetual source of righteous thinking, free of shabby managerial orthodoxies, and anarchic in its scorn of the powerful and cruel and thoughtless. We need constantly to read and reread her.“
(Roz Kaveney in TimeOut, London, 2006)

*Salman Rushdie in seinem Nachruf auf Angela Carter: „WITH Angela Carter’s death English literature has lost its high sorceress, its benevolent witch-queen, a burlesque artist of genius and antic grace. (…) Deprived of the Fairy Queen, we cannot find the magic that would heal us. Nor do we wish to be healed, just yet. We sit gazing into the huge hole her death has left, and, as we gaze into the crater of our loss, we remember.“
(S.R., The New York Times, 8.März 1992)

GLAM.AT

Es freut mich, dass ich jetzt auch hier zu lesen bin, aber schöner noch wär´s ja, wenn man diesbezüglich vorab informiert würde und nicht einfach so drüber stolpert. Man ist ja nicht nur eine Textmaschine sondern ein Fleisch und ein Blut mit Ego und einer Anlage zum Stolz, wo sich freut über jede freundliche Mail mit froher Kunde.

Aber Danke, Datum und Danke, Don.