Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

MARILYN MONROE´S FAVOURITE POET oder BROTHERS AND SISTERS

Gestern den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als zwei Blogs komplett durchzulesen. Zwei ganz verschiedene und doch irgendwie verwandte Wesen. Zwei Menschen, die auf unterschiedliche Art und Weise mit sich hadern und dem Leben etwas abringen. Spielerisch und manchmal kämpferisch. Trotzig, resigniert, entschlossen und manchmal zweifelnd. In allem perfektionistisch – vor allem im Anspruch an sich selbst.
Nichts ahnend schaue ich dann eine Episode „Brothers & Sisters“ und höre einen Satz, den ich im Jahr 1987 mit Bleistift unterstrichen habe. Einen Satz aus Marilyns Lieblingsbuch.


(Bitte nach 17 Sekunden Ton wegmachen oder ausstellen, die Musik ist grausam.)

„Auch zu lieben ist gut: denn Liebe ist schwer. Liebhaben von Mensch zu Mensch: Das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung, die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.“

(Rilke, „Briefe an einen jungen Dichter“)

Und ich glaube, diese Erkenntnis wirklich zu begreifen, das haben wir gemeinsam. Mit Marilyn. Und Rilke. Die beiden kennen sich nicht, sind aber verlinkt. Wie Marilyn. Und Rilke.

DAYLIGHT LICK ME INTO SHAPE

Hier stünde jetzt der Beitrag über The Cure, den der neu installierte Opera-Browser leider gefressen hat. Darüber, wie Robert Smith eine Persona kreiert hat, mit Haaren wie Liz Taylor, 1968, nach einem Benzedrinwochenende mit Burton ins Koma gefallen und dann hat sich auch noch die Katze draufgelegt und der Dackel und eine Amsel nistete darin; mit Lippenstift, von dem die Hälfte auf dem Kopfkissen blieb. Und, wie es mir gelingt, Filmrezensionen zu verfassen, ohne eine Inhaltsangabe zu liefern, so wäre der Beitrag ohne eine Beschreibung von Robert Smiths Stimme ausgekommen. Essen Sie jedenfalls Ihre Niere auf, Katie Melua. Und lieben Dank an die wunderbare Frau Fragmente für die schöne Compilation! Seine Bewegung – Liz Taylor steht mit einem ganz ganz schlimmen Kater von ihrem Koma auf und tastet sich durch die feindliche Umgebung, wo alles hart ist und nichts ist weich, wie es sich doch gehören würde. Und putzt sich die Zähne mit Bourbon. Wenn es ihn nicht gegeben hätte – niemand wäre auf ihn gekommen.

MINDESTENSHALTBAR BIS FOREVER

Wir kommen eine Stunde zu spät, gerade zum Ende der ersten Hälfte. Ich mach die Tür auf und eine subtropische, von Zigarettenrauch leider verschonte Dumpfwolke, die man eine halbe Stunde in der Mikrowelle erhitzt hat, stellt sich mir entgegen, mit Milchschaum. Ich suche den Raum ab nach bekannten Gesichtern und werde mehrfach fündig. Modeste, Schnittchen mit Gentleman, Engl mit Gentle Lady, der Don, Deef und noch ein paar, die mir schon mal über den Wege gelaufen sind. Schauen alle gebannt auf Ally Klein, die mit ihrer ziemlich einmaligen Stimme etwas zum Vortrag bringt, was den Raum erquickt, was bei diesem Klima auch wirklich notwendig ist. Mir ist das Klima entschieden zuviel, zumal ich zügig durch den Regen gelatscht bin, also geh ich nochmal kurz vor die Tür, zum Akklimatisieren. Und dann trifft mein Blick ein mich anlächelndes Gesicht und ich lächle zurück und frag mich, wer das wohl ist. Was sich dann wenige Minuten später erklärt, als der hübsche Mann zum Rauchen vor die Tür kommt. Meet Bomec. Live und in Farbe und in Topform. Bomec ist nicht wie in den Berichten die er schreibt. Bomec ist wie die Berichte die er schreibt. Pointiert. Zutreffend. Glasklar. Da. Analytisch. Und, mehr als das, humorvoll und outgoing. Er kann enthusiasmieren. Er bringt einen zum Mitlächeln, mitlachen. Ein großer Junge. My type of guy auf eine ganz unschuldige Art und Weise. Was jetzt nicht heißt, dass ich mich nicht verknallt hätte. Aber mehr so, dass ich ihn adoptieren würde, nicht ficken. Nicht dass er es nötig hätte, meinen Titel zu erben, eines Tages, er ist ja schon voller Epauletten und Orden auf seinem Kapuzenpulli und seiner Seite im Netz. Bomec schaut Ally beim Pinkeln zu, durch ein Prisma-Kuckloch und versichert uns, dass Ally nicht nur sehr schön schreibt und sehr schön vorliest sondern auch sehr hübsch pinkelt, sogar auf dem Kopf. Als ich Pinkeln gehe, versehe ich das Prisma mit einer Gardine, damit morgen nieman darüber schreiben kann, wie ich pinkele.

Die Pause ist erfreulich lang, aber längst nicht lang genug, um das Kennenlernen adäquat auszukosten.

In der zweiten Hälfte der Lesung stehe ich an der Bar, wo ich zwar die Vortragenden nicht sehen kann, aber das Publikum. Das irgendwie gut aussieht, wenn auch, meist in den weiblichen Fällen, sehr ernst. Und es sind, entgegen meiner Prognose, nicht nur Blogger. Oder es sind lauter Blogger, die ich nicht lese. Egal. Aber sie sehen okayish aus und ich bedauere kurz, nicht auch gelesen zu haben. Und dann schau ich dem Bomec zu, wie er den Lesenden zuschaut. 200% Aufmerksamkeit. Und dann ist die Lesung vorbei und es kann mit dem Kennenlernen weitergehn und mit Wodka und mit Balkanmusik und Deef kauft Zigaretten (ja, ich bin jetzt ein Partyraucher) für mich, man bringt mir auch Bier und weitere davon. Und bevor ich nach Hause wanke schmiegen wir uns brüderlich aneinander und jemand macht ein Foto von drei schwulen Bloggern (okay, einer ist bi) und es ist ein Handyfoto, vorbei die Zeit der Polaroids. Das Foto ist grainy und bunt und wir sehen alle drei sehr sehr schön darauf aus.

GLAM REVISITS THE KICK INSIDE oder CHANTE AVEC MOI, PETITE SOEUR!

Zuerst – Walgesänge. Wenn ich mich nicht irre stammten die aus dem Film „The Man who fell to Earth“, but correct me if I´m wrong. Und dann das Lied, in dem es um Bewegen und Bewegung gibt, das sich bewegt wie ein Perlentaucher. Dann wieder die Walgesänge, darüber Piano und das Lied von dem Saxophonspieler in der Berliner Bar, die man als mystisch verstehen muss, denn Kate hatte zum Zeitpunkt des Verfassens England vermutlich noch nie den Rücken gekehrt. Die Endsiebziger waren eine Zeit, in der Saxophon-Soli noch gingen, das zog sich bis Hazel O´Connors „Will you“ hin – danach hatte die Welt ausreichend Saxophon für Jahrzehnte gehabt. Dann das erste Lied, das man als whacky bezeichnen kann. Wir ziehen den Hut vor den bizarren Phänomenen. Synchronizität, Zufälle, die keine sind, Vorahnungen… In einer Art und Weise vorgetragen, wie das nur jemand kann, der statt „Mensch ärgere Dich nicht“ mit dem Ouija-Board gespielt hat. Danach wird´s aber noch verrückter, stimmlich wie musikalisch: „Come up and be a Kite and fly a Diamond night, A Diamond Kite, a Diamond Kite, ooohoo what a Diamond.“ Da hatte sie die Diamantennacht erfunden, die sie später auf Aerial im schönsten aller lieder wieder liebevoll zitiert, zelebriert. Über „Kite“ könnte ich jetzt einen Roman schreiben. Oder eine Biografie des Drachen um den es geht. Oder die Geschichte erzählen, wie ich wegen dieses Liedes unbedingt Englisch lernen wollte und das auch in Angriff nahm, bevor ich das Fach in der Schule hatte (klar, dass das alles in ein Anglistkstudium münden würde…).
Aber weiter auf der Platte. Denn jetzt kam das erste Herzbrech-Lied, das noch heute so zart und wund und wunderbar ist. Den Mann, von dem sie singt, den wird es nie gegeben haben, der war ein Mädchentraum. Aber der Mädchentraum eines Mädchens eben, das mit dem Ouija-Board gespielt hat. „Oh, I´m so worried about my love – they say „no no – it won´t last forever“. And here I`m again, my Girl. Wondering what on earth I´m doing here. Maybe he doesn´t love me, I just took a trip on my love for him.“ Und dann sah ich sie immer vor mir, einschlafend, während noch eine heiße Träne über die Porzellanwange kullert.

Anschnallen. Die erste Seit kommt zum großen Finale. Immer das kräftigste Lied ans Ende des ersten Akts stellen, ganz wichtig. Ich lass jetzt „Wuthering Heights“ aus. Lucky, übernehmen Sie! Hier werfe ich das „Wuthering Heights“-Stöckchen. Hear it wuthering through the storm! Das Lied war jedenfalls für mich eine Offenbarung, nicht mehr, nicht weniger. Es führte zu einer nun 30 Jahre alte Liebe zu Kate Bush. She grabbed my soul awahahahy.

Die zweite Seit startet rockig mit James, dem Soldaten, der sein Leben gegen ein kaltes Gewehr eingetauscht hat. Im nächsten Lied wird Liebe gemacht: „My stockings fall onto the floor, desperate for more“. Hey Darling, your so great, I can´t wait for you to operate! Und im nächsten dann, da ist sie frisch gepoppt: „all the colours look brighter now, everything they say seems to sound new“. Und wieder ein Lied für den mysteriösen Lover, den man sich mit 18 Jahren wünscht: „You look like an angel, sleeping it off at a station. Were you only passing through? I´m dying for you just to touch me and feel all the energy rushing right up-a-me“… Eat that, Britneybitch.
Ein Lied über ihre spirituellen Lehrer, ein Lied über das Wunder der Mutterschaft und dann die krönende titelgebende Perle „The Kick inside“. Eine Schwester verabschiedet sich von ihrem Bruder, den sie ein wenig zu sehr liebt. Damals habe ich das Lied nicht verstanden, aber was glauben Sie, wie sich das geändert hat, seit ich „The Secret Life of the Lonely Doll“ gelesen habe. Die letzten Sätze: „I will come home again, but not until the Sun and the Moon meet on yon hill (…) Oh, by the time you read this…“

Katies zweite Platte erschien noch im selben Jahr. Der Großteil des Materials dieser ersten beiden Alben entstand zwischen ihrem 12. (!) und 18. Lebensjahr. Und auch wenn die Pausen zwischen ihren Platten immer länger werden – keine andere im Popgeschäft ist sich selbst (und uns) so treu geblieben. Die Faszination, mit der sie in die Welt blickt und die Fähigkeit, ihre Eindrücke in Musik und Text fest zu halten – she´s more than Pop, she´s a Poet of divine grace. Wer sonst schafft es, ein Lied über eine Waschmaschine zu komponieren, das zu Tränen rührt? Und ich habe jetzt ernsthaft einen Beitrag über Kate Bush geschrieben und nicht einmal ein Wort über diese Stimme verloren und was sie mit mir anstellt…

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Happy 30th anniversary „The Kick inside“! Glam loves you! Cette voix! Cette VOIX!

Note: Und tatsächlich ist dieser Text entstanden zwischen dem ersten Walgesang und dem „oh, by the time you read this.“ What strange phenomena indeed…

AUS DEM LEBEN (VON SENTA BERGER) GEGRIFFEN oder DER BEITRAG ZUM BEWEIS, DASS ICH NICHTS GEGEN A L L E WIENER HABE

Die Senta Berger-Autobiographie lese ich eigentlich auch nur, weil das Skailight sie hier hat liegen lassen. Und erst denk ich – genau DER Horror: was interessieren mich die Geschichten von der Bergerin ihr´ Großeltern. Aber dann, aber dann. Schön. Echt. Rührend. Sie schafft es, ihre Lebensgeschichte zu erzählen und an denen Stellen zu berühren, wo sie selbst berührt wurde. A laugh. A cry. A tap to the foot. Die Sympathie, die ich seit langen Jahren für sie hege (seit Lilli Lottofee und der schnellen Gerdi), die erklärt sich. Aber eines, lieber Ullsteinverlag: in der Taschenbuchauflage spätestens hättet ihr die Schreibweise von Marilyn Monroe mal korrigieren können. Erst das „i“, dann das „y“. (Im letzten Drittel ist´s ja dann auch korrekt.)

Einer meiner liebsten Fernsehsätze EVAH, sinngemäß wiedergegeben.
Gerdi im Taxi an der roten Ampel, drei Wagen vor ihr. Es wird grün, langsam setzen sich die Wagen vor ihr, einer nach dem anderen, in Bewegung:
„Ja Herrgott, könnt´s net fahrn? Beim Zug fährt doch auch net jeder Waggon einzeln an.“

Ich finde übrigens, dass Iris Berben sich so ne Art Senta Berger-Rolle erschummelt hat. Und nicht annähernd an sie heranreicht.

Und, ja, ich hab auch Senta Bergers Schallplatte, leider nur auf Vinyl.

ES KANN NICHT NUR EINEN GEBEN

Es ist ja bekannt, dass ich ganz verknallt bin in den Blog des Twiggsters, aber, auch wenn wirklich spannende Blogs wirklich selten sind, das langweilige Grobzeug bei weitem überwiegt – es gibt noch weitere Perlen der Bloggeria. Funkelnde schimmernde schlaue perverse Perlen der Schreibkunst. Wenn ich heute einen Preis verleihen könnte, dann ginge der an ihn. Er schreibt so, wie es sich Romanautoren oder aufmerksamkeitssüchtige Bloggerzirkel* ersehnen, die sich eine Figur erfinden und, ganz originell, sie als fiktive Blogfigur ins Netz stellen. Da wird dann ausgelebt und erlebt, was man sich sonst nicht so traut und noch einer drauf gesetzt. Aber über gerade die wollte ich ja NICHT schreiben. Sondern: Airen. Der ist nämlich echt. Und das merkt man in jedem Komma. Sogar wenn der hustet spürt man Seele. Und wenn der kotzt dann weint ein Engel.

*Basisdemokratisch wird dort diskutiert, ob die frivole Monique sagen soll „und er nahm mich auf dem Rücksitz von hinten“ oder doch besser „lustlos stocherte er mit seinem Kokspimmel in meiner wunden Was-man-in-Berlin-mit-V-schreibt. Was solls, dachte ich, zog noch ne Line von der Hutablage und stülpte mir dann den gehäkelten Klopapierschoner über den Kopf und zog ihn über die Mascara-laichenden Augen um das gallig gleißende Sonnenlicht auszumerzen. Ein für alle Mal.“
Monique – eene wie keene!

SANDRA´S BULLDOGS

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Deshalb mag ich Sandra Bullock so gern: sie ist bescheiden und sie ist großzügig, denn sie hätte ja wohl genug Geld, sich anstelle von Stumpy und Hüpfer nen Hund mit allen Beinen dran zu kaufen.