
Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden
HAPPY BIRTHDAY JOANIE!!! oder SOMETIMES BEING A BITCH IS EVERYTHING A WOMAN HAS TO HOLD ON TO*
75 and still going strong.
* Stephen King: „Dolores“
DOCH DAS GLÜCK IST ANDERSWO
„I took the hand of a preacher man and we made love in the sun“ – schon sehr schön, ABER – der wahre Klopper ist der deutsche Text:
Zwei Mädchen im Schulhof
Tag für Tag zu zweit
Du warst meine beste Freundin
doch dann trennte uns die Zeit
als der letzte Schultag kam
fuhr ich fort allein
Du hast mich gefragt, wie es mir erging
nun ich will ganz ehrlich sein.
Uh, ich habe Freunde in Kalifornien
ich hab in London gewohnt
Kenn die Stars und die Jet-Set-Bars
zwischen Hollywood und Rom
Ich wollte nichts versäumen
von meinen Träumen
und wurde trotzdem nicht froh
Ich hab ins Paradies gesehen
doch das Glück ist anderswo.
Wir waren verschieden
mich trieb es hinaus
doch du wolltest Kinder haben
einen Mann und ein Zuhaus
Heut fühlst du dich eingesperrt
in den Mauern dieser Stadt
du hast mir gesagt, du beneidest mich
dabei hab ich es so satt
Uh, man lädt mich ein
ich bin nie allein
und mein Leben ist wie ein Tanz
Ich weiß in Nizza und auf Ibiza
die besten Restaurants
Ich kenn den Pulverschnee
die Pisten von Sasfé
und den Sandstrand von Mexiko
Ich hab ins Paradies gesehen,
doch das Glück ist anderswo.
Weißt du, was die sogenannte Freiheit ist?
Sie ist eine Lüge
der Versuch die innere Leere zu vergessen
Weißt du, was wirklich Glück ist?
Das Gefühl gebraucht zu werden
einem Kind die Tränen aus dem Gesicht zu wischen
Auf den Mann zu warten, der müde von der Arbeit kommt
Nur das, nur das bedeutet etwas.
Uh, ich träume oft davon
ein Zuhaus zu haben
wo ich geborgen sein kann
ICH WILL GENAU WIE DU EINEN CHRISTBAUM SCHMÜCKEN
UND AUF DEN URLAUB SPAREN (ja, klar bitch…)
Ich würde alles geben, wie du zu leben
ich will dir sagen, wieso
Ich hab ins Paradies gesehen,
Doch das Glück ist anderswo.
Das hat Paola sehr schön gemacht, aber Michi noch viel besser.
WHATEVER GLAMMY WANTS…
QUOD ERAT DEMONSTRANDUM oder so

Herr Strike identifizierte ja die abgegbildete Dame als vermutlich medikamentenabhängig. Ich hätte einfach auf Piccolosäuferin getippt. Aber dann, mitten in „Meine Straße“ fiel sie in Ohnmacht. Zunächst befürchteten wir Schlimmeres. Aber in der Pause konnte sie schon wieder rauchen. Und als ich mein Abschieds-Zucker-Butter-Banner-Foto handygrafierte, da war sie eine willige Zucker-Statistin. Ohne mit der Wimper zu. Und auch sie ist jetzt eine von uns und kann mit uns skandieren – wir warennämlich auch in Zucker und Butter. Und es war ein(letztes)mal mehr surreal entrückend. Danke, Cora.
Und hier sehen Sie, was Sie dummerweise verpasst haben. Schade. Och.
INDIAN SUMMER
In youth, it was a way I had
To do my best to please,
And change, with every passing lad,
To suit his theories.
But now I know the things I know,
And do the things I do;
And if you do not like me so,
To hell, my love, with you!
(Dorothy Parker)
MO HAYDER
„Some of the best creative writing in the world can be found on blogs and on regular, day to day posts on forums just like this. Who knows how far the internet’s effects on traditional publishing will go.“
Mo Hayder schreibt das. Eigentlich war ich etwas angefressen mit ihr. Sie hat zwei der besten Krimis des letzten Jahrzehnts verfasst und dann, vor zwei Jahen, einen Roman auf den Markt gebracht, den ich nicht mal namentlich nennen möchte, so langweilig und schlecht war der. Den las ich ausgerechnet, als die Sau Amanda immer wieder meine Chucks anknabberte, auf der Isla Bonita. Nicht genug mit dem Inhalt des Romans – Mo hatte auf der Cover-Innenseite ein Autorinnenfoto veöffentlicht, das sie vor einem Bett sitzend zeigt. Die Laken verkrumpelt und ihr Gesichtsausdruck frisch gefickt. Das ging gar nicht, fand ich. Jetzt, wo in ihrem neuen Roman „Ritual“ dasselbe Bild um geile Säcke Leser wirbt, finde ich es lustig.
Die Frau hat ein offenbar spannendes Leben. Sie hat mit 15 die Schule abgebrochen, als Filmemacherin und Englischlehrerin gearbeitet und war Hostess (!) in einem Club in Tokyo. Und ist Mutti. Und sieht hammergeil aus. Und hat nebenbei „Birdman“ und „The Treatment“ geschrieben, zwei Thriller, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Deren Wirksamkeit beruht auf einer intelligenten Verschmelzung von Barbara Vines Psychologie und einem klassischen amerikanischen Erzählstil. Mo schreibt grausam gut. Und gut grausam. Kein Wunder, dass die Bücher sich verkaufen. In ihrem neuen Roman tut sie sich und uns eine Gefallen- sie bringt ihren gequälten, symathischen, kaputten, verfluchen Cop Caffery zurück. Und schon deshalb verzeihe ich ihr die muschigen Fotos. Lesen!
GESTERN AUF ARTE oder KLEIN WILD VÖGELEIN
„AIDS ist, als hätte sich´s jemand ausgedacht – irgendein Spießer ausgedacht.“
(Meret Becker)
Lang nicht mehr gesehen und doch gleich wieder geliebt. Meret. Zuerst getroffen* 1992, in einem ausrangierten Zirkuswagen. Petra Kelly hatte sich gerade das Leben genommen und wir wussten alle nicht, ob und wie wir an diesem Tag arbeiten sollten, wollten oder konnten. Aber wir taten es. M. hatte damals privat etwas Hellgraues** an sich. Schlechte Haut, stumpfe Haare. Aber schon immer dieses —– Seelische. Urberlinerische. Das Mädchen, dass Dich auf dem Schulhof verteidigt. Das galt irgendwie für die ganze Familie. Wenn die Dich mochten, dann musstest Du eigentlich keine Angst haben. Ja, auch Ben.
Wenn Du sie dann auf der Bühne gesehen hast, auch wenn nicht stark geschminkt, auf einmal eine Porzellan-Schönheit, zart, seltsam, das verwandelte Aschenputtel. Edith Scob-gleich durch den Abend tastend, one more kiss, Dear, one more sigh… Blue Moon…sternenstaubbestäubt, the happy phantom. Und, nein – Glam steht nicht auf Loliten. Außer dass das kleine Mädchen in ihm vielleicht das kleine Mädchen in Meret so mochte, weil alle beide vermutlich seelisch verwandt mit Alice und Dorothy waren, und natürlich dem größten Kinderstar aller Jahrmillionen, Marilyn.
Versponnen und verwinkelt war ihre Kunst schon immer. Und ganz konsequent ist sie immer weiter weg gewandert von allem was Mainstream war. Meret ist musikalisch sowas wie eine deutsche Björk. Aber auch unzutreffend, dieser Vergleich. Meret is just Meret. And that´s a lot. Demnächst mit Ars Vitalis im Admiralspalast.
* „Zuerst“ stimmt nicht so ganz. Zuvor schon gesehen, als der „Wintergarten“ noch „Quartier“ hieß. Mit singender Säge und „Miss Celie´s Blues“. Aber richtig begegnet sind wir uns dann in besagtem Zirkuswagen.
**Das mit dem Hellgrau hörd sich irgendwie blöd an. Was ich meine ist, dass sie tagsüber ihre Farben noch nicht alle angeknipst hatte. Sie war mit ihrer inneren Norma Jeane im Reinen und gönnte sich die Blässe und hat dann auf der Bühne erst das Feuerwerk gezündet. (Mitternachtsblauer Satin und Blut in allen Schattierungen, von frisch lackig Yves Saint Lauresk funkelnd bis zu rostig samtigem Fleck.) Das war eine Sache der Schonung. Stell Dir vor, Du bist jeden Tag Marilyn. Siehste. Geht nich. Bzw – man macht´s nicht lang. Man muss sich nämlich auch immer um Norma Jeane kümmern.
MICHI
„Wer in der Pause rausgeht wird nie wissen, wie es ausgeht“
(Michael von der Heide)
Wenn man ein Label leitet, dann bekommt man häufig Demo-CDs zugesandt. Wenn man ein Chanson-Label leitet, dann sind das häufig Demo-CDs von angehenden oder abgeschlossenen Schauspielstudenten, die mal Georgette Dee gesehen haben und der irrigen Illusion aufsitzen „Das kann ich auch“. Dramatisch sein und grob, die Herzen aufwühlen und die Leute zum Lachen und Weinen bringen. All das am Liebsten zu den Klängen von Hollaender, Weill, Kreisler oder dem Repertoire, dass sich Tim Fischer zusammengeklaut hat (aus dem Repertoire von Chansonetten, die es genau so vorgetragen haben wie er. Nur besser.)
Wenn nun also in der Post etwas Eckiges war, dann war das selten Anlass zur Freude. Demos. Meist genügte ein Blick aufs selbstkopierte Cover. Das Anhören bestärkte in fast allen Fällen den schlechten visuellen Eindruck. Kopfschütteln, Ekel. Manches mal fiel mir nicht einmal mehr eine höfliche Absage ein, da der übersteigerte Selbstwert, den manche Sänger abgeschlossene Schauspielstudenten mit ihren Gesangsproben an den Tag legten nicht mehr nur kess, sondern einfach nur krass war. Selbst die Floskel „passt momentan nicht in unser Programm-Konzept“ ging mir in einigen Fällen nicht über die Fingerkuppen. Wirklich abscheuliches Material wanderte unbeantwortet in die Giftkiste, in der ich die Stalker-Briefe verwahrte, falls mal einer unserer Künstler von einem durchgeknallten Fan umgebracht werden sollte.
Man kann sich also die Begeisterung vorstellen, wenn jemand aus dem Bekanntenkreis mit der CD eines Chanson-Jünglings ankam und befand „Die MUSST Du hören, GAAAAANZ toll!“ Noch ne Tim Tischer-Kopie, die Kopie einer Kopie also. Argh.
Diese Art von CD schob ich meist einige Wochen auf dem Schreibtisch hin und her, bis ich mal einen ganz krassen Anfall von Langeweile bekam und auf Radio Eins grad wieder nur Peter Gabriel und Elvis Costello und son Scheiß gespielt wurde. So auch an einem Tag im Jahr 1996. Die CD, die ich nun einlegte, hatte gegenüber dem Großteil des Schrotts, mit dem ich meine Hörnerven professionell verletzte, einen erkennbaren Vorteil – schickes Cover-Artwork. Außerdem handelte es sich nicht um ein Demo, sondern um eine fertig produzierte CD. Das war der Tag, an dem ich Michi-Fan wurde. Die Produktion war professionell, der Stil irgendwo zwischen Chanson und Radio-Pop – in Deutschland zu dem Zeitpunkt eine unvorstellbare Mischung. Die Lieder chamant, witzig, bewegend – laugh/ cry/ tap to the foot – die ganze Bandbreite vertreten, und die Stimme einzigartig, erinnerungswürdig. Die Platte wollte ich also sofort für Deutschland, und so kam ich das erste Mal mit dem Künstler ins Gespräch. Der Plattendeal, das kann ich vorwegnehmen, kam nicht zustande. Aber in vielen Telefonaten begeisterten wir uns für einander und als wir uns das erste Mal in Berlin trafen, waren wir beide ganz erleichtert.
„Ich bin froh, dass Du so gut aussliehst“ sagte er zu mir und ich verstand natürlich was er meinte und fand das einen überzeugenden Eröffnungssatz. Der Abend war der erste in einer langen Reihe von Zusammentreffen im deutschsprachigen Raum, in denen viel geredet, geraucht und getrunken wurde. Ich zeigte ihm mein Berlin, er mir sein Zürich. Ich veranstaltete ihm eine Premierenparty in der Mansion, zu der u.a. die deutsche Chanson-Elite (mit Ausnahme Georgettes, die gerade anderswo gastierte) erschien (zugegeben, die Chanson-Elite war und ist klein, deshalb nennt man es ja auch Elite.) Gemeinsam mit Dolly B. sahen wir ein Nena-Konzert direkt auf der Bühne, wir feierten einen meiner Geburtstage rockstarmäßig in einem Hotelzimmer, trafen uns zu Premieren oder TV-Aufzeichnungen und zogen danach um die Häuser. Er verkörpert genau die Art von Glamour, die ich liebe. Eine Kombination von Stil, Selbstironie und Sexiness. Und er ist immer top frisiert. Wenn er singt, dann wickelt er das Publikum um den Finger, dass es ein kulturelles Desaster ist, dass er in Deutschland kaum bekannt ist. Was sich hoffentlich bald ändern wird, da er gerade eine neue Platte aufgenommen hat. Und wenn die in Deutschland nicht veröffentlicht wird, dann emigriere ich nach Zürich, wo ich schon morgens neben einem Elefanten die Straße entlang ging, was mir in Berlin noch nie passiert ist. (Zirkus Knie machte einen Morgenspaziergang). Außerdem lebt in Zürich der beste Küsser, den ich je geküsst habe, den habe ich auch Michi zu verdanken, und überhaupt fühlt man sich in dieser Stadt an diesem großen See gar nicht wie in einem Bergstaat sondern fast mediterran. Wenn es Frühling ist. Und wenn es Frühling wird in Zürich, dann werde ich natürlich da sein, wenn Michi die neue Platte live vorstellt. Und mich sehr privilegiert fühlen, in einer Zeit, die mit Privilegien geizt.