Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

UNDERAPPRECIATED: THE GLITTERATI

Finde ich sehr süß, dass meine zukünftige Lieblingsregisseurin ganz rot geworden ist, als sie gestand, dass sie die „Twilight“-DVD schon sehr sehr oft angeschaut hat. Und nicht wegen Kristen Stewart. Denn ich kann das nachvollziehen, weil ich ja mit diesem Menschenschlag vertraut bin, der vom Boyfriend erwartet, in der Sonne zu glitzern – der Feenstaub macht sich immer so gut unter den Fingernägeln. Quasi im Zusammenhang erfuhr ich, dass mein momentan leider inaktiver Lieblingsblogger und brother from another mother einmal den Sportunterricht frühzeitig verlassen musste: „Bomec wurde wegen Glitzerns des Sportunterrichts verwiesen“. Das ist so typisch deutsch – anstatt, dass sie sich freuen, dass ihre blöden stinkigen Matten durch ein wenig pinkes Glitzergel aufgewertet werden. Ja, als Glanz wird man oft missverstanden. (Und nach wie vor muss ich dem Finanzamt Geld überweisen und nicht umgekehrt, was einfach nur die Absurdität dieses Systems veranschaulicht, in dem Menschen wie ich, die man doch mit Millionenbeträgen für ihr Dasein honorieren müsste, verpflichtet sind, auf ihre Dienstleistungen 19% drauf zu schlagen und damit bespielsweise die Bürokratie zu finanzieren und ich will jetzt gar nicht mit Fernsehgebühren und dem Erhalt des ZDF anfangen, das auch nichts für mich tut…)

GLAM – DOCH NICHT SCHWUL!

Jeden Morgen würden wir uns über schwarzem Kaffee und einer Zigarette mit Asche die Waschbäraugen vom Vorabend überschminken. Dann gingen wir Collagen kleben, in Unterwäsche, und wenn die Sonne ganz hoch steht werfen wir uns in die Wellen. Danach müssten wir uns neu schminken und ab ca 16h kämen dann unsere Liebhaber. Wir würden vom Meer ganz salzig schmecken und in unseren langen Haaren duftete es nach Freiheit und Aufbruch. Zur Musik der Brandung säßen wir später mit unseren Gästen am Strand um ein Lagerfeuer und würden uns Geschichten von Gespenstern und Phantomen erzählen, bis jemand auf den Gedanken kommt, eine Auskitzelorgie zu starten. Bebe, ¿Te casarías conmigo

THE SCANDAL THAT WASN´T oder I WAS GORGEOUS AND HORNY ist das Neue „Ich war jung und brauchte das Geld“

Jetzt sind also von unserem Vorzeige-Role-Model-Homo Dustin Lance Black (Oscar für´s beste Drehbuch für „Milk“) skandalöse Sexfotos aufgetaucht und ein wirtschaftlich orientierter ehemaliger Bekannter versucht, einen privaten Sexfilm teuer zu verkaufen. Und die Auswirkungen dieses Skandals – Applaus. Eigentlich wollte jede Schwuchtel Dustin ganz gerne mal nackt sehen und in der Tat ist es ein appetitlicher Anblick. Einige versuchen aus der Tatsache, dass er sich ohne Kondom ficken und dabei auch noch filmen lässt ein Skandälchen zu basteln, aber mag ja sein, dass Justin und sein Stecher in einer monogamen Beziehung waren, als das Filmchen entstand. Möglicherweise sind auch beide HIV-positiv und haben sich einvernehmlich auf das Risiko einer Mehrfachinfektion eingelassen. Und vielleicht waren sie auch brachial unvernünftig und haben das Kondom vergessen. Auf den Fotos, die gestern noch kurisierten, sieht es jedenfalls aus, als hätte er Spaß gehabt. Und dann ist er auch noch sehr ansehnlich. Der einzige Skandal ist meines Erachtens, dass die Fotos nicht mehr online sind und vor allem, dass wir das Video nicht zu sehen bekommen.

Da wir Schwulen ja bekannterweise an jeder Ecke und zu jeder Tages- und Nachtzeit unsere Piller in fremde Popos stecken, dürfte dieser Skandal Dustin keinerlei Schaden zufügen, man hat ja nichts anderes erwartet. Anders, wenn er irgendwo Marc Jacobs-Klamotten hätte mitgehen lassen, die arme Winona büßt bis heute.

Via Caliban.

WHEN YOU´RE SMILING

Mein erster Gedanke, als ich Louise gesehen habe war – die sieht ja aus wie mein Patenkind! Patenkind angerufen:
„Schau Dir mal diesen Clip auf Youtube an.“
„Die sieht ja aus wie ich!“
Und seitdem sind wir beide Fans, nicht wegen der Ähnlichkeit, sondern wegen Louise, 17, dänische Sängerin, an sich.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal etwas so sprichwörtlich herzerfrischendes gesehen und gehört habe. Ein Mädchen mit Zahnspange, das sich unbefangen einem Fernsehpublikum stellt, mit Liedern, die Gitte Haenning in den 60ern in Dänemark berühmt gemacht hat. Ohne jeden Bruch, ohne distanzierende Ironie, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Mit Inbrunst, Selbstbewusstsein und Überzeugungskraft. „Übercute“ konstatierte einer der Juroren in der Talent-Sendung, die Louise zwar nicht gewann, aber – much better – die ihr einen Plattenvertrag mit Sonymusic einbrachte. Und über ein paar Umwege, auf die ich jetzt nicht eingehen brauche, bin ich in der Danksagung des CD-Booklets gelandet, was mich mit Stolz erfüllt. Denn irgendwie ist – und jetzt komme ich auf das eingehend erwähnte Telefonat mit meiner Nichte zurück – Louise für mich jetzt auch so eine Art Patenkind um drei Ecken, musikalisch. Ich mache mir Gedanken, um jemanden, der 17 ist und in einer aggressiven, selten gnädigen Branche gelandet ist, wo sie sich behaupten muss. Aber sie hat ein paar gute Menschen um sich und im Hintergrund, und ich bin zuversichtlich, dass sie den Support hat, den man braucht, um in dieser Liga erwachsen zu werden.

Wenn Sie sich ein Lächeln ins Gesicht zaubern lassen möchten und ein Leuchten ins Auge, dann geben Sie bei Youtube „Louise Talent 2008 Denmark“ ein.

TWO LADIES

Ich bin in nicht wenigen Danksagungen genannt. In vielen CD-Credits, in einigen von TV-Filmen. Ich komme in Büchern vor, manchmal in den Credits, manchmal als Gespenst und manchmal als Figur; erscheine in vielen vielen Blogtexten. Ich bin sogar in Liedern. Und ich bin Skulptur. Skulptur war und ist das Highlight. Wenn es mir mal grad richtig richtig scheiße geht denk ich – immerhin Glam, Dich gibt´s in Knete, wer kann das schon von sich behaupten?! Wenn ick ma tot bin, dann gibts immer noch Bilder von mir als Skulptur, was beweist, dass ich Muse war. Und das ist ja neben dem Schöpfen das Schönste, was man tunsein kann. Das Wesen, das die Kunst erküsst.

Und jetzt gerade, ce moment, bin ich ganz gerührt und fühle mich geehrt und vor allem, weil ich eben weiß, dass meine Beteiligung an dem Projekt zu einer Traumerfüllung geführt hat. Und höre die CD und das ganze wird immer größer, weil irgendwie auch ein Brückenschlag zu meiner Elterngeneration drin steckt. Vielleicht das erste Produkt, an dem ich „maßegblich – unterstützend – beteiligt“ bin, das auch ihnen gefallen könnte. Und auf das Danke sage ich Dankeschön zurück. Es war mir ein Bedürfnis.