Und das herzzerreißende „I wanna hold your hand“. Allein dafür lohnt sich der Kauf.
Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden
PORCELAIN or GLAM WANTS TO BE A HUMMEL
EINE KÜNDIGUNG, EINE HOCHZEIT UND KEIN TODESFALL
Schöner als Sex ist es, mit Menschen an einem Tisch zu sitzen, die mein Buch gelesen haben, dieses Frankensteinsche Steinbaby, das auf seine Geburt noch ein Jahr warten muss, und mit ihnen darüber zu reden. Die nächsten Schritte zu planen. Zu merken, dass man mit genau den richtigen Menschen am Tisch und im Boot sitzt. Weh tut, dass die Frau, mit der ich am Tisch sitze, heute ihren letzten Tag in der Agentur hat. Das dritte Mal, nach Liebeslied und Pornofilm, erlebe ich die Rezession jetzt auf dem Buchmarkt, dieses Mal natürlich nur partiell betroffen, aber die ätzende Ironie – die Frau, die mein Buch an den Verlag gebracht hat, meinen Relaunch als Print-Autor ausgelöst-hervorgebracht-gemanagt hat, wird bei den weiteren Entscheidungen nicht mehr dabei sein. Cover, endgültiger Titel, Promo.
„Du hast keine Ahnung, WIE dankbar ich Dir bin“, habe ich ihr beim Abschied gesagt. Und es geht nicht um Geld, Prozente oder Ruhm, es geht um Glauben, Vertrauen, Zutrauen und die Verwirklichung einer Mission, die mit dem Verfassen des Romans begann, sich den Weg aber über das Blog bahnte. Als ich den Vertrag über den Tisch reiche, nimmt ihn die neue Agentin entgegen, eine ebenfalls wunderbare Frau, die das Manuskript bereits diversen namhaften Filmproduktionen anbietet und zu der ich großes Vertrauen habe, aber es fühlt sich nicht richtig an. Oder es ist genau die richtige Geste für die Ablösung, aber das Bedauern bleibt, und die Achtung vor der Agentin, die meine Karriere wieder aufs richtige Gleis geschoben hat.
Zu Hause die neue Folge Glee, die wieder so haarsträubend gut ist, dass man heulen möchte, und wenn ich was machen möchte, dann mach ich´s meist. Das Thema Mobbing wird sich vermutlich durch die ganze Staffel ziehen, und es ist bewegend und beruhigend, wie sich die Autoren auf die Fahnen geschrieben haben, etwas gegen das Gay-Bashing an den Schulen zu unternehmen, und eine so schöne Gebrauchsanleitung für den Umgang mit den Kurts zu präsentieren. Ryan Murphy hat ein Vehikel kreiert, das eigentlich nur unterhalten sollte, aus Versehen aber tief zu bewegen vermochte, und nun nutzt er es despotisch genial, um seine eigenen Interessen und Anliegen zu vertreten (und seinen Teenage-Lieblingsplatten Gehör zu verschaffen.) Auch ein Mensch, den ich sehr achte.
Der Glee-Club ist ihr gemeinsamer Nenner, und als die anderen Kids merken, wie sehr Kurt in Bedrängnis ist, stellen sie sich vor ihn, ihm zur Seite und geben ihm Rückendeckung. Die erfolgreichste amerikanische TV-Show, ich hoffe, das macht Eindruck auf die Quinns und Finns dieser Welt. Es muss. Noch dazu dürfte die gezeigte Hochzeit (und ich meine nicht die von Sue – trotz Achtungspunkten für das Hochzeitskleid) die schönste TV-Hochzeit des Jahrzehnts gewesen sein, Kate und William sollten sich das mal anschauen. Der Vorbild-Charakter des Tanzes von Finn und Kurt – heartbreakingly beautiful. Die schau ich mir heute nochmal an.
DER SOMMER WIRD GUT
Eine feine Lady, dachte ich nach dem ersten Treffen. Jemand mit grooooßem Herz, flirrender Energie, ein bisschen irdisch, aber auch sehr luftig, sehr im Jetzt, eine Philosophin und ein ganz unglaublich und schwer beschreibbar einzigartiger Mensch. Wenn mir mit 6 jemand gesagt hätte, dass ich mal Zeit mit ihr verbringen würde, dann hätte ich es nicht fassen können. Aber mein Musikgeschmack wandelte sich, und ich verlor aus den Augen was sie so machte – verpasste so eine meiner aktuellen Lieblingsplatten „Bleib noch bis zum Sonntag“. Ich sah sie mal auf einer Premiere und mir gefiel ihr verwuschelter Look, dieses lebendige verstrubbelte, das mehr als ein Look ist, das ist wunderbarer Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Selten sah ich einen Menschen, dessen Wesen so kongruent mit seiner Gestalt und seinem Style ist.
Wir siezten uns, ich fand das wichtig. Nach vielen Jahren der Arbeit mit Promis, die zu Freunden wurde, dann zu Freunden, die mich wirtschaftlich bedingt feuern mussten – da legt man dann ein bisschen Wert auf Distanz. Also nannten wir uns beim Vornamen, aber „Glam – könnten Sie bitte…“ usw. Nach einem halben Jahr der Zusammenarbeit fand sie, dass es jetzt aber wirklich an der Zeit sei, sich zu duzen und kein weiteres halbes Jahr später kam sie mit auf den See, im Gummiboot.
Jetzt hat sie einen arbeitsamen Sommer hinter sich und als sie letztens anrief fragte sie mich, ob ich ein „Grammophon“ besitze. Ich verneinte, aber einen ausrangierten Plattenspieler habe ich noch. „Das meinte ich doch.“ Und dieser Plattenspieler wird jetzt wieder einrangiert, denn Gitte hat eine Platte gemacht, die es auch auf Vinyl gibt, und die so bombastisch genial orchestriert ist, dass eine MP3 oder CD nur einen leisen Eindruck vermitteln kann. Und so höre ich seit ein paar Tagen einige Lieder meiner Kindheit in völlig neuem Gewand, konsequent arrangiert, und einige neue Lieder, die ihr auf den Leib geschrieben sind. „Was Ihr wollt“ heißt die Platte und ich kann nur empfehlen: kaufen kaufen kaufen. Es würde mich freuen, wenn die Lady mit 64 in die Top Ten kommt.
Heute morgen fuhr ich über den Landwehrkanal, die Sonne links, Schwäne rechts, ihre Stimme im Ohr – „der Sommer wird gut“ sagt sie in einem Lied, und allein in diesem knappen Satz schwang so viel Zuversicht und Freude, Kraft und Wärme, soviel von dem, was sie ist und was sie ausmacht und was mir Mut macht – etwas ist geschehen mit mir. Ich fühle mich jedenfalls sehr privilegiert. Glam hearts Gitte.
(Nicht das beste Lied der CD, aber ich liebe den Schwarzweiß-Look.)
GLAM GOES B*LD-BLOG
„Ich ruf nur an, falls Du morgen Klatsch liest oder so – ich bin nicht schwanger!“
„Schwanger!“
„Also nicht schwanger. Aber ich war am Wochenende auf diesem Event und danach ruft mich diese Journalistin an, weil ich ein Bäuchlein haben soll und ob da was unterwegs sei. Was für eine Frechheit – ich war mit Abstand die Dünnste da! Und am nächsten Abend waren die Leute von ihrem Blatt wieder da und ich hab dem Veranstalter gesagt, sie dürfen mich keinesfalls auf meine Schwangerschaft ansprechen.“
GEGEN DAS GRAU
Rufus Wainwright – Across The Universe
Hochgeladen von universalmusicdeutschland. – Musikvideos, Sänger Interviews, Konzerte und mehr.
Und bei all meinem Gegreine muss auch mal wertschätzend festgehalten werden, dass ich in den vergangenen Wochen sehr oft „I love you“ gehört und ausgesprochen habe, in einer anderen Art von Beziehung zwar, als in der, in der es üblich wäre, aber das schmälert weder die Aussage, noch das Gefühl. „It gets better“ is everywhere.
DAWN SONG
„Ich habe mir ein Buch über einen Sukkubus gekauft – hörmal: „Lawrence, ein melancholischer, verletzlicher Buchverkäufer-„
Beide prusten.
„Lawrence ahnt nicht, dass die sehr attraktive Frau, die in sein Haus zieht, ein mächtiger Sukkubus ist.“
„My nipple hurts.“
„Ja – das machen Sukkubi. Die setzen sich in der Nacht auf Deine Brust und schrauben an Deinen Nippeln.“
„That´s gross.“
„Und wenn sich Sukkubi abends verabreden, um sich mal auszutauschen untereinander, weißt Du was sie sagen, wenn Sie so einen kleinen Appetit haben?“
„Shall we get something nipply?“
„You get it!“
TWISTED GLAM oder TOP FORTY, SWEET CHEEKS
Ich brauch jetzt gar nicht so tun, als würde ich erwarten, dass die kommenden Wochen weniger sucky werden als die aktuelle und die vorherigen. It´s mid-season und da wünscht man sich zu Weihnachten eigentlich nur noch eine Axt. Aber man schenkt sich ja dieses Jahr nichts, es ist ja Krise. Als ich gestern nach Hause kam, da gab es drei Sachen, die meine Laune retteten und mir mehrere Lächeln und ein paar laute Lacher abrangen.
Frau T., meine Werte-und-Normen-Lehrerin von vor ca. 24 Jahren, hatte mir eine Email geschrieben, mir mitzuteilen, dass sie jetzt auch Emails schreibe, vorab schon klarmachend: „Aber eines weiß ich schon jetzt, nämlich dass ich an der hier üblichen Schwächung des Wortes durch leichten und glatten Gebrauch mich nicht beteiligen werde.“ Das ist die Frau, die, wie ich, den ersten Satz der Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge auf Zuruf zitieren kann. Just love that, auch wenn ich mich schuldig bekennen muss, mitunter leicht und glatt das Wort zu gebrauchen und oft zu faul bin, meine Worte ins Deutsche (oder auch nur Nachvollziehbare) zu übersetzen, wo das doch eigentlich eine schöne Sprache ist.
Dann die Gwyneth-Paltrow-Folge von „Glee“. OMG. Gwyneth. Paltrow. Das Spaghetti-Stöcklein. Und sie GEFIEL MIR! Die ganze Folge mit ihrem MGM-Glamour und der Rückkehr von Terry „who put the Terry into terrible.“ Ich saß davor und lachte laut. Glee sollte es auf Krankenschein geben. Glee sollte jede Gruppentherapie ersetzen. Oder man sollte jede Gruppentherapie in eine Glee-Diskussionsrunde verwandeln, ich glaube, das würde Resultate bringen. (Mandy und Roxana würden eine Zweitkarriere als Baccara-Double beginnen und mit ihrer Version von „The Devil sent you to Laredo. Laredo? Laredo!“ durch die psychosomatischen Rehas und die anderen Bierdörfer der Bundesrepublik tingeln.)
Schauen Sie schnell, das wandert bestimmt in Kürze offline!
Ganz zu schweigen von der Chicago-Nummer mit der Rachel-Beere.
Und dann der titelgebende kalfornische Zinfandel. „Twisted“. Wie kann ich an einem Wein vorbei gehen, der den Namen „Twisted“ trägt? Sogar das Etikett war schön, kind of Disney. Also ging ich nicht vorbei, sondern trank ihn. Er hat alles, was man von einem Hollywood-Rotwein erwartet, inklusive des Lindsay Lohan-Kopfes, mit dem ich vor einer halben Stunde erwachte.
Haben Sie einen schönen Tag, liebe Leserin, lieber Leser. Ich werde mich auch daran versuchen.
DREAMS OF REASON PRODUCE MONSTERS
„Splice“ hatte einen der vielversprechendsten Trailer dieses Jahres, aber der bereitete in keinem Maße auf das vor, was der Film in einem auslöst, well, in mir jedenfalls. Ich finde es einen Tag später immer noch schwer, den Film zu beurteilen. SciFi-Horror in der Frankenstein-Tradition vermittelt der Trailer. Aber „Splice“ bringt den Frankenstein-Horror dahin zurück, wo er seinen Ursprung hat – was, wenn deine Fehl-Geburt überlebt? Frankensteins Dilemma war, dass er sich zu nah an die Götterrolle heran bewegte. Das Problem der von Sarah Polley versiert gespielten Wissenschaftlerin hat weniger mit Gott zu tun, als mit der Mutterrolle. Und das ist horribler, schrecklicher und qualvoller, als es ein Frevel sein könnte, denn wir kommen vermutlich nicht alle von Gott, aber alle von einer Mutter. Home is where the hurt is.
Horror kann Eskapismus sein und das ist völlig in Ordnung. Es rüttelt und schüttelt einen ein wenig und dann ist´s wieder gut. Intelligenter Horror kann aber auch mehr sein und uns in Gegenden führen, die einen Bezug zur Wirklichkeit haben, und in diesem Sinne steht „Splice“ in der Tradition Goyas, dessen Zitat Sie im Titel lasen. Der Trailer gaukelt vor, dass zwei Wissenschaftler zu weit gehen und ein Monster schaffen, der Film aber erzählt die Geschichte von zwei Menschen, die schon längst Monstren sind, und das in Bildern, die bewegen und Ekel erregen, um zu zeigen, dass der wirkliche Ekel nicht durch Monstren, sondern zwischenmenschliches (oder humanoides) Handeln erregt wird. Ich bin beeindruckt.
„IT TAKES A VERY STRANGE MAN TO BE THE RIGHT MAN FOR ME“
Glam hearts Cher.