Archiv des Autors: glamourdick

KATE NEWS

Der Bonus-Track auf der „King of the Mountain“-Maxi heißt „Sexual Healing“ (offenbar wirklich ein Marvin Gaye-Cover). Und Deutschland hat den Head-start. Hier erscheinen sowohl Maxi als auch CD drei Tage früher. Freu.

DER DUFT FÜR DIE (PARANOIDE) DAME VON WELT

„Tender stalking“ gibt es wirklich. Bei Zweifeln – besuchen Sie Ihren KIK Textil Diskonter.

Photo courtesy of 40something
Fragrance courtesy of saoirse

Den Duft-Créateuren von KIK hier meine Wunschliste:
„Meaty Massacre for Man“
„Tender Terrorist“
„Slutty Slasher“
„Cool jerky Water“
„Elizabeth´s Failure for Fags“
„Calvin Klein´s Suffocation“
„Penance by Kate Moss“

Ich wär´so gerne Parfumeur.

ULTIMATE DIABOLIC GLAMOUR: GLAM GOES BYRON

Erinnern wir uns: Le Glam war auf einer Expedition in die Bergwelt und hatte im Vorfeld hohe Preise für diese Studienreise bezahlt: ein Liquid Brunch mit der Spreepiratin, das er nicht wahrnehmen konnte, um nur eine verführerische Tagesgestaltung zu nennen, auf die er zugunsten literarischer Recherche verzichten musste. Doch noch bevor es zu Waldwanderungen, Häuserbesichtigungen und den Gesprächen mit Besitzern einer spannenden, für seine Arbeit kaum verzichtbaren Chronik kommen sollte, tat Glam einen verkehrten Schritt. Ins Leere. In der nadelwaldlich mondlos bedingten Finsternis kam er vom Weg ab und stürzte, landete, und begriff den physikalischen Begriff der „Stauchung“ schmerzhaft am eigenen Leib. Während sein Fuß diese leidvolle Komprimierung erfuhr, knackte sein Rückgrat im Rhythmus, und Erinnerungen an ein Schleudertrauma viele Jahre zuvor wurden wach, als habe man sie aus einem warmen, gemütlichen Bett auf den kalten Fußboden geschubst.
Glück im Unglück: Glam hatte seinen Gastgebern noch am selben Tag ihren ersten DVD-Player und eine Sammlung von Filmklassikern zum Gastgeschenk gemacht. Weiteres Glück im Unglück: der 1993 (?) in London in einem Fachgeschäft für Walking Sticks und Umbrellas erworbene schwarze Lack-Stock befand sich im Kofferraum seines Wagens.
Stilistisch einwandfreier wären die optischen Folgen dieses Sturzes nur gewesen, wenn Glam noch langes Haupthaar gehabt hätte. Schon Wordsworth (um bei Dichtern der englischen Romantik zu bleiben) war eines Winters im Harz eingeschneit und hatte dort die tragischen Lucy-Poems verfasst. Denn außer Schreiben und dem unerreichbaren Souvenirverkäufer am Torfhaus wartet der Harz mit wenigen Attraktionen für glamouröse, homosexuelle Besucher auf. Doch solange in seiner Welt noch ein DVD-Player, ein Ibook und eine TAED-Dose mit drei Plug-in-Optionen zu finden sind, hat der Chronist dieses Blogs nichts Schlimmes zu befürchten. Außer vielleicht, dass er die Spur von Ines Schreiber verliert. (Und es ist in jedem Fall IMMER besser zu wissen, wo Ines sich aufhält.)
Oh – da ist Douglas Fairbanks. Ich muss aufhören und mit dem Stock zurück winken.

Anke K. würde diese Bildauswahl unkommentiert verstehen und grinsen. Aber sie liest meinen Blog nicht. Okay: Bowie als Screamin´ Lord Byron im „Blue Jean“-Video.

INES 8 – RUNNING UP THAT HILL

„Verflext und nicht zugenäht“ wäre eine angemessene Schlagzeile gewesen, über das, was sich im Agrarmarkt zugetragen hatte, aber auf die war die Goslarsche Zeitung nicht gekommen. Ines las ohnehin nicht mehr. Romane, Rätselhefte, die „Bella“ – all dies war längst inhaltlich und formell irrelevant geworden. Und wenn Ines noch das verantwortungsbereichsbewusste Blatt gelesen hätte, dann wäre ihr höchstens aufgefallen, dass, ähnlich, wie in „Zigarettengeld“ das Wort „Engel“ verborgen ist, in der besagten Lokalpublikation sich die Wahrheit in einer Ortsbezeichnung verbarg. Die Goslarsche Zeitung titelte „Massaker in Schlachtparadies“. Doch da war Ines längst wieder unterwegs. Angeblich unterhielt der „Wiesenhof“ eine Dependance weiter oben in den Bergen. So spannte sie das Haarnetz über den Ahornblättern und schulterte den blutbefleckten WalMart-Rucksack. „Krieg dem Gutfried!“ hatte sie sich mit Menschenblut auf die nackten Schenkel gemalt (rechts „Krieg dem“, links „Gutfried“) und nach dem langen langen Treck, den sie hinter sich hatte, waren ihre Oberschenkel strong in Form. Bevor sie sich nach einem achstündigen Marsch auf einem Moosbeet nahe Clausthal Zellerfeld zur Ruhe legte, kam ihr eine infame Idee: „Ein Pseudonym, ihn zu täuschen…;-)“
Etwas Schlechteres hätte ihr nicht einfallen können und so verwarf sie den Gedanken gleich wieder. Ängstlich heulte ein Lux auf, als er die Witterung der schläfrigen Kriegerin aufnahm. Doch Ines hatte sich bereits dem Schlaf übergeben und überließ den Monstren ihrer Träume die Macht.

TRIPPING

„The photo booth-portrait looks reportage
Tonight we are the exiled working class.“
(S. Duffy)

Mit 17 hört man Musik anders als mit 27 oder 37, dachte ich. Ich hätte Recht gehabt wenn nicht Kate Bush mich gerade wieder drauf gebracht hätte, wie mit 17 zu hören, aber es geht jetzt ausnahmsweise einmal nicht um Kate sondern um einen anderen Musiker, den ich mit 17 gaaaanz gaaaanz doll fand und der ein ehrenhaftes und seltsam fulminantes Comeback quasi im Verborgenen erlebt.
Also es gab mal einen prekären pekuniären Pop-Prinzen, der es bei Duran Duran nicht lange ausgehalten hatte und stattdessen an einer Solokarriere bastelte, die ihm zu genau anderthalb Hits verhalf. („Kiss me“ und „Icing on the cake“) Genervt von der Plattenindustrie und ihren Zwängen rächte er sich mit einem wunderschönen, aber für die Zeit unverdaulichen Album mit dem Titel „Because we love you“, bevor sein Vertrag auslief. Dann tat er sich mit seinem Cousin zusammen, zog aufs Land und machte Folk-Music. „The Lilac Time“, seine Band, zeichnete sich durch scharfsinnig-poetische Texte und lagerfeurige Gitarrenmusik aus und entwickelte sich zu einem Underground-Hit – Die Band lebte in Bromyard, wo sie ihr eigenes Fanzine veröffentlichten (Arts & Crafts-like. Ich bekam es jahrelang zugeschickt) und begeistert vor sich hin musizierten, bis auch eine Plattenfirma nicht umhin kam, The Lilac Time zu veröffentlichen. Aus dem Pop-Prinzen war ein Independent-Star geworden. Nach ein paar Jahren The Lilac Time probierte es Stephen erneut mit einer Solokarriere. Er kollaborierte u.a. mit Nigel Kennedy. Achtungserfolge, aber keine Chart-Hits.
Besagter Sänger und besagte Band gehörten zu den von mir am intensivsten erlebten musikalischen Ereignissen meines späten Teenage und meiner 20ies. Platten, wo man zuhört und parallel die Texte mitliest. Wo B-Seiten noch Bonus-Tracks waren. Als mit Musik einfach alles stimmte.
Im Jahr 2005 höre ich eine Single („Tripping“), die vermutlich irgendwo in den internationalen Top 5 steht und sich auch eine Weile dort halten wird. Im Hintergrund Stephen Duffys Immer-noch-Junger-Mann-Stimme, im Vordergrund Le Rob. Stephen Duffy hat Robbie Williams neue CD co-geschrieben. Er spielt in seiner Band und singt Backgrounds. Er ist jetzt endlich filthy rich und quasi auch berühmt. Nur einmal um die Ecke, aber er ist Zwilling und wird die Twists und Turns seiner Karriere hilarious finden, of this I´m sure.
Und beim Aufräumen fiel mir eine 20 Jahre alte Weihnachtskarte von ihm in die Hand „I love you“ stand darin, und „have a beautiful christmas and a happening new year!“
Mit 17 liest man es gerne, dass sein Star einen liebt, selbst, wenn es nur um die Promo einer Single mit dem Titel „I love you“ geht.
Ich freu mich für Stephen. Und für Robbie. Und „Tripping“ ist eine crazy bitch of a song.

AERIAL TRACKLISTING

Part One: A Sea of Honey

1. King Of The Mountain/ 2. p/ 3. Bertie/ 4. Mrs. Bartolozzi/ 5. How To Be Invisible/ 6. Joanni/ 7. A Coral Room

Part Two: A Sky of Honey

1. Prelude/ 2. Prologue/ 3. An Architect’s Dream/ 4. The Painter’s Link/ 5. Sunset/ 6. Aerial Tal/ 7. Somewhere In Between/ 8. Nocturn/ 9. Aerial

courtesy of www.katebushnews.com

INES 7: INES IM HARZ

Ines Schreiber hatte die längst verrotteten Apfelsinen aus ihrem Haar entfernt und durch einen schmückenden Kopfschmuck aus Ahornblättern und Eicheln ersetzt. Die Herbstfarben standen ihrem blonden, verfilzten Haar sehr gut und brachten ihren goldenen Teint besonders ausdrucksstark zur Geltung. Ihre letzte Dauerwelle lag fast vier Monate zurück. Mit den Händen auf den Hüften stand sie vor dem Industriebau und las sich den Aushang durch, der in kindlich anmutender Handschrift in weißer Plaka-Farbe auf grünem Plastik ausgeführt war:

NASSRUPFMASCHINE, GRÖßE 2G E: 6-8 Tauben in ca. 30 Sec.
RUPFMASCHINE GRÖßE 1 GE: 10-15 Fasane in ca. 40 Sec.

Mit der rechten Hand kontrollierte sie ihr Wechselgeld und überlegte, ob der Schweinetöter noch im Rucksack oder beim letzten Einsatz auf der Autobahnraststätte zurück geblieben war. Sie erinnerte sich, ihn wieder eingepackt zu haben. Die Zeitschrift „Land & Forst“ titelte in dieser Woche „Alte Säue – neue Ideen“. Ines konnte sich ein siegessicheres Lächeln nicht verkneifen, trat nach vorn und die Glastüren des Agrar-, Tierzucht- und Technikmarkts „Schlachtparadies“ zogen sich vor ihr zurück wie das Rote Meer.
„Er sagte, ich sei eine Bergblume, tja – doch nun hab ich die Macht über den Körper einer Frau“ wisperte sie dem pickligen jungen Mann am Infotresen zu, der verlegen an seinem Haarnetz zupfelte. Er begriff nicht. Das machte nichts. Sein Verhängnis war bereits im Vorfeld besiegelt.

JODIE FOSTER: DER ANGRIFF DER KILLER-STEWARDESSEN

Jodie Foster ist alle paar Jahrzehnte immer wieder für eine Kontroverse gut. Nach der unbefleckten Empfängnis, der sie eine hübsche Tochter verdankt, hat sich Frau Foster nun mit einem großen Gegner angelegt: der AFA (Association of flight attendants). Da der Flugbegleiter an sich in Fosters neuestem Film „Flightplan“ in kein gutes Licht getaucht wird, haben die rührigen Flieger sich nun offiziell beschwert. In „Flightplan“ kommt Jodies Tochter abhanden, auf einem Flugzeug. Die Flugbegleiter unterstützen Jodies panische Suche nicht. Was mir mehr zu denken gibt, als die Aufregung der Flugbegleiter ist die Tatsache, dass die Mütter Amerikas noch nicht im Sturm der Empörung gegen Jodie Front machen. Immerhin werden in „Flightplan“ Mütter in ein schlechtes Licht getaucht, die ihre Töchter an Bord von Fluzeugen verlieren.
Vielleicht ist der Angriff seitens der Flight Attendants auch nur ein abgekarterter Winkelzug der schwulen Mafia: Durch die Aufmerksamkeit der Presse soll „Flightplan“, ursprünglich „Panic Room with Wings: Alices daughter doesn´t´fly here anymore“ an die vordersten Plätze der Filmcharts gepusht werden. Ich hoffe, dass das so ist, denn ansonsten wird Frau Foster in Zukunft häufiger den Satz hören: „Oh I´m so sorry about the tomato juice. Of course we´ll pay for the cleaners. Can I have your autograph? And please take good care of your daughter. We´re flight attendants, not mothers, you know…“