Archiv des Autors: glamourdick

SHANGHAIT

Ja, auch ich komme vom Dorf. Dort werden vor Stadtbesuchen so weise Ratschläge erteilt wie „Liebe Anke, iss keine Pralinen, denn sie könnten gefüllt sein.“ Aber ich heiße ja nicht Anke, bin auch schon ein paar Tage vom Dorf weg und die Praline kam in fremder Gestalt daher und so verbrachte ich den Dienstag auf einem Trampelpfad zwischen Bett und Toilettenschüssel. Ja, es war zum Kotzen. Das, was andere Menschen als Rausch genießen mögen, erlitt ich unerwünscht und konnte keinerlei Gefallen daran finden. Schon gar nicht, wenn es ca. 20 Stunden dauert. Alle Symptome, die ich hatte, entsprachen denen, die Christiane F. einem Turkey zuschreiben würde. Der Typ, der mir das angetan hat, war beim Aufwachen auch nicht mehr da.

Sonstige haarsträubende Überraschungen: Burnster ist ein BANKRÄUBER.

HAMMER GLAMOUR

So, Nina Hoss ist verziehen, ich bin ja nicht nachtragend. Nur manchmal. Nich heute. Heute streich ich meine Tür golden an (wenn ich dazu komme). Es gibt noch gute Menschen und sie sind alle alle Kate-Fans (paar andere gibt´s schon auch noch, dies in der Klammer). Und so ein guter Mensch und Sammler hat mir ein Geschenk gemacht. Das besteht aus seinem kompletten Kate-Archiv. Mein DVD-Player atmet schon ganz schwer. It can hardly wait. Neither can I. It´s Katemas – Halleluyah!!! Toree ah toree oh nach Saarbrücken!

NINA HOSS – NICHTS GEGEN DICH, ABER SEIT HEUTE MAG ICH DICH NICHT MEHR

JA IS DOCH WAHR!!! Wenn Nina Hoss, krank wie sie ist, mit ihrem fiebrigen Arsch zu Hause geblieben wäre, wo sie hingehört, dann wäre ICH jetzt im Robbie-Konzert, weil ihre Tickets frei geworden wären. Danke Nina. Gaaaanz toll. Und das wäre alles nicht so schlimm, wenn nicht Lucky_Strike alle 20 Minuten vom Konzert anriefe und ich das ganze übers Handy miterleben müsste. Oh Lord. Make me not hate Nina Hoss. Not yet.

PERLEN FÜR GLAMOURDICK

„Glämma – ich hojtä särr särr trauriech.“
„Was ist denn los, Katharina?“
Katharina ist heute den ersten Tag bei mir. Sie reinigt gegen Geld meine Wohnung. Nach der ersten beunruhigend langen Stunde, die sie ausschließlich in meinem recht kleinen Bad verbracht hat, liefert sie obiges Statement und ich befürchte schlimme Kritik betreffs meiner Bad-Hygiene.
„Mein Näffä, Sohn von Schwästa, ist sich 19 Jahr. Ich ihm imma gesagt – Rocco, Du musst suchän richtigä Arbajt. Und jetzt, und jetzt? Er ist in Gefängnis für aaacht Jahrä.“
„Oh. Weshalb denn?“
„Russische Mädchän.“
Na super: Ich habe die Russenmafia am Hals.
Nach zwei Stunden (eigentlich war das ihre anvisierte Arbeitszeit) wage ich einen Blick in die Küche. Katharina steht in größtmöglichem Chaos und ich erröte, als ich sehe, das man den Herd zum darunter-Putzen auch einfach in den Raum ziehen kann. Ich frage mich, was sie noch alles abgerückt, umgeschichtet und in die Finger bekommen hat und mein zartes Rosé wechselt übergangslos ins Scharlachne. Katharina ist keine Putzkraft, sie ist eine Organisationstalent, denn auch wenn sie alles umsortiert hat, finde ich doch in den nächsten Tagen zielsicher die gesuchten Gegenstände, weil sie auf einmal an einem logischen Ort verwahrt werden. Spaghetti neben Farfalle, Salz neben Zucker undsoweiter. Selbt die Electric Petra, mein Raclette-Grill, hat ein Zuhause gefunden.
Katharina putzt weitere zwei Stunden und ich erkenne meine Wohnung nicht wieder. Ich öffne Schränke und stelle fst, dass jeder einzelne Gegenstand gereinigt wurde. Ich frage mich, was aus mir beruflich werden könnte, wenn ich ihr auch meinen Computer zum Ordnen überlasse. Nur nach großen Überredungskünsten meinerseits akzeptiert sie eine adäquate Bezahlung sowie ein Trinkgeld. Nie wieder ohne Katharina, denke ich und freue mich schon auf den nächsten Freitag und neue Geschichten aus dem Jugendknast. Nur den Maßbecher habe ich noch nicht wieder gefunden, aber meinen Augenmaß ist ganz okay.

INSIDE GLAMOURDICK: THE WIND IS WHISTLING

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2005 war das schlimmste Jahr. Neben 1982. Und 1999. Und es ist, anders als 1982 oder 1999, noch nicht vorbei. Ich kann mich an kein Jahr erinnern, das existentiell übler und zugleich emotional überwältigender im positiven Sinne war. Ich habe verloren, verloren, verloren. Und wann hab ich extremer gelacht, gefeiert, gewertschätzt, mit-Lachen-in-den-Augen-geweint? Nie. Ein Roller-Coaster-Gespenster-Express voller Irrlichter, Derwische, gepfählter Vampire und göttlicher Erscheinungen (insbes. Kate – als ob die Stimme, die 1978 zum den-Bach-runtergegangenen-Kind gesungen hat, gerade rechtzeitig wiederkehrt und im anno horibilis, 2005, das verarztete innere Kind im irgendwie-erwachsenen Tinker-Pan begrüßt). Tanz und Gesang und Flaschenbier im Never-Everland-Ever-Neverland. Ich scheine die ganze Zeit auf meinem Grab zu tanzen und den nonkonfessionellen Psycho-Priestern, die die Grabrede im Ärmel haben „Fuck you! Or fuck ME!!“ zu zu rufen. Darf man sowas bloggen? Ist das nicht ein bisschen extrem? If you think so: Fuck you or fuck me.
„Marilyn? You out there somewhere? I brought Rosebud!“
„I heard a rumour you´d rise again someday!“

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NOT YET

Wieder zuück in der Hauptstadt, raus aus dem Nebel, rein in die Sonne. Kurz hinterm Ortsschild auf der Brücke über mir eine schöne Frau auf einem schönen Pferd. Als ich das letzte Mal länger aus der Stadt war und zurück kam, liefen mir die Tränen, als ich den Fernsehturm sah. Freude. Ich brauch schon noch meine Dosis Hauptstadt und es ist so schön, verknautschte Menschen mit asymmetrischen Frisuren zu sehen.

Robbie bringt dieses Stadt/Land-Ding, an dem ich gerade bastele, übertragen auf den Punkt: „Oh Lord. Make me pure. But not yet.“

KERSTIN ADLER

Kerstin Adler
Kannst du mir je vergeben
Kerstin Adler
Kannst du mir je verzeihn
Für das Tauchen Deines Anoraks in Jauche
Du hast so bitterlich geweint
Deine Oma rauchte
Vor Wut auf ein Kind, das sowas böses tut
Sie rauchte Zigaretten
Ich möchte wetten
Sie war die einzige Oma
Mit der Tasche voller Kippen
So in Rage, so in Glut

Kerstin Adler
Was mag aus dir geworden sein
Kerstin Adler
Bist du liiert oder allein
Hast du Kinder
Welche Farben hat ihr Anorak
Ist deine Mutter jetzt als Oma
Wie ihre Mutter einst auf Zack
Oder hab ich mieser Mensch
Dir die Kindheit so versaut
Daß Du Dir bis heut kein Kind zutraust
Und es dir vielleicht sogar
Vor süßen kleinen Babies graust

Kerstin Adler
Es tut mir ehrlich leid
Kerstin Adler
Ich weiß das ging zu weit
Anoraks in Jauche tauchen
Und heimlich hinterm Schuppen rauchen
Oma Adler hatte recht
Ich war verdorben – ich war schlecht
Doch wenn es dich sollt´ trösten
Das Schicksal hat die Jacken-Tat
Zweitausendmal gerächt

ALLEIN UNTER SCHNÜFFLERN

Auf dem Weg zum Zigarettenschmuggeln nach Polen. Es fängt an zu regnen, ich betätige die Scheibenwischanlage.
Hannelore (vom Rücksitz): „Mmmmmmh – hast Du da Parfum im Wischwasser? Ich riech das so gerne.“
Ich: „Äh – nein. Kein Parfum.“
Hannelore: „Ich mag das ja alles gern was so riecht. Nagellack und so weiter.“
Marianne (vom Beifahrersitz): „Habt Ihr als Kinder auch immer Uhu gekaut? So statt Kaugummi?“