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GLAM SPART, DIE BERLINALE OFFENBAR AUCH

Ja, es ist raurig aber wahr, auch in Glamourdick Mansion wird ab sofort gespart. Das führt u.a. dazu, dass weniger DVDs angeschafft werden. Wenn man schon ertappterweise Fernsehgebühren zahlt, dann kann man ja mal nachschauen, was es da so gibt und praktischerweise liegt ja auch eine Fernsehzeitung dem bereits gekauften Stadtmagazin bei. Berlinale-Eröffnung auf 3sat! Doll! Eine Gala ist genau das richtige. Schließlich muss ich mich aufs übernächste Jahr vorbereiten, denn meine Filmkarriere führt mich garantiert demnächst zum Vorsitz über die Berlinale-Jury.
Da! Sigourney Weaver und da! – jemand, den ich auch schon mal im TV gesehen habe, Sandra Pauli oder Christiane Speichert – die steppende Urwaldärztin, die auch schecht schauspielen kann und gerne Romy Schneider wäre, wenn die nicht so traurig gestorben wäre. Oder albert Schweitzer. Oder so. Wo ist eigentlich Tatjana Gsell? Zu spät? Sind ja noch zahlreiche Plätze leer, hätte man mich also auch ruhig schon mal einladen können, oder Ingrid van Bergen, die hat ja auch schon einen Liebhaber auf dem Gewissen.
Moderne monothematische deutsche Rock-Musik von Max Raabe („Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ – jetzt erfährt auch Sigourney, dass wir in Deutschland schon mit Ton und in bunt drehen), unser schwuler Bürgermeister mit Trendlook Schlupflid, Kosslick, niedlich aber unübersetzbar – also versucht er, sich selbst zu übersetzen, das macht ihn noch niedlicher, nur Sigourney runzelt die Augenbrauen, versteht Bahnhof Zoo. Wie auch der moderierende Heino Josef Liefers-Riemann. Wo hat der sein Englisch her? Hat er auf einem Dictionary geschlafen und gehofft das würde reichen? (Bei seiner Schauspielprüfung hat es wohl auch geklappt.) Scheiße, Heinz Rühmann ist tot, sowie Hänschen Rosenthal. Die hätten da mehr rausgeholt und konnten auch kein Englisch. Was macht eigentlich Marlene Charrell? Oder Désírée Nosbusch?
Die Auftrittsapplause sind verhaltener als bei der Porno-Oscar-Verleihung, und da grenzen die paar klatschenden Hände schon an Beleidigung. Hier behilft man sich, in dem man auf die Bühne rast, damit man noch einen Klatscher hat, wenn die Kamera auf die Bühne zoomt. Die älteren Herrschaften japsen entsprechend, wenn Heino-Karl-Josef sich an sie wendet.
Aber da kommt die Präsidentin, Charlotte Rampling, nimmt das alles mit Humor und blickt gnädig durch trendige Schlupflider. Und schon ist alles vorbei, die Berlinale eröffnet, Gott sei Dank, und erleichtert stelle ich fest, dass es bei RTL2 eine neue Folge Frauentausch gibt. Da kann der Abend ja noch was werden.

MAMMA MIA oder GLAMS COURAGE

Es ist ja ganz schön, wenn man aufwacht und ein Lied im Ohr hat, und das alles ohne Radio oder sonstiges Weck&-Erschreck-Utensil, aber heute morgen war es „Mamma Mia“ von Abba. Dafür mache ich Ikea verantwortlich. Denn dort hatte ich gestern folgendes Erlebnis: Gemeinsam mit Herrn Sakilight wollte ich mal wieder meinen Monatssatz Weingläser, Kerzen und eine 99-Cent-Klobürste in Pink kaufen, und wo kann man das besser erledigen als beim alten Schweden. Bis gestern dachte ich, Ikea wäre nur noch zu optimieren, wenn darin auch ein H&M-Dependance wäre. Ich sollte irren. Also ins Auto gesetzt, durch den Regen gefahren, darüber sinniert, wie weltgewandt Ikea ist und dass heutzutage selbst in Beduinenzelten und Iglus die komplette Malmserie stattfindet, und auf dem Kundenparkplatz weit vorne am Eingang einen Parkplatz gesucht. Und gefunden. Mein lieber Freund Herr Sakilight wies mich darauf hin, dass es sich um einen ausgewiesenen „Mutter + Kind“-Parkplatz handelte, dies mir aber kein Kopfzerbrechen bereiten solle. Das tat es auch nur insofern, als dass ich mich für eine ebenso diskriminierte wie benachteiligte Randexistenz halte wie die Mutter und das Kind (ich sage nur Ute-und-Chiara-Ohoven). Ich fasste einen Plan und verwarf ihn gleich wieder aus Zeitgründen (ich verplempere meine Schreibzeit mit Bloggen und Literatur, da ist kaum noch Zeit für Beschwerdebriefe.) Aber trotzdem sollte ich Ikea wissen lassen, dass ich mich im finsteren Randbezirk Tempelhof, wo man sich nach 18.00 nicht mehr auf die Straße trauen kann, weil kindliche Schlägertrupps die Bordsteine und Buswartehäuschen unsicher machen, dass es also durchaus angebracht wäre, mehr Parkplätze für die (wie mich) diskriminierten Kunden zu etikettieren. Behinderte, Mütter mit Kindern, Schwule, Schweden (und Dänen!), türkische Fahrschülerinnen, beinahe hätte ich auch noch blonde Neger geschrieben – sind wir nicht alle ein bisschen Ikea?
„Quatschst du noch oder parkst du schon?“
„Ich kann immer nur eine Sache auf einmal, Sohnemann.“
„Du hast ja auch ne Family Card.“
„Ja na klar. Da kann ich auch bei H&M mit zahlen.“
„Schon doll.“
„Ja. Doll. Boa kuckma – heute wieder nur Homos unterwegs…“
„Wenn das so weitergeht, machen die aus der Hüpfburg noch nen Darkroom.“
„Ja – blöd, dass es soweit draußen liegt.“

GLAM HAT EIN ANLIEGEN oder GESTERN IN DER SCHUBLADE, SCHON MORGEN IN IHREM LICHTSPIELHAUS

Ich mag keine Schubladen. Macht man eine auf, findet man darin Sachen, die man nicht in Handnähe braucht, also genau so gut auch wegschmeißen könnte. Blumendraht, Reisepass, Wunderstäbchen, Lohnsteuerkarte, abgelaufene Kondome. Weil ich Schubladen nicht mag, verstaue ich meine Schubladen-Literatur in einem Schränkchen mit Türen. Es handel sich somit auch nicht um Schubladenromane, sondern um Closet-Lit. Irgendwann erleben sie noch ihr Coming out, des bin ich gewiss. Und kürzlich, als ich auf der Suche nach einer Betriebsanleitung für mein Faxgerät war (Closet-Lit rechtes Türchen, Bedienungsanleitungen sämtlicher technischen Geräte in Glamourdick Mansion linkes Türchen), da fiel mir ein fast vergessenenes Projekt in die Hand, ich blätterte, las nach und war beeindruckt. „Gar nicht schlecht!“
Ich habe nämlich vor ein paar Jahren einen Film geschrieben, der mir beinahe einen Platz an der Drehbuchakademie eingebracht hätte, wenn der Chef derselbigen nicht der Ansicht gewesen wäre, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges Abschlussprojekt gehandelt hätte – sprich: wozu auf die Akademie, wenn ich das doch schon so fein kann. Aber weil er das Projekt so mochte, half er mir bei der Suche nach einem Regisseur. Die verlief leider im Sand, handelte es sich bei meinem Film „Game/Over“ um einen homoerotischen gefärbten Stoff über zwei Selbstmörder, die sich nach ihrem Ableben plötzlich im Görlitzer Park wiederfinden und die einige Aufgaben bewerkstelligen müssen, die ihnen eine mysteriöse deutsche Tonfilmschauspielerin aufträgt. Da die meisten Regieabsolventen der DFFB Autorenfilmer sind, möchten sie lieber ihre eigenen kleinen Filme machen. Und da ich ständig neue Projekte beginne, kümmerte ich mich nicht mehr um meinen Spielfilm.
Mein heutiges Anliegen: Sollten Sie liebe Bloggerin, lieber Blogger, Regie- und oder Produktionsgewandte Freunde, Verwandte, Mitblogger kennen, die möglicherweise gerade einen verrückten kleinen Stoff suchen, dann gebt Ihnen meine Email-Adresse, Glamourdick bei aol.com und wir schauen mal, ob wir das Ding endlich in den Kasten kriegen. Mit einer Cast von Berliner Originalen, die ich mit meinem dreisten Charme und selbstüberzeugter Überzeugungskraft um den Finger wickeln werde.
Dankeschön!

SUNDAY MORNING oder RUHE IN DER KRAWALLSCHACHTEL

Weil der Dienstag Glams Sonntag ist und also am Montag (Glams Samstag) zuviel Rotwein im Spiel war und der Kopf nun schwer wiegt und auch noch ein Exposé getippt werden muss, kann sich Herr Dick gerade nur schwer im Krawallkarton einschachteln. Was haben der MC und der St. denn da gemacht, dass ein Ruck durch die Sphere ging?
Ich hoffe sehr, dass nicht die Lieferungen bzw. geistesgegenwartige Versandhandlungen abgebrochen werden, wenn heute mal beim Dick die Küche kalt bleibt. Und wünsche allen Ungeduldigen jähe Contenance. Und verspreche in Kürze einen Kartoon zum Thema Chiara.

Und gehe nun und entwickele Phantasien zu Rufus Wainwright. Und hab noch paarhundert Seiten „Flicker“ vor mir.

„FLICKER“ STATT „FLICKR“

„Der Schwarm“ ist längst ausgelesen und ein neuer Wälzer musste her und wie es der Zufall wollte, fand mich ein Buch, das schon allein durch das schlichte aber nachvollziehbare Design (Form -> Inhalt) mein Auge reizte.

FLICKER

Zelluloidstreifen, monochrom, das könnte gut sein. Zum Inhalt: ein junger Filmstudent entdeckt das Werk eines aus Deutschland exilierten B-Movie-Directors, das sich nicht nur als ziemlich genialisch sondern auch als äußerst (und sprichwörtlich) vielschichtig und bedrohlich erweist. Da fiel mir etwas ein, mein Lieblingsbuch von Paul Auster, in dem ein Wissenschaftler die verschollen geglaubten Filme eines verschollen geglaubten Stummfilmkomikers entdeckt, was zu einer abrupten Wendung in seinem Leben führt.
Etwas irritiert schaue ich nach dem Veröffentlichungsdatum von „Flicker“ und stelle fest, dass es in den Staaten bereits 1991 veröffentlicht worden ist, lange vor Auster.
350 Seiten später sind die Bezüge zu Auster nach wie vor offensichtlich. Nur dass es sich bei „Flicker“ nicht um ein x-beliebiges B-Book handelt, aus dem ein geachteter Autor ja gerne mal klauen darf, sondern um eine eigenständige Komposition von hoher literarischer und filmhistorischer Qualität, die für mich jetzt schon zu einem der besten fünf Romane gehört, die sich mit Hollywood Gothica auseinandersetzen. Sturmwaisen!, zwergwüchsige kettenrauchende Kamera-Genies!, Nylana, die Königin des Dschungels!, die bizarren sexuellen Riten der Olga Tell! – a big fun read. Go get it! (Am Besten zum Vergleich Austers „Boof of Illusions“ gleich mitnehmen.)

TALLULAHVAILABLE!

lifeboatjpg
(Tallulah Bankhead´s masterpiece on DVD!)

Noch was ganz anderes, m.E. Bemerkenswertes, verbunden mit beachtlichem Dank an und Ehrfurcht vor den kommentierenden Mitbloggern. Ich habe heute mal eine Sicherheitskopie meines Blogs gemacht, also flugs den ganzen Blog in eine Textdatei kopiert und war sehr gespannt zu sehen, wieviele Seiten das wohl sein mögen (ich dachte, so um die 300). Well, Dahlings: thanks to your emsiges Kommentieren haben wir ein Bollwerk von Blogwerk kreiert: knapp 800 Seiten in 253 Tagen. Dankeschön und weiter so!

GLAM´S BLAST FROM THE PAST: INGRID CALLS oder WER MÜSSIG GEHT HAT GUT PFEIFEN oder UND WIEDER SCHIMPFTE EIN HUND HINTER UNS HER

„The Day of the Locust“, die letzten zehn Minuten. Also die, in denen Donald Sutherland beidbeinig auf einem Kind auf und abspringt, bis es endlich endlich tot ist. Ich fertig, entsetzt, verschmerzt (warum hab ich mir diese Film geholt, fuckit, warum nicht irgendwas mit Brittany Murphy???). Das Telfon klingelt
ingrid
„Chrä chä. Glammchen, sind Sie das?“
„Ingrid!“
Und dann ein Gespräch ob es überhaupt noch lohnt Platten zu machen, wenn doch heutzutage Musikgeld nur noch über Werbung Synch Rights blabla shit fuck over over läuft.
Ich merke schon während wir reden, dass ich heulen möchte, aber das tue ich seit gestern eh ständig. Die Therapie, die darauf folgenden Alpträume seit drei Wochen, die Unlust, mit Freunden darüber zu reden, die Unfähigkeit, ans Telefon zu gehen. Und ausgerechnet bei Ingrids Anruf bin ich. Drangegangen. Obwohl gerade Donald Sutherland ein Kind zerstampfte und Ingrids Nummer gar nicht mehr gespeichert also unsichtbar war.
„Was machen Sie denn jetzt?“
„Ach, das will ich gar nicht sagen.“
„Es gibt nichts wofür man sich schämen müsste.“ (Sie hat „Deep Throat“ synchronisert, aber das ist etwas ganz anderes.)
„Ich bin wieder da, wo ich vor 15 Jahren angefangen habe.“ (Das ist schon seltsam.) „Ich verkauf Theaterkarten. Und schreibe. Nach wie vor.“
„Es gibt nichts wofür man sich schämen müsste. Und Jean Jacques hat Ihren Brief an uns damals geadelt! Diese Verwendung von drei Sprachen undsoweiter…ach.“
Und irgendwie nähern wir uns, das Telefonat halbwegs würdevoll zu beenden und ich denke an den Abschleppwagen an die Ostsee, an Berlin 1998 (sie streichelt meinen Schal und begutachtet zwiegespalten meinen Tierarzt), die Autofahrten, die irgendwie immer um die Siegessäule gingen, und Paris anderthalb Jahr später (schwarzer Kaffee, Vodka und Marilyn im Botschafts1/4, den Scheck von ihr, für das Daniel Schmid-Buch, den ich nie eingelöst habe, der immer noch an meinem Arbeitsplatz hängt, mit ihrer Unterschrift, weil ordinäre Autogramme fand ich immer schon Scheiße, aber wenn der Name auf nem Scheck steht ist es was anderes, und die ganzen Telefonate, Ordensverleihungen, Konzerte, Stillen, Anbrüllereien, Vorwürfe und Entschuldigungen danach. („Ich rufe jetzt NICHT an, um mich zu entschuldigen. Aber es tut mir Leid, Glammchen.“ Klack.)
„Sie werden es nicht glauben, aber ich habe in diesem Moment den Pashmina um den Hals, den Sie mir geschenkt haben.“
Ungelogen.