Archiv des Autors: glamourdick

SOWAS GIBT ES AUCH

Man hat die Haare ziemlich glatt gekriegt, obwohl von der Panthene Spülung nur noch ein Rest da war. Geht aus dem Haus, es regnet nicht, es schneit nicht. Man stellt fest, dass man pünktlich ist, weil der weiße Hund herade an der Haustür vorbeigeht, der immer nur dann vor der Haustür vorbeigeht, wenn man pünktlich ist. Der Hund lächelt. Man schnalzt freundlich zurück, steigt in den Wagen, der direkt vor dem Haus geparkt ist. Der Ipod beglückt einen mit „Somewhere in between“, so dass man die ganze Fahrt über singt. An einem Zebratstreifen freut man sich über eine türkische Mutter mit zwei circa zweijährigen Zwillingsmädchen in rosa und gelb mit Klackerschuhen. Als man beim Linksabbiegen dem Taxi die Vorfahrt nimmt und „sorry“ signalisiert erntet man einen freundlichen Gruß. Man findet einen Parkplatz direkt vorm Office, steigt aus, während Kate Bush gerade in eine ansteckenden Samba ausbricht, die selbst die Sonne zum Strahlen animiert. Man folgt einem jungen Schwulenpaar in schlabberigen Jeans – sie halten sich an verhakten Zeifgefingern, trotz der Kälte – und haben kesse Hüte auf. Die beiden verschwinden in der Ubahn, jemand hält einem die Tür zur Bäckerei auf. Man entstöpselt einen der beiden Ohrstöpsel zwecks Kommunikation mit der Bäckereifachverkäuferin, doch die hat, obwohl der Laden voll und Herr Dick noch gar nicht an der Reihe ist, das Käsebaguette schon auf den Tresen gelegt. Sie lächelt und zwinkert. Herr Dick legt ihr die zwei Euro hin und wünscht ihr einen schönen Tag.
„Dir ooch, meene Sonne.“
Ja, sowas gibt es auch.

GAYGLAM #2 oder BACK TO BROADWAY oder NIX GUTES FÜR DIE UTES

bernadette

Ich beginne mit einem Geständnis: Ich besitze circa zwei Dutzend Barbra Streisand CDs. I suddenly feel as if I´ve taken all my clothes off. Zu meiner Verteidigung kann ich folgendes vorbringen: Mit Broadway Stars ist es wie mit Pornofilmen. Zunächst nimmt man, was man kriegen kann (angefangen mit den Unterwäscheseiten des Otto-Katalogs) und langsam entwickelt man ein Gespür dafür was einem gut tut (Falcon Videos, Endsiebziger des letzten Jahrhunderts). Heute erinnert mich der Gesang Barbra Streisands in Konsistenz und Aroma an einen flatschigen Austernpilz, der einem im Mund herumwabert. (Ich hasse Austernpilze). Im Fahrstuhl zur Hölle, wo Frauen immer menstruieren und Männer immer pupsen müssen, läuft „People who need People“ in Endlosschleife, nur unterbrochen von Opus´“Live is live“.
Seit ich mich von Frau Streisand verabschiedet habe, dachte ich eigentlich, mein Broadway Rezeptor sei jenseits von Judy Garland eingetrocknet, aber das war, bevor ich Bernadette Peters zu hören bekam – seit vier Tagen wandere ich auf einem Klangteppich aus Wolken. Bernadette kennt man hierzulande (wenn überhaupt) hauptsächlich als Filmschauspielerin. In den Staaten zählt sie neben Elaine Page und Patti Lupone zu den „Reigning Queens of Broadway“. Ihr erstes Engagement hatte Miss Peters dreijährig. 55 Jahre später (ja, schauen Sie sich das Foto ruhig noch einmal an, Ute Ohoven – denn genau so sieht ein fantastischer Facelift aus) ist das Broadway Baby die Königin – von Gipsy Rose bis Mama Rose – was für eine Rollenfachschleife!
Ich verliebte mich Ende der 80er ein bisschen in die Dame, als ich sie in der Tama Janowitz-Verfilmung „Slaves of New York“ sah. Einige Jahre später erstand ich die DVD von Stephen Sondheims „Into the Woods“ und war endgültig geliefert. Da steht diese kleine Person und schmettert, dass man nur noch so schlottert und bebt. Man sieht – dies ist keine Sängerin, dies ist ein Mensch der singt und erfolgreich das Gefühl vermittelt, Emotion unmittelbar zum Ausdruck zu bringen. Wohlklingend, aber nie notenversessen. Die Illusion von Spontaneität, die Ausdruck größter Schauspielkunst ist und dies in einem Genre, in dem Menschen in Gefühlslagen in Gesang ausbrechen! Märchen für Grownups. Und man glaubt jede Note! Mach das mal nach Ute Lemper! Bernadettes Kunst ist organisch, wie bei Judy, wie bei Kate; ihr Ausdruck so eigen und intim wie bei Axl und bei Ingrid und bei Kurt. Seele die sich aufbäumt wie Tsunami; geschossen durch ein Prisma von ausdrucksstarker Persönlichkeit. Wenn Liza und Madonna nur noch als Lizenznehmerin ihres alten Images auftreten – Miss Peters Kunst ist wahrhaft zeitlos. Wie Judy kann sie weitermachen udn weitermachen und ich hoffe, das wird sie tun.

In Deutschland war es bislang schwer, an Peters-CDs heran zu kommen, und erst vor ein paar Tagen entdeckte ich, dass der große Penner unter den Internet-Anbietern, ausgerechnet Itunes, endlich aufgestockt hat. Seitdem trage ich den Broadway im Herzen, lausche den bombastischen Orchestrierungen, der charmanten Auswahl bekannter und noch nicht gekannter Songs, denen Bernadette die Seele eintreibt, dass es rauscht. Bernadette, live in der Carnegie Hall mit „Sondheim etc.“. And now, for me everything´s coming up roses…

Und wer jetzt denkt – die Frau hat ja alles – Geld, Erfolg. Und dass Glam so über sie schreibt wie sonst nur über Kate, Marilyn und Tuva – zügelt euren Neid. Im vergangenen Jahr hat sie ihren Mann verloren. Tot. Und schön war der, und 20 Jahre jünger. Mein Beileid hat sie.

Am 1. Mai im Lincoln Center, da wär ich gern dabei!

GLAM´S GAYWATCH – Episode 1

Montag, kurz nach 20h, Gneisenau Ecke Zossener. Die charmante Kollegin und ich diskutieren Georgette Dee gegen den Kopisten Tim Fischer, der CD-Player spielt „Die Männer mit den hellen Hüten“ (Ja, ich habe wieder einen Abendstern!), ich halte an der roten Ampel. 4 junge Männer mit schicken 70er/80er-Frisuren überqueren die Straße und sehen dabei cool und frisch aus. So wie man sich eine postnukleare Ska-Band vorstellt: alle so Anfang/Mitte 20, einer im Anorak, einer im schmalgeschnittenen schwarzen Anzug, einer in – Moment! Rewind. Der im schmal geschnittenen Anzug. Zoom.
„Kuck mal, der Stadlober Robert!“
„Ja wirklich!“
„Den mag ich ja gern. Hast Du „Sommersturm“ gesehen?“
„Ja, der war schön!“
Die vier jungen Männer steigen in einen alten Mercedes. (Taxistand.)
Ich überlege, ob ich kurz das Fenster runterfahre um zu rufen „Hey – Sommersturm war toll!“ und entscheide mich dagegen, zu peinlich, und weiß genau, dass ich mich danach darüber ärgern werde. Man kann das ruhig mal loswerden, so ein Lob. Freundlich und kompakt rüberrufen und dann weiterziehen. Keine Dankesbriefe schreiben, keine Rosen vor die Garderobe legen, kein Fanscheißzeug machen, bloß keine „Ich habe keine Persönlichkeit und ziehe mir deshalb Deine an“-Nummer. Einfach mal „Hey Alter – geiler Film.“ Ich hab mich ja auch gefreut, wenn sich jemand bei mir für das eine oder andere Buch bedankt hat. Und Jenni Zylka war zwar ziemlich perplex, aber als ich ihr bei Reichelt am Käsetresen erzählte, dass ich schon ungefähr ein Dutzend Exemplare „1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann“ erworben und lieben Menschen geschenkt habe, hat sich im Nachhinein sicher aber gefreut.

Fazit – einen sehr schönen DVD-Abend mit „Sommersturm“ gehabt und beschlossen, den Blog zwei Tage mit explizit schwulem Content zu füllen, mir ist gerade so ausgrenzend. Sehen Sie – ich habe meine Pubertät nie verwunden und trage noch viel Schotter auf meiner emotionalen Chip-Karre. And tomorrow, Glam goes Broadway – nichts für schwache Gemüter!

sturm2

Kreuzpaintner where are you when I need you??? (In Hollywood, rübergemacht. Er hat es sich verdient. Wenn einer, dann er.)

FUCK VALENTINE, WELCOME BELLE POITRINE!

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Endlich wieder lieferbar – das absolute Kultbuch für Liebhaber bizarrer Schauspielerautobiografien: „Little me: The intimiate Memoirs of Belle Poitrine“. Circa 10 Jahre habe ich nach diesem Buch gefahndet, aber die wenigen Ausgaben, die es noch gab (dies ist ein Buch, das nur durch Ableben des Besitzers in einem Antiquariat landet), waren einfach zu teuer für Little Glam.
Nach 10 Jahren Fahndung gab ich auf, nur um jetzt festzustellen, dass das Goldstück 2002 neuaufgelegt wurde.

„Little me“ fasst alles zusammen, was eine gelungene Hollywood-Autobiografie ausmacht: Sex, Drugs, Religion (inkl. Eigenweihrauch) und Star-Töchter die böse Bücher über ihre fantastischen Mütter schreiben. Erstaunlicherweise erschien das Werk im Jahre 1962 und war seiner Zeit um mindestens 15 Jahre voraus. Die „tart without a heart“,“Belle Poitrine“, ist eine Erfindung des Autoren Patrick Dennis, der mit dem Buch „Auntie Mame“, das für den Broadway adaptiert wurde, Erfolge feierte. „Little me“ ist schlüpfrig, zynisch, böse, zum Schreien komisch und das beschreibt nur den Text – ganz zu schweigen von den grandiosen Fotografien, von denen das exquisite Cover der Neuauflage nur einen kleinen Eindruck gibt.
(Eine gewisse deutsche Comedy-Performerin hat übrigens ihre allererste Show zu 90% an diesem Buch „angelehnt“ (natürlich ohne dies an die große Glocke zu hängen. Die restlichen 10% hatte sie von Joan Rivers geklaut.)

EDITH
Footnote 1: Das Musical „Little me“ ist leider eine große Enttäuschung.
Footnote 2: Autor Patrick Dennis arbeitete später als Butler für Ray Croc, den Gründer von MacDonalds.

GLAM GEHT BADEN. (Mit Tierarzt).

Und wenn man um viertel nach elf den Sonntags-Blues hat, dann sollte man nach fast einjähriger Therapie alles soweit im Griff zu haben, dass man um 0.00 Uhr zum Telefonhörer greift
„Du hast letztes Mal Deine Armbanduhr vergessen.“
Dass letztes Mal schon mehrere Wochen her ist, und der junge Mann auch ohne die Uhr auskam und die Uhr eigentlich nur das ist, was sich schön als Anlass formulieren lässt… ja so ist das.
„Halbe Stunde brauch ich.“
„Wunderbar.“
Zeit für eine Dusche, Wein dekantieren, Playlist raussuchen, Bad einlaufen lassen, paar Kerzen. Das unter anderem nette an ihm – er bekommt keine Romanzenpanik wenn ein paar Kerzen an sind. Weil er ja auch weiß, dass die Kerzen noch schamrot werden, denn alles was folgen wird ist reine unschuldige gelebte Pornofgrafie. Wir machen das ja nicht zum ersten Mal, kennen einander ganz gut, wissen welche Knöpfe man drücken muss, kann, darf. Habe ich erwähnt, dass er einer der besten Küsser überhaupt ist? Und obwohl wir das jetzt schon ein paar Jahre so machen, alle paar Wochen, Monate, haben wir noch nie Vorspiel in der Badewanne gehabt.

Meine Haare fühlen sich gerade extrem lockig an. Und ich wach auch so gerne mit ihm auf. Glam wünscht einen schönen Wochenstart!

GLAM KEEPS GOING

Kinders, das macht grad gar keinen Spaß. Früher waren meine sozialen Begegnungen die sehr charmanten, wilden, erfrischenden, zermürbenden, wreckenden, schiff-taufenden Begegnungen mit meinen Lieben und/oder soon-to-be-Lieben, jetzt ist mein Leben so voll mit Kollegen, und ich arbeite komische Zeiten und schaffe es nicht mehr, die Quality Time People im Quality Time Environment zu sehen. Ich komme ausgepowert nach Hause, schreibe ausgepowert meinen Kram – ist das der Erfolg einer Therapie gegen Sozialphobie? I think I´m as phobe as ever. Plus annoyed. Plus —ausgepowert. Und ich habe gerade die Phase hinter mir, wo das Telefon klingelt und ich denke „Oh no – not now, no people, no talking please“, und mir stattdessen wünsche, dass das Telefon klingelt und jemand dran ist, der es schafft, mich zu motivieren und mir zu sagen „Scheißerchen, jetzt mach mal dies und das und dann ist alles wieder Zick und Zack.“
When I know it´s my own fucking job to keep going.

Und die Frau D. war nicht einmal bei R.´s Beerdigung, das sollte mich am wenigsten beschäftigen, aber es tut es. schon auch.

UNDEAD UNDEAD UNDEAD

bela
Gestern die letzten 200 Seiten „Flicker“ gelesen. Ein Leseerlebnis wie eine Mischung aus Heroin rauchen und Runterkommen. Nicht unähnlich vermutlich dem verderblichen Gefühl, das der Protagonist beim Betrachten der Max Castle-Filme hat. Somit hält das Buch, was das Cover und die ersten 300 Seiten versprachen. Und heute morgen bestürzt festgestellt, dass ich „Bela Lugosi´s dead“ von Bauhaus nicht auf CD, nur auf Vinyl habe, und das, wo meinem Plattenspieler vor kurzem der Keilriemen gerissen ist. Dann eben „She´s in Parties!“.

War jemand beim Bauhaus-Konzert?

Apropos „fall-guys tumble on the cutting room floor“… gerade eben auf imdb.com geschaut, was troublesome André so treibt. Schade schade schade: „Basic Instinct: Risk Addiction“ scheint nun doch „auf seine Mitwirkung verzichtet zu haben“, sein Name in der Besetzungsliste ist gelöscht worden.