Archiv des Autors: glamourdick

CAVALLISCHACHTEL

Ich habe mir mal einen Mantel gekauft, weil er mir ein Haus war. Er war kamelfarben und sehr groß und weit und von dem italienischen Desigern-Duo, das ich so schätze. Ein anderer Mantel, schwarz und schmal vom schwedischen Fabrikantenhaus mit den vielen Filialen (Vielialen?) ist mir ein Sportwagen in Gestalt eines schnittigen Vampirs.
Und vor ein paar Tagen war mir der Bedarf groß nach einer Sonnenbrille, die ich bewohnen kann, die mich beherbergt. Manchmal muss man die Tür abschließen können, die Fenster der Seele verdunkeln. (Meine Freundin Silke kann nur in vollständig abgedunkelten Zimmern schlafen, weshalb sie einen Vorrat blickdichter schwarzer Müllsäcke mit sich zu führen pflegt, die Fenster zu verkleben, wenn sie auf Reisen ist. Ich hatte ihr für einen Glamourdick Mansion-Aufenthalt einmal selbst Mülltüten gekauft, aber – nicht blickdicht. So mussten die Mülltüten ihrer Zweckentfremdung entbehren und endeten Müll vertütend, Silke bekam von mir die Schlafmaske eines niederländischen Flugunternehmens.)
Und so lief ich durch den Regen mit Ringen unter den Augen und Sonnenbrand auf der Stirn und in einem hafennah gelegenen Sonnenbrillenparadies wohnten unzählige Sonnenbrillen in Käfighaltung, ihrer Befreiung entgegenfiebernd. Einige der Brillen waren T-shirts, andere Heißluftballons, manche auch Konfetti. Ich probierte mich durch´s Sortiment und dann hatte ich plötzlich ein auf der Nase – mein neues Haus. Mit breiten Bügeln, die ein Balkenwerk sind und mich stützen. Mit dunklen braunen Gläsern, die mich schützen, das Licht der Welt sanft tönen. Versöhnlich. Am nächsten Tag schien dann auch prompt wieder die Sonne.

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POUR MLLE LAROUSSE und dann wird es plötzlich eine ODE TO AUDREY

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Es gibt auch durchaus stylishe Schlafbrillen. Aber Miss Golightly ist ohnehin ein wandelndes schimmerndes glamourplosives Stilkraftwerk. Die konnte als Pelz einen lebenden Kater tragen! (Ich wollte den Satz eigentlich in Yunioshi-Deutsch schreiben, aber dann wäre aus „schimmernd“ „schimmelnd“ geworden. Und das tue ich Audrey nicht an. Bei Grace Kelly wäre ich nicht so zögerlich gewesen. Eat your heart out Gracia Serpentina, you didn´t have style, you only had fashions.) Ich fantasiere allerdings immer noch, wie „Breakfast at Tiffany´s“ wohl ausgesehen hätte, wenn er, wie von Capote gewollt, mit Marilyn besetzt worden wäre. But still. I love Audrey in that part. The way she sings „Moon river“ – I am melting in the sun. Judy´s Ole Man und Audrey´s Moon River sind die zwei Fluss-Songs, die mir das Herz brechen.
Letztens auch nochmal „Roman Holiday“ gesehen. Be. Zau. Bernd. In „Wait untill dark“ ist sie auch fantastisch. Ohmygod, die Szene wenn die Kühlschranktür aufgeht… „Sabrina“ – na ja. „The Unforgiven“ – der einzige Western, den ich je mochte (wenn man von „River of no return“ absieht, und den mochte ich nur aus Marilynoyalität. Und „Misfits“ zählt hier jetzt nicht als Western.) „Two for the Road“ – einer meiner Lieblingsfilme – Finney, Hepburn und die geilsten Givenchyroben- und Brillen. Die OHRringe? Do I sound gay? Oh well, guess I am. As in Glam. Givenchy hat für Audrey ganz zarte Falsies in die Brustpartie ihrer Kleider eingearbeitet. Und Givenchy hat mir mein Lieblingsparfum beschert. Givenchy pour Homme. Wenn Ihr wissen wollt, wie ich rieche wenn ich aus der Dusche komme, jetzt ist es raus.

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The essence of grace, the essence of glam. Before the destroyed glam look (in pop-culture) was even thought of it was shock-de-frozen from reality by Capote: a glorious wreckage of a girl. Miss Holly Golightly. Poe´s Lulamae. Poise and style and slightly. Mysterious. Bruises. „Breakfast at Tiffany´s“ hat Glam übrigens gelesen als er 11 war. Sein erstes Erwachsenenbuch. Gefolgt von „Tess of the D´Urbervilles“ und „Marilyn Monroe intim“ (verfasst von ihrer New Yorker Haushälterin Lena Pepitone). Is it any wonder?

GLAMNAMBUL oder DAS KABINETT DER LADY MACDICK

„Sleepwalkers engage in their activities with their eyes open so they can navigate their surroundings, not with their eyes closed and their arms outstretched as parodied in cartoons and Hollywood productions. The victims‘ eyes may have a glazed or empty appearance and if questioned, the subject will be slow to answer and will be unable to respond in an intelligible manner.
While sleepwalking itself does not inherently pose a health concern, accidents may happen as the subject is performing actions without the control of conscious mind. If the walker commits a criminal offence while asleep, the defence of automatism may be available (see automatism (case law) for a detailed discussion of the laws in various countries).
A common myth surrounding this disorder is that one should never wake sleepwalkers while they are engaged in the activity. In truth, there is no implicit danger in waking sleepwalkers, though the subjects may be disoriented or embarrassed when awakened. The danger lies not in the fact that something might happen to the sleepwalker, but to the individual doing the waking, as occasionally the sleepwalkers get aggressive when interrupted. Although the majority of the time, nothing happens, it is not unheard of for assaults or even homicide to occur (though the latter is extremely rare). However sleepwalkers are much more likely to endanger themselves than anyone else. When sleepwalkers are a danger to themselves or others, (for example, when climbing up or down steps or trying to use a potentially dangerous tool such as a stove or a knife), steering them away from the danger or even waking them is advisable. It has even been reported that people have fallen out of windows while sleepwalking and died as a result.
While sleepwalking, conductor Harry F. Rosenthal has sat up in bed, conducted, and vocalized instruments, according to his wife.
Sleepwalking is a major theme in the classic silent German Expressionist film Das Kabinett des Dr. Kaligari (English title: The Cabinet of Dr. Caligari) 1919.
In Shakespeare’s famous play Macbeth, Lady Macbeth is mentioned to be a sleepwalker, leading up to her eventual madness and suicide.“

(Quelle: Wikipedia)

Wie psycho ist eigentlich noch vertretbar?
du
MUSST
C A L I G A R I
WÄRRRRDÄNNNN! (keine Angst, only joking.)

GLAM BEHERRSCHT´S IM SCHLAFE

Eine SMS von Uli: „Was war eigentlich los, letzte Nacht?!“
Gute Frage an sich. Sex mit einem angenehmen Fremden, danach schlafen. Aber das hatte ja nichts mit Uli zu tun. Also ruf ich ihn doch mal an und frage nach.
„Wie meinst Du das, letzte Nacht?“
„Na weil Du um halb 4 angerufen hast.“
„—. Und ich habe mit Dir telefoniert?“
„Ich bin nicht drangegangen.“
Um halb 4 schlief ich. Wird Zeit, dass ich mir einen Wecker besorge und das Handy im Arbeitszimmer lasse, über Nacht. Man bringt sich ja in Teufels Küche, als Schlafwandler. Und, nein, das war nicht das erste Mal. Jetzt ist mir auch noch ganz kodderig. Merke: iss niemals im Finanzamt.

GLAM NERVT SICH

Also, ich kann mittlerweile an einem überfüllten Strand liegen, ohne Panikattacke, ohne Symptome. Ich war auf einem Konzert mit 1000 anderen Leuten. Ich war heute sogar in der Kantine des Finanzamts Kreuzberg (!) allein (!) essen. Und davor im Wartezimmer meines Arztes für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ohne Schweißausbrüche, Zittern, Herzrasen. Und trotzdem fürchte ich mich vor einer 10stündigen Busfahrt mehr als vor der Demonstration und einer etwaigen Schlägerei mit Nazis. Kann mich bitte jemand nach Warschau beamen, am Samstag? Oder bleib ich doch hier? Ich mache mir gerade schlechte Laune.

DER KUNSTSEIDENE GLAM

Na toll. Der Wagen ist festgeparkt. Die Straßen abgeriegelt. Ein Taxi (für das ich aufgrund des Erwerbs einer Cavalli-Sonnenbrille gerade zu geizig bin) müsste über Mitte fahren, um mich innerkreuzbergisch an Land zu bringen. Was macht man da? Man nimmt die Ubahn. Und weiß sofort wieder, warum man von Ibiza nicht mehr weg wollte. Der Grund: Berliner. Stinkende Berliner. Keifende Berliner. „WichsaAltaSackEY“-brüllende picklige Berliner Hauptschüler, die sich mit Caipirinha-und-Uhu-Fahne an einen werfen, um noch in den anfahrenden Zug zu springen. „Das zu lange Leben in der Heimat hatte ihr den Umgang mit den Deutschen verleidet“ schrieb jemand über Irmgard Keun. I so fucking utterly agree.

SAG BEIM ABSCHIED „LOUSY SERVICE“ oder BEACH WHORES CONTRA BAR WARS

„Als ich das erste Mal auf die Insel kam und auf meinen Wagen wartete, habe ich den schönsten Menschen gesehen, den ich je gesehen habe. Schön. Im Sinne von unfassbar schön. Und seitdem liebe ich die Insel.“
„Das kenne ich. Kurz vorm Abflug war ich mal am Strand. Und da saß ein Mann auf einer Klippe und ich musste weinen, so schön war der.“

Cap des Falco ist ein kleines, schmuckloses Restaurant, das mit einem der schönsten Sonnenuntergänge Ibizas aufwarten kann. So hatte ich es zumindest in Erinnerung. Als wir am Dienstag dort waren, hatte sich einiges verändert, man hatte Cap des Falco aufgefufft und zwar komplett. Ein charmanter Loungebereich, aufgeschütteter Sandstrand wo früher Kies war, zwei Strandbars und – auf den ersten Blick am eindrucksvollsten – Barpersonal (sechs Frauen, sechs Männer) von so unglaublicher Schönheit, dass man hätte annehmen können, sich bei einem Fotoshoot für eine Dolce Gabbana-Kampagne zu befinden. Ich sah den schönsten Mann, der alle zuvor gesehenen schönsten Männer in den Schatten stellt. Man stelle sich vor, Sophia Loren habe mit Winnetou geschlafen oder auch mit Senta Berger und ihr Sohn sei unter die Surfer gegangen.
marco
Patriziergesicht in Indianderbraun, gleißende Augen, von der Sonne aufgehelltes Dunkelhaar, ein schlanker, sehniger Körper und schick bunttättowierte Waden. Zum Reinbeißen. Dass es bei solchem Aussehen ein wenig an gastronomischen Fähigkeiten und Fertigkeiten mangeln konnte, darüber sah ich hinweg. Zunächst. Nicht jeder in Spanien beschäftigte Kellner muss wissen, was ein Shanti ist (Bier mit Fanta). Und man kann die Fanta durchaus schon mal mit der Sprite-Flasche verwechseln – who cares? Und Caipirinhas brauchen Rohrzucker nicht zu knapp – besser das Glas halbvoll machen. Dass dieser diabolisch engelsgleiche Prachtkerl nicht aus dem wirklichen Leben war, wurde uns schnell klar. Denn Cap des Falco wurde als Location für ein neues italienisches TV-Format genutzt. Er und die anderen Barhengste- und Stuten waren die Stars von „Bar Wars“ – und hatten die Aufgabe, unter Beweis zu stellen, was für geniale Gastronomen sie sind. Leider war an diesem Tag, noch früh in der Produktion, noch viel für sie zu lernen. Dass man Gäste bedient, zum Beispiel. Dass man nach einer Stunde durchaus überprüfen könnte, ob noch alles zur Zufriedenheit ist (war es nicht.)
Auch wenn das Set einer Lounge-Bar überaus präzise inszeniert war, entsprach die Stimmung nicht dem Look. Bei einem wuselnden italienischen Fernsehteam war es nicht gut chillen. Unser Unmut wuchs mit der Wartezeit und angesichts der (ebenfalls renovierten) Getränkepreise. Langsam erschlosss sich uns auch das perfide Spiel, das die Produktionsfirma mit uns trieb: Man missbrauchte uns als Gratisstatisten für eine Endemol-Produktion. Und dass, wo unsere Bräune noch nicht telegen ausgereift war! Sacrilege, Darlings! Nicht genug damit, verlangte man für schlechten Service und falsch kombinierte Getränke auch noch einen Obulus! Nicht mit Glam!
„Excuse me young gorgeous-looking man – do you really expect us to pay for the drinks?“
„Huh?!“
„I mean – could we pay with Monopoly-money for instance?“
„Scusi?“
„Yes. You should be sorry for this lousy service.“
„You pay. You must pay.“
„Is there anyone around from the production?“
„Si si, there.“
Enter wichtige Klappbrettfrau, professionell lächelnd.
„Excuse me – do you expect us to be free extras on your show? Do you really expect us to pay to be in your show??“
Klappbrettfrau überlegt, lächelt lucreziaborgianisch.
„No English.“
Exit the Krawallschachteln. No English, no full pay.

Zwei Tage später, an einem anderen Strand liegen fünf Freunde in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Die weiße Sangria perlt, die Bräune tunet sich fein, das Meer rauscht pittoresk – ambient Ibiza. Und Geburtstag habe ich auch noch!
„Kennst Du die schwarze Gabi?“
„Ist das ne Kneipe?“
„Nee. Ne Freundin von Ria.“
Jemand legt eine Illustrierte beiseite. „Ich wünsche mir ein Hautpflegeprodukt mit dem Namen Kriegswirren.“
Idylle pur also. Dann Geräusche. Italienische Geräusche. Ein Sangria-Becher landet im Sand und ärgert sich, dass er nicht scheppern kann. Denn dem Scheppern der Fernsehcrew gehört einiges entegegengesetzt, entschließen sich die Bar-Warrior doch, sich direkt vor uns niederzulassen, sechs Jungen und sechs Mädchen, zwei Teameretten, Produktionsassistenten und wichtige Klappbretthalterinnen und Halter. Üppig aufgemoppte Titten werden freigelegt, die Jungs zeigen, dass sie auch in Bade- und Unterwäsche halten, was ihre V-Kreuze und Blitzfressen versprochen haben. Geile Fassaden. Und trotzdem.
„Kuck ma die Braunhaarige im G-String – hast Du schon mal solche Narben gesehen?“
„Nee. Aber auch noch nie so unrealistische Titten, kuckma die Wölbung, sogar im Liegen.“
„Seit wann gehen die eigentlich nicht mehr über die Achseln rein?“
Kennst Du denn jetzt die schwarze Gabi oder nicht?“
„Ist noch was zu trinken da?“
„Jetzt holt er seine Eier raus – kuckmal.“
Und obwohl eine der Bar-Warrioretten des Deutschen mächtig ist und ihren gegnerischen Kollegen dann und wann unsere Kommentare übersetzt, halten sie es anderthalb Stunden aus, bevor sie wieder abscheppern und ihre Luxuskörper in die Kameras halten. Vermutlich zahlen auch sie to be on the show. Intelligenzbestien sind sie wahrlich nicht. Merke: Glamour ohne Geist geht gar nicht. Aber alles Gute für die Show wünschen die Beach Whores den Bar Warriors natürlich. Wir sind ja faire Player.
beachwhores

THE DEATH OF A DISCO DANCER

disco
(Skailight and Glam getting ready to disco.)

Anfora, Ibiza-Stadt in den frühen Morgenstunden des 2. Juni. Es ist eine stark geschminkte Nacht, eine Nacht mit Sex und eine Nacht mit absurder Musik. Der Laden ist vollgepackt mit schwulen Europäern in Ekstase. Den freien Eintritt verdanken wir Mlle Corinne. Alles schön, alles leuchtend. Heads bangen zu einer Neuaufnahme von „Total Eclipse of the Heart“ und wieder kennt keiner den Text außer dem Chor „turn around bright eye – every now and then I fall apart“ usw. Etwas rauscht an meinem Körper vorbei, ich drehe mich um und sehe einen Spanier auf die Tanzfläche fallen und reglos liegen bleiben. Kommt wohl öfter vor, denn es wird allgemein weiter getanzt. Meine Augenbrauen tanzen eine Sorgenfalte. Ich bücke mich zu dem Abgestürzten, tätschele ihn in eine Bewusstseinsebene, die der meinen (noch nicht sonderlich betrunkenen) ähnlicher ist, helfe ihm auf und die Treppe hoch. Jemand greift nach ihm, stützt ihn und bringt ihn fort. Eine halbe Stunde später sehe ich ihn im Eingangsbereich zusammengesunken sitzen. So richtig bei sich ist er immer noch nicht. Ich gehe mich erkundigen und schaue in irritierte Gesichter, an denen meine drei Sprachen abperlen. Als wir eine Stunde später den Laden verlassen, ich in diesem Fall ziemlich ernüchtert, ist die Traube um den Gestürzten vor dem Laden. Offenbar hofft man, dass sich alles von selbst wieder einrenkt, dass die Mischung aus Ecstasy, Ketamin, Liquid E, Crystal Meth (whatever) und Alkohol in ihrer Wirkung nachlässt. Ich will noch einmal zurückgehen, einen Krankenwagen vorschlagen, aber tue es nicht. Erinnere mich an den Tag, als ich aus dem Roses auf die Straße knallte, obwohl ich diesen Sturz, bei dem ich mich wie durch ein Wunder nicht verletzte, nur vom Hörensagen kenne – that´s Ecstasy. Nur sehr schwer zu dosieren. Sometimes it kicks, sometimes it kicks you.

The death of a disco dancer
Well, it happens a lot ‚round here
And if you think Peace
Is a common goal
That goes to show
How little you know

The death of a disco dancer
Well, I’d rather not get involved
I never talk to my neighbour
I’d rather not get involved
Oh …

Love, peace and harmony ?
Love, peace and harmony ?
Oh, very nice
Very nice
Very nice
Very nice
…But maybe in the next world

(The Smiths)