Archiv des Autors: glamourdick

GLAM UNDER THE HOT TIN ROOF

Klebeluft, Ölhaut, keine Bewegung. Ein Wetter, dass die Katzen auf den Blechdächern St. Vitus tanzen lässt. In Ze i t l u p e. (Bildlich vorstellen!)
Wenn das letzte Sonnenlicht noch durch den Flur flutet, die Nachtkerzen sich öffnen, der erste Windhauch übers Bett weht… Recently uncaged… It vibrates, it swings. And everything´s fine. And a little sleazy.

tincat
(Schuhe auf dem big brass bed! Und auch noch WEISSE Pumps. Ach, Liz…)

Ich erinnere einen ganz unbedarften, unbeholfenen Abend in Berlin, ca. 1989, es kann auch 88 gewesen sein, genau. 88. Mein erstes Berliner Jahr. Den Abend verbrachte ich mit meinem Laufsteg-Lehrer (no bullshit*) in meinem Wohn/Schlaf/Arbeitszimmer. Wir schauten Bette Davis und durrrrften ja nicht, er war ja mein Laufsteglehrer. Und es war so heiß. Und ich habe von Bette Davis nicht wirklich viel mitbekommen. „Little Foxes“ – ausgerechnet. Passte gar nicht. Und wir schmolzen so in mein Bett (ich hatte kein Sofa) und es knisterte statisch. Und wir kamen uns so nah, dass wir uns Arm- und Beintechnisch noch mehr aufheizten und an Sex vor Sex gar nicht mehr zu denken war, das war also damals, Sommer 88, ich bin ziemlich sicher, dass es 88 war, es gab noch die Mauer, 88 also, Glam und Stefan in Neukoelln. Und Stefan startete keinen Übergriff, dabei sehnte ich mich so danach, ich war ja noch recht unbedarft und er wäre mein erster Berliner Lover geworden. Und wenn ich mich heute in seine Rolle versetze – Hut ab, Stefan, dass Du Klein-Glam nicht um den Verstand gefickt hast. Denn das hättest Du.

Letztes Jahr sah ich ihn in einer RTL2-Reportage über die Party-Szene auf Ibiza. Sachen gibt´s. Und dank Internetz weiß ich jetzt, was er (zumindest bis 2003) so gemacht hat.

*wie in einem schlechten Film: Glam wurde einmal „entdeckt“, 20jährig, im Trash, Oranienstraße, Kreuzberg. Eine Agentur sponsorte mir ein Model-Training und in meinen ersten Studijahren hier lief ich ungefähr anderthalb mal Catwalk und ein paar peinliche Fotos schwirren auch noch irgendwo rum.

YOU LOSE SOME, YOU LOSE SOME

Wenn Menschen einen näher kennen lernen, kann es sein, dass sie einen weniger mögen, als wenn sie einen nicht näher kennen gelernt hätten. Das ist ganz normal und man muss sich glücklich schätzen, wenn ein solches Kennenlernen schnell verläuft und man sich einvernehmlich wieder mit den besten Wünschen verabschieden kann. (Yes, it´s you I´m talking about Mr. King, for the last time, don´t worry – I´ve got plenty of protagonists).
Anders ist es, wenn Langjährige, mit denen man schon beidseitig Tragödien durchlitten und auf Dächern glückselig getanzt hat, sich neu kennenlernen. Und ihnen (vermutlich) beidseitig nicht gefällt, was sie da erleben. Und das tut dann leider weh.

And, yes, it´s a pain in the ass – if you know me and I love you or hate you or anything in between, you´ll end up written about. Or worse: not.

F I V E STANDING OVATIONS

toprufus
(Photo by D. Shiplacoff, Courtesy of Rogerbourland.com)

Bowie war auch da! Und als Zugabe gab es „Everytime we say goodbye“. Durchtrieben, gewieft, genial. Als Stargast kam Judys Tochter: nicht das nuschelnde Walross sondern dessen Schwester Lorna Luft. Schönen Dank auch an die New Yorker Blogger, die ihre Berichte sofort zu Netz brachten.

Gerade bei Reuters: “ Stars in the audience 45 years ago included Rock Hudson, Richard Burton, Julie Andrews and Henry Fonda. On Wednesday, Sarah Jessica Parker, Joel Gray, director John Waters, Gina Gershon and designer Patricia Fields were among the fans who gave Wainwright several standing ovations.
„I did feel a real connection to Judy Garland and did really commune with her,“ Wainwright said at the show’s end.
It was clear from the ecstatic response that the thousands who attended felt the same way.“

Und die New York times schreibt:
„What unfolded onstage was a tour de force of politically empowering performance art in which a proudly gay male performer paid homage to the original and longest-running gay icon in the crowded pantheon of pop divas. Accompanying Mr. Wainwright was a 36-piece orchestra conducted by Stephen Oremus playing the original 1961 arrangements transposed several notes lower to suit his voice.

The concert was a two-family affair, with the Garland clan represented by Lorna Luft, who arrived onstage late in the 2½-hour marathon to put her seal of approval on the project by joining Mr. Wainwright in a duet of „After You’ve Gone.“

Besides Rufus, the Wainwrights were represented by his sister Martha, who brought down the house with a whooping and swooping „Stormy Weather,“ and his mother, Kate McGarrigle, who accompanied him on piano during „Over the Rainbow,“ and in an encore of „Ev’ry Time We Say Goodbye“ that’s not on the Garland album.“

rudygarland

“On good days I was Dorothy, on bad days I was the Wicked Witch. The interesting thing about it, too, is that I’ve always related to it mainly because I don’t relate much to Frank Sinatra. I appreciate Frank, but there are so many Frank Sinatra imitators, whether it’s Harry Connick Jr. or Michael Bublé—the kind of guys who [Snaps his fingers in quick succession] basically want to get laid. And there’s nobody being the flip side of that, which is the hungry, lonely, desperate, crazy-person singer [Laughs]. So I wanted to pick up that mantle and try to be a little less cool.”
(Source: Time Out NY)

GLAM IST MAINSTREAM…

…denn er hat sich heute die „Stadium Arcadium“ (German Charts Nr. 1) von den Chili Peppers gekauft. Und hört sie rauf und runter. Alle 28 Songs. In einer 36°-Dachgeschoss-Mansion und schwitzte. Und ist dazu eingeschlafen und wieder aufgewacht und es war alles klarer, aber immer noch ölig heiß…
Allein der folgende Satz (aus „Wet Sand“): „the disrepair of Norma Jeane* could not compare to your routine…“ Hammer. Nicht Rufus-hammermäßig, aber dennoch kulturell aufmerksamkeitserregend. Für mich jetzt. Persönlich. Und Kiedis ist und bleibt eine geile Sau.
Kann man wirklich kaufen. Die Platte.

* natürlich war der Name wieder falsch geschrieben als „Norma Jean“. Ein Punkt Abzug. Nö. Ruhig zwei.

SCHPOCHTSCHAU REVISITED

„Machte es Dir was aus, wenn ich den Fernseher anmache? Du wolltest doch eh duschen.“
„Mach, mach.“
Während des Zähneputzens die ungewohnten Geräusche von Fernsehfußball im Hintergrund. Wirklich SEHR ungewohnt. Sowas kenne ich nur aus der „Ehe der Maria Braun“. Das Telefon klingelt und ich habe eine spannende Unterhaltung mit einer fantastischen Bloggerin. Im Hintergrund immer noch diese – – – SonntagsnachmittagsPapiKucktSportschau-Sounds. Nur dass mein Papi nie Sportschau schaute, das ging dem nämlich auch am Arsch vorbei. Meine Spießer-Onkels in ihren Schrankwandbutzen. Bier auf dem Tisch und „Jetzt haltet mal die Klappe“-Meckerei. HB-Rauch. Und wir Kinder mussten auf Pan Tau verzichten, oder, noch schlimmer „Des Broadways liebstes Kind“. Auf 3Sat läuft Senta Berger. DAS kucken Schwule. Nicht Argentinien gegen Malta oder wer auch immer sich da quält. Telefonieren. Duschen. Ins Fußballzimmer (vorhin war es noch ein Schlafzimmer) schauen.
„Na, geht´s noch lang?“
„Ich kann doch ausmachen.“
„Quatsch – ich geh was Bloggen in der Zeit.“

Allein schon wenn ich das Grün sehe. Und die Turnschuhe. Den Stadionlärm höre. Ich könnte kotzen. Das ist eine tief verwurzelte Abneigung gegen alles, was ich schon imme an richtigen Jungs hasste. Die, die Fußball mochten, konnten mich nicht leiden. Und um nur ein einziges Fußballspiel auszuhalten. 90 Minuten. Mit Pause. Müsste man mich schon mit Posh Spice vertauschen. Und selbst das würde ich mir gründlich überlegen. Marilyn hat es mit Joe DiMaggio auch nicht lange ausgehalten. Und Victoria Beckham ist auch nur noch ein Strich in der Landschaft. Ein Strich in Dolce und Gabbana zwar, aber ein Strich. Okay. Mit Dolce und Gabbana würde man mich rumkriegen. Aber darunter mach ich´s nicht.

I HEART MY BLOG

Das Blogdings ist doch echt ein dolles Dings! Man wird täglich seinen Kram los und braucht den Freunden weniger erzählen, weil sie die Basics schon gelesen haben. Hat man also Zeit für weiterführende Themen. Man hat Info und Kunstgenuss rund um die Uhr und kann sich solidarisch erzürnen über homophobe Polen und Blogger.de -Hey, Blogger.de, jetzt reparier endlich Deine Domäne, ich will die Britt lesen und die Arbo! Man trifft ständig weitgereiste Leute – die Mai ist in der Stadt und gleich treff ich den Nilzenburger – und man kann seine Leser anstecken mit Rufus Wainwright* und Cora Frost zum Beispiel. Man bleibt in Kontakt mit den weltverstreuten besten Freunden und findet neue davon. Und auch neue Lieblingsblogs. Und wenn einem gerade nichts Besseres einfällt, dann kann man über das Bloggen bloggen, oder über die Blogger. Tolle Leute. Tolle Sache, das Blogdings.

* Rufus, ich weiß. Morgen ist es soweit. Ich melde mich gleich nochmal explizit.