Archiv des Autors: glamourdick

KINDER MIT AUFSCHRIFT*

1.
Eine meiner Lieblingsplatten ist die, auf der Marlene Dietrich kitschige und teils auch sehr lustige Berlin-Lieder singt (jetzt ist es raus, another not-so-glamourous-confession**.) In einem dieser Lieder berichtet sie vom 20er Jahre Hinterhofmilieu á la Zille. Sie singt von einem bettelnden Kind: „an der Ecke steht ein Kind mit der Aufschrift gänzlich blind“.

2.
Vor ein paar Jahren auf dem Alex: rechts ein Kinderfest, links die Promoveranstaltung eines Radiosenders. Die Schnittmenge: Kinder, die mit Luftballons mit dem Aufdruck „pop mich“ durch die Gegend flitzen.

3.
T-Shirts mit Statement-Aufdrücken. Seit Jahren totgesagt und doch nicht tot zu kriegen. So ähnlich wie Camouflage-Hosen. One of my favourites trägt mein Freund Skailight. Darauf steht: „cheap“. Eines meiner liebsten ist Jenny Holzers „Please protect me from what I want.“ Und das mit Tinker Bell wo draufsteht „Not now, not then, not ever!“ Robbie Williams, pfiffig, hat im Tour-Merchandise eines, auf dem vorne steht „Inspired“ und auf dem Rücken „Insane“. Auch schön.

4.
Ein Blog ist, wie ein T-Shirt, eine schöne Methode, seine Gesinnung auszustellen. Wenn man jemanden kennenlernt und er in einem Crash-Kurs ganz fiel über einen erfahren möchte, flaws and all, dann gibt man ihm einfach die URL. (Hab ich gar nicht. Nur meinen Namen. Er hat dann gegoogelt und das gibt einen Extrapunkt für Einsatz.) So beginnt dann das zweite Treffen (das erste verbrachte man knutschend auf einem Straßenfest) mit dem Satz „Ich habe das Gefühl ich kenne schon Dein halbes Leben“. Es ist toll, man muss nicht mehr ganz so viel erklären und es besteht keine Gefahr, dass irgendeine Horror-Story herauskommt, denn die stehen schon alle hier.

4a.
28.6.06, ca 16.00 Uhr am Paul-Lincke-Ufer kleinen Menschen ganz in rot mit Kapuze gesehen. Ich habe einen Zeugen.

5.
Eine DVD mit der Aufschrift „Die neue Dimension des Tabubruchs“. Mit dem Versprechen, den schicken Schauspieler, der in „6 feet under“ den „Gabriel“ gespielt hat, nackt und erigiert zu sehen. Musste ich natürlich sehen – Fazit: gelangweilte Menschen mit kaum Biografie, die ständig von Ficken reden und es auch ständig tun. Zugegebenermaßen sehen sie dabei meist richtig gut aus, so dass es schwerfällt, auszuschalten, also schaue ich bis zum Schluß und da fällt folgender Satz: „Du musst warten bis Du ganz schutzlos bist. Und Du musst mit jemandem warten, der ebenso entblößt ist wie Du. Und dann musst Du noch einen Moment länger warten.“
Jetzt fragen Sie mich nicht warum, aber als der Film dann vorbei war, da gefiel er mir.

6.
Bitte warten Sie einen Moment, das tue ich auch.

7.
„Is there anyone else who has slightly mysterious bruises?“
„Yes.“
„Good.“

*Die Punkte 1 und 2 sind einigen Lesern der ersten Stunden vielleicht noch aus meinem Ur-Blog (mittlerweile offline) in Erinnerung.
** Siehe „Glams Nachttisch“, unten rechts auf der Seite.

SOMMERZAUBER, TEIL2 oder EINTAUCHEN, AUFTAUCHEN

Und so lernte Glam (das zweite Mal in seinem Leben) das Schwimmen. (Inspired by Lucky´s recollection.)

Juni 1998.
Früher abend, es ist noch hell. Ein Café in Kreuzberg. Es ist, ganz sentimental, das Café, in dem sich die beiden Jungverliebten zum ersten Mal geküsst haben, in dem sich nun einer der beiden Jungverliebten mit seinem besten Freund trifft.
Glam: „Hier, ich bin hie-err!“
Luckys blick sucht nach dem Wesen, dessen Stimme ihn gerufen hat, Sein Blick wandert in die richtige Richtung, wandert über das Wesen hinweg weiter.
Glam: „Hier! Bist Du blind oder was?“
Luckys Blick findet das Wesen. Luckys Stirn runzelt. Lucky lacht und zeigt mit dem Finger.
Lucky: „Wie siehstn Du aus?“
Glam macht eine schnippische Geste. „War ja klar, dass das nicht unkommentiert bleibt.“
Lucky: „Hast Du SONNENbrand?“
Glam: „Na geschminkt hab ich das nicht. Noch nie n Sonnenbrand gesehen oder wie?“
Lucky: „Doch klar, aber nicht bei Dir!“

Und es war wahr. Herr Dick hatte die Jahre 1985 bis 1998 jegliches Sonnenlicht gescheut. Kein Schwimmen, kein Sonnenbaden. Australischer Sunblocker und Chanel-Make up. Immer auf eine vornehme Blässe hinarbeitend, (wahlweise kalk-, schloh- oder schwanenweiß), ri.go.ros, doch immer nur einen Zustand der Käsigkeit erzielend, der nur mit teuren Produkten in den Griff zu bekommen war. Herr Dick schaute auf Leute herab, die ihre Freizeit mit Sonnenbaden und Schwimmen gehen verbrachten. Bis er Einfluss aufs Schicksal genommen und sich einen Mann erzaubert hatte, der auch noch Segler war und ein Wochenende mit der frischen Liebe auf der schnieken kleinen Yacht über die Havel cruiste. Zischende Hitze. Libellen über klarem kalten Wasser. Windböen, die Haare durchwirbeln. Nackte Körper, die aus dem Wasser emportauchen wie ein Polaroid, das sich gerade entwickelt. Lange nasse Haare. Ein Körper schlohweiß, der andere unverschämt bronzig-mediterran gebräunt. Küsse, während sich Erektionen in Schwerelosigkeit berühren. Hitze, Kälte, das Gefühl aufgehoben zu sein, aufbewahrt, das Wasser ein Gefäß, der Liebhaber ein Anker.

Und als er mit demselben Mann das erste Mal seit Kindertagen wenige Monate später an der winterlichen Ostsee stand, da liefen ihm zwei Tränen übers Gesicht vor Wiedersehensfreude, aber das hat niemand gesehen, außer dem Hund, und der nahm das Geheimnis mit ins Grab. War ein sehr sehr guter Hund. Die Himmels-Weimaraner haben ihn an der Pforte abgeholt.

Auch wenn die Liebe zu dem Erzauberten irgendwann ein trauriges Ende fand, die Liebe zum Meer, zum See, zu seinem Element – dem Wasser -, die ist dem Herrn Dick geblieben. Die Liebe mag gehen, das Meer bleibt. Woimmer es ein Wasser gibt, da hat der Dick ein Heim. Wellenrauschen, Flussplätschern, Sonnenreflektionen auf einem Waldsee. Das ist eine Beruhigung, die das Leben verändern kann. Und dafür ist er dem Erzauberten bis ans Ende seiner Tage zu Dank verpflichtet.

Get along, little doggies!

ELTERN SKELTER oder GLAMS GEBÄRNEID

Biege in die Gneisenaustraße und stehe im Stau. Ein Dutzend Wagen westwärts eine Menschentraube (sturzblöde Bezeichnung, aber kann man ja ruhig auch mal sagen) mitten auf der Straße, für deren Befahrbarkeit ich Steuern zahle. Viele Steuern. Ich hab nämlich die fieseste Steuerklasse. Weil ich mich nicht fortgepflanzt habe, wie es die Evolution und der Staat von mir erwarten.
Drei bestimmt auftretende (bzw. aggressiv gestimmte) Frauen in Bermuda-Cargos unterschiedlicher Länge paradieren an den PKWs entlang und verteilen Handzettel. Interessiert lasse ich das Fenster herabgleiten, nehme den Kopfhörerstöpsel aus dem Ohr, streiche das dank L´Oréal und Panthene Pro V goldglänzende Haar aus dem Gesicht; setze die Cavalli-Brille auf die Stirn und zünde mir eine fliederfarbene Sobranie an.
„Haben Sie Kinder?“
„Haben Sie Augen im Kopf?“
„Kann ja noch.“
„Sicher nicht.“
Ich werfe einen Blick auf den Handzettel, in dem die Verbesserung der Situation an Berlins Schulen gefordert wird und lasse ihn auf die Straße flattern, während das Fenster emporgleitet. Betätige die Hupe und lasse spielerisch das Gas aufjaulen, was die anderen Autofahrer als Aufforderung verstehen, es mir gleich zu tun. Die Menschentraube erschrickt, echauffiert sich und springt auf den Bürgersteig. Ich stöpsele den Rufus wieder ins Ohr und fahre weiter. Cause I´m going to see James Dean…

DATES AND THE CITY

Ihr habt es vermutlich mitbekommen, seit ein paar Wochen datet Herr Dick wieder. Das heißt nicht, dass ich vorher brav zu Hause gesessen hätte, aber, anstatt wie früher einfach nur Sexdates auszumachen, bin ich plötzlich und unerwartet in der Männer-tagsüber-treffen-um-sie-kennen-zu-lernen-und-es-eventuell-
längerfristig-mit-ihnen-auszuhalten-Phase.
Ich erstaune mich selbst, dass ich es nach ein paar etwas dumm gelaufenen Dates nicht längst wieder satt habe. Aber irgendwie wirken die Herren, die mich momentan näher kennenlernen möchten, durchaus charmant und vielversprechend. Und hartnäckig in ihrem Vorhaben, mich kennen zu lernen. Interessanterweise merke ich, dass sich im Gegensatz zu früher auch etwas an meiner Dating-Einstellung verändert hat. Ich bin nicht mehr so sauer und enttäuscht, wennn nichts daraus wird. Was damit zu tun haben mag, dass ich mit meinem Single-Leben, so wie es ist, ganz glücklich bin. Ich muss es nicht schnellstmöglich und um jeden Preis hinter mir lassen. Aber ich nähere mich der Vorstellungen einer Alternative an. Und finde es plötzlich auch nicht mehr unvorstellbar, vielleicht einmal wieder ein verpartnerter Mensch zu sein. Möglicherweise nähert sich die Samantha-Phase (vorläufig) ihrem Ende. Carrie ist mir eh immer sympathischer gewesen. And maybe I might just find that someone equally wild to run with me for a while.

tnagleddogs

HÖR MAL TWODAY NET! oder HILFE, MEIN BLOG IST KRANK (Keine dummen Sprüche jetzt.)

So gehts ja wohl nicht! Du kannst doch nicht einfach meinen Sidebar Nummer 2 verschlucken. Hallo? Da ist meine Blogroll drin, mein Counter und mein Glamazon-Shop. Gib den wieder her bitte.

Edit: Pfiffig wie ich bin kopiere ich also alle Module in den Sidebar 1. Was passiert? Nüschte. Im Adminbereich ist aber alles noch brav gespeichert. Was tun? Hiiiiilfäääähh!

Edit2: Und bei Blogger.de ist heut auch schon wieder die Tür zu. Oder was?

Edit3: Die Blogroll ist wieder da! Andrew Cunanan war Schuld, da der Amazon-Link für „Vulgar Favors“ alle nachfolgenden Sidebarmodule weggeschossen hat. Jetzt findet Ihr den deutschen Shoplink ganz unten und es lohnt sich, da dann und wann mal draufzuklicken, weil ich natürlich nur hochglamouröse Produkte vorstelle.
Andrew Cunanan ist der Psycho, der meinen ehemaligen Lieblingsdesigner auf dem Gewissen hat. Und das Buch von Vanity Fair-Autorin Maureen Orth ist eines der besten True Crime-Bücher, die ich je gelesen habe. Die Charakterstruktur des Killers ähnelt auf erschrecknde Weise der des Herrn André Sch. Dessen bizarre Story könnt Ihr unter „The Trouble with André“ nachlesen.

YOU CAN RING MY BELL

Bis vor ein paar Jahren hatte ich keine Türklingel. Wenn man mich besuchen wollte, dann ging das nur spontan oder mit telefonischer Anmeldung, wenn man es nicht riskieren wollte, 5 Treppen umsonst hoch zu stiefeln. Eine abschließbare Haustür gab es auch nicht. Kreti und Pleti hätten sich im Haus ein Stelldichein geben können, aber es blieb bei kiffenden Schülern, die den Hausflur einnebelten und einem Penner, der im Hauflur überwinterte und erst verschwand, nachdem ich ihn freundlich gebeten hatte, nicht ausgerechnet dort zu pinkeln wo er schlief.
Eines Sommermorgens sitze ich unschuldig auf der Terrasse und es klingelt an der Tür. Und was tue ich? Ich gehe an die Tür und mache sie auf. Es ist ein Mann. Er hat mir eine Türklingel installiert.

Und gestern habe ich vergessen, den Wecker einzustellen und bin heute morgen dennoch wach gewrden.

MIT ALLEM ZICK UND ZACK oder TJA, NICOLE…

…Deine Hochzeit soll ja ganz nett gewesen sein. Hier war auch schön. Das erzähl ich Dir jetzt mal: Während Du Deinen Jungesellinnenpartyrausch bekämpft hast und Dich in Dein Hochzeitskleid hast einschweißen lassen war ich mit Lobster-Lucky auf dem Wasser, was sehr schön war, da außer uns und dieser Kuratorin, die jeden Tag einmal durch den See schwimmt, so dass ich mich immer frage „was macht die Frau im Winter?“keine Deutschen da waren. Ein babylonisches Sprachfetzengewabere. Und die Landsmänner waren bei Public V. Ewing in Dallas.
Dann schnell aufs Straßenfest, wo uns Frau Engl über den Weg gelaufen ist und wir einen freudvollen Abend im Rinnstein verbrachten. Dann wollte mir jemand einen blonden Rasta aufschwatzen, was ganz gut war, denn so lernte ich dessen Begleitung kennen, der ein sehr versierter Küsser war. Und während freundliche Polizisten mit den Herren der BSR tratschten hatte ich eine tolle Zeit mit einem jungen Mann. Siehst also Nicole, es war ganz gut, dass ich nicht bei Dir war, denn so konnte ich gestern Alkohol trinken, Drogen nehmen, über Tom reden und heute darüber schreiben. Hoffe bei Euch hat alles geklappt und Herr Kid hat nicht alles vereitelt. Der Piratin ist ihre Sydney-Tasse runtergefallen. Kannst Du ihr bitte eine neue mitbringen? Ganz lieb, Danke. Und denkst Du an meine Schlüpfer?*
Okay Frau Urban. Soweit zu mir und Berlin. Und puh – heiß ist´s!
Allet Jute Dir und dem Countryboy.
Glamourös weitermachen!

Dein Glammy

*Vielleicht vermessen, aber wenn Du auf dem Rückflug einen davon trägst könnte ich den super bei Ebay versteigern und mir einen Swimming Pool anbauen. Nur so ne Idee.

HALLO NICOLE,

danke für die Einladung. Besser spät als nie. Haben eigentlich alle Gäste den 12-seitigen Partyvertrag unterzeichnen müssen? Glaubst Du wirklich, dass ich diese lange Reise in angriff nehme, wenn ich mich verpflichten muss
a – das Alkohol- und Drogenverbot auf der Party zuz respektieren
b – das Thema Tom mit keinem Wort zu erwähnen
c – statt Geschenke mitzubringen für Charities zu spenden. (Ich bin gerade nicht so bei Kasse und hatte euch zwei Hübschen ein Brandenburger Tor aus Wäscheklammern gebastelt. Aber wenn du das nicht willst…)
d – und jetzt kommt´s: MIT NIEMANDEM ÜBER DIE HOCHZEIT ZU REDEN.

Nicole, wirklich. Du kennst mich. Ich quatsche über alles. Und dann schreibe ich es auf und veröffentliche es hier. Dafür mochtest Du mich früher. Un jetzt soll ich mein Blog zensieren, weil Du im Alter immer kapriziöser wirst? Nicole, ehrlich nicht. Dann tut´s mir eben Leid. Grüß mir Keith und die anderen. Wenn Du auf dem Rückflug halt machen möchtest (um Dich zu entschuldigen z.B.), komm ruhig vorbei. Und könntest Du vorher bei den Süßen von Aussiebum vorbeischauen? Ich hab da eine Bestellung, von der ich nicht möchte, dass sie im Zoll hängenbleibt. So, Nicole, ich nehm´s Dir nicht übel. Feiert schön! Ich geh aufen Schlachtensee. Kannst Du eigentlich paddeln?

LIEBE NICOLE,

ich habe jetzt extra meine Dienste getauscht und gestern eine Doppelschicht gearbeitet. Jetzt habe ich also ab sofort Wochenende. Aber die Einladung ist immer noch nicht da und ich wundere mich doch ein wenig, weil ich lese, dass die anderen Gäste schon auf dem Weg sind. Was hat denn da nicht geklappt? Ich möchte gar nicht erwägen, daran zu denken, dass Du mich auf eine Liste mit Tom gesetzt hast. Jahre lang war ich Dir ein treuer Freund und jetzt reicht es nicht einmal für eine Hochzeitseinladung? Ich weiß, dass du diesen Blog junkiemäßig liest und hoffe, Du überdenkst Deine Entscheidung, wenn diese Zeilen von Deinen exquisiten Augen verzehrt werden. Vielleicht war auch alles nur ein Irrtum? Schick den Jet, dann ist aller verziehen. Sogar „The Interpreter“.