Archiv des Autors: glamourdick

DIE MIT DEN KRÄNEN ZIEHT

One of the most beautiful persons I have the privilege of knowing. Die Schönheit der Seele ist vom Gesicht abzulesen und in ihren Klängen und Melodien strömt sie wie Elektrizität. Sie singt nicht, sie exaltiert. Die mit dem Otto-Dix-Blick. Notenstürmerin. Chanteuse intelligent. Ansichtskartenschreiberin, Karten voll mit Ansicht, Zuversicht und Welt. Erpresserbriefautorin! Vier Seelen, vier Herzen, vier Hirne. Wo sie ihren Fuß aufsetzt, da schmelzen Schnee und Eis und Blumenknospen sprießen.
Sie kam mit den Kränen nach Berlin. Mögen die Kräne noch lange lange bleiben und wir uns weiterhin immer mal wieder begegnen, glänzende klackernde Flipperkugeln, während eine Juke-Box läuft, und „Auf dem Wege nach Odessa“ spielt. Oder auch „Mein Freund der Baum“. Matrosen, die sich nachts begegnen. Faces come out of the rain. Una vida sin ti? Das wäre wie eine Vase ohne Blumen. Eine Zigarette ohne Feuer.

Herzenstiefes Dankeschön an Dich für mehr als zehn Jahre voller Ausnahmezustände, Gläserklirren, Familientreffen, Straßenfeste, Tulpenschauer, Pelzmützen, Achselhaarperücken (und andere), Lachen, Tränen, Leben, Überleben. Happy birthday Cora!

corafrost

GLAMOURPUNK oder DER SEHR SEHR IMMANENTE TEXT

Ingrid Caven scheppert das Pigall´s und die Glamourdick Mansion in Grund und Boden, so dass die Sterberate im Pflegeheim gegenüber rapide hochschnellt. Die Hitze auch noch! Die stinkende Straße in der heut morgen ein LKW stand, ich weiß nicht, was es war, das der geladen hatte, aber es tropfte auf die Straße und trieb mir Tränen des Erbrechens in die Augen. Wie früher beim Blasen, als ich es noch nicht so drauf hatte. Die armen Pflegies.
Caven also. Sollen froh sein, dass es nicht „Evita“ auf Koks ist. Hatten wir auch schon. Bis sie mich auf dem Balkon fotografierten, im Winter, mit dieser ausladenden Geste mit den diktatorgattinnenischen* Ellbogen (Bögen?) „I had to let it happen, I had to change!“ Ich war nicht einmla blond, geschweige denn Zopfkranzfrisur. Keine Ahnung was sie mit den Fotos gemacht haben, wahrscheinlich sind sie verstorben, noch während sie die Polizei anriefen. „Herr Kommissar, wir haben Fotos von den Übeltäter, wo zu nachtschlafener Zeit „Wein nicht um mich Argentinjen“ aufet Dach sang, ohne blonden Zopf um Schädel und — chr chr ärggggh – – – .“ Irgendein Enkel hat jetzt die Kamera, den Film (Altenheim, alte Kameras) bestimmt desinteressiert weggeschmissen, schulligung – weg-JE-schmissen. Schade drum.
„Merci. Au revoir. Auf Wiedersehn.“ Sagt Ingrid. Und: „Halle Lujja.“ Ich geh schlafen. Im Gästezimmer. Im Schlafzimmer ist zu laut.

*Was wäre das Leben, wenn man sich nicht mal selbst vor sich selbst erstaunen könnte?

9 1/2 WOCHEN, 9 1/2 MÄNNER*

Die Datingphase begann mit der ungarischen Nachtviola. Dem Ende derBegegnung von überschaubarer Länge (2 Dates) habe ich bereits ein Denkmal gesetzt, das bei Epicore Veröffentlichung fand. Dann zwei One Night Stands, beide gut. Dann ein Spaziergang mit einem Herrn, der zwar Kate Bush und Cora Frost mochte, aber das war auch die einzige Gemeinsamkeit, außerdem mochte er die falschen Lieder. Es blieb beim Spaziergang. Danach kam Mr. King, der zunächst überaus angetan schien und für eine Woche lang eine hohe Dosis Dick bekam. Er sagte Fußball ab, weil Herr Dick nicht mitschauen wollte und beschwerte sich später, es sei alles immer nur nach Herrn Dicks Nase gegangen (dabei hat der dem Mr. King seinen Fußball wirklich gegönnt, wollte aber um keinen Preis dabei sein. Ab einem gewissen Selbstzufriedenheitsstadium schreckt einen ein Abend allein zu Haus keineswegs mehr, in Dicks Fall sind das Abende in guter Gesellschaft. Und merke: lasse niemals zu, dass sich ein Mann von seiner Fußballübertragung trennt: Gefahr von heimtückischen Phantomschmerzen.) Danach der stylishe Tättowierte, ein Gayromeo-Kandidat, der mit „ich möchte ein Kind mit Dir“ die Konversation eröffnete. Man verbrachte einen reizenden Abend in der Hollywoodschaukel. Am nächsten Tag gab sich der am Vorabend noch sehr verknallt gebende plötzlich sehr einsilbig. Einen weiteren Tag später hatte er Herrn Dick auf seiner Favoritenliste in den Blauen Seiten gelöscht. Immerhin teilte er schließlich schriftlich mit, dass der Abend ganz toll gewesen sei, er aber „mit Deiner Art“ überfordert war. Believe me, das bin ich auch manchmal. Aber ist nun mal meine. Meine Art. Dann der Küsser vom Straßenfest, der überraschend von sich hören ließ. Das zweite Date, sittlich bei Latte Macchiato, brachte viele Parallelen an den Tag, sowie große Sympathien und Neugier seitens Herrn Dick. Vielleicht waren es die falschen Parallelen. Das nächste Date mit ihm, geplant für den Folgeabend, wurde dann per SMS abgesagt. Die Mitbewohnerin habe ihren Großvater an den Tod verloren. Jetzt schiebt man also schon die Verwandten von Mitbewohnern vor, aus Sorge um´s Karma und die leibliche Verwandtschaft? Hätte es nicht auch ein Hamster getan?**

Ich weiß nicht, ob es nachvollziehbar und/oder angesichts der Vielzahl unglaubwürdig ist, aber in jede Begegnung schritt ich mit weihnachtlicher Neugier, froher Erwartung und einem Fünklein Hoffnung. Die inflationäre Häufung mindert meines Erachtens keinesfalls die Glaubwürdigkeit: ich lerne einen Menschen nicht in einem Tag kennen, nicht in einer Woche. Es gibt Menschen, die habe ich nach Jahren noch nicht begriffen. Und dann hast Du sie endlich begriffen, stell Dir mal vor: da haben sie sich von heute auf morgen verändert! Steht ja jedem zu.

I need t i m e to get a picture. Ich brauche m e h r Zeit, mich zu entscheiden. Die anderen waren schneller.
Mein Vorteil – da ich ja nicht weiß, wie diese Menschen wirklich sind, fällt mir das Vergessen leichter. Ich habe keinen der Herren ausreichend kennen gelernt, um ihn wirklich vermissen oder bereuen zu können.

Vorsatz: Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber Dating-Days are over. Von nun an wird wieder nur gefickt. One Night Stands müssen sich nicht mit der komplexen Persönlichkeit des Dick auseinandersetzen. Es reicht, wenn sie ihm einen blasen.

Sekundärer Katatstrophendatings-Gewinn: Dafür, dass mir Menschen immer eher Angst gemacht haben war ich ganz schön mutig.

* Spanien war zu dunkel. Ich tippe auf 2,5.

** Edit: Mir wurde glaubwürdig ge-smst, es habe sich wirklich um den Großvater gehandelt, und ich entschuldige mich hiermit für meine Unterstellung und bedanke mich für die klärende SMS.

GLOOMY SATURDAY

So eine ganz obskure schlechte Laune, die sich aus ungeputzter Wohnung, nicht vorhandener Abendplanung, Sparsamkeit und Abwesenheit sozialer Kontakte zusammensetzte. Auch die Tatsache, dass dank dreier AnruferInnen drei Nachmittag/Abende in der kommenden Woche angenehm verplant sind, änderte nichts an der Stimmung. Selbst der neue Film von Don Roos: Keine Wirkung, im Gegenteil. Dann lagen da, zwischen Gleitmittel und Kondomen noch ein paar Schlaftabletten auf Aminosäurenbasis und dank ihnen Glam um 23.00 Uhr im Bett.
Ausgeschlafen gehe ich jetzt einmal in mich und beginne die Produktion des Textes, der analysiert, woher die schlechte Laune wirklich kam. Morgen auf diesem Blog.

SOMMERZAUBER 3, APRÉS SUN

2000.
Viele Monate später, beim Versuch, sich den Erzauberten hässlich zu reden, alles wie einen dummen Irrtum erscheinen zu lassen, die Große Liebe abzustreifen (obwohl sie angewachsen war), weil sie ihn verlassen hat, wird er immer wieder an dessen Schuhe denken, denn die waren, neben seiner Selbstgerechtheit, sein schlimmstes Attribut. Und tanzen konnte er auch nicht. Wie ein Gummiball. Und das mit den Schuhen.

POSES

glamnov05

The yellow walls are lined with portraits
And Ive got my new red fetching leather jacket
All these poses such beautiful poses
Makes any boy feel like picking up roses

Theres never been such grave a matter
As comparing our new brand name black sunglasses
All these poses such beautiful poses
Makes any boy feel as pretty as princes

The green autumnal parks conducting
All the city streets a wondrous chorus singing
All these poses oh how can you blame me
Life is a game and true love is a trophy

And you said
Watch my head about it
Baby you said watch my head about it
My head about it
Oh no oh no oh no
Oh no oh no no kidding

Reclined amongst these packs of reasons
For to smoke the days away into the evenings
All these poses of classical torture
Ruined my mind like a snake in the orchard
I did go from wanting to be someone now
Im drunk and wearing flip-flops on Fifth Avenue Friedrichstrasse

Once youve fallen from classical virtue
Wont have a soul for to wake up and hold you

In the green autumnal parks conducting
All the city streets a wondrous chorus
Singing all these poses now no longer boyish
Made me a man ah but who cares what that is

And you said watch my head about it
Baby you said watch my head about it
My head about it
Oh no oh no oh no
Oh no oh no well you said
Watch my head about it
Baby you said watch my head about it
My head about it
Oh no oh no oh no
Oh no oh no no kidding

(Rufus Wainwright)