Archiv des Autors: glamourdick

DRUM, GLAM, MERKE:

– des frühen Morgens magst Du glauben „ach was – ein Gläschen trink ich noch, und ein Zigarettchen darauf, dass der Heimweg bewerkstelligt wurde“ – die viertel Stunde wird sich beim Aufwachen böse rächen. Es ist nämlich genau die viertel Stunde, die ab dem 21. Lebensjahr vom Körper absorbiert wird und sich in irreversiblen Hüftspeck verwandelt.
– Eye-Make up-remover heißt wirklich nur so. Du wirst mit den Spuren der Partynacht noch zwei Tage leben müssen, es sei denn du schminkst die Reste über.
– der Überschwang, mit dem Du femde Menschen mit Flyern und betrunken-originellen Sprüchen bedenkst ist vor allem eines: ÜBER.
– wenn Du Dir schon keine Namen merken kannst, dann begrüße nicht alle Männer, deren Namen Du gerade nicht parat hast mit „Hey Dirk!“
– Gehe nie wieder davon aus, dass nach einem Liter Wodka Red Bull vier Stunden Schlaf völlig ausreichend sind, um ein Wochenende im Büro zu gewährleisten. Das ging nur zu Zeiten, als es noch keinen Wodka Red Bull und Vorlesungen statt Bürozeiten gab.
– Höre jetzt gefälligst endlich mal auf, bei offiziellen Berliner Veranstaltungen und im Kulturkaufhaus Dussmann ständig nach Rufus zu fahnden. Andererseits – mit den aufmerksamen Augen nimmt man viel Schönes und Obskures wahr.
– Es ist eine tolle Treppe, aber Du bist nicht Scarlett.
– For my international audience: It´s a great staircase. But you´re not Scarlett.
– Auch, wenn Du im Alter goldblond bist – denke nicht, dass Menschen aus Deiner Vergangenheit dich nicht wiedererkennen, was ja auch ganz schön sein kann, wenn es sich um nette, talentierte Menschen handelt.
– Erwarte nicht, Johannes Heesters sterben zu sehen. Er wird überleben. Einmal mehr.
– Und – Ja. Du kennst den Typen, von dem Du denkst „woher kenn ich den Typen? Und es ist vollständig egal, ob von einem One Night Stand, einer Party bei Freunden oder einer Vorabendserie, die man sich schämt, geschrieben angeschaut zu haben. Würdest Du ihn aus besseren Zusammenhängen kennen, dann fiele Dir auch sein Name ein. Sag also einfach „Hey Dirk!“ und warte ab, wie er sich verhält.
– Gib Deinen Flyer nur attraktiven, freundlichen und/oder attraktiv wirkenden Menschen.
– Danke, Falk Walter, für eine der schönsten Premierenparties ever. Admiralspalast rulez. Auch ohne 3Groschen. The most gorgeous Baustelle of Berlin ever – don´t change a thing!
– und: ein Link von ihm bedeutet zwei Tage in der High Society. Schreibe also für alle neuen Leser verständlich und nicht soviel übers Ficken. Mehr über soziale und asoziale Ungerechtigkeit und praktiziertes Nerd-tum. Decke Lügen auf und schwärze Betrüger an. Also – alles in allem: weiter wie immer in der üblichen Dosis. Aber mit Lidschatten!

FEELS LIKE AUTUMN

Drehbuch gekürzt. Anwaltsanschreiben in Arbeit. Arbeit. Die Wohnung tendiert gen Verwahrlosung und meine Knie sind kalt. In meiner Küche zuviele household appliances. Fehlt eigentlich nur noch ein Waffeleisen. Und warum habe ich eine Terrasse, wenn ich gar nicht dazu komme, mich mal drauf zu setzen?
Und wenn schon Herr Brandauer nicht auf seine 3Groschenparty geht, dann doch wenigstens ich. (Verlässliches Zeichen für Herbst: die Theatersaison beginnt.)

MEINE 3 GROSCHEN oder JUST A SPOONFULL

Ein zehnstündiger Arbeitstag, eine abhanden gekommene Stimme und dann die Erstlesung. And what can I say? Funfuckintastic. Sybilschnittchen, König unbd Königin der Knorrpromenade und Sascha D. – im Grunde brauchen wir das nicht nochmal machen, es war wunderbar gestern! „Leben einhauchen“ trifft es vielleicht ganz gut. Geil geil geil, das Script zu lesen und vorgelesen zu hören. Und organisch ohne Ende, der ganze Tag. Inklusive der Tatsache, dass die Unterlassungsklage gestern noch nicht in der Post war.
Und dann kam noch die Bee mit Kumpel vorbei und ich muss sagen – eat your heart out, Brandauer, alte Rakete: WIR machen´s nur einen Abend, aber wir machen´s RICHTIG. Und ohne Tobsuchtsanfälle!

By the way – ich bin etwas bestürzt über den Mangel an Bestürzung angesichts der Unterlassungsklage gegen mich. Und werde Euch weiterhin über den Stand der Dinge informieren, damit Ihr genau wisst, was man über wenn schreiben darf und, gegebenenfalls, wie teuer das ist. Fest steht – ich werde Herrn Andrés Anwaltskosten keineswegs übernehmen (wie auch? einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen). Kann ich eigentlich wegen eines zerstörten Faxgeräts und Papierverschleiß zurückklagen? (Tatsächlich: 12 mal die ersten beiden Seiten des Schreibens erhalten, aber auch nur die, deshalb kenne ich noch nicht alle Vorwürfe gegen mich. Und wäre meine Tinte nicht aufgebraucht, würde er immer noch drucken. Was sind das für Methoden?)

GLAM ÄUSSERT FREI SEINE MEINUNG

Ich darf über jemanden schreiben, dass er mich belogen betrogen verarscht hat, dass er vermutlich ein Psychopath ist, dass er eine Spur der Verwüstung hinterlässt wo immer er seine feigen tränigen Augen trüb schimmern lässt, aber bei dem Begriff „XXXXXXXXXXX“ wird ein Anwalt strapaziert. Schon bezeichnend, was der Herr alles NICHT abstreitet. Und das spricht durchaus für die Fähigkeit seiner Anwältin. Bin sehr gespannt, was mein Anwalt dazu sagt. Es handelt sich ja schließlich bei dem Kläger um eine weltberühmte, öffentliche Figur, deren Anonymität ich Zeit meiner Berichterstattung gewahrt habe. Sicherlich auch nicht uninteressant für den Rest der Blogsphere. I´ll keep you posted.

A BLOGGER´S NERVKRAM

Und wo ich eigentlich den Abend luxuriös mit einem Glas Rotwein Blogs lesen wollte, musste ich mich mit meinem Faxgerät herumärgern. Und der in 40facher Ausfertigung gefaxten Formulierung einer Unterlassungsklage. Wobei mich die Tatsache mehr nervt, dass diese Unterlassungsklagenformulierung in 40facher Ausfertigung gefaxt wurde, als die Klageformulierung selbst. Denn die ist substanzarm. Terror nenn ich das.

GLAMS TANTE ELLI

Am Samstag das erste Mal in 38 Jahren Tante Elli beim Abschied umarmt. Tante Elli ist eine Nenn-Tante, eine Freundin meiner Mutter. Bis zu ihrem 60. Lebensjahr war sie auch die Konditoreifachverkäuferin und Bäckersgattin im Dorfe meiner Kindheit. Außerdem die schönste Blondine vor Ort, Zigarettenraucherin und sehr sehr freundlich. Tatsächlich war sie diejenige, die Kleinglam das erste Mal mit „Na mein Stern, was darf es sein?“ begrüßte und mir mehr als einmal die Woche ein Milchhörnchen spendierte, weil ich ein hübsches, artiges Kind war. Tante Elli hatte drei sehr hübsche Kinder. Katrin war die beste Freundin meiner Schwester. Christoph war mein bester Freund und dann gab es noch einen älteren Bruder, dessen Namen ich vergessen habe und der vielleicht der attraktivste der 3 war und sehr rebellsich, weshalb er selten erwähnt wurde. Eleganz und Attraktivität waren Tante Elli immer wichtig. So kündigte sie einer Konditoreifachverkäuferin, weil diese immer dicker wurde. Als ihr Sohn Christoph einen Fahrradunfall hatte (so richtig mit halbem Gesicht auf der Straße lassend) wannte sie sich weinend an meine Mutter „Was, wenn das nicht verteilt – ich kann ihn nicht im Krankenhaus besuchen, ich kann nicht in ein zerstörtes Gesicht schauen. Stell dir vor, der wird entstellt sein! Ich kann solche Gesichter nicht ertragen. Ich kann keine hässlichen Menschen sehen.“

Tate Elli raucht nicht mehr, hat jetzt gesträhntes Haar, trägt Chanel-Nachahmungskostüme und eine kesse Brille. Sie ist immer noch sorgfältig zurechtgemacht aber hört nicht mehr gut. Das ist nicht verkehrt, denn ihr Mann labert nur Scheiße. Tante Elli redet über Blumengeschenke, Stadtreisen, Geburtstagsfeiern und Freizeitsport. Es gibt viele viele Themen, die mit ihrer eigenen Familie zu tun haben (und mich sprichwörtlich tangieren aber grundsätzlich nichts angehen und deshalb unerwähnt bleiben sollen), über die sie nie sprechen würde. Weil Ästhetik ihr höchster Wertmaßstab ist, wird das Hässliche totgeschwiegen. Und da gab es viel Hässliches. Es sind mir in meinem Leben noch viele Tante Ellis begenet, die ich für ihre Schönheit und ihre Freundlichkeit bewunderte. Und die irgendwann in ihrer Substanzlosigkeit nehzu uninteressant wurden, sogar noch bevor ihre hübschen Hüllen den Zenith überschritten hatten. Deren Hüllen fielen und ein kleines Häufchen selbstverachtenden verkrumpelten Selbsts freigaben. Vielleicht liegt es aber einfach daran, dass Freizeitsport bei mir nur selten Thema ist. Und auch ich zwar von Hüllen leicht zu blenden bin, aber nicht dauerhaft, und dass ich auf die Füllung mehr Wert lege. Es hat lange gedauert, ja. Am Samstag also, fand ich Tante Elli optisch einwandfrei aber ansonsten so richtig Scheiße. Wenn sie redete, dann hörte ich nur die Geschichten, die sie ausließ. Ich dachte an ihre Kinder, die unter dem absurden Attraktivitätsideal der Mutter zu leiden hatten und haben. Und daran, dass sie sich das selbst nie eingestehen kann. Und da musste ich sie in den Arm nehmen.

Apropos Füllung: Bei Kindergeburtstagen brachte Christoph als Geschenk immer gefüllte Pfannkuchen mit. In einem davon war ein 50-Pfennig-Stück versteckt. Das fand IMMER er. Und fand das nicht einmal ungerecht!