Archiv des Autors: glamourdick

DAS WOLLTE TOBIAS VON MIR WISSEN

+Einen One-Night-Stand gehabt.
+Für Sex bezahlt oder bezahlt worden.
Sich über das Internet verliebt.
+Sich nackt vor Fremden gezeigt.
Den nackten Hintern fotokopiert.
Heimlich im Schwimmbad nackt gebadet.
Einen Striptease vorgeführt.
+ Ich liebe Dich gesagt und so gemeint.
+Candlelight-Dinner mit einem lieben Menschen gehabt.
Eine Tabledance-Bar besucht.
Geheiratet.
Ein Haus oder eine Wohnung gekauft.
+ Einen Baum gepflanzt.
Kinder gezeugt oder bekommen.
Geschieden worden.
+Eine Affäre gehabt.
+Im Regen geküsst.
+Im Regen getanzt.
+Heimlich in der Öffentlichkeit gevögelt.
+Sich verliebt und das Herz gebrochen bekommen.
+Jemandem das Herz gebrochen.
+Jemanden vergeblich geliebt.
+Jemanden geliebt den man nicht lieben darf.
+Jemanden 20 Minuten nonstop geküsst.
+Länger als einen Monat um eine alte Liebe getrauert.
+Blumen von einem Fremden bekommen.
+Herausgefunden, dass manche Düfte geil machen.
Das Moulin Rouge von innen gesehn.
Sich mit jemandem geprügelt, um eine/n Mann/Frau zu beeindrucken.
In einen Kampf verwickelt worden, weil man jemandem helfen wollte.
+Die Nacht durchgemacht und den Sonnenaufgang beobachtet.
+Eine Nacht unter freiem Himmel verbracht.
Mond und Sterne durch ein Teleskop betrachtet.
Einen Sternschnuppenregen beobachtet.
+Eine Sonnenfinsternis live gesehn.
+Um Mitternacht am Strand spaziert.
Ein Tattoo machen lassen.
+Ein Piercing stechen lassen.
Ein Intimpiercing stechen lassen.
Eine Schönheits-OP gehabt.
Im Restaurant zu Fremden gesetzt und mit ihnen gegessen.
+Ein gutes Gespräch mit einem Bettler oder einer Hure geführt.
+Einen 800-Seiten-Roman gelesen.
Bei einer TV-Show mitgespielt.
+In einem Film mitgespielt.
+Ein eigenes Buch geschrieben.
+Einen Artikel in einem großen Medium veröffentlicht.
+Das eigene Bild in der Zeitung gesehn.
Als DJ gearbeitet.
+Filmdialoge auswendig gelernt und bei Gelegenheit zitiert.
+Eine Musik-CD aufgenommen.
+Die CD-Sammlung alphabetisch sortiert.
Risiko um die ganze Welt gespielt.
In einem Chor mitgesungen.
+Laut im Auto gesungen und nicht aufgehört, als es Passanten bemerkten.
+Entdeckt, dass jemand deinen Blog kennt, der es nicht kennen sollte.
Für ein öffentliches Amt gewählt worden.
+Ein völlig neues Leben in einer neuen Stadt begonnen.
+Die Haarfarbe gewechselt.
+Den Namen gewechselt.
+Paris besucht.
+London besucht.
New York besucht.
+Einen Berg bestiegen.
Die Nordlichter gesehen.
Eine Weltreise gemacht.
Eine Wildwasserfahrt mitgemacht.
Als Backpacker Europa besucht.
+Den Kölner Dom oder das Ulmer Münster zu Fuß bestiegen.
Alle 16 Bundesländer bereist.
Fallschirm gesprungen.
+Urlaub auf einer Trauminsel gemacht.
Mit einem Heißluftballon gefahren.
Tauchen gewesen.
Die Chinesische Mauer bestiegen.
Mit einer Gondel durch Venedig gefahren.
In einem aktiven Kriegsgebiet gewesen.
+Mit einer scharfen Schusswaffe geschossen.
Auf einem Kreuzfahrtschiff gereist.
+Mehr als eine Fremdsprache gelernt.
+Eine Fahrradtour gemacht.
Die Golden Gate Brücke überquert.
In einem Hubschrauber geflogen.
In einem Sportflugzeug geflogen.
In einem Kampfjet geflogen.
Sex in einem Flugzeug gehabt.
Alle 7 Kontinente bereist.
Testfahrt mit einem Ferrari gemacht.
+Ein Gewitter auf hoher See oder im Hochgebirge erlebt.
Eine Runde im Lokal geschmissen.
Kürzlich eine Schneeballschlacht gemacht.
In Eiswasser gesprungen.
+Einen Baum umarmt.
+ Mit Champagner betrunken.
+So betrunken gewesen das du dich an nichts mehr erinnerst.
+Eigenes Gemüse gezüchtet und gegessen.
Eine Kuh gemolken.
+Ein Pferd geritten.
+Ein Tier beerdigt.
5 Tage lang gefastet.
Haifisch gegessen.
Sushi gegessen.
Selbst gesammelte Pilze gegessen.
+Aus Resten ein großartiges Gericht zubereitet.
+Eine Diät gemacht.
+In einen Swingerclub gegangen. (Das ist bei uns aber anders bezeichnet.)
+Einen Lachanfall bekommen.
Eine Vogelspinne in die Hand genommen.
Bungee gesprungen.
+Einen ganzen Tag im Bett verbracht und nicht krank gewesen.
+Wie ein Verrückter getanzt und nicht auf andere geachtet. Ständig!
+Eine lebensgefährliche Erkrankung gehabt.
+ Wie durch ein Wunder einen Unfall überlebt.
+Einen Knochen gebrochen.
+Über das eigene Leben gefreut, wenigstens für einen Moment.
Die Geburtsstätte der Großeltern besucht.
+Die ehemalige Schule besucht.
Das Lieblingsspielzeug aus der Kindheit nochmal gekauft.
Deinen besten Freund verloren.
+Eine gute Party geschmissen.
+Ein Verkehrsschild gestohlen.
+Eine Fensterscheibe zerschlagen.
+Etwas getan haben, das man bereuen müsste, aber nie bereut.
+Sich nach Jahren bei jemandem dafür entschuldigt, dass man ihn verletzt hat.
+Jemanden von einer Sache überzeugt, die einem selbst sehr wichtig ist.
+Eine Kampfsportart erlernt.
Den eigenen PC aus Komponenten zusammengebaut.
+Im Job gefeuert worden.
+Ein Unternehmen gegründet.
Die Steuererklärung verstanden.
Bei dieser Liste mindestens einmal gelogen

Jetzt fühl ich mich ganz spießig. Hm. So. Wer Stöckchen will, Stöckchen nehme.

DIE GLAMMYTHEK: BLONDER LEBEN MIT HERRN DICK

Wo ich einmal mehr beweise, dass man mit den unterschiedlichsten Berufsgruppen schlafen sollte: Als der Stylist aus meinem Bad kam und sich wieder zu mir ins Bett legte, schüttelte er den Kopf.
„Die ganzen Haarpflegemittel, die Du besitzt, sind Schrott. Kannste in die Tonne kloppen.“
„Aber Panthene pro V ist doch von einer Frauenzeitschrift zum beliebtesten Produkt-„
„Vergisses,“ unterbrach er mich, „Essigwasser musst Du nehmen.“
„Und Stiftung Warentest-„
„Den letzten Spülgang mit Essigwasser.“
„Riecht das denn nicht etwas na ja?“
„Das verfliegt.“
Wochenlang bin ich skeptisch geblieben, bis eines morgens mein Blick auf eine gnadenlos leergequetschte Tube L´Oréal Postblondierungs-Kur fiel und leise Panik ausbrach (nicht zu verwechseln mit lauter). Haare waschen war unumgänglich, Kuren unverzichtbar, und so fielen mir die weisen Worte des Stylisten wieder ein. Seitdem experimentiere ich mit der richtigen Mischung. Ein Esslöffel auf einen Liter Wasser ist zu wenig. Bei drei Esslöffeln riecht der Kopf wie ein schlechter Kartoffelsalat. Da hilfts dann nichts – da knete ich etwas Drinlass-Kur rein, das übertüncht den Essig-Geruch und L´Oréal geht auch nicht pleite (ich meine, ich will nicht schuld sein, wenn sie Beyoncé auf die Straße setzen müssen). Der Kur-Effekt ist übrigens doll. Jetzt frage ich mich natürlich, weshalb ich jahrelang mit Tierärzten geschlafen habe. Da konnte ich vergleichsweise wenig lernen, außer, dass man selbst beim Notdienst nicht zu einer Omi fährt, deren Kanarienvogel regungslos auf dem Käfigboden liegt, mit Füßen nach oben. „Und deshalb wecken Sie mich?? Das ist ja wohl zu spät, gute Nacht.“

BLOODY SUNDAY

Am nächsten Tag weiß man es immer besser. Dafür sorgt schon der eingebaute Phobiemotor, der einen mit Herzrasen aufwachen lässt, aus einem Schuldgefühl heraus. So ein Tag mit sich allein, einem Roman-Hangover zu Musik, führt nun mal zu Selbstbesinnung. Schade, dass das Besinnen in arger Selbstkritik und einer Beschuldigung an die ungerechte Welt ausufert. Dann wacht man vorm Fernseher auf, sieht Désirée Nick und wundert sich, warum man sie symapthisch findet. Nach einer viertel Stunde wird klar: man ist vorm Videorecorder eingeschlafen – die Désirée Nick dort ist zehn Jahre her, damals war sie noch symapthisch. Und man denkt an vor zehn Jahren, als noch DMark auf dem Konto war, eine professionelle Zahreinigung für 80 Mark und nicht für 80 Euro zu haben war. Und schaut auf die Uhr und könnte eigentlich gerade bei dem netten Dinner sitzen. Aber man liegt auf dem Bett, kraftlos und ausgepowert. Könnte sich im Grunde jetzt aufraffen, ins Auto setzen und doch noch hinfahren. Und schafft es nicht. Und denkt an die Therapeutin und ärgert sich noch mehr über sich selbst.

WEAK IN THE PRESENCE OF BEAUTY oder GLAMS WORT ZUM SONNTAG oder GODS ON TV

lulu
(Louise Brooks, A.G.)

Selten hat mich ein Buch so erschlagen vor Schönheit, waren Stimme und Erzähltes so perfekt verbunden. Die letzte Seite gelesen zu haben, war, als ob jemand stirbt. Die Geschichte ist wie ein Blitz in die Seele geschlagen und der Blitz fasert jetzt innen aus. Und kitzelt Assoziationsketten, Erinnerungen hervor. Der Leseprozess mochte eskapistisch gewesen sein, aber, was das Buch ausgelöst hat, wurzelt jetzt in meiner Realität.

– Flashes meines ersten Romans, den ich Ende der 80er geschrieben und den außer mir nur zwei Leute gelesen haben. (Woran sich nichts ändern wird.) Er hieß, in Anlehnung an Shakespeare, nicht Faulkner, „Sound and Fury“ und hatte eine Harpye als Hauptfigur. Ein schwuler Ödipus und ein paar Sirenen kamen auch drin vor. Alte Götter eben, die mir immer viel sinnvoller vorkamen als der eine, den es im Christentum gibt. Was sicherlich damit zu tun hat, dass es für mich viel einfacher ist, das Göttliche vielfach im Einzelnen, bzw den Dingen und den Menschen zu sehen, als anzunehmen, dass es eine einzige Quelle dafür gibt. Ganz abgesehen davon, dass mir das Konzept eines Satans, der für das Böse verantwortlich sein soll, nie einleuchtete. Die Hölle ist die Welt. Und man kann sie aushalten, wenn man sich die kleinen erhabenen Schönheiten hervorkramt, die sich irgendwie hierher verirrt haben. That is not religion, that is just a (very helpful) perspective. Appreciation. I´m not fit for religion. Trotzdem hat das Konzept der Mama-ji, der Göttin Kali, die für Zerstörung, Reinigung und Erneuerung zugleich steht, mehr mit meiner Welt zu tun als jemand, der von sich behauptet, Gottes Sohn zu sein. Geschweige denn Gottes Urheberrechtsanwalt. Für mich ist der christliche Gott einfach ein Archetyp, der für einige, aber nicht für mich funktioniert. Sowas wie Derrick im Fernsehen.

– Das Alte und das Neue: Wer ich einmal war und wer ich heute bin. Die Entscheidungen, die ich treffe sind neu, die Nicht-Entscheidungen sind alt. Ist jede Vermeidung etwas Altes? Die Tatsache, dass ich heute nicht der charmanten Dinner-Einladung folge eine typische Sozialphobie-Taktik oder doch eine ganz logische Konsequenz aus einer der lautesten Wochen meines Lebens? (Donnerstagabend musste ich eine Party verlassen, weil ich den Lärm nicht mehr ertragen konnte. Zuviel Zeit am Telefon in einem Großraumbüro does that to you. SOUND => FURY eben.)

IMG_0375

„Life’s but a walking shadow, a poor player who struts and frets his hour upon the stage and then is heard no more. It is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.“

THE ELITE MEET

In a clump of trees at the bottom of the hill, an elderly wampyr offered a Marlboro to a huge, naked ape-like creature covered with a tangle of orange fur. It accepted graciously, and they smoked in silence, side by side.
(…)
A once famous comedian, believed to have died in the 1920s, climbed out of his rusty car, and proceeded to remove his clothing: his legs were goat legs, and his tail was short and goatish.

American Gods, Neil Gaiman

DIE GÖTTER UND LOUISE BROOKS

Liege so in der Hollywoodschaukel rum, Sonne scheint, Ipod shuffelt, eine Gardenienblüte duftet durchdringend, lese „American Gods“. Die Götter reisen gerade in einem Hippie-VW-Bus in die Mitte Amerikas, eine Schweinefarm irgendwo in Kansas. Der Ipod shuffelt auf „Caravan of Love“. Passt.
„This land, this very land gave us the greatest movie star of all times. She was the greatest there ever was.“
„Judy Garland?“ Shadow asked.
Czernobog shook his head curtly.
„He´s talking about Louise Brooks“, said Mr Nancy.

Schaue an mir runter, genauer gesagt auf die Brust. Louise Brooks schaut mich mysteriös von meinem Louise-Brooks-T-Shirt an, in einer Art mysteriös wie das ausschließlich Louise Brooks zu tun pflegt. Eine Windböe whifft eine weitere Dosis Gardenie herüber und einer dieser großen grauen Vögel fliegt mit einem höhnischen Krächzer über mein Dach.
It´s alright – alright.

PAPIERKORB ESSEN FASSBINDER-BEITRAG AUF

Eigentlich steht hier aus gegebenem Anlass ein Beitrag über Rainer Werner Fassbinder und seinen Clan. Die Art und Weise wie Glam immer wieder auf Fassbinder-Epigonen trifft, die über kurze oder längere Zeit sein Leben begleiten. Aber das las sich wie ein Paul Sahner-Interview. Gestrig anekdotisch, also wanderte der Text in den Müll.
Der gegebene Anlass bleibt allerdings bestehen, denn heute ist im Theater Aachen Uraufführung von Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ in der Regie von Cora Frost. Wer also in der Aachener Gegend lebt, sollte sich das anschauen.