Archiv des Autors: glamourdick

DAS IST DIE LIEBE DER MATROSEN oder ALWAYS THE BRIDE´S MATE

Ich hab ja nichts gegen Hochzeiten. Vielleicht weil ich in meinem erwachsenen Alter erst auf zweien war: der meiner Schwester und der von Freundin N. aus M. Die meiner Schwester war etwas rustikal, aber okay, die von Freundin N. aus M. ziemlich traumhaft. Kleine Kirche am Ammersee, wo man offenbar den Katholizismus und gleich danach das „Grüß Gott“ erfunden hat, dann eine Bootsfahrt mit Getränken und im Anschluss eine wirklich coole Mischung aus Freunden und Familie bei feinen Speisen am Seeufer. Und meinen ersten Bayern habe ich dort auch (u.a.) geküsst. Zwei Hochzeiten also, in den vergangenen 15 Jahren. Scheint, dass meine Leute nicht heiraten, was möglicherweise mit der sexuellen Orientierung zu tun hat.
Dann bekomme ich gestern die folgende Mail:
„Lieber Glam, wir haben einen Anschlag auf Dich vor: Bitte nimm Dir für den 5. und 6. Januar nichts vor. Wir heiraten. Ich möchte, dass Du mein Trauzeuge wirst. Dein H.“

Da habe ich mich gefreut, weil ich ziemlich sicher bin, dass das die coolste Verbindung seit Wodka und Eis wird. Freund H., ein ehemaliger Matrose, den ich noch aus Pornozeiten kenne, heiratet seinen Boyfriend. Und ich bezeuge den Bund. Das ist mir ein Fest und eine Ehre. Denn, wenn zwei, dann die.

MIETE ODER MODE? MODE.

Und dann noch in der Mail: Benachrichtigung über den Musterkollektionsverkauf meines drittliebsten Designers.
Musterkollektionsverkauf ist für mich ein erotischer Begriff. Musterkollektionsverkäufen verdanke ich den Großteil von Designerkleidung in meinen Schränken. Die gibt´s dort nämlich zu Preisen normaler Markenkleidung und sogar eine Saison vorweg. Termin nächste Woche. Und nicht einmal in Düsseldorf sondern in Berlin. Bei Musterkollektionsverkäufen in Düsseldorf stehen schon morgens um halb neun Schlangen von stark parfümierten, angestrengt schick gekleideten Menschen vor den Heiligen Hallen der internationalen Modeagentur I., um sich nur kurze Zeit später raubtierartig alles aus den Händen (und vom Körper) zu reißen, was nur halbwegs nach einem (wenn auch teuren) Schnäppchen riecht. Viele haben transportable Kleiderstangen dabei, grabschen sich Ärme voll Mäntel Sakkos Pullis aus den Regalen und hängen sie profilaktisch auf ihre persönliche Stange. Mangels Umkleidekabinen strippen sie in der Lagerhalle und probieren Sachen, die ihnen dann doch nicht passen, was sie nicht stört, solange D&G draufsteht (zur Not gibt´s ja noch Ebay). Da es sich um Musterware handelt, die für Laufstege und Modestrecken gefertigt wurde, gibt es nur zwei Größen: Male model und Nicole Ritchie. Ich bin sehr gespannt, ob die Berliner angesichts des Sales auch orangefarben anlaufen oder ihre vorgetäuschte urbane Langeweile bewahren. In jedem Fall wird es ein Spaß sein, sich schon morgens um neun mit ein paar Fashion-Junkies zu prügeln. Zumal ich ja auf stylishe Männer stehe.

„Oh – is that an Armani suit you´re wearing?“
„Yes!“
„What´s your job?“
„I´m an Armani salesman.“
„Well, I just cut my foot and my shoes are filling up with blood. I think I need to go home.“
(aus „Romy and Michele´s High School Reunion)

Manche meinen ja, Designerkleidung sei vollkommen überflüssig. Die meinen das oft mit einer solchen Intensität, dass sie fast vegan rüberkommen. Ich finde, alles, was einen Menschen optisch aufwertet, müsste eigentlich von der Krankenkasse bezahlt werden. Eine Fassade mit Stuck wirkt auf das Haus und auf den, der davor steht. Gemäßigte Gemüter argumentieren, dass es doch gewissermaßen rausgeschmissenes Geld sei – eine Saison, dann kommt schon wieder was Neues. Nein. Kann ich da ganz beruhigt und aus Überzeugung sagen. Denn seit Julia Roberts in einer 20 Jahre alten Valentino-Robe ihren Oscar entgegennahm, darf man getrost vor jedes Kleidungsstück, das älter als last season ist, ein „Vintage-“ setzen. Doll, oder?!

And last, not least, Dahlings – you can never ever have enough accessories…

I DON´T LIKE IT HERE ANYMORE oder AKNE VULGARIS

Dieser seit letztem Jahr bestehende Trend zum Goldenen Herbst ist doch nichts als eine kosmetische Maßnahme der Natur, darüber hinweg zu täuschen, dass es zu kalt zum Schwimmen ist, dass der kommende Winter selbst die winterhärtesten Balkonpflanzen killen und sich weit in den Frühling hinauslagern wird.
Die gleißende Fassade täuscht nicht darüber hinweg, dass die Scheißstadt ihre Bewohner nicht lieb hat. Früher startete die Berlinkrise für mich erst im Januar/Februar, wenn´s draußen richtig unerträglich wird. Dieses Jahr finde ich den Herbst, der sich als Fake-Sommer tarnt, viel bezeichnender und charakteristischer. Bloß auf Hübsch machen. Botox for the capitol. Berlin sucks. And I´m sick of sucking back. Was für die Stadt gilt, triff momentan ebenso auf die Blogsphere zu. Früher war´s inspirierend, momentan ist es größtenteils langweilig bis ärgerlich. Wie eine Schulklasse in der Pubertät. Einige sind schon gefickt worden und können drüber prahlen, andere sehnen es herbei und werden heimlich enttäuscht sein. Über dem ganzen liegt der Geruch von ollem Linoleum. Die Hormone? Ich geh jetzt in die Raucherecke und höre Bauhaus.

THERE´S ROUGHER STUFF THAN HAVING NO MONEY

Heute wäre er ins Krankenhaus gekommen, gestern riefen sie ihn an und sagten ihm, dass die OP um eine Woche verschoben werden müsse. Der Chirurg habe das Wochenende durchoperiert, die Intensivstation, auf die er nach der OP kommen wird, sei voll. Er hat in den letzten Wochen, Monaten mehrere Kilo Gewicht verloren. Immer diesen Termin vor Augen. So dass einen Tag vorher schon fast Erleichterung eingetreten war angesichts des Eingriffes, auf den er so vorbereitet wurde:
„Machen wir uns nichts vor. Sie könnten nach der Operation im Rollstuhl sitzen. Aber wenn wir sie nicht durchführen, dann landen Sie da in jedem Fall.“
Und jetzt hat er eine weitere Woche vor sich, in der er sich das Schlimmste ausmalen kann. Durch den Brustkorb in den Rücken. Und wir alle zittern mit. Und werden eine Weile länger nicht sehr perky sein.

DIE WELT AM SONNTAG

Das war ein sehr sehr angenehmes Wochenende, an dem ich doch tatsächlich zwei Tage hintereinander frei hatte, Zeit zum „Dead like me“ schauen (wird mit jeder Folge besser, selbst meine Abneigung gegenüber der Hauptdarstellerin bröselt ein wenig, dankeschön Tod Spango!), Zeit zum Putzen und Sortieren und Zeit ein paar nette Menschen wieder zu sehen, die ich nicht so häufig sehe. Statt Katewalk gab es einen Walk with Freundin N. durch Kreuzberg, einen Saisonabschluss im Minki-Garten, sowie surreales Markttreiben in Treptow. Zwei Menschen mit gelben Kraken liefen auch an uns vorbei und Haschisch und selbstgemachte Postkarten wurde mir offeriert, dafür hatte ich jedoch keine Verwendung. Trotzdem gut zu wissen, dass man in Kreuzberg auch am Sonntag fast alles kaufen kann – Schrippen, Kraken, Lampen, Bohrmaschinen, Drogen – nur die Welt am Sonntag war nicht zu bekommen.

THAT´S NOT GLAM

Wenn man am Telefon eine nicht nur grenz-, sondern echt debile, ständig, als wolle sie einen verarschen, „Nu“-sagende Mändy hat, die gar nicht drüber wegkommt, dass man ihre Telefonvorwahl nicht kennen kann, da sie in Hoyxterwoerdow Ortsteil Arsch-Falte wohnt und sie bei der Adressaufnahme (sie wohnt im Rudolph-Streptophestkotz-Hagen) freundlich fragt „Können Sie das buchstabieren“ und sich die Antwort („Nein“) schon im Kopf gibt.

DIALOG MIT SONNTAG

Selten hab ich es erlebt, dass ein Tag so freundlich und doch mit so deutlichem Nachdruck sagt „Please, Glam, take me katewalking!“ Er hat das wirklich nett gesagt und ich hab ja eh noch nichts vor. So who am I to disagree?!