1. avviso 29.Oct. – 18:25
hi 🙂 dringende anfrage, der ausdruck: „ein nackter schwanz“ ist eine tautologie oder?
danke 🙂
2. GlamourDick 29.Oct. – 18:30
gewissermaßen schon. indes ist ein weisser schimmel eindringlicher tautologisch als ein nackter pimmel. in unserem kulturkreis bewegen sich ja penisse häufig im verborgenen, tagsüber, zumal in ländern wo es kalt ist.
3. avviso 29.Oct. – 18:31
naja schon. aber der penis ist ja an sich immer nackt. den kannst ja nicht extra anziehen.
4. GlamourDick 29.Oct. – 18:33
dann wäre es ja ein strap-on-dildo. und das ist nun wirklich kein penis, nur ein inadäquates trostpflaster.
5. avviso 29.Oct. – 18:33
naja eben, das mein ich ja
8. GlamourDick 29.Oct. – 18:36
on the other hand… einen schimmel gibt es ausschließlich in weiß, aber verpackte penisse sind ja quasi all over the place! denaturiert ist das.
9. avviso 29.Oct. – 18:38
die penisse sind verpackt aber darunter sind sie immer nackt. geht ja nicht anders. sonst ist er ja kein penis. man weiss ja nix von seinem vorhandensein. man kann ihn ahnen und vermuten, aber er ist und bleibt angezogen. daher also nackter penis. …hallo?? eh klar. so dumm wie die weibliche vagina und der männliche penis.
10. GlamourDick 29.Oct. – 18:42
der gedanke an eine männliche vagina macht mir angst.
11. avviso 29.Oct. – 18:43
mir auch, wobei der gedanke an einen weiblichen penis nicht schöner ist…. sags nicht den transen
12. GlamourDick 29.Oct. – 18:45
ich werde stillschweigen. man will ja auch keine falsche hoffnung streuen, man weiß ja wie das endet.
13. avviso 29.Oct. – 18:46
so, wie denn?
14. GlamourDick 29.Oct. – 18:52
ich möchte gar nicht darüber nachdenken. lass uns das thema wechseln. wie wär´s mit penissen?
Archiv des Autors: glamourdick
ERHÖHTE TEMPERATUR
Fieber. Ein Prozess der Gesundung. Soll man nicht künstlich unterbrechen. Schlief ich also während eines Fernsehprogramms ein. Weiß nun nicht, ob Daryl Hannah als Ameise die Weltherrschaft hat. (Holt sie gar Johnboy Kennedy zurück?)
Um 2.00 aufgewacht, verschwitzt, hustend. Wieder eingeschlafen. In Stundenrhythmus weiter: aufwachen, husten, wieder einschlafen. Jedes Mal jedoch mit dem Bild eines Mannes dieses Sommers vor Augen. Am Präsentesten die Nachtviola. Aber auch der HIV-Bomber hatte einen nächtlichen Gastauftritt. Er ist übrigens nach wie vor in den blauen Seiten unterwegs, mit ständig wechselnden Namen. Beim endgültigen Aufwachen patschnass. Hair like doormat. Gesicht wie Sitzsack. Und dann fiel mir wieder das mit dem abgeschleppten Wagen ein: vorgestern direkt vor dem Halteverbotsschild geparkt. Gestern Wagen gesucht, nicht gefunden. Aber ein um eine Autolänge verschobenes Halteverbotsschild.
SCHLAG NACH BEI SHAKESPEARE

Skandal!
STARIMBISS
Auf dem Rückweg vom Krankenhaus stellen wir fest, dass wir beide keine Lust haben, Abendbrot zu machen und beschließen, in P., dem zweiten Dorf links von L. am Imbiss halt zu machen. P. ist eigentlich kein richtiges Dorf. Läge P. im Osten, dann hieße es nicht P., sonder O. OT P. (O. ist nämlich das erste Dorf links von L.) P. ist also eher ein Fleischereibetrieb mit Imbiss und eigenem gelben Ortsschild, direkt an der B 824(Zahl von Glam geändert).
Der Parkplatz vorm Imbiss ist fast leer. Ein LKW und ein PKW und mit unserem dann schon zwei. Der Fleischereibetrieb hat eine neue Halle oder ein neues Schild an einer alten Halle. „Direktverkauf“. Im Süden hieße das „Outlet“. Kotlett-Outlet. Wurschtsaisonverkauf. Aber ist ja Niedersachsen, also Direktverkauf, direkt vom Schwein. Konzentrieren wir uns wieder aufs Abendbrot. Wir gehen in den dunkelrot gefliesten Imbiss. Der Typ hinterm Tresen kommt mir bekannt vor, eine Sekunde überlege ich. Das ist doch Peter F., der vor ca 20 Jahren das Café in der Nähe des Gymnasiums hatte, wo ich immer meinen Sportunterricht und manchmal „Werte und Normen“ und Physik verbracht hatte. Der war nett, der hatte nicht gegen mich, obwohl ich als Junghomo vom Rest der Stadt gehasst wurde. Im Gegenteil, der spendierte auch mal einen Kaffee und tat das, was sonst niemand tat – nahm, mich für voll. Und wenn ich bei dem im Café war, da konnte mich niemand anpöbeln, da fühlte ich mich sicher. Das Café lief ziemlich gut, er entthronte damit zwei andere Läden – das Oma-Café in Marktplatznähe und den alteingesessenen stinkigen Pub. Hübsch war er auch noch, der Peter, aber ganz entschieden hetero.
Jetzt ist das ja nun fast 20 Jahre her. Und vor zwanzig Jahren sah ich etwas anders aus – Nicole Richie von Statur, schlohweiß von der Hautfarbe und blauschwarz das Haupthaar. Und ich grüße die Leute in L. und Umgebung kaum, weil ich denke, die erkennen mich eh nicht. Ist vielleicht kein schöner Zug, ist aber so. Und es war mir auch unagenehm. Peter hatte dieses wahnsinnig gut laufende Café und jetzt steht er hier im Imbiss. Und ich – na ja, meine Karriere verlief auch schon mal in der anderen Richtung.
„Hey, Dich kenn ich doch. Du bist doch Glam! Und sag mal, hab ich Dich letztens im Fernsehen gesehen? Mit dem Bart hätt ich Dich jetzt fast nicht erkannt!“
Ich habe das zweifelhafte Glück in der im deutschen Fernsehen am wahrscheinlich Häufigsten wiederholten Folge von „Wahre Liebe“ zu sein. Neben der Pornoqueen steh ich tatenlos nervös rum und halte einen Preis für ihr Lebenswerk, den man ihr (schon zum zweiten Mal) verliehen hat. Ohne das Versprechen eines Preises wäre sie nämlich erst gar nicht zur Verlehung erschienen. Unglaublich, wie viele Menschen das gesehen haben und mich (und meine Eltern) darauf ansprechen.
„Hast Du nicht auch für diese Pornoqueen geschrieben?“
Erstaunlich auch, dass ich für die Pornoqueen nie amtlich als Autor tätig war und trotzdem alle, wirklich alle davon ausgehen, dass ich ihr Ghostwriter war. Und in dem Beitrag stand ich einfach nur im Bild, es ging gar nicht um ihr Schreiben.
Ich lächle ihn an. „Hast Du eigentlich noch das Café oben am Gymnasium?“
„Schon lange nicht mehr. Ich hatte danach noch eins in der Stadtmitte, jetzt aber nicht mehr.“
Die Stadtmitte wirkt wie einige Wohngegenden in meiner Schulstadt auch – wie ein Bombenkrater oder eine postnukleare Geisterstadt. Dichtgemachte Läden, ganze Straßenzüge die leerstehen.
„Aber der Imbiss, der läuft. Super Lage, hier an der Straße. Viele LKWs auf Durchfahrt und so.“
Und er wirkt nicht frustriert oder resigniert. Und er sieht immer noch ziemlich gut aus. Und zu Hause packen wir unseren Einkauf aus und ich sehe, er hat mir eine Currywurscht extra eingepackt.
ICH BIN AUSGEWESEN. ICH HABE GESEHEN: HOSPITÄLER. ICH HABE EINEN MENSCHEN GESEHEN, WELCHER SCHWANKTE UND UMSANK*
Heute morgen in der Goslarschen Zeitung: im August nahm sich der Patient der Krebs-Station einer Goslarschen Klinik das Leben, nachdem er das qualvolle Sterben seines Zimmernachbarn über mehrere Tage hinweg miterlebt hatte und sich einen ähnlichen Ausgang ersparen wollte.
Muss man heutzutage noch unter Qualen sterben, wo es Schmerztherapien für´s Endstadium gibt?? Haben Kranke ein Anrecht auf Menschenwürde oder trägt man sich aus dem Grundgesetz aus, wenn man sich in eine Klinik begibt? Muss ich noch hinzufügen, dass die Klinik den selben Betreiber hat wie die, in der mein Vater gerade liegt? It´s not fucking Grey´s Anatomy…
*R.M. Rilke. Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
MAL GANZ WAS ANDERES oder ROBBIE´S BACK
Also ich muss sagen, mir gefällt die „Rudebox“ ausgesprochen gut. Und zwar um Längen besser als die davor, deren Namen ich prompt schon wieder vergessen habe.
SICK
Seit vorgestern stürmt´s bei um die 18°C. Das Haus ist schon ausgekühlt, so dass es draußen wärmer ist als drinnen. So erklärt sich meine Erkältung, unterstützt noch vom Morgensport: Walnüsse sammeln, Bürgersteig und Gosse fegen (Walnussbäume machen enormen Müll), Apfelernte. Täglich ein paar Stunden an der frischen Luft arbeiten ist eigentlich eine schöne Sache. Man spart sich so auch das Fitness-Studio. Anderthalb Stunden sind mit Fahrten von nach Hause in die Klinik und zurück verbracht. Meine Mutter fährt an manchen Tagen zweimal hin und her. Zwei Stunden verbringen wir im Krankenhaus und gehen den Bettnachbarn meines Vaters auf den Geist. Aber solang er noch liegen muss, müssen wir uns bei ihm im Zimmer aufhalten. Gestern haben sie die Drainage-Schläuche im Rücken entfernt. Alles unter Schmerzen. Noch dazu die unnatürliche Wärme draußen, es ist keine schöne Zeit, in einem Krankenhaus zu sein (gibt es eine „passende“ Zeit? Nein.) Die Schmerzmittel zwingen seine Stimme in die Knie und er hasst es, sich so zu hören. Er hat auch nichts Gutes zu erzählen. Er versteht die Ärzte nicht, weil sie so leise sprechen. Also müssen die Ärzte uns alles noch einmal erzählen, worauf sie so gar keine Lust haben, sie haben schließlich mehr zu tun, als alles doppelt zu sagen. Die erste Visite fand am dritten Tag nach der OP statt. Lag halt ein Wochenende dazwischen. Aber bei der zweiten Ansprache reagieren sie sogar auf unsere Bitte, das Schmerzmittel zu wechseln, weil das gegenwärtige bei ihm Schweißausbrüche auslöst. Schweißausbrüche bei Bettlägerigkeit wären schon unangenehm genug, wenn sich nicht auch noch die Tagesschicht weigern würde, das Bett neu zu beziehen. Da muss man dann schon auf die Nachtschwester warten, wenn man keine Familie vor Ort hat. Gestern Abend fragte ihn die Krankenschwester, was er zu Abend essen wolle. „Brot, Wurst und Käse“ antwortete er. Sie reagierte nicht, weil sie im Gespräch mit der Kollegin war. Herrschte ihn dann an:
„Na, einen Versuch starte ich noch: WAS WOLLEN SIE ESSEN?“
„Hat er doch gerade gesagt“, die Kollegin.
Leider hatte er seine Brille nicht auf und weiß nicht, welche Schwester es war. Das Klinikpersonal gibt selbst uns Besuchern das Gefühl, Bittsteller mit unangemessenen Forderungen zu sein. Da können sie noch so oft von Klinik Klinik Klinik sprechen. Es ist und bleibt ein Krankenhaus. Wie lange er noch da bleiben muss, ob seine Reha gleich im Anschluss stattfindet und wo? Das konnte uns noch niemand sagen.
ASZENDENTENTAG
Dear Skailight, dear Lucky,
thanks for making my world brighter, for being there at 4 am, for the fun times, for all the singing and sinning we´ve been doing together over the years.
Thanks for sticking around. I love you.
Happy birthday!
KANSAS – THE NEXT GENERATION
Er hat die acht Stunden OP gut überstanden und duzt sich bereits mit den beiden anderen Herren auf der Station.
(„Guten Morgen, mein Name ist Dick.“
„Wir duzen uns hier. Wenn wir schon zu dritt eine Toilette benutzen müssen…“
„Dann kannst Du Metal zu mir sagen.“)
Anders als geplant, musste doch nicht über den Brustkorb eingegriffen werden.
Mein Neffe hat die Gefühle in der Familie vielleicht am Besten auf den Punkt gebracht, als er gestern das Krankenzimmer betrat, brav 10jährigen-Konversation mit seinem Großvater machte, immer etwas blasser wurde, angesichts von Schläuchen, Kanülen und Tropf. Sich dann entschuldigte und auf den Flur ging, wo er in Ohnmacht fiel. Als er wieder zu sich kam, kotzte er den Flur voll. Familie Dick und Kliniken, das passt nicht. Aber was muss, das muss.
KANSAS
Irgendjemand müsste vielleicht auch mal mit dem Hund gehen, der war heute noch gar nicht so richtig draußen. Und weil gerade sonst niemand da ist, mache ich das. Ich mag den Hund nicht besonders, er mich um so mehr. Kaum sieht er mich, verfällt er in diese hyperaktive Routine, spielt putzig wie in einem Kinderbuch. Diese Art Hund, der auf den Menschen am meisten abfährt, der für ihn am wenigsten übrig hat. Der Hund ist uncool.
Hier ist es viel wärmer als in Berlin, ich brauch nur eine Trainingsjacke, wo ich heute Morgen im Wintermantel aufgebrochen bin. Hinter Magdeburg verschwand das Nieselwetter und kurz vor Salzgitter gab es mit einem Mal die volle Herbstpracht. Bäume in allen Orange und Rot-Nuancen, sehr pittoresk. Normalerweise ist es hier drei bis vier Grad kälter als in der Stadt, aber heute ist es mal andersrum.
Meine Mutter ist auf dem Weg ins Krankenhaus, während ich am Feld entlang spaziere, Ipod auf Shuffle. Kate Bush darf mal wieder in L. singen, L. ist das egal, mir nicht. L. und Kate Bush, das ist meine Kindheit. An einem Tag wie heute zu shufflen ist gefährlich, aber ich bleibe von traurigen Balladen oder Vaterliedern verschont. Als ich ins Feld abbiege, neben den beiden riesigen Weiden, die ein Tor bilden, durch das man die Windmühle sieht, Felder, Bäume, schmale Wege, erklingen im Kopfhörer die Klick-Klack-Pferde-Geräusche, die ankündigen, dass gleich Doris Day unbedingt wieder zurück will zu den „black hills of Dakota“. Wenn sie jemand gelassen hätte, dann wäre es sicher ein anderes Lied geworden. Und ich überlege, wo ich jetzt lieber wäre. Sicher nicht im Krankenhaus, wo er vermutlich jetzt gerade aus dem OP kommt. Er kann schlecht damit umgehen, wenn man ihn schwach sieht. Ich kann schwer damit umgehen zu sehen, wie er sich dann schämt. Aber er würde es auch spüren, wenn meine Mutter nicht da wäre und deshalb ist es gut, dass sie da ist, wenn er aufwacht.
Die Sonne scheint mir in den Nacken, ich sehe zwei Schatten vor mir, die man für Dorothy nach einer Geschlechtsumwandlung und 30 Jahre später, sowie Toto im Original halten könnte. Der Kinderbuchhund sieht wirklich aus wie Toto. Und wird mir gleich etwas sympathischer. Aber nicht zu. Ich laufe weiter. Vermute hinter jeder Biegung des Weges eine Abwechslung, aber hinter jeder Biegung findet sich eine Gerade, dann eine weitere Biegung. Es riecht nach Fallobst, was an dem Fallobst liegt. Zielloses Umherlaufen, entschuldigt durch das Tier an der Leine.
Das Handy vibriert.
„In einer halben Stunde kann ich zu ihm. Er wird noch beatmet.“
„Haben sie Dir schon sagen können, wie es ihm geht?“
„Sie haben mich gefragt, wer mir gesagt hätte, dass ich schon zu ihm könne. Da hab ich gesagt – niemand. Das habe ich selbst entschieden.“
Wir gehen alle unseren Weg. Manche mit mehr Ziel als andere.
