Archiv des Autors: glamourdick

WAS AM FREITAG NOCH GESCHAH

Marie Antoinette gefasst und ins Exil verbannt.
Treffen mit einer äußerst faszinierenden, charmanten, energiegeladenen, attraktiven australischen Künstlerin. Bei meiner Lieblingskellnerin, die wie immer großartig war und im überfüllten Café binnen Sekunden einen Tisch für mich organisiert hatte.
Bei Dussmann gestöbert und leider mehrfach fündig geworden. Endlich „Sunset Boulevard“, die Sammler-Edition gekauft. Sowie „die Zeit die bleibt“ von Ozon.
Regal fertiggestellt und währenddessen Glenn Close als Norma Desmond gelauscht.
Anruf aus Paris. Die Filmband-in-Gold-Trägerin gibt ihr Feedback zu „Gestern wollt ich noch sterben“ und rührt mich zu Tränen, die ich aber zurückhalte bis nach dem Gespräch. Vor Rührung vergesse ich, sie zu fragen, ob sie mit zu Rufus kommt*.
Mit Frankie „Sunset Boulevard“ geschaut, wie immer platt über die Wirkmacht des Films, was vielleicht aber auch damit zu tun hat, dass es um einen erfolglosen Drehbuchautor geht, der in die Fänge einer einstigen Filmlegende gerät, deren Salomé-Drehbuch er aufmöbeln soll, was zu nichts Gutem führen kann. Und dann war der Tag auch schon vorbei.

* Was ich wirklich nachholen muss. Wenn Rufus Judy macht, in der Stadt in der sie, als Deutsche, mit ihren Piaf-Versionen begeisterte, dann muss sie sich das mit anschauen.

UNITED SCIENTOLOGISTS

„The lunatics have taken over the asylum“, so amüsierte sich im Jahre 1919 die noch recht junge Filmindustrie, als vier der berühmtesten und beliebtesten amerikanischen Filmtätigen beschlossen, sich nicht mehr dem Studiosytsem zu unterwerfen und eine eigene Filmproduktion zu gründen. D.W. Griffith, Mary Pickford, Douglas Fairbanks und Charles Chaplin gründeten die „United Artists“. Sie waren die ersten Künstler, die gegen die Auflagen der etablierten Filmemacher, deren Berufshintergrund häufig wenig künstlerisch und eher im Teppichhandel oder Bootlegging anzusiedeln war, rebellierten. Dass so etwas nur schiefgehen kann schien vorprogrammiert. Zugegeben, UA war nie so erfolgreich wie andere Produktionsfirmen, aber es war auch nicht das Ziel der Betreiber, es den anderen Studios gleichzutun. Sie hatten hauptsächlich das Anliegen, in Filmen zu spielen, die sie selbst aussuchen, schreiben, in Szene setzen konnten. In späteren Jahren sollten andere Stars ähnliche Pläne umsetzen: Gloria Swanson suchte sich Joe Kennedy als Produzenten für „Queen Kelly“, der von Erich von Stroheim so provokant und verschwenderisch inszeniert wurde, dass er nie fertiggestellt wurde und Glorias Karriere beinahe beendete. Bette Davis verklagte in den 30ern die Warner Brothers weil sie Mitspracherecht bei der Auswahl von Filmstoffen verlangte. (Ein Filmstudio hatte das Recht, einen Schauspieler für das Ablehnen eines Drehbuchs zu suspendieren und seine Vertragszeit um die Ausfallzeit zu verlängern – so ruinierte Hitchcock die Karriere von Tippi Hedren noch in den 60ern: indem er sie unter Vertrag hatte, aber nur in zwei Filmen einsetzte). Bette verlor den Prozess – Olivia DeHavilland setzte sich in den 40ern vor Gericht durch, gewann und ebnete den Weg für künstlerische Selbstverwirklichung, der es u.a. auch Marilyn Monroe ermöglichen sollte, ihre eigene Produktionsfirma zu gründen.

„United Artists“ ist ein Firmenkonzept, das immer wieder Künstler inspirierte, die Verantwortung für und die Kontrolle über ihr eigenes Schaffen zu übernehmen und im marxistischen Sinne das Produkt der Arbeit vom Konzept bis zur Auslieferung zu betreuen. In Zeiten als der producer-credit noch keine reine Investitionsangelegenheit war (Bsp.: Melrose Place, Executive Producer: Heather Locklear), verstand sich die Künstlerproduktionsfirma nicht nur als Rebellionsmodell gegen die großen Konzerne, sondern als eine Möglichkeit, künstlerische Freiheit zu praktizieren. Heutzutage sind es Künstler wie Herr Pitt, Frau Bullock und Miss Foster, die zum Teil liebevolle Indie-Produktionen mit Rücksicht auf Verluste produzieren.

Warum schreibt Glam nun über eine Filmfirma aus den 20ern? Zunächste einmal, weil er zehn Jahre lang ein Indie-Music-Label als Manager betreute, das recht erfolgreich im Schatten der Majors koexistierte, manchmal sogar aus ihm heraustrat. Wenn Sie jemals den Begriff des „Neuen Deutschen Chanson“ gehört haben, dann hat das etwas mit Glamscher PR-Arbeit im Feuielleton-Bereich zu tun. Der zweite und aktuelle Grund: weil soeben bekannt gegeben wurde, dass die UA einen neuen Betreiber hat. MGM, die sich die UA einverleibt hat, hat soeben einen Vertrag mit Tom Cruise unterschrieben, der die United Artists übernimmt und in den Dreck treten wird. Charles Chaplin fällt vor Schreck der Bart ab und Mary Pickfords Korkenzieherlocken erschlaffen. Douglas Fairbanks holt den Degen aus dem Schrank und D.W. Griffith hält die Stummfilmkamera drauf. Und Scientology ist entzückt, endlich eine Filmfirma ganz für sich allein zu haben.

ALIVE AND DIETING oder HOSTEL, DAS SEQUEL MIT DER MAUS

Auf Käse steht sie jedenfalls nicht. Zweiter Versuch: etwas frischer Landapfel, in Kakako gewendet. Als nächstes geb ich dem Biest noch einen Namen und stelle Miniatur-Currywurscht/Schranke her. Das habe ich bislang noch für keinen einzigen Mitbewohner getan.
Wenn sie sich wenigstens angewöhnen könnte, sich langsam fortzubewegen, freundlich zu grüßen, die Miete zu zahlen, das Klo zu benutzen und morgens den Tee zu servieren – aber nein. Flitzt panisch umher und versteckt sich unter der Waschmaschine. Das mit dem Wäschekorb war ne pfiffige Idee. Aber mit mir nicht, nicht mit mir.
Jedem das Haustier, das ihm zusteht? Mäuschen, Deine Tage in der Mansion sind gezählt!

DANN SOLLEN SIE EBEN KÄSE ESSEN

Ich hatte es befürchtet. Das Tier hat sich einen Namen verdient: Marie Antoinette Croft. Die von Albert Schweitzer patentierte Lebendfalle hat Marie mit Bravour gemeistert. Statt für den bonbonierten Apfel hat sie sich allerdings für den Käse entschieden. Und ihr Lunch so gangstamäßig versiert genommen, dass die Falle nicht zuschnappte. Jetzt weiß ich immerhin, was ihr schmeckt.
Weshalb Marie-Antoinette, wo sie sich doch GEGEN die Praline entschieden hat? Nun ja. Ich geb ihr und der Lebendfalle noch eine Chance. Dann ist Schluss mit nett. Dann kommt das Fallbeil. Ich hasse es, mein Bad zu teilen.

DEAD OR ALIVE

In München kam es zu saisonal bedingten Übergriffen. Kreuzberg, bzw die Kreuzberger Straße in der die Mansion steht, blieb verschont von wildernden Kindern in Evil-Dead-Kostümen. Vermutlich wurde in Schulen und Kitas bestimmt, dass Totenköpfe politisch nicht mehr korrekt seien. Den kleinen privacy-invasion-Schocker gab es trotzdem noch, einen Tag verspätet, in Gestalt eines neuen Mitbewohners. Er sitzt jetzt im Bad. Ich mag ihn nicht. Hat jemand von Euch Erfahrung mit Mausefallen?

ANNEMARIE FAITHLESS oder SPATZENKNÖDEL

Today´s the worst. Vielleicht liegt´s an Halloween, meine Geister treiben sich aus. Ich war zwei Stunden wach, da musste ich mich erst mal hinlegen. Schlafen ging dann doch nicht. Aber Dystopien haben ja die vertraute Angewohnheit, solche Ruhemomente in Beschlag zu nehmen. Und auch ganz vernünftige realitätsverwurzelte Überlegungen kommen als ungebetener Gast und wollen zu Ende gedacht werden. Gewissen-Haft. In Verbindung mit fiebriger Erkältung ein toxischer Cocktail.

I´ve had my share of love, life and money
I´ve lost in all three ways
And I´m here to tell you that sure ain´t funny
Me and my money parted
So did my love and I
Life don´t mean a thing
And I wish that I could die…

…singt Frau Faithfull. Und dann denke ich an Annemarie aus der Gruppentherapie, die ganze Tage nur auf dem Sofa lag und den Arsch nicht hochbekam. Bett-Sofa. Bett-Sofa. Das war alles. Die jeden Ansatz einer positiven Regung in Filterkaffee ersäufte und die Vorhänge zuzog, damit bloß ja kein Luftballon vorm Fenster erspäht werden konnte. Das geht ja nun auch nicht. Und schaue aus dem Fenster auf die Spatzen, die, elegant und artistisch, den Meisen die Knödel wegfressen.

GEISTERBAHN

Reese Witherspoon und Ryan Phillippe trennen sich. Nicole Richie fällt in der Disco um. Lindsey Lohan fühlt sich verfolgt und weint. Satan Esther Mrs Richie fliegt mit unlängst erworbenem Baby (trägt bereits das rote Kabballah-Bändchen) in die Staaten. Vermutlich braucht sie eine Soul Sister als Identifikationsobjekt für das Schokobaby. Ich tippe auf, haltet euch fest: Nicole Richie. Ich weiß nicht, ob Lionel noch so erfolgreich ist, vielleicht steht das dünne Elend ja zum Verkauf.
Marcia Cross ärgert sich darüber, dass sie mit Nacktfotos erpresst wird. Stella beschimpft Humpel-Heather. Whitney Huston fühlt sich auf dem Carousel of Hope Ball „great“ (klar, alles dreht sich). Was macht eigentlich Paris? Und wie geht es Keith in der Entzugs-Klinik? Wird Kate wirklich ein Methadon-Kind von Anna Nicole bekommen? Und wenn ja, wie tief muss sie dafür in die Tasche greifen?

Beruhigend: Elefanten erkennen sich im Spiegel, so Spiegel online. Mir gelingt das nicht immer.

MALES FROM THE CRYPT oder IT´S A SHAVE

Ich möchte mich heute, auch auf die Gefahr hin, wieder als Ausgrenzer bezichtigt zu werden, mal explizit an meine männlichen Leser wenden. Mit einem Thema, lieber Leser, das dafür sorgen wird, dass Ihr Hodensack sich zusammenkrispelt, um den Eiern die Illusion zu geben, sie können sich zum Schutz vorm Angriff im Körper verstecken. Ein Wort möchte ich nennen, genau genommen sind es zwei, das Ihnen den Schweiß auf die Stirn zaubert und Ihre Knöchel zwanghaft auf Holz klopfen lässt. Und hier kommt es, das böse Wort – KREISRUNDER HAARAUSFALL. Und ich gestehe. Auch ich bin ein Opfer KREISRUNDEN HAARAUSFALLS, was ich auf den augenblicklichen Nervenstress in meinem Leben zurückführe.
Gestern war der rabenschwarze Tag gekommen, an dem ich vorm Spiegel stand. Erst ungläubig blinzelte, dann mit meinem Fingern die nackte Haut betastete, auf der gestern noch Haare wuchsen. Erinnern sie sich noch an 5-Mark-Stücke? Eben diese Größe.
„Das kann doch nicht sein. Das kann doch nicht MIR passieren! Ausgerechnet. What have I done to deserve THIS?!!!“
Während sich mein Atem beschleunigte und mein Herz (vermutlich von den Eiern angekickt) im Hals schlug, begann der klassische Prozess des Akzeptierens:
1. Leugnen
2. Rebellieren
3. Hinterfragen
4. Hinnehmen
Doch das wäre eine Akzeptanz ohne jeden Glamour. Also tat ich, was zu tun war. Rasierschaum. Meine gnadenlose Mach3-Klinge. Und dann -Kahlschlag. Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Mit zunächst zittrigen Fingern strich ich über die glatte, nackte Haut. Ein Frösteln überkam mich. Es fühlte sich gut an. Es sah auch gar nicht schlecht aus. In jedem Fall besser als vorher, mit dem Loch drin. Und wer, lieber Leser, so möchte ich sie fragen, wer braucht auch schon Brustbehaarung? Die stört doch nur beim eincremen!

MOVIES FROM HELL: STEVEN SPIELBERG´S „LYNCHEN“

Ich hatte gehofft, wes würde nie wieder so weit kommen müssen, aber es ist geschehen. Ich habe mal wieder einen wirklich schlechten Film gesehen. Und daher rufe ich das Kapitel „Movies from Hell“ zurück ins Leben.
Ich WUSSTE nichts über die Handlung. Ich las Spielberg, 150 Minuten, dann fiel mir ein, dass Meret Becker mitspielt und ich dachte, das wäre genau das richtige für einen grippigen Nachmittag. Böser Fehler. Ich dachte also, ich hätte mir einen Film über die Geiselnahme im Olympiadorf, München 1972 ausgeliehen. Falsch. In Spielbergs „München“ geht es um einen attraktiven sympathischen Familienvater, dargestellt von dem reizenden verführerisch melancholischen Eric Bana, der von der reizenden Golda Meir (bei der es sich in Wirklichkeit um Mirandas Haushaltshilfe Magda aus „Sex and the City“ handelte) überzeugt wird, die Drahtzieher des Attentats aus dem Weg zu räumen. In der Funktion eines Auftragskillers für das Gelobte Land. Er bekommt drei Agenten zur Seite gestellt: einen Schweizer Uhrmacher, den neuen James Bond, Roberto Benigni (oder wie diese schreckliche Knallcharge heißt) und einen deutschen Seriendarsteller. Zu viert nieten sie einen nach dem anderen um. Prinzip „neun kleine Palästinänser“. Auch die Auftragskiller müssen Federn lassen, um die Handlung anzureichern. 150 Minuten später wird auch so etwas wie Reue inszeniert, oder doch zumindest das Gefühl vermittelt, dass der attraktive Eric Bana möglicherweise einen halben Gedanken daran verschwendet, ob er rechtens hinrichtete.

Dann ist der Film vorbei und man fragt sich, ob irgendjemand außer Spielberg so ein Machwerk finanziert bekommen hätte. Vergleichbares hätte höchstens Tom Cruise für Scientology gelingen können, aber vor seinem Rausschmiss. Die Frage der Todesstrafe wird nicht einmal gestellt, was natürlich okay ist, wenn man „Schindlers Liste“ gedreht hat und „The Coloured People“. Selbstjustiz, Verschwörung, Todesstrafe, Terrorismus – ein Themenkreis, den Spielberg wertbefreit in aasig-polierten Bildern serviert, keine Sekunde in Frage stellend, ob es rechtens ist, was das Killerkommando da tut.
Ein Szenenbeispiel: die schlauen Killer haben eine Telefonbombe gebastelt, die im Arbeitszimmer eines der Terroristen steht. Nimmt er ab, wird die Fernbedienung geschaltet. Doch dann kommt überraschend seine putzige Tochter ins Apartment, hört es klingeln, hoppla, denkt man – da fliegt gleich ein Kind in die Luft. Doch die smarten Attentäter sind nicht auf den Kopf gefallen und rufen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an, als das Kind (in naher Zukunft Waisenkind) nicht mehr im Haus ist. Menschlich, oder? Alle (insbesondere auch die Zuschauer) sind furchtbar erleichtert, dass es nicht das Kind getroffen hat, sonder nur dessen Vater.

Wenn ich mal ganz ganz ehrlich mit mir selbst bin, dann muss ich gestehen, dass ich Selbstjustiz nachvollziehen kann. Mitunter sogar befürworten. Aber wenn der edle Gutmensch Steven Spielberg seinen Mantel des Segens darüber legt, in Gestalt eines noch dazu nicht besonders gut inszenierten Films, dann muss ich leider kotzen. Das wäre ein Film nach George Bushs Geschmack, wenn es nicht dauernd um Juden ginge. Und wenn ich das nächste Mal drei Minuten Meret Becker sehen will, dann leih ich mir lieber einen Film mit Tuva Novotny.

SHOUT HALLELUJAH! oder THE BELTER BELTS! IN EUROPE!!

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London am 18.2. oder Paris am 20.2.? Ich tendiere zu Paris, unerklärlicherweise. Das Skailight mag aber London lieber. So London it shall be. Und wenn´s schön wird, dann kann mann Paris gleich auch noch mitnehmen, wenn man per Beischlafdiebstahl oder ähnliche Verfahren noch an zwei Tickets gerät. World´s greatest entertainer sings world greatest Entertainerin. Ich bin in Ekstase.

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(Ca 2.50 Min.)