Archiv des Autors: glamourdick

DAS SIND DIE WIEDERKEHRER

Vor einigen Monaten bekam ich einen Anruf über den ich mich sehr freute. Jemand, mit dem ich lange Jahre gearbeitet und mit dem mich eine intensive Freundschaft verbunden hatte, offerierte mir einen recht angenehmen längerfristigen Recherche-Job. Ich schüttete Dünger auf das Gras, das zwischen uns hatte wachsen müssen und machte mich mit Elan an die Arbeit. Und hörte nach Ablieferung des ersten Auftrags nie wieder von meinen Freund/Auftraggeber. Auch eine Bezahlung meiner Arbeit blieb aus. Heute erreicht mich die folgende SMS:

„Mein Lieber – einen sanften Gruß aus dieser sanften Zeit zwischen den Jahren!“

„Mein Lieber, einen kräftigen Tritt in den kräftigen Arsch zurück.“ Hätte ich wohl schreiben sollen.

Aber wo kein Gras mehr wächst, muss man auch keine Pfiffigkeiten mehr verschießen.

GLAMTREE COUNTY

baum

Dieses Jahr habe ich nicht nur einen Weihnachtsbaum (der aussieht, wie am Pool von Jayne Mansfield geklaut), sondern auch ein Weihnachtslied. Dazu braucht man rote Schuhe, dann setzt man sich vorn auf die Bühne und alle müssen mitsingen.

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Euch allen ein schönes Fest, gutes Essen, und Freude.
It is mankinds moral obligation to seek happiness. Spread the thought. Lasst es Euch gutgehen und steckt die anderen an. Peace, Love, Joy and Glam!

TURBAN GOTHICKA oder INFAMOUS FOR 15 MINUTES

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Thousands of midnights ago, when Glam was still a succesfull record company executive and choc was still smoking. Those were the days when turbans were de rigeur and you wouldn´t want to be seen leaving the house without them. Glam was planning to write his autobiography titled „Urban Gothicka“ but ended up co-writing someone elses instead. Now, some ten years later, autobiographies are ceasing to exist. Who needs them, when you have a blog?
Note the absence of a stylist, der das schnieke Vampir-Hemd etwas zurechtgezuppelt hätte, so dass Glam nicht aussehen würde wie ein schwangerer Zwerg. Also note the absence of a photographer. Those were the days of do-it-yourself. All you needed was a television to place your camera on.
Make up products by Chanel. Cigarette by Marlboro. Turban by some leftover velvet from a show-curtain. Whatever happened to the lovely rhinestone pin?

TAKE THAT, JESUS!

glamkrippe

Kleine Kinder sind schon ziemlich klein. Und wenn sie dann alle auch noch identische Winterwollmützen aufhaben, da kann es schon vorkommen, dass man den eigenen Neffen übersieht, den man ja eigentlich von der Schule abholen sollte. Aber so lernt man dann mal die Lehrerin desselben kennen und in Ermangelung des Neffen konnte ich dann zumindest sein liegengebliebenes Radiergummi nach Hause bringen. Die kleinen Kinder trugen alle Schuhkartons mit Papierfähnchen drin. Krippen. Selbstgebastelt. Und der Neffe hatte seinen Schuhkarton vergessen und musste somit nicht nur ohne Onkel sondern auch ohne Krippe nach Hause.
Und weil ich ungern in traurige Kinderaugen schaue, haben wir zu Hause flugs eine tolle InTouch-Krippe gebastelt (die Tiere stammen aus der „Land und Forst“). Die Krippe in der Krippe war problematisch zu gestalten. Dann verwarfen wir den Krippenbau gänzlich, kann doch unser Jesuskind bereits laufen.
„Wo ist der Mohr?“ Take That wollte er dem Onkel nicht wirklich als heilige drei Könige abnehmen.
„Michael Jackson ist ja auch weiß, mittlerweile.“
„Die sieht aber grimmig aus.“ Trotzdem wurde Courtney als Weihnachtsengel akzeptiert. That´s the spirit!
Für Hirten hatten wir keine Zeitungsvorlagen mehr und die Geschenke haben wir vergessen.
„Das macht doch nix Onkel Glam. Die haben die Hirten mitgenommen.“

artist-work

BEING ANNETTE oder RUNNING WITHOUT SCISSORS

Wenn man diesen Blogger kennt, dann weiß man, dass er gegen Literaturverfilmungen eigentlich nichts einzuwenden hat. Zu seinen Lieblingsfilmen zählen „Tess“ und jetzt fällt mir nur „Rosemary´s Baby“ ein, aber der ist auch von Polanski, wie unelegant. Egal, geht es doch in diesem Beitrag um Anette Benning, von deren Namensschreibweise ich mir nicht einmal die Mühe mache, sie zu überprüfen. Die Alte von Warren Beatty halt.
Sie spielt Augusten Burroughs (bitte alles selber wikipedieren, I´m in a hurry) Mutter in „Running with scissors“, bei welchem es sich um eines meiner Lieblingsbücher der vergangenen Jahre handelt, was wiederum zur Folge hatte, dass Burroughs zu meinen liebsten Schriftstellern zählt. Was Drama, Witz und Stil angeht, ist er der Rufus Wainwright der Autobiographie (nur dass Rufus mehr Haare hat und auch sonst eher mein Typ ist). Und hat sein Buch verkauft. Ich weiß nicht, ob er es als wiedererkennt. Als Film. Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass es für niemanden schmeichelhaft ist, wenn die eigene Mutter von der Beninng gespielt wird. Die Geschichte ist die gleiche, aber die Wärme, der Humor, die Feinheit ist fortgezaubert. Was nichts daran ändern wird, dass das Benning eine Oscar-Nominierung bekommen wird. Dabei macht sie nichts anderes als ihren Job. Wie jede andere Schauspielerin auch. Aber nicht jede Leberwurst gehört DLRG-prämiert. Wie in jedem Film, den Anette machen durfte (anders kann ich es nicht formulieren), liefert sie ab. Sie trägt Worte vor, gestaltet Emotionen und alles bleibt an der Oberfläche. Wenn sie wütend spielt, spielt sie wütend. auf ihrer Stirn steht „Schauspielerin“. Annete könnte eine große Bühnenkarriere machen. Ihren Gesichtsausdruck sieht man auch noch ganz hinten und oben im Olymp. Und um Theater kann man einen weiten Bogen machen oder man wartet auf die nächste Inszenierung in anderer Besetzung. Eines hat Annnnnnetä gar nicht: star quality. Ihr Spiel lässt kalt. Weil sie es aus einer Schublade zieht und nicht, wie Göttin Jessica Lange, aus dem Herz, der Seele, dem Arsch (je nach Gebrauch).
Augusten, ach Augusten – bitte bitte, beim Verkauf der Filmrechte für „Dry“ – schreib Dir eine actors-approval-Klausel in den Vertrag. Und nimm Kontakt auf mit JessicaLangeMichellePfeifferJoanAllenSigourneyWeaver. Die Bengging soll sich um die Windeln von Warren Beatty kümmern.

Etwas bemerkenswertes hatte der Film allerdings – und zwar eine schauspielerische Leistung, die all das hatte, was Binneng abgeht: Tiefe, Wärme, Feinheit, c r i s p i n e s s (don´t know any other word for it, watch for yourselves). And the Oscar for the best actress in a supporting role goes to – Jill CLAYBURGH!

I LOVE PARIS IN THE WINTER WHEN IT SIZZLES oder SUNLIGHT, ONLY WARMER

Chez Choc wurde gestern geklärt wer Gott ist, aber ich habe da so meine Zweifel, denn ich öffnete gestern einen Umschlag, in dem sich etwas befand, was nur von Gottes Hand den Weg in meine Wohnung gefunden haben kann: deux tickets pour le Rufus qui fait la Judy dans le fameuse Olympia-Veranstaltungshalle in la Weltstadt de la fashion óu tout les voitures sont noir et les garcon fument des cigarettes et les filles sont stylish et verzickt. C´est comme un rêve qui wurde gemacht vraie. Mais peut-être le Skailight est le fils de Dieu which again would make me pretty related to Brad and Angie.
Und es gibt also doch so etwas wie Weihnachtszauber und er steht in direktem Verhältnis zu göttlichen Menschen, die einen so liebhaben, dass sie sogar mit zu Rufus kommen „aber nur weil er Judy singt. DIE Lieder mag ich ja“.
Baby – ich lieb Dich auch ohne diese Geschenke. Aber bestimmt nicht weniger mit. Marilyn in LA und Judy in Paris: Skailight, you make my life so glamorous!

olympia

Wainwright, nous venons!

MEHR MEER

Also wenn ich in Bremen wäre, und nicht in Berlin, dann würde ich die fantastische Cornelia Druse mal besuchen. Was die veranstaltet ist nämlich doll. Und ich hoffe, dass Frau Druse auch einmal Berlin beglückt, wir haben hier nämlich auch jede Menge Hafen.
Also, Bremer, nutzt den Vorteil, jetzt in Bremen zu sein. Selten war die See höher. Schlagt die Welle! Beat it – no one wants to be defeated…

(Und, ja. Schon wahr. Manchmal ist Paris näher als Bremen. Aber Füße sind ja auch das neue Arschloch.)

VOR 10 IN KREUZBERG

Es klingelt. Zweimal kurz hintereinander. Um diese Uhrzeit nie gut. Da wird mich wohl wieder jemand als Concierge missbrauchen wollen, denke ich. Klicke auf den button der Gegensprechanlage, das „mit mir nicht – nicht mir mir“ schon auf den Lippen.
„Die Post hier, ein Einschreiben für Herrn Dick.“
Wie kommt es, dass man als Blogger und Selbständiger bei dem Begriff „Einschreiben“ sofort zusammenzuckt und überlegt, was man in den vergangenen Wochen veröffentlicht hat, das wiederum eine feine Seele oder große Firma veranlasst haben könnte, mit Einschreiben Eingriff zu nehmen? Ein leichter Anfall nervöser Erregung, auch Panik genannt. Der Postbote ist schnell.
„Hier – hat nicht in den Briefkasten gepasst.“
Und überreicht ein butes Weihnachtspäckchen.

Liebe Frau Fragmente – Du hast mir eine große Freude gemacht, mit Deinen (ersten) 1000 Tagen in Printform und dem fantastischen Mamafanten! Ich wünsche auch Dir einen zauberhaften Jahreswechsel und freu mich auf viele Wiedersehen in 2007!
Und jetzt geh ich lesen!
Much Love!

Glammy

WO KOMMEN ALL DIE GRAUEN GÄRTEN HER?

beales

„They might think it was a movie about flowers. You know – Grey Gardens.“

„Ich weiß nicht, warum ich lebe. Nur, dass ich am Leben bin.“

More of the same but without the soul – zwischenbilanzierte ich nach einer halben Stunde von „The Beales of Grey Gardens“. In zwei Jahren wird man ihn einfach auf die „Grey Gardens“-DVD klatschen. Als Special Edition Bonus Feature. Extended Grey Gardens, sozusagen. Genau wie seine große Schwester lässt er fast ausschließlich die Beales zu Worte kommen. Es gibt mehr Little-Edie-Gesang-und-Tanz, ganz wie sie sich das gewünscht hätte. Weitere verrückte statements – allerdings nicht von der Wuchtbrummen-Bonmot-Art. Und natürlich costumes costumes costumes. So ist auch einer der besten Momente des Films ein charmanter Zusammenschnitt aller Edie-Kostüme, die wir in „Grey Gardens“ nicht zu sehen bekommen haben.
Vielleicht das Problem: Teil 2 bedient eine Erwartungshaltung. Teil 1 krachte durchs Gebälk unseres kulturellen Fassungsvermögens. Es ist ein bisschen wie dieses Reunion-Mini-Serien, die es von erfolgreichen Soaps zum 10jährigen Jubiläum des letzten Sendetermins gibt: die gleiche Mixtur, aber die kann im neuen Zeitkontext ganz anders schmecken.
Trotzdem ist „The Beales…“ kurzweiliger, es fehlen die Längen, die das Oiginal hatte. Aber gerade diese Längen, in denen die Protagonistinnen nicht um die Aufmerksamkeit der Kamera heischten, erzeugten diese klassische Grey-Gardens-Atmosphäre von Beklemmung, Faszination und unangenehmer Berührtheit, in der man als Zuschauer gerne kurz ins Bad gehen würde, um sich die Hände zu waschen und an etwas bildlich Schönes zu denken.

Das war, wie gesagt, meine Zwischenbilanz. Doch dann fährt irgendwie der Geist wieder rein ins Material und man verschluckt sich an den Bildern. Die vielleicht schönste Sequenz – Edie allein am Strand. Keine schreiende Mutter im Hintergrund, Stille, Edie im Wasser, in den Wellen und ihre ganze Geschichte, ihr Wahnsinn fällt von ihr ab. Und man ist froh, dass man die bucklige Verwandtschaft noch einmal besucht hat und freut sich, dass man den Tag am Strand hatte, bevor es Winter wurde in Grey Gardens..