Archiv des Autors: glamourdick

WHO NEEDS TRUMPETS?

„It´s very difficult to keep the line between the past and the present.“
(Edie Beale)

Für 2006 gab es kein besseres Ende als dieses: mit Lucky auf dem Bett zu liegen, Bäuche vollgeschagen, Champagner kaltgestellt, und „The Beales of Grey Gardens“ zu schauen. Mit dem guten Gefühl, dass im Jahr Sieben vielleicht dem Status des Nouveau Pauvre entkommen werden wird. Mein Vanity Fair Dezemberhoroskop hatte ja einen Wechsel angekündigt und eine Kaffeesatzleserin in einer deutschen Küstenstadt bestätigte indirekt (once removed sagt man) Michael Lutins Prognose.
„Once removed“ im anderen Sinne wurden auch die Weichen gestellt, die die Vergangenheit mit der Zukunft verbinden. Von der Vergangenheit nehme ich das Beste mit. Besser – die Besten. Ein paar sprachlose Abschiede gab es und kein Träne floss. Unaufgeregter Schwund. Auch das – nouveau, gingen doch andere Verbindungen mit Lärm und Gestank auseinander. Einen Kracher hab ich allerdings noch im Ärmel, aber das wird ein Feuerwerk. Bunt und groß. Wie gerade dieser absurd wunderschön kitschige und dennoch ganz wirkliche Sonnenaufgang, der irgendwie nach Melrose Place aussieht.

Und noch was: Roxana hat mir eine Neujahrs-SMS geschickt! Ihr geht´s jut.

THE DEVIL WEARS BESCHISSENE PERÜCKEN

Vor kurzem habe ich mir Annette Bening (or whatever her name is – the Beatty-broad) vorgeknöpft, nicht ahnend, welch perverse Perlen der Filmkunst da noch in meinem auf dem Hausflur gefundenen Regal schlummern würden.
Hochgelobt wurde ihre Leistung in diesem heiteren Machwerk, das sich die Bezeichnung Spielfilm wohl nur durch die gefühlte Länge von 3 Stunden verdient hat. Der Satan in diesem Film ist nicht Esther. Sondern der Drehbuchautor diese großartige Schauspielerin, für die ich nie wirklch etwas übrig hatte. Streep Meryl, in der Muppet Show von einer Ziege dargestellt. Hier von einer Perücke, die ihr den Nimbus „Chefredakteurin“ verleihen soll, aber eher an die Leiterin des Verbands der Apothekergattinnen Rheinland Pfalz erinnert. Ebenso un-chique wie die Haare – ihre Outfits. Wenn das Prada war, dann die Out-Takes, die es nicht in die Shops geschafft haben. Die arme Anna Wintour, die Vorbild für die Rolle stand… Mit diesem Seize 2-Gewicht und in pitiful shades of grey würde die sich nicht einmal auf die New Yorker Dachterrasse, geschweige denn ins Vogue-Office wagen.

Zur Herstellungsgeschichte: frustrierte Ex-Praktikantin verfasst Chick-Lit-Abrechnungsroman, weil sie dem Glamourzwang der Vogue-Redaktion nicht standhalten konnte. Dollet Thema. Bstimmt auch schick als Film. Kleines Ego kämpft gegen großes Ego. Allein in diesem einen Satz haftet soviel Langeweile – das ganze dauert dann aber ca 5 Stunden. Nach einer halben Stunde war meine Tüte Honey Mustard Pretzel Snack leer wie der Film und die Blicke der jungen Hauptdarstellerin, die ich für ihre Leistung in „Brokeback Mountain“ eigentlich gemocht hatte (Plusquamperfekt, wohlgemerkt!).
Zurück zu Meryl. Ähnlich wie bei Annette kan man grundsätzlich an der schauspielerischen Leistung nichts aussetzen. Sie spielt und bekommt dafür Geld. Im unsäglichen Prada-Fake-Film spielt sie ein Biest (ohne jemals etwas von Joan Collins oder Heather Locklear gehört zu haben – zwei Episoden Denver-Clan wären eine vernünftige und ausreichende Vorildung für die Rolle gewesen.) Aber jetzt schreien alle wieder „Oscar Oscar“, nur weil eine alte Schauspielerin mal das Rollenfach gewechselt hat. Wenn das so einfach wäre… Meines Erachtens sollten Drehbuchautor, Ausstatter und Haarstylist aus der Gewerkschaft fliegen. Und die Streep sollte Unterricht bei Jessica Lange nehmen. Oder jüngeren Kolleginnen das Feld überlassen, genug Kohle wird sie schon verdient haben. Ich bin es langsam Leid, alten Schauspielerinnen dabei zuzuschauen, wie sie ihre medizinisch verjüngte Physiognomie aus reiner verzweifelter und unangebrachter Eitelkeit in die Kamera halten.

A GLAM LOOK BACK

Glam blickt zurück auf 2006, das schwer und zäh war, aber auch voller menschlicher Highlights. Mit Musik von Frost, mit Bildern meist selbstgemacht (einige von Lucky, einige von Julia N.) Wünsche Euch einen fabuleusen Rutsch und ein goldenes 7. Die 7 ist es, ich sag´s Euch, dann kann ich später sagen, ich hab´s Euch gleich gesagt. And now sit back and enjoy the show!

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(the video is still being processed. hopefully available somtime this afternoon.)

edit: menno. muss youtube jetzt immer erst bei den googles anrufen bevor ein film okayt ist?

MODESTY PRAISE

Ich frage mich, ob denen, die nicht den Wodka und den Rotwein getrennt getrunken, sondern das Zeug erhitzt, gezuckert und flambiert haben, heute auch so bollerig im Schädel ist.
Aber schön war´s! Danke Miriam, danke Jan!

LIEBE BLOGGERINNEN UND BLOGGER oder SCROOGED

ist Euch der Geist der Weihnacht so tief in die Glieder gerauscht, dass ihr die Finger zum Tippen nicht mehr hoch bekommt? Dann hoff ich, dass die Silvesterknallerei den alten Sack aufscheucht und Ihr Euch wieder an Eure Tastaturen setzt. Ihr könnt auch mit großen Mengen Alkohol versuchen, ihn auszubrennen. Ich freu mich auf ein weiteres Jahr mit Euch!
Love, Peace, Joy and

Glam

NACHTRAG

Eben wollte ich mir mit der Front Row-Fernbedienung eine Zigarette anstecken. Note to Mac-computerdesigner: if you can make it that I put cable between two macs and they exchange information, I bet you can make Front-Row remote with gas. That would be glam.

SUFFER LITTLE CHILDREN

In Deutschland werden Kinder immer häufiger gleich nach der Geburt weggeworfen. Oder noch kurz vor der Einschulung stranguliert, das wirkt kostensenkend. Über den noch unentdeckten Inhalt so mancher überdimensionierter Tiefkühltruhe in Sachsen, Thüringen und Brandenburg möchte man gar nicht nachdenken – da schlummern noch so einige kleine Geheimnisse. Ganz zu schweigen von der Überflüssigkeit großer Tiefkühltruhen in Zeiten, wo es an jeder Ecke einen Aldi gibt. Wenn ich eine Tiefkühltruhe sehe, werde ich misstrauisch.
Menschen, die zu blöd sind, zu verhüten, sind leider nicht doof genug, sich fortzupflanzen. Gestern an der Kaisers-Kasse eine Kleinfamilie. Er 18, sie 17. Er niedlich mit Basecap, sie hübsch und kaputtblondiert, hellblauer Lidschatten. Das Kind spillerig. Bezahlt haben sie mit aufgerollten Fünfern. Sie sah ein bisschen aus, wie eine Frau, die in Deichmann-Pumps am Herd steht, um Crystal Meth zu präparieren. Der üppige Einkauf war vermutlich für die bulimische Oma. Die nächste große investition: eine Tiefkühltruhe.
Fast vermisst man altmodische Promimeldungen wie „Keith Urban aus Betty Ford geflüchtet“. Teenageheldinnen landen mit dem neuen Trend zum Verschwinden auf den Titelblättern. Nicole wiegt noch 43 Kilo, Mary Kate hat ihr unlängst mit 40 Kilo den Rang abgelaufen. Irgendwann haben die sich ins Nichts gehungert wie Karen Carpenter. Und ich muss gestehen, ich beneide sie um ihre Disziplin. Ich kann auf Nachschlag beim Weihnachtsbraten nämlich nicht verzichten.

DER SCHWULE COMPUTERBEITRAG

Ich reg mich ja immer auf, wenn auf schwulen Blogs nur Mac-Shoppinglisten veröffentlicht werden, aber jetzt mach ich mich selbst schuldig. Ich hab nämlich heute mein altes Schreib-Baby in den Ruhestand geschickt und jetzt, mit der neuen Mac-Madame am Start stell ich plötzlich fest, dass mein TDSL wirklich nicht langsamer ist, als das von anderen Menschen. Und die Youtubefilme laufen jetzt anstatt zu rumpeln! Es war der Rechner. Pickepackevoll mit Itunes-Musik. Jetzt sitze ich am preiswertesten MacBook, das momentan zu haben ist und bin entzückt, dass ich selbst mit dem mitgelieferten Arbeitsspeicher alles flutscht. Und die Datenübertragung von der alten Lady auf die neue – in einer halben Stunde mit Firewire, so einfach, wie das eigentlich kein Computer-Designer je ersinnen könnte. Noch dazu ist mein Arbeitsplatz ganz still – keine Geräusche. Nur die von den Fingern, die über die Tasten huschen. Ich bin verliebt. Ja. Das ist der schwulste Beitrag seit langem.

DIVA PARIS

Bis Mitte 20 war es für mich London. Da kam die gute Musik her, da designte John Richmond schicke Destroy-Couture und da lebte meine ersten große Liebe. Und als ich die zum letzten Mal verloren hatte, da war es auch mit der Stadt vorbei. Und es gab keine Stadt, die an Londons Platz trat. Das letzte Mal sah mich die Stadt byronesk am Stock.
I don´t fall in love with places, I fall in love with people, dachte ich damals. Und dann flog ich nach Paris, Marilyns Nachlass bei Christie´s zu bestaunen. Ich cruiste durch das Marais, kaufte mir einen schicken Hut auf den Champs Elysées und ein paar schicke Klamotten dégriffé. Trank Kaffee und Vodka mit der exilierten Lieblingssängerin und die andere authentisch-französische Chansonnette fuhr mit mir zum Place de L´Alma – Diana-technisch. Ein Anzugfranzose verfolgte mich vom Fnac über den Bahnhof, aber ins Hotel ließ er sich dann doch nicht lotsen. Ich spuckte von einer Brücke in die Seine und flanierte durch die fantastische Architektur wie durch einen Traum. Erstand das Bild der Nippelschwestern und dachte die ganze Zeit „Ja, hier ist es wohin die Diven exilieren.“ Marlene, Romy, Ingrid. Irgendwann will ich hier auch mal. Könnt ich mir vorstellen. Aber wenn Berlin einen im Griff hat, dann ist es erst einmal schwer, sich daraus zu lösen, weil alles recht bequem ist und familiär. Und ich bin ja gern in Familie.

Im Februar flieg ich wieder hin. Dank Skailight und wegen Rufus. Und die Diva will ich auchwieder treffen und einen Plan hab ich, einen ganz schicken. Da muss ich jetzt die nächsten Tage dran basteln und freu mich über jeden gedrückten Daumen. It´ll be major major Glam. And I´ll keep you posted!