„Wo in Kreuzberg bist Du?“
„XYZ-Platz.“
„Ich XYZ-Straße.“
„Bis gleich!“
Die Vorteile von Real-Sex im Vergleich zu 2nd-Life-Sex liegen auf der Hand und der Haut. Auch schön, mal wieder echtes Stöhnen zu hören. Und es stimmt wirklich, dass der Würgreflex in den frühen Morgenstunden praktisch nicht vorhanden ist, man also wirklich Eindruck schinden kann. Doch zur 2nd-Life-Verteidigung sei vorgebracht, dass mein Wagemut, mir um viertel nach Eins noch einen bis dato unbekannten Herrn in die Wohnung zu holen, durch virtuelle Stimulierung zu erklären war und die sexuelle Energie selbst das Schamgefühl betreffs der Winterfigur übertüncht hat. Und als er dann wieder auf der Treppe war, eine meiner Lieblingsfragen: „Wie heißt Du eigentlich?“
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MENSCHEN AM SONNTAG
Die Mittagssonne knallt heiß auf Asphalt und Mensch. Ich schau mir alle Leute an, die mir entgegenkommen und da es der Ostbahnhof ist, sehen manche von ihnen ganz schön fertig aus. Die Sonne leuchtet auch noch den letzten Winkel ihrer grauen Haut aus, aber die Augen sagen „wird schon“. Dann links lange Beine in Jeans und Turnschuhen. Dazu gehört ein junger Mann, der sie auf dem Boden liegen hat. Punkige Haare, bei denen man nicht weiß, meint er das modisch oder meint er das ernst? Der punkige junge Mann schläft. Auf seiner Stirn eine Sorgenfalte, verursacht vom Sonnenlicht. Daneben-dahinter noch ein paar Jeans-Beine, angewinkelt. Seine Freundin, denke ich, geh einen Schritt weiter und mein Herz wird geflutet. Sein Freund. Den Kopf auf der Schulter des Freundes, ebenfalls schlafend. Ganz innig und unschuldig und vielleicht nur versehentlich im Schlaf da gelandet. Und auf dem Rückweg seh ich die ersten Krokusse, die aus der nackten Erde sprießen.
ROXANA CALLING
Sie haben einen unbeantworteten Anruf. Und zwar Sonntagmorgen um 7.00. Wer will mich denn da ärgern, frag ich mich und ruf zurück.
„Hey – Da biste ja Glam!
Die Stimme ist mir nicht unbekannt, aber der Groschen fällt seit 2nd Life langsamer.
„Ja, da bin ich – und mit wem sprech ich?“
„Na icke – Roxana!“
Mir wird ein ganz doll wenig flau im Magen.
„Die Nummer ha ick von Mandy jekricht. Ick musst ihr janz schön den Arm umdrehen.“
„Oh!“ Neben flauem Magen nun auch kalter Schweiß.
„Hargh hargh – war nurn Scherz.“
Ich schlucke. „Und wie geht´s Dir So, Roxana?“
„Für Dir Roxy – weeßte doch. Na deshalb ruf ick an. Ick fahr wieder ein. In drei Wochen.“
„Reha?“
„Die jleiche wiet letzte Ma. Ick freu ma schon.“
(Sie freut sich.)
„Ist irgenwas passiert?“ Das letzte Mal war es wegen der Vergewaltigung, der Arbeitslosigekit und der tristen Lage in MeckPom an sich per se als solches.
„Na ick würd sagen wejen det Mobbing?“
„Du bist gemobbt worden?“ Unvorstellbar, dass jemand sich Roxy in den Weg stellt!
„Nee – ick hatte den Job in der Konditorei und meene Kollejin und ick, wir ham die andere Verkäuferin jemobbt, boah die war aber ooch scheiße Mann. Denn bin ick vor die Tür jesetzt worden und nu fahr ick wieder ein. Und deshalb ruf ick an. Hast Lust ma vorbei zu kieken?“
Und seltsamerweise bemerke ich, dass mir Roxys direkte Art, ihre Zielstrebigkeit und ihr Durchsetzungsvermögen in letzter Zeit gefehlt hat.
„Kannste Dir druff verlassen meene Sonne. Ick komm Dir besuchen.“
„Dit wusst ick, Glam, det ick ma uff Dir valassen kann. Echt knorke.“
SCHAU DIR DAS NICHT ALLEINE AN, GLAM…
hat meine Mami gesagt und meinte „Die Flucht“. Ich habs mir allein angeschaut und ich hab geweint und ich hab mich auch geärgert über den Aristokraten-Look auf die Vertreibung. Meine Großmutter konnte nicht einmal lesen, geschweige denn die Kriegsgefangenen geil finden, aber immerhin hat sie 6 von 7 Kindern über die Grenze gebracht. Aber dann kam um 23 h die Doku in der mir all das, was meine Tanten mir berichtet hatten, was sie gerade auf Tonband und schrifttlich festhalten, auf einmal plastisch wurde. Und meiner Großmutter Sofie und ihren Töchtern gebührt alle Hochachtung. Wenn es Familiengeschichten sind, dann vergisst man manchmal, wie extrem das Geschehene ist. Familie ist ja immer normal, egal wie krank oder absurd oder schwierig.
PSYCHODELIC FASHION
Ich bin ganz nervös wegen meiner Kollektion! Ich hab nämlich die Vermutung, dass durch die Unmöglichkeit, die Farbe weiß zu drucken, das alles hervorragend psychedelisch aussehen wird. Da versteh ich Esther schon – mit ihrer eigenen Linie bei Ha und Em. Jetzt brauch ich eigentlich nur noch jemanden, der mir das Gesicht so fotoshoppt, dass ich aussehe wie beiges Geschenkpapier. Die Modebranche ist echt mein Ding!
WAS DER SPIEGEL VERSCHWIEG
Der Spiegel hatte ja eine umfangreiche Lobhudelei über das 2nd Life in der vergangenen Ausgabe. Was mir darin fehlte war eine Beschreibung des sehr ekligen Ageplay-Phänomens. „Ageplay“ betreiben User, die kindliche Avatare ins Spiel schicken, und zwar nicht in den Kinderhort, sondern in Sex-Clubs. Gestern erlebte Leigh das erste Mal einen Ageplayer in seinem Lieblingswald. Da geht ein ziemlich bizarrer Film ab, wenn man so etwas erlebt. Wie verhält man sich als Avatar-Betreiber, wenn ein Pädophiler im Raum ist? Nun, Leigh ist ja sehr verbal. Und hat dem Kleinen zugerufen „Hey Paedo – why don´t you go fuck a sheep somewhere, but fuck the piss off here.“ Desweiteren notiert man sich den Namen des Pädo und leitet ihn an den Betreiber des Ortes weiter, an dem man ihn erwischt. Leigh, der ja mit der Geschäftsleitung des Waldes auf Du und Du ist, hat jetzt die Licence to Denounce. Er ist der Paedo-Cop im Wald. Und macht sich auch ein Fest daraus, diejenigen zu beleidigen, die sich mit den Paedo-Avataren amüsieren. Gestern nach dem kleinen Zwischenfall war der Wald schlagartig leer – Betroffenheit macht ungeil. Aber Zivilicourage zu zeigen, selbst als Avatar, ist Ehrensache. Also, 2nd-Lifer – schreit die Pädos an, die „Shout“-Funktion ist für diesen Zweck hervorragend geeignet. Und meldet sie dem Betreiber. Und Bereiche, die das Anbrüllen nicht dulden sondern lieber die Pädos – bei Linden melden.
Jetzt werden einige Moralapostel kommen und sagen – weshalb haltet Ihr euch auf, wo sich Pädos rumtreiben? Und dazu möchte ich nur zurückfragen: „Warum Ihr?“. These fuckers are everywhere, nicht nur im Schulzoo.
THAT´S SHOWBIZ
Ich mach jetzt aber nicht weiter mit dem Muschibloggen. Nee. Ohne mich. Andere Geschichte. Paar Jahre here, als ich noch music industry war. Klassisches music-industry-get-together. Mir gegenüber am Tisch die MTV-tauglich hippe, mesmerisierende, arschglattes-Langhaar-tragende-Mitte-Hipster-Label-Chefin. Ich sehe was an ihrer Nase, tippe diskret an meine. Spiegeln, you know.
Sie: „Oh – blute ich?“
Ich: „Nein. Popel.“
SPÄTE RACHE oder EMPRESS ELIZABETH I
Eigentlich sollte gerade in diesem Moment meine Liz-Taylor-Couture in Produktion gehen. Mir gefallen nämlich die T-Shirts, die es grad gibt, überhaupt nicht. So beschloss ich die Liz-Collection. Mit tollen Fotos aus Cleopatra und Wer hat Angst. Dann stellte ich fest, dass ich nur ein einziges verwertbares Cleo-Pic besitze (bildgoogeln geht nicht, weil mein Drucker sich mit dem MacBook nicht versteht). Und kein einziges von Wer hat Angst. Das ist dann natürlich blöd. Und dann sah ich dieses gelbe T-Shirt und fand, dass es eigentlich nur von einer Blondine geziert werden dürfe. Und so wurde aus der Liz-Collection eine Marilyn-Collection mit einem Liz-Cleo-T-Shirt, quasi als Kontrast, für Tage an denen ich mich unblond fühle. Dabei wollte ich doch ganz stringent pro Saison einer neuen Diva zum Glam-customized-Ruhm verhelfen. Also geht in diesem Moment die 1962-Glam-Customized-Collection in Druck. Nur dass die Copyteria eigentlich gar keine bunten T-Shirts bedrucken kann. Aber ich lass mir ja nicht einfach sagen „geht nicht“. Ich hab gesagt „Machen Sie man ruhig mal, Kollege, ich nehm´s auf die schnieke Tinker-Bell-Kappe“. Und jetzt geht also mit fragwürdigem Ausgang dann doch meine erste Fashion-Collection in Produktion. Und ehrlich gesagt find ich´s auch wieder cool, dass Marilyn als Gewinnerin im T-Shirt-Match hervorgeht. Wenn´s schön wird, dann verklopp ich den Scheiß im Internetz. Und wenn nicht, dann erst Recht, denn was soll ich mit hässlichen T-Shirts?

Herzlichen Glückwunsch nachträglich, altes Schlachtross. Wer hätte gedacht, dass Du sie alle überlebst. Außer der Doris! Und wenn Ihr von diesem Foto 15 Jahre Alkoholmissbrauch abzieht, dann seht ihr, wie Glams Mutti mit 40 aussah.
MIAU! (WHERE DICK GOES PUSSY) oder VAGINA VAGINA VAGINA
Das weibliche Genital ist ja etwas, mit dem ich naturgemäß wenig zu tun habe. Mein Kollege Dan Savage, den ich das Vergnügen hatte, ins Deutsche zu übersetzen, verglich es einmal mit einer Dose Mett, wie man von einem Hochhausdach auf die Straße geworfen hat. Wie er, befasse ich mich mit dem weiblichen Genital nur verbal. Aber da umso lieber. Das Wort, das in Berlin mit V geschrieben wird, ist eines meiner Lieblingsworte und ich verwende es eben so wenig despektierlich wie das Wort „Arschloch“, da es sich dabei ja auch um ein sexuell einsezbares Körperteil handelt, mit dem ich hingegen sehr vertraut bin. (Arschlöcher sind früher mal das gewesen, was heute Füße sind.) Neben dem V-Wort gibt es noch ein paar Begriffe, dier ich liebe und die ich mich bemühe, in jede gepflegte Konversation einfließen zu lassen. Wandermöse. Unter diesem Titel würde ich gerne einen historischen Roman verfassen, der natürlich in den Niederlanden spielen muss. Muschipups. Seit Jahren ein Favourite, der bei Analverkehr Fragen aufwirft. Und, meine Wortschöpfung: Wundermöse. Hairy Dick und der Fluch der Wundermöse. Das schreibe ich nur, weil ich mal aufzeigen wollte, dass man auch als Schwuler viel Vergnügen mit Vaginas haben kann. Oder heißt es Vaginen?
EDIT: Pomuschi! Wie konnte ich Pomuschi vergessen?!!
SMELLS LIKE SPEARS VOMIT oder DER FLUCH DES DISNEY-CLUBS
Jeden Morgen die gleiche Frage: Ob wohl Britney noch lebt? Was, wenn Prinz Frederic KevFed das Sorgerecht streitig macht? Früher machte man sich einen Schlitz ins Kleid, heute muss der gesamte Extensions-Ankopplungs-Apparat dran glauben. Ganz zu schweigen von Muschi-Bildern, die kein Mensch sehen will. Und Kotze-Fotos. I´m tired of rich-bitch-trailer-trash. Ich kann keine Träne vergießen für talentfreie Püppis, die mit ihren Millionen nicht klarkommen. Ach! Die Bürde, jung und reich zu sein! And I´m not sorry. It´s human nature. Verlasse sofort mein Bewusstsein, Britney Spears! Und bitte – nehme sich jemand der Crack-Babies an. Beispielsweise Robbie – der zieht sein Detox-Programm ganz diskret durch. Soviel dazu. Meine Güte, sogar Esther wird mir im Vergleich fast wieder sympathisch.