Archiv des Autors: glamourdick

GLAM, PISSED oder BEWARE OF THE STARS

Viktor fragt mich, ob wohl auch Lokalpresse anwesend sei. Aber vielleicht ist es auch Rolf. Derjenige von den beiden jedenfalls, der aussieht wie Heinz Rudolf Kunze. „Ich denke schon. Und ich werd sicher auch darüber bloggen.“ Dann geh ich wieder raus auf diesen Platz, wo die Häuserwände eine seltsame Struktur haben und stell mich zu den anderen Herumlungernden. Aus Stilgründen trage ich zum schwarzen Anzug weiße Flipflops. Bis einer meiner Füße ganz kalt ist und mich jemand darauf hinweist, dass einer kaputt ist. Gabriel. Gabriel weist mich darauf hin und dann sehe ich meinen nackten Fuß und den kaputten Flip Flop – jetzt ein einzelner Flip und ein einzelner Flop – und dann kommt mein Pflegehund auf mich zugerast; er hat mich ein Jahr nicht gesehen und wenn er sich ganz doll freut, wie jetzt, dann kann er sein Wasser nicht halten (deutlicher: bepisst sich vor Freude), ist halt so ne Marotte von ihm – ansonsten ein ganz toller Hund. Ich begrüße den Pflegehund überschwänglich überschwenglich voller Überschwang und versuche dabei, nichts vom Hundeurin abzubekommen, ich will mir ja nicht den Anzug einsauen, geschweige denn Pipi auf den mehr oder noch mehr nackten Füßen, ich habe ja noch das Konzert vor mir. Wir gehen in den Saal und ein Fremder bietet mit eine Marlboro ohne Filter an, weil er mich in ein Gespräch verwickeln will. Ich mag es ja eigentlich nicht, immer die Tabakkrümel von den Lippen und der Zungespitze zu fisseln, aber in diesen schlechten Zeiten sagt man nicht mehr Nein, wenn einem jemand etwas schenkt. Überhaupt herrscht hier eine heftige Flirtstimmung, was ganz nett ist, wenn man nicht gerade halb barfuß unterwegs wäre und auch mal dringen aufs Klo müsste, das leider unauffindbar ist. Dann sehe ich den Merchandise-Stand und freu mich, denn die neue Platte ist draußen. Kauf ich mir also „Beware of the Stars“, zwei Maxis, und ein auffallend lustiger Franzose präsentiert mir Fan-TShirts, aber ich habe ja meine eigene Kollektion mit Liz und Marilyn, da brauch ich sowas nicht. Denke an Mode und ein berühmter Schuhdesigner, schwer an MS erkrankt, wird durch den Raum getragen.
Unsere Plätze sind recht exklusiv, direkt neben der Bühne also quasi fast backstage, super Sicht, wenn auch schräg als solches, aber die Akustik ist etwas daneben. Und der Performer nicht so recht in Form. Und das nun schon zum zweiten Mal in Folge. Irgendwann steht er auf und singt ein neues Lied, wandert über die Bühne. Barfuß. Jetzt seh ich also aus wie ein ganz bekloppter Fan, der alles nachmacht, was der Star so anbietet. Intermission. Ich muss immer noch dringend, vielleicht sogar etwas dringender nun. Riesenschlange vor den Toiletten. Ich also flugs auf den Platz mit den komischen Häuserwänden, ins Nachbaretablissement, das mir etwas suspekt erscheint. Finde Klos, stelle fest, dass es sich lediglich um eine Toiletteninszenierung für die Freunde des Watersports handelt und ich hier als real Pinkeln-müssender nicht in die Handlung passe. Und bald beginnt der zweite Teil des Konzerts. Zurück ins Konzerthaus. Der Marlboror-Mann sieht mich. Um ein Gespräch zu vemeiden, rede ich mich heraus „Ich muss kurz mit dem Tour-Management sprechen, bin gleich wieder da.“ Da fällt mir ein, dass ich das eigentlich wirklich tun müsste, und so mache ich mich auf die Suche. Im Foyer, wo nachher die After-Show-Party stattfinden wird, sitzt eine angestrengt-Mittzwanzig-sein-wollende Frau mit unordentlich hochgestecktem Haar (cheveux bohémienne) auf dem Garderobentresen. Ich stelle mich vor, erkläre mein Anliegen und verstecke meinen nackten Fuß hinterm angezogenen Bein.
„Ich warte nun also seit 3 Monaten auf ein Feedback von Universatil, hake regelmäßig nach und nichts passiert.“
„Ja ja – die deutsche Plattenfirma.“
„Und ist er interessiert an der Produktion oder kann ich das Ding ad acta legen?“
Ausflüchte. Dann kommt der Künstler zu uns, ich bemühe mich angestrengt, ihn zu ignorieren, man will ja nicht übereifrig erscheinen, selbst wenn man es ist, und er schnappt sich die Flasche Prosecco, die ich aus unerfindlichen Gründen bei mir habe.
„Let´s all have champagne!“ sagt er, verschwindet und kommt nicht wieder. Na toll, denke ich, das habe ich mir wirklich anders vorgestellt. Verfrüht wird das Catering aufgebaut und ich merke wie hungrig ich bin. Aber aufs Klo muss ich erst Mal! Dann wache ich auf, mit einem Morgenständer. Denke an Pheerce, (oder war es Rakete), der erklärte, dass es sich beim Morgenständer um eine Erektion handelt, die dafür sorgen soll, dass der Urindruck zurückgehalten wird. Merke, dass ich mal aufs Klo muss.

I blame 2nd-Life-Entzug, 31 Seiten Teenager-SMS-Horoskope übersetzen, mit der Nichte „Hallelujah“ singen, Paris – irgendwie immer noch nicht weggesteckt, und das Gläschen Wein kurz vorm zu Bett gehen.

DAS KRI KRA KROKUMOBIL

Und gerade als mir, realitätsbedingt, bei der Rückkehr nach Berlin die Frühlingslaune wieder abhanden kommt, fährt Daniel Brühl in einem xxxx-farbenen Oldie-Cabrio an mir vorbei und ich denke, na ja – im Harz hätten wir stattdessen, bzw. in der Farbe, nur ein Krokus vorzuweisen. In dieser Gegend gibt es sogar manchmal auch Stadlober und die Helden. Man muss ja dankbar sein wo man kann. Und ich zähle zu den wenigen Leuten, die so gar nicht mit Sozialneid ausgeliefert wurden und ihn auch später nicht erworben haben. Kann ja aber noch kommen. Man weiß es nicht. Aber bestimmt nicht angesichts Daniel Brühl, denn so toll find ich den gar nicht. Der Schilling ist auch einfach besser. Aber der fährt sicher ein silbernes Auto. Wenn überhaupt. Und der Kolja ist hübscher. Aber ob der Führerschein hat? Weiß man auch nicht und ist genau so egal.

DUFTKONSERVATIV

Im Teenage: Jil Sander. Irgendwie erdig, kantig und mit einer synthetischen Note. Dann Opium von Yves Saint Laurent. Ja, pour -femme. Den Trick hatte ich von einer Großen Liebe. Warm, stickig, wildly intense. Als Nuttendiesel verschrien immer noch einer meiner liebsten Düfte, auch wenn ich ihn selbst (bis auf weiteres) nicht mehr trage. Das wechselte sich dann ab mit Egoiste Platinum, bis es davon ganz verdrängt wurde. Dem Platin-Egoisten blieb ich auch einige Jahre lang treu, dann kam eine kurze Phase, in der ich viel ausprobierte und für unpassend befand. Und seit ein paar Jahren rieche ich nach Zigraettenrauch und Givenchy pour Homme und das wird auch noch eine Weile so bleiben.

THANK YOU FOR SMOKING

Kann Euch gar nicht sagen, wie sehr mich diese Raucherdiskussion nervt (weshalb ich sie jetzt auch auf diesen Blog zerre, ja dieseN, den mit dem Schwanz). Brave, nüchterne Zeitgenossen, gute Christen und Heiden, die jahrzehntelang den fiesen Qualm stillschweigend erduldeten, ihr Leben davon vergiften und ihre Savanne davon verräuchern ließen, fühlen sich mit einem Mal beflissen, aufzuschreien, mit dem bebenden Finger auf mich und die anderen meiner Art zu zeigen und selber mal richtig Dampf abzulassen. Plötzlich werde ich als Raucher zum Nötiger – auf eine Stufe gestellt mit den Frauen des Effenberg oder dem zukünftigen Entführer Whitney Hustons. Ich habe überhaupt kein Problem damit, auf der Straße zu rauchen, aber auch da werdet Ihr noch mit Euren zitternden Zeigefingern nach mir deuten und Eurem unterfickten Freiraum-Gefühl freien Lauf lassen. Ja – hasst mich ruhig. Auch damit kann ich leben, frag mich nur manchmal wo der ganze Hass eigentlich erkommt. Beschwer ich mich etwa, wenn Ihr ab 12° Außentemperatur Eure Grille anwerft und tote Schweine und geschmacksneutrale Soja-Würstlein verbrennt, bis im November die Grillsaison vorbei ist?

SELBST SCHULD

Wenn sie ein bisschen pfiffig gewesen wären, dann hätten die Assistentinnen der Naomi einfach das Telefonieren abgenommen. Kein Handy, keine Beule. So einfach ist das.

HALTUNG

Also entweder hab ich mich beim Ficken verrenkt und es vor Freude nicht gemerkt, oder es sind die Spätfolgen vom Federball mit Lucky oder es sind die aus der Werbung bekannten Gliederschmerzen und es kündigt sich die laut Radiomeldungen vorgestern in Berlin eingetroffene Grippe an. Fact is, I woke up because my back hurts. Ich hasse die Gebrechen, die mit der mangelhaften Bewegungsfähigkeit des Körpers mit Beginn der Postpubertät einhergehen.